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Die neue Welt · 1931-10-02 · Heft 211 (2.10.1931) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 211 (2.10.1931)
Date
1931-10-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile I DIE NEUE WELT Nr. m Seh»llplaH«n, auch Tauseh ZMHiingierlelchterung „ELPHORA" I., Oomlnlkantrbattei 22 lEolt» Kai) Tal. R-24-4-16 I sie .ist deutsdi und will rs bleiben. Nur der Richter will es nicht vrahr Imihen. Die Herren von der Union sind beleidigt und «ic weinen den A.n Wso mit tarn us ab. Helfen wird ihnen das wenig. Es wird .ihnen und ihren Anhängern Jiidits nützen, Schulter an Schulter auf Gedeih und Verderb mit den Heimischen inarsdiieren zu wollen, du.rdt luutes Gefinch-tel ihnen rinroden zu wollen, daß säe stramme Deutsdic sind und keine eigene Rasse, keine Juden. Es wird ihnen nichts nützen, gekränkt zu sein, wenn einer das Wort „Jude" sagt and der Richter es bestätigt. Die Lage in Rumänien Schwierige finanzielle Situation der jüdischen Gemeinden Bukarest, 27. September. (J. T. A.) Der größte Teil der jüdischen Gemeinden Rumänien« ist infolge der innner schärfere Formen annehmenden Wirtschaftskrise iin Rumänien und der damit in Zusammenhang stehenden fortschreitenden Verarmung der jüdischen Bevölkerung in ernste finanzielle Bedrängnis geraten. Es ist bezeichnend für die augenblickliche Lage, daß anläßlich Jörn Kipp ur in Bukarest nur halb so viel Synagogenplüt/.e verkauft werden konnten als in früheren Jahren und daß auch die Summe der Tempelspenden in diesem Jahre um etwa 50 Prozent gegen früher gesunken ist. In dieser Situation werden die formalen Erschwerungen, durch die das rumänische Finanzministerium die Auszahlung der den jüdischen Gemeinden zur Förderung des jüdischen Kultus gesetzlich zustehenden Suvention hinauszuzögern oder gänzlich zu verhindern sucht, von den jüdischen Gemeinden und Gemeindeverbänden besonders bittet' empfunden. Im Jahre 1928 war es gelungen, die Einstellung eines Betrages von zehn Millionen Lei in dos Staatsbudget für die Zwecke der Förderung des jüdischen Kultus durchzusetzen. Auf Grund einer Vereinbarung zwischen den Vertretern der jüdischen Gemeindeverbände der vier Hauptprovinzen sollten von dieser Summe die jüdischen Gemeindeverbähde, bezw. Gemeinden in Altrumänien 2,720.000, in Transsylvanien 2,960.000, in der Bukowina t,320.000 und in Bessarabien 2,000.000 Lei erhalten. Nunmehr bestellt die Gefahr, daß die jüdischen Gemeinden die staatliche Subvention gänzlich verlieren. Die cuzistische Jugend — juristische Person Bukarest, 27. September. (J. T. A.) Soeben wurde die vor kurzem von der Zivilsektion des Bukarester Tribunals gefällte Entscheidung veröffentlicht, derzufolge dem Verband der c u zis tischen Jugend der Charakter einer juristischen Person zuerkannt wird. In Rumänien stehen den als juristische Person anerkannten Körperschaften besondere Befugnisse zu. In den eingereichten Statuten wird als Zweck der Vereinigung bezeichnet, „an alle großherzigen, vaterlandsliebenden Bevölkerungsteile den Appell zu richten, die von dem jüdischen Element drohenden Gefahren wirksam und mit Elan zu bekämpfen". Im besonderen sollen { die Mittelschüler zu einer „Gemeinschaft im Kreuze" zusammengefaßt werden, deren Mitglieder verpflichtet werden, die Doktrin der antisemitischen Liga während der Schulzeit zu propagieren. Im Laufe der Verhandlung vor dem Tribunal über den Antrag des Verbandes der enzistischeu Jugend setzten sich der Staatsanwalt und die Vertreter des Innenministeriums und des Arbeitsministeriums für die Zuerkennung des Charakters einer juristischen Person an den Verband ein, während der Vertreter des Außenministerhims unter Hinweis auf die Beurteilung der euzisti<5chen Bewegung im Auslande dem Antrag opponierte. Das u. a. von