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Die neue Welt · 1931-09-25 · Heft 210 (25.9.1931) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 210 (25.9.1931)
Date
1931-09-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. m DIE NEUE WELT zukaufen". Unter der Wirkung dieser Mißhandlungen be* gann das Kind zu kränkeln. Als am 26. Juli die Kinder den kleinen .Felix so schwer mißhandelten, daß sein ganzer Körper mit blauen Flecken bedeckt war, wollte dessen Mutter die Täter feststellen, wurde aber dabei von den Müttern der Täter beschimpft und mißhandelt. Das Ehepaar Belenki reichte Klage ein. Der Ortsrichter Borschz nahm aber die Klage nicht einmal zur Kenntnis. „Komsomolskaja Prawda" verlangt, daß man diesen Richter zur Verantwortung zieht. Die Zeitungen berichten auch über antisemitische Vorfälle in der Roten Armee. Der Soldat Sergejew wurde wegen antisemitischer Propaganda und Verfolgung des jüdischen Soldaten Rotmower vor ein Militärgericht gestellt und schwer bestraft. * Der antireligiöse Kampf in Rußland — Ein „bekehrter** Rabbiner Moskau, 15. September. Die jiddisch»konimu« nistische Presse war an' den beiden- Rosch Haschanah* Tagen fast ausschließlich mit Material über den a n 11* religiösen Kampf gefüllt. In Leitartikeln und Korrespondenzen wurde auf die Wichtigkeit des anti« religiösen Kampfes hingewiesen, da „zwischen Religion und F a 's c h i sw u s eine enge Verbin» dun g" bestehe. Zur Unterstützung des antireligiösen Kampfes werden zahlreiche Briefe von Juden ver* öffentlicht, die sich öffentlich von der Religion lossagen, darunter der Brief des Rabbiners von Polone, P o 1 i s c h z u k, der erklärt, er sei zur Ueberzeugung ge« kommen, daß Religion mit Konterrevolution und Finster* nis identisch ist, er kehre deshalb der Religion den Rücken und lege sein Rabbineramt nieder. Die Zeitungen veröffentlichen auch Beschlüsse einzelner Heimarbeiter« Genossenschaften, am kommenden Jörn . ICippur in den "Werkstätten zu verbleiben. . , * Die Moskauer Synagogen überfüllt ■—■ Doppelte Gottesr dienstschichten Moskau, 15. September. An den RoscluHaschanah* Tagen waren die Abend* und Morgenandachten in den Moskauer Synagogen s t a rk ü b e r f ü 111, Infolge der ungenügenden Zah'l der Synagogen maßten überall d o p^ pelte Gottesdienstschichten eingerichtet werden. Die große Mehrheit der Synagogenbesucher bestand aus älteren Leuten oder Personen in mittlerem Älter, die von den Atheisten»Brigaden scharf überwachte Jugend hatte sich nur spärlich eingefunden. Gleichzeitig mit den Andachten in den Synagogen fanden in mehreren Moskauer Fabriken und Arbcitcrklubs an t'i r e 1 i g i ö se Manifestationen statt, die abpr schwach ^.besucht jWa^en^nsgesami^ .hatten sich , an allen diesen. Versammlungen, nicht ganz ,5000 Personen beteiligt. \ , Die Athcisten=Brigaden aus Moskau und aus der Provinz melden dem Atheisten«Hauptquartier, daß die arme jüdische Bevölkerung sich der antireli* giösen Propaganda schwer z u g ä n g 1 i c h z e i g t. Diel Zeitung „Emess" stellt fest, daß die antireligiöse Front durchbrochen ist. Die für die „politisch=kültürelle Erziehung der jüdischen Massen" verantwortlichen' Or* ganisatiönen, wie Gewerkschaften, Partei- und Jagend* Organisationen, ja sogar der Atheistenverband selbst, nehmen die Propagandaunter den jüdischen' Arbeitern und ärmeren Massen nicht ernst. Dies ermutige die „Klerikalen"; Die Hälfte der jüdischen Bauern in den Kolonien — in einer Anzahl Kolonien sogar die Ge* samtbevölkerung — ist sogar in der Zeit der Erntevän Sabbattagen nicht auf dem Feld erschienen. Die Kolonistenfrauen machen lange Wege und Fahrten zur Stadt, um zu den Feiertagen das Geflügel vom rituellen Schächter schachten -zulassen; In allen Kolonien werden „Minjanim" (Beterzirkel) gebildet, die Trauungen rituell vollzogen und die neugeborenen Kinder r i t'n e H be s c h n i 11 e n. In den; Kleinstädten wurden die Synagogen und Betstuben zu Ehren der Feiertage renoviert Die Kinder werden von „Melamdim" (religiösen Lehrern) unterwiesen. Der jüdische „Emess" for* dert unbarmherzige Ausrottung des „jüdischen Klerikalismus". AUS PAUKSTINA. -' 1 . , . , Die Organisation des palästinensischen.. Citrushandele. (Handel mit Orangen* Zitronen, Grapefruit usw.) Das Blatt der palästinensischen jüdischen Farmer „Bqu« t'naiu beschäftigt sich mit der Citrus- Abteilung der Jüdischen Farmer g es ellschaft, die im Frühsommer dieses Jahres eingerichtet wurde. Die Initiative der CitruKsüchter zu diesem ersten Schritt auf dem Wege einer Organisation der Industrie wurde durch das Auftreten einer neuen Citruskränkheit und ganz besonders durch die anfler* ordentlich niedrigen Orangenprease, * die. Ende Dezember und Anfang Jänner letzten Jahres erzielt wurden, wachgerufen. Diese Abteilung-beabsichtigt, sich hauptsächlich für eine wi s s ensc h a f tlich e U n te> rsttitzung der Citruszüchter uwL Einrichtung einer Propaganda für die palästinensischen Früchte einzusetzen. Die wissenschaftliche Arbeit wird von der. landwirtschaftlichen Vers u ob äste tion der Jewish Agency ausgeführt unter Mitarbeit und Beratung seitens eiuer besonderen wissenschaftlichen. Konunission der Abteilung, cHe .au« Sachverständigen der Versteh»-, Station, erfahrenen Züchtern der PICA und der landwirtschaftlichen Schule Mikwe Israel sowie erfahrener Agronomen erfolgt. Die Arbeit ist bereits eingeleitet worden durch das Studium der Phyljoxera und der neuen.Krankheit und bald soll das Problem einer vereinigten Bekämpfung der Obst fliege aufgenommen werden. Eine besondere Kommission wird alles erreichbare Material, über die Erfahrungen der Züchter im ganzen Lande sammeln und auf Grund derselben ein „H andbuch der C i t r u s p f 1 a n 7. e t" licrau&gebcn. Prof. Hodgeson, eine kalifornische Autorität für Orangenbau, ist aufgefordert worden, bei der Zusammenstellung des Materials zu helfen durch Empfehlungen, die er nach einem genauen Studium der Orangen-Industrie in Palästina machen wird. Der Örnngenbau in . Palästina, sagt der Verfasser des Aufsatzes, steht jetzt am Scheidewege. 110.000 Duuam sind jetzt mit 'Citrusbäumen bepflanzt. Im vorigen Jahr wurden 2,500.000 Kisten Orangen exportiert. In' höchstens zehn Jahren wird der Export auf zehn Millionen Küsten gestiegen sein. Alles jüdische und arabische Land, das sich für Citruspflanzungcn eignet, wird dann mit Obstgärten bedeckt sein. Die Zukunft mag Untergang oder Wohlstand bringen. Letzterer kann nur dadurch erzielt werden, daß die Experten unter einem gemeinsamen Syndikat zusammengefaßt werden, ferner durch Verbesserung und Verbillig« ng der Methoden für Züchtung, Packen, Transport und Reklame sowie durch die gleichzeitige Bekämpfung der Krankheiten. Zurzeit besteht in der ganzen Welt eine Depression und ein Preisrückgang, aber rationelle Methoden können alle Schwierigkeiten überwinden. Die Handelslage in Palästina Zufolge des Monatsberichtes der Barclays Bank für August ist die allgemeine Geschäftslage in. Palästina ruhig. Der Import im ersten Vierteljahr 1931 belief sich auf 1,448.866 Pfund Sterling gegen 1,731.716 Pfund Sterling für das erste. Vierteljahr, 1930. Der Export betrug 654.796 Pfund Sterling gegen 839.553. Pf und Sterling. Der Verkauf Von Orangen vom, Baum hatte letzthin zugenommen, doch überschreiten die Preise nicht 5 s>h per Kiste. . ... Zehntausend Diinam neue Orangeiiplantagen in Palästina Jerusalem, 15. September. Wie die Exekutive der Jewish Agency mitteilt,' wurden im vergangenen Jahre in Palästina von jüdischen Pflanzern 10.000 Dunam Böden neü mit 'Orangen bepflanzt. Propaganda fiir Biro-Bitlschan in Palästina Jerusalem, 17,; Sep.t£mfoer. In ganz Palästina wird von Agenieu S o w,j 1' ü ß 1 a n ds eine intensive Propaganda für A^wande rutn g nach Biro- Bidschan.betrieben.Pjq Agenten versuchen, jüdische Kolonisten, Handwerker,, vunter ihnen auch Sephardim, zur Auswanderung-;; nach Biro-Bidschan zu bewegen und versprechen .ihnen : für den. Fall der Annahme der Sowjetbürgerschaft Ersatz der Reiseausilagen und Darlehen zum Aufbau ihrer Wirtschaften. . - * Im Zusammenhange mit dieser Aktion läßt die Moskauer Regierung in den Blättern folgende Meldung erscheinen: > .■ Moskau, 19. September. Der Präsident des Zentralex ekiutivkomitees der Sowjetunion, Kä'liarin, und der Vorsitzende des Komzet, Sihido wifsch, erklärten in einem Gesprach mit dem Sekretär des kommunistischen R'ayonskomitees von Biro^Bidsohanf, J. Lewin, daß sie mit allen Kräften dafür arbeiten wollen, daß das Land Biro-Bidschan sozialistisch aufgebaut und daß der Beschluß deis Zentralexekutivkomitees, das Territorium von Biro-Bidschan in eine jüdische Republik umzuwandeln, verwirklicht werde. J. tewin, der ermächtigt worden ist, dieses Gespräch m der Presse" wiederzugeben, erklärt weiter, daß die Frage der Umwandlung von Biro-Bidschan in ein jüdische"«'' nationale« Territorium gegenwärtig die zuständigen parteiischen andstaatlichen Instanzen sehr beschäftigt und. daß geplant1 wird, die Prokiamierung von Biro-Bidschan als jüdische Republik am Ende des ersten Wochen-Kalender September 1Ö31 ' nw; - yrvn Tischrl 5692 8i Freitag 14~t Sabbateingang 5.35 msio 31V 26 Samstag U~*> Sabbatausgang 6.35 nDiDT 27 ■ ■ ■ Sonntag ' ' ( ' ' . 28 . Montag 17-r '1 ■ \ 1 1 , 1 29 Dienstag ■ $0 Mtttwoch 1(M* 1 Okt. Donnerstag '».-s .'; 1 i . S 18.- S 24.- S 30.- Ui!.. Kaiserstraