Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 211 (2.10.1931)
- Date
- 1931-10-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2« DIE NEUE WELT Settel Eine Schrift Dr. §♦ E* Soskins „Die Kolonisation Palästinas" Die von Dr. Soskin auf dem 17. Zionistenkongreß in Basel nichtgehaltene Rede, nicht gehalten aus kongreßtechnischen Gründen, liegt nunmehr unter dem Titel „Die Kolonisation Palästinas" als Broschüre (Verlag Union der Zionisten-Revisionisten Oesterreichs, Wkn, IL, Obere Donatistrafle 101) vor. Die jüdische und nichtjiidische Welt kennt seif Jahren Dr. Soskins Konzeption einer jüdischen Kolonisation Palästinas, die sich im Gegensatz zu jener kolonisatorischen Methode befindet, auf die bekanntlich zahlreiche Fehlschläge in der jüdischen Bewirtschaftung Palästinas zurückzuführen sind. Für Soskin ist das jüdische Kolonisationsproblem nicht vom politischen Paläetrfnaproblem zu. trennen, woraus sich zwangsläufig die zweckbetonte und zielgerichtete Tendenz des raschen Tempos ergibt. Unter diesem Aspekt ist Soskins Forderung des I n t e n s i v i smufi zu verstehen, wie seine umfassende Kritik an jenen Bestrebungen, die unter Außerachtlassung politischer Voraussetzungen, d. h. des K o .l o n i s a t i o n s .v e g imes seitens der Mandatar macht, ein Kolonisafionssystem stabilisieren wollen. Soskins Schrift umreißt in großen, eindringlichen Zügen sein Programm, sein System. Einem Fachmann seines Ranges fällt es nicht schwer, auch in der Form der Darstellung überzeugend zu wirken. Die Broschüre enthält gleichzeitig auch das revisionistische Programm der landwirtschaftlichen Kolonisation, das die Revisionisten durchzuführen beabsichtigen, falls, wie Soskin sagt, die Leitung der zionistischen Geschicke in ihre Hände übergeht. Schon in diesem Zusammenhang allein bietet Soskins Schrift für jeden Zionisten politische und wirtschaftliche Ausblicke, Vorbereitung der Makkabiade in Tel*Aviv 1&0OO Sportler haben sich zur Teilnahme gemeldet — Ein Riesenstadion wird gebaut — Englands Amerika* KanadasReise Dr. Rosenfelds Berlin, 29. September. Das Präsidium des Weit* Verbandes Makkabi hat in der Angelegenheit der Makkabiah, die im April 1932 in TebAwiw stattfinden wird, und der mit der Vorbereitung der Makkabiah verbundenen Reise Dr. Alexander R o s e n fe 1 d s. Mit* gliedes des Präsidiums des Weltmakkabi, nach England, Amerika und Kanada, die Vertreter der jüdischen Presse zu einer Besprechung eingeladen. Dr. Alexander Rosenfeld, der von dem lieber« fall nationalsozialistischer S. A. L e u t e auf ihn am Abend des ersten Rosch*HaschanahsTages noch sehr mitgenommen ist, verließ das Krankenlager, um an der Besprechung teilzunehmen. Laut ärztlichem Attest nimmt „der Heilungsprozeß der Hieb- und Stichs wunden am Kopf und an verschiedneen Teiles des Körpers einen normalen Verlauf, dagegen gibt die schwere Ver* letzung des linken Auges zu Besorgnissen Anlaß. Doktor Rosenfeld hofft aber, daß die Verletzung sich nicht als so bedenklich herausstellen, und daß es ihm möglich sein wird, sein Reiseprogramm durchzuführen. Der Präsident des Weltmakkabi, Dr. Lele'wer, begrüßte die erschienenen Pressevertreter und machte Mitteilungen über die Vorbereitung der Makkabiah, für die bereits 2000 An m e 1 d un g en von jüdischen Sportler» vorliegen. Sonderdampfer werden von Verschiedenen Häfen die Sportler nach TehAwiw bringen. Wäährend die nationalen jüdischen Sportver* eine auf dem europäischen Kontinent im Makkabi organisiert sind, liegt eine solche Organisation in Eng* land, Amerika und Kanada, obwohl in diesen Ländern der jüdische Sport an sich sehr auf der Höhe ist, noch in den Anfängen. Der Zweck der Reise Dr. Rosenfelds ist der, die jüdischen Sportler in diesen Ländern für den An* schluß an den Welt-Makkabi und zur Teilnahme an der Makkabiade in Tel*A\viw zu gewinnen, ebenso den Absatz der Bausteine für das Stadion in Tel*Awiw zu organisieren. Der High Commissioner für Palästina hat einen riesigen Sportplatz bei TeI*Awiw dem Makkabi für 99 Jahre zur Verfügunggestellt. Dr. Lelewer wies auf die Bedeutung der jüdischen Sportorganisation für die Belebung der jüdischen Jugendbewegung im allgemeinen und die Ueberbrückung der inneren Gegensätze im besonderen hin und schloß mit der Feststellung, daß auoh der Makkabiah in TebAwiw eine Friedenstendenz innewohnt. Da arabische Sportler und arabische Bevölkerung s* kreise zur Teilnahme an der Makkabiade eingeladen sind, wird die Makkabiah zur Stärkung des inneren Friedens in Palästina beitragen. Für alle Fälle sind die Befürchtungen, als würde die Ansammlung jüdischer Sportler anläßlich der Makkabiah in Palästina die radikalen arabischen Kreise zu Gegenkund* gebungen veranlassen, ungerechtfertigt; die Palästina* Regierung, die die Abhaltung der Makkabiah erlaubt und sie fördert, wird ihrerseits gewiß alles tun, um eine Unruhe nicht aufkommen zu lassen. An der Makkabiah werden auch die palästinensischen Militär* Sportler teilnehmen. Es sei auch mit der Teilnahme von etwa zehn englischen Untcrhausmitglie* dern zu rechnen, die sich auf Anregung Sir Herbert Samuels, des jetzigen Innenministers Großbritanniens, wich Palästina begeben werden. Dr. Rosenfeld setzte den jüdischen Sportgedanken auseinander und führte aus, TekAwiw sei der n a t ü r# liehe Mittelpunkt des interterritorialen jüdischen Sports. Es gelte jetzt, die englischen, amerikanischen und kanadischen jüdischen Sportsleute, die sportlich schon Großes geleistet haben, aber nicht auf dem jüdischen Sportfelde, für den jüdischen Sportgedanken zu gewinnen. Dr. Rosenfeld schilderte die Pläne für den Bau des Stadions und sagte, der neue jüdische Jischuw in Palästina, der zu einem sportlichen Typ strebt, müsse einen sportlichen Mittelpunkt in einem Stadion haben. Wanderfürsorge der Isr. Kultusgemeinde Wien Einem Bericht der Fürsorgezentrale der Isr. Kultusgemeinde Wien ist zu entnehmen, daß die Zentrale in der Zeit vom 10. Juni 1930 bis 31. August 1931 1255 Wand eir fälle behandelt hat. Davon wurden 164 Fälle aus verschiedenen Gründen abgewiesen, 13 sind noch unerledigt. Die erledigten 1058 Fälle betreffen insgesamt J2I7 Personen: 963 Männer, 174 Frauen und 80 Kinder unter 14.Jahren. Die Wanderer waren nach etwa 35 Ländern zuständig. Ausgegeben wurden für Auswanderer 3916, für Durchwanderer 6380, für Heimreisende 11.480 Schilling. An Provinzgemeinden wurden als Ersatzkosten 6283, an Fürsorgestellen in Deutschland und Prag 2527 Schilling gezahlt. Die Gesamlausgaiben betreffen 30588 Schilling. Oesterreichische Provinzgemeinden heförderten die folgende Zahl, von Wanderern: Innsbruck 170, Graz 25, Linz 101, Salzburg '34, Amsterten 1, Krems 1, St. Pölten 5 Personen. Vom Ausland nach Oesterreich wurden befördert: aus Frank- Rund um Warum Bentwich pensioniert würde. London. (J. T. A.) In der Sitzung des Unterhauses richtete Colonel Wedgwood an den Minister für die Kolonien Thomas die Frage, welche Gründe für den früheren Kolouienministej Lord. Passfield maßgebend waren, als er einen so fähigen und hochverdienten Beamten, wieden Chef des Justizdepartements der Palästina-Regierung und Oberstaatsanwalt Palästinas, Norman B e n t w i ch, vorzeitig in Pension geschickt hat. Der Kolonienminister der Nationalen Regierung, Herr Thomas, gab in der Beantwortung dieser Frage zu, daß „besondere rassische und politische Verhältnisse in Palästina" es äußerst schwer machten, Norman Bentwich auf seinem bisherigen Pqstejn zu »behalten. '■'-• Minister Thomas fügte sofort hinzivdaß Bentwichs persönliche Fähigkeiten undilsein Charakter bei seiner Pensionierung in keiner Weise eine Rolle gespielt halben. Thomas erklärte weiter, die Regierung habe Norman Bentwich zweimal höhere Posten im ricliter- Die Publikum8lieH'Tnge Albert Prejean und An nabeil a in Razzia auf liebe (Un soir de rafle) Q Uraufführung im: Burg-Kino, I Schweden-Kino, II Telephon B-20-8-89 Telephon A-49 0-60, A 47.O-60 ATLANTIS-FI LM _ liehen Kolonialdienst angeboten, Bentwich habe aber diese Posten abgelehnt und erklärt, er nehme einen Posten außerhalb Palästina nicht an. Nach dieser Haltung Bentwichs habe die Regierung keine andere Wahl gehabt, als Bentwich durch Pensionierung.-aus dem Palästina-Dienst zurückzuziehen. Bei diesen Worten des Ministers sprung Colonel Wedgwood erregt auf und richtete an Herrn Thomas die Frage, ob Bentwich darum ersucht worden sei, zurückzutreten, weil er Jude ist. Der „Speaker" des Unterhauses ließ diese Frage nicht zu, sie wurde auch durch Thomas nicht beantwortet Einer unmittelbar darauf von dem bekannten Autizionisten Howard B u r y, betreffend den Rücktritt Bentwichs, an den Kolonieminister gerichteten Frage war zu entnehmen, daß Bentwich gezwungen wurde, acht Jahre vor Erreichung des Pensionsalters von seinem Amte zurückzutreten und daß, um Bentwichs Pensionierung eine rechtlich Grundlage zu geben, eine besondere gesetzliche Regelung hierfür getroffen worden sei. Landentwicklungsanlaihe und Waffenlager London. (J. T. A.) Auf eine Frage des Führers der Unabhängigen Arbeiterpartei Englands, Fehner B r o c k w a y, ob die Regieruiig noch immer an dem Plan einer Palästina-Anleihe und an dem Palästina- Landentwicklungsplan festhalte, erwiderte der Minister für die Kolonien Thomas, es werde dem Parlament Gelegenheit gegeben werden, die Frage einer Palästina- Landentwicklungsanleihe rechtzeitig im lachte der allgemeinen finanziellen Situation zu erwägen. Falls der Plan vom Parlament gebilligt' werden wird, werde dessen Durchführung dem Direktor des Landentwicklungsamtes French überlassen wer« den. Minister Thomas lehnte es ah, im gegenwärri- S18V- S 24.- S 30.- Ull., Kalserstraße 123 IX., Wsersfrafle 6 furt 104, München und Fürth 82, Stuttgart 4, Mannheim 1, Prag 12 Personen. i Die j ü d i s c h e n K u 11 u s g e m c i n d e n Oesterreichs haben sich auf einer Sondertagung mit den Fragen der jüdischen Wanderfürsorgc befaßt und nach Anhörung von Berichten über die großen Leistungen der Fürsargczehtrale der Wiener Isr. Kultusgemeinde auf diesem jüngsten iljrer Tätigkeitsgebiete einstimmig eine Resolution gefaßt, die sich für den Ausbau dieses wichtigen Zweiges der jüdischen Fürsorgetätigkeit ungeachtet der sonstigen großen budgetären Belastungen der österreichischen Kultusgcmeinden ausspricht. Im Verlauf des Oktober d. J. wird die erste große mitteleuropäische Tagung der jüdischen Wand e r f ü rso r gcst cll c n in einem Orte der Tschechoslowakei stattfinden. Palästina gen Moment in Details einzugehen, und erklärte, über Einzelheiten werde erst gesprochen werden, wenn finanzielle Mittel für die Durchführung des Planes artgefordert werden würden. In einer weiteren Anfrage' bei. sich Fenncr Brockway mit den in den jüdischen Kolonien errichteten versiegelten Wa f f e nlagcr n. In seiner Erwiderung erklärte Minister Thomas, die Wiedererrichtung der versiegelten Waffen-lager in den jüdischen Kolonien sei schon •im*-April 1950 beschlo.ssen worden. Im vergangenen Monat seien arabische Proteste gegen die Errichtung der Wwfifenlager laut geworden. Die Paliistina-Regierung befasse' sich gegenwärtig mit der Situation, die als ruliig angesehen wird. Die Nablus-Agitatoren Jerusalem,*.(J^J, A,),D.er englische Polizeirichter Cressal sprach heute gegen die drei arabischen Agitatoren, die in der arabischen Versammlung in Nablus am 31. Juli die Bevölkerung unter Hinweis auf angebliche jüdische Waffenlager in einer Weise aufhetzten, daß es dann zu schweren Zusammenstößen mit der Polizei gekommen war, das Urteil aus. Jamal Kassim wurde zu,200 und Dr. Sidki Malhus zu 100 Pfund Sterling Geldbuße verurteilt, wobei sie der Richter als „politische Schwindler" erklärte. Den Scheich Ab dein sprach er mit der Begründung frei, daß er ein Ignorant sei' und selbst nicht wußte, was er sprach. Richter Cressal sagte, es wäre eine Vergeudung öffentlicher Mittel, „irregeführte Nullen" ins Gefängnis ,zu schicken. „Diese Uebertreibungen", sagte Richter Cressal in der Begründung des Urteils weiter, „mögen einer politisch voreingenommenen Zuhörerschaft patriotisch klingen, aJber in der ruhigen Atmosphäre des Gerichtes seien sie nichts anderes als amüsante Beispiele geradezu kindischer Arroganz." Fortschritte der jüdischen Siedlung in Palästina Durch die Erwerbung weiteren Landes im Emek Jesreel seitens des Jüdischen Nationalfonds auf dem Hügel von K;u m i werden die umliegenden jüdischen Siedlungen v ei g r ö ß e r t. Zu diesen gehören die genossenschaftlichen Siedlungen von Ejn Charod, Gewa und Tel- J ose.f und die Siedlung für Einzelwirtschaften Kfar Jecheskiel. Die neu hinzukommenden Ländereien sind von großer wirtschaftlicher Bedoutung für diese Siedlungen. Von zuverlässiger Stelle wird bekanntgegeben, daß annähernd 10.000 Dunam heue Orangenpflanzungen während der letzten Pfknzungssaison von Juden angelegt wurden. Für die Vollendung des> neuen Jemenitenviertels „Tirath Schalom" auf J. N. F.-JLand bei Ness Zionah, das nach Schalom Shazabi, einem jemenitischen religiösen1 Dichter, benannt ist und. von den Jemeniten aus den Alten Vierteln von Rischon Lezion bewohnt werden soll, sind-Vorkehrungen getroffen worden, Das neue Dorf wird 33 Häuser haben und jeder Siedler erhält zirka 20 Dunam Land. Das palästinensische Pfund Jerusalem, 27. September. (J, T. A.) Die palästdneusische Währung macht gegenwärtig eine Bewegung in dem gleichen Verhältnis wie das englische Pfund Sterling durch. Das macht sich gegenüber dem Auslande insofern bemerkbar, als im Verkehr mit Aegypten und Syrien, den Ländern, mit denen Palästina in einem intensiven Handelsverkehr steht, das palästineiisische Pfund zu dem gleichen Kurs wie der englische Sterling umgerechnet wird; im Inknde ist die Wirkung die, daß eine starke Nachfrage nach Gold- Sov«reigns, 'besonders unter den Fellachen, die Gold-