Universitätsdozent Trifu, dem be- Die Gemeindewahlen in der Tschechoslowakei Das Prager Wahlergebnis Das Wahlergebnis der Gemeindewahlen in Böhri&o» Mähren und Schlesien liegt noch nicht in allen Einzefc heiten vor. Unter den 21 Parteien, die Mandate in die Prager Stadtverwaltung erhielten, hat die Jüdische Partei nicht nur ihren Besitzstand gewahrt, sondern ihre Stimmenzahl gegenüber den Wahlen 1927 um 502 erhöht. Im ganzen wurden für die Jüdische Partei diesmal 8707 Stimmen abgegeben. Damit hat die Jüdische Partei üwei Vertreter in die Stadtverwaltung erhalten. Die Mandate werden von den Herren Norbert Adler und Dr. Fried» mann ausgeübt. Die Prager Wahl stand im Zeichen eines scharfen Kampfes zwischen den Jüdischnationalen und den demos kratischen Assimilanten, welche durch Koppelung mit der Deutschen Gemeinschaft einem deutschen National« Sozialisten zum Mandat verhalfen. In Böhmen wurden in Leitmeritz 277 Stirn* men (1 Mandat), in Luditz 39 Stimmen, in Plan 35 Stimmen ifür die jüdische Liste abgegeben. In Mahren gab es in tundenburg 375, in Mähr.«Schönberg 156, in Nik Olsburg 359, in Wisch au 153 jüdische Stimmen, in Schlesien gab Freistadt 154 jüdische Stimmen ab. Aus der Slowakei Hegt bisher nur das Wahl* ergebnis aus Bratislava vor. Die Jüdische Partei er« hielt zwei Mandate, die jüdischen Sozialdemokraten (Poale Zion) ein Mandat. Für die 13 Prager Ortsvertretungen finden die Wahlen Sonntag, den 4. Oktober, statt, die voraus* sichtlich das den Gemeinderatswahlen entsprechende Ergebnis bringen werden. kannten antisemitischen Agitator Jon Popescu-Muscel und dem erst unlängst von der Regierung als Wirtschaftsexperte nach Transsylvanien zum Studium der ökonomischen Lage der dortigen Bevölkerung entsandten Nikifor Robu unterzeichnete Urteil des. Tribunals wurde in den jüdischen Kreisen Bukarest, mit um so größerem Befremden aufgenommen, als bedeutenden jüdischen Organisationen Rumäniens, wie z. B. dem rumänischen Keren IIa je ss od, die Anerkennung als juristische Person verweigert wurde, während sie nunmehr einer cuzistischen Organisation auf Grund eines ausgesprochen aufhetzerischen Status anstandslos erteilt worden ist. Protest gegen die geplante Knlenderreforni Bukarest, 27. September, (J. T. A.) Die vom jüdischen Gemeindebund AHrumäniens unter Leitung von Oberrabbiner Dr. I. Niemirower und Generalsekretärs M. Schweig durchgefühte Aktion zur Sammlung von Protesten der;jüdischen Gemeinden gegen, jede Art einer K a 1 e n d ex r e f o r m,-.. durch, die die Kontinuität der Woche und die Stabilität des Sabbats gefährdet werden könnten, wurde soeben abgeschlossen." Proteste von 204 Gemeinden des Gesamtgebietes von Rumänien wurden an Chiefrabbi Dr. Hertz in London, den Vorsitzenden des Jüdischen Komitees betreffs der Kalenderreform, weitergeleitet. Internationale Studenten? konferenz in Amerika Ausspräche über die Judenfrage. New York. Auf der Jahireskonferen« des Internationalen Studenten-Dienstes, die an der Mo'unt Holyoke University in Massachusetts abgehalten wurde und der einige hundert Delegierte aus 39 Ländern beiwohnten, war eine Sitzung der Aussprache über d i e R a ss e n p r o b 1 e m e gej Institut PKlobenwein sagen Verdauungs- und Mwediselstörunp Wien l| Graben 19 / Tel. U-26-4-30 Verlangan Sie Prospekt widmet. Der Präsident des deutschen Studentenverbandes Hano Schulz erklärte im Verlauf der Debatte, daß obwohl 65 Prozent aller deutschen Studenten Nationalsozialisten seien, den Nationalsozialismus keine Schuld an den antisemitischen Uniruhen, die sich jüngst an deutschen Universitäten ereignet haben, trifft; diese Unruhen seien ein Resultat der inneren Universitätspolitik. Warum, fragte Schulz, nennt man Deutschland die Heim&t des Antisemitismus? Werden nicht jüdische Studenten auch an den Universitäten Polens, Rumäniens und Ungarns attackiert? Bei uns in Deutschland, fuhr Schulz fort, ist der Antisemitismus nur intellektueller Natur, es herrscht kein Numerus clausus, obwohl der Anteil der Juden an Presse, Theater, Literatur und Erziehungsinstitntionen den Anteil der Juden an der Bevölkerung übersteigt. Der Antisemitismus in Deutschland werde schwinden, sobald die Juden aufhören;,'sich auf kulturellem Gebiete vorzu drängen. James Parkes, einer der Führer des Internationälen Studenten-Dienstes und Verfasser des Werkes „Der Jude und sein Nachbar" der nach Schulz da« Wort ergriff, gab seiner Verwunderung Ausdruck, daß die Deutschen ihre so starke Kultur von jüdischem Einfluß bedroht sehen. Alle diese wissenschaftlichen antisemitischen Theorien, sagte Parkes, seien ausgeklügelt worden, um dem militanten Antisemitismus eine Grundlage zu geben. Hinter all dem eteefct Brotneid. Parkes gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß Delegierte verschiedener Nationalitäten ruhiger und leidenschaftsloser als bisher über die jüdiU sehe Frage diskutieren können; dies stärke die Hoffnung auf eine gegenseitige Verständigung der Rassen. An der Aussprache beteiligten sich auch der frühere Präsident der Menorah-Organisatlon Harry S t o r und das Mitglied des Präsidiums des Weltverban-t des jüdischer Studenten A. Teich. Ein amerikanische? jüdischer Student fragte Schulz, ob er glaube, daß Pro* fessor Einstein mit seinen Entdeckungen hätte warten! sollen, bis festgestellt wird, ob die jüdische Quote für wissenschaftliche Entdeckungen ausgefüllt sei oder nicht. John W h i 11 a w schloß die Debatte mit der Er-» kläruug, es könne nicht geleugnet werden, daß eö auch in Amerika ein jüdisches Problem gibt. Jedermann weiß, wen und was Ku-Klux-Klan vertritt. Aber wenn schon ein Amerikaner seinem Hafl gegen einen Polen, Italiener oder Juden Ausdruck gibt, wird es ihm nicht einfallen, sein Gefühl in ein intellektuelles Mäntelchen zu hüllen. Er wird aufrichtig sagen! „Ich liebe ihn nicht, weil er nicht meinesgleichen fet.^ Whitlaw schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß in dem langsamen Prozeß der Hebung des Kulturniveauis der Völker Rassenhaß und Intoleranz schwanden werden. Churbmer jüdische Gemeinde und chinesisch-japanischer Konflikt , London, 24. September. (J. T. A.) Aus Charbin eingetroffene Berichte besagen, daß im Zusammenhang mit.dem chinesis ch-jap anischen Konflikt und dem Anmarsch japanischer Truppen gegen diese Stadt, die den Endpunkt einer von Wladiwostok abzweigenden Linie der transsibirischen Eisenbahn bildet, die große jüdische Gemeinde von C h a r b i n von schwerer Besorgnis ergriffen ist. Einerseits fürchtet man, daß die antijüdisch gestimmten weißrussischen Elemente in Charbin, unter ihnen ehemalige zaristische Offiziere, die in der chinesischen Armee eine gewisse Rolle spielen, jetzt eine Verfolgungsaktion gegen die' Juden beginnen könnten, anderseits sei zu erwarten, daß Rußland, dessen Interessen in diesem Konflikt berührt werden, mit in den Konflikt hineingezogen werden würde; auf diese Weise werde Charbin im Zentrum des Dreimächtekrieges liegen. Charbin besitzt heute eine große jüdische Gemeinde, die durch Zuzug von auswärts an Bedeutung zunimmt. Die zahlreichen reaktionär und zariklatscher? Schönen guten Morgen, Herr Deputierter. Wir haben eine Idee für eine Karikatur. Nicht Konjunktur... Karikatur. Wie eine Schwiegermutter einen l erwelschlinger in den Spalten der Sdiwiegermutter, der Teufel, will sagen von der Bahn... und versäumt die Zeitung... was glauben Sie, wird die Fraktion nichts dagegen haben? Ist es nicht statttsfeindjich? Weiß ich, „Schwiegermutter", man wird es noch für »Regierung" nehmen, was glauben Sie, ungefährlich? Kann man da nicht darin eine Andeutung finden, daß ich einen Teil der Bevölkerung gegen den andere» aufreize? Nein? Und die Zeitung wird nicht konfisziert werden? Also bitte, auf Ihre Verantwortung. Na gut, adieu." Er bricht ab und läutet wieder an. „Hallo! Wir habe« ©ine glänzende Idee wegen einer Karikatur. Wae? He! Was! Wer spricht? Zentrale gar? Eulschuldigen Sie, bitte geben Sie mjr den Frauenverein. Welche Nummer? Sofort,, Augenblick. 78-34! Hallo! Wir haben eine glänzende Idee für unser Blatt; eine Karikatur begleitet einen Schwiegersohn zur Bahn und versäumt die Schwiegermutter. Möchte ich fragen, ob Ihr Krauen verein nichts dagegen hat. Weiß ich, eine Schwiegermutter gehört ja auch zum weiblichen Geschlecht, Sie haben ja wahrscheinlich auch Schwiegermütter iu Ihrem Verein. Wie! Gestorben? Wer ist gestorben? Meine Schwiegermutter? Bewahre, sie ist noch nicht gestorben . . . Ich brauch keine Chewra Kadischa Wer spricht!' Cbessed schel Eme^s? Nicht Frauen verein? Na gut, meinetwegen . Caessed schel Emes. Ich kann mich auch mit Ihnen beraten. Wir haben eine glnäzende Idee für eine Karikatur. Ein Schwiegersohn begleitet einen Zug auf den Spalten des „Ferwelschünger". Hallo! Abgebrochen. Hallo! Hören Sie? Ja, ich will Sie fragen,.. Wer spricht? Wer? Firma Getzelsohn & Comp.? Trikotageausarbeitung? Gut, ich kann mich auch mit Ihnen beraten. Wir haben eine glänzende Idee für unseren „Ferwelschlinger". Eine Schwiegermutter begleitet ihre Karikatur zum Zug. Wird Sie das nicht beleidigen? Was? Wer schimpft dort? Verrückt? Sie selbst sind verrijckt! Also kann man malen? Frechheit, ich soll mir malen auf beide Seiten ..." Der Redakteur wischte sieh deu Schweiß von der Stirn und wandte sein erhitztes Gesicht dem Karikaturisten zu,, der mit strahlenden Augen auf ein günstiges Resultat wartete, und sagte: „Es geht ganz gut. Vorläufig hat niemand etwas gegen die Karikatur. Ich hoffe, wir werden es machen können. Noch zwei, drei Stellen anrufen und wir sind fertig." Er nahm wieder den Telephonhürer. Sprach mit der Gesellschaft „BLkur Cholim", Tos, Ort, mit dem ersten Gabbe der Gogol-Synagoge, mit dem Schuchklub, dem Bund, dem Mützenmacher verein, der Aktiengesellschaft „Schnorrik", mit dem Kaufmännischen Verein» Unat ha Zedek und mit vielen anderen Institutionen und Persönlichkeiten und auch mit irgend einem Juden, der Issaschar Fisohl heißt. Endlich machte er eine kleine Pause, wischte sich den Schweiß hinten am Kragen und wandte sich an den Karikaturisten. „Jetzt nur noch ein ganz kleines Klingelchen und die Sache ist erledigt." „18-0-27! Hallo! Zippe Dvojre? Idi bin'a, dein Mann. Redakteur Merchotipcho. Ich wollte dich fragen, wir planen da eine Karikatur fiir's Blatt. Ein Schwiegersohn führt seine Schwiegermutter in die Spalten des „FerwelschlingerfT.. Was glaubst du, wird sich die Mutter, bewahre, nicht beleidigt fühlen? Nein? Bestimmt nicht? Na, dann gut. Aber merk dir's, auf deine Verantwortung. Gut. Auf Waedersehen Kannst schon das Essen auftragen. Ich komme sofort zum Mittag." Er seufzte erleichtert auf, ol« wäre er eine schwere Last losgeworden, steckte ein Pfefferminzbonbon zwecks Erfrischung in den Mund, zupfte den Karikaturisten am Ohr und sagte: „Ach sind Sie ein Schlingel! Aber, was soll ich mit Ihnen machen? Wenn alle einverstanden sind, niemand was dagegen hat und die große Gefahr ist vorüber . . . aber trotzdem . . . wissen Sie, was? Vielleicht können Sie die Schwiegermutter gegen einen Schwiegervater eintauschen. Ein Schwiegersohn begleitet einen Schwiegervater zur Bahn. Warum auch nicht.' Oder, wissen Sie, was ich Ihnen noch sagen werde? Verschieben Sie's. Folgen Sie mir, lasseu Sie's. Wozu sollen wir mit der ganzen Welt in Kampf treten? Folgen Sie mir. Erfinden Sic eine ändere Idee für eine Karikatur. Wirklich, ich meine es ernst."

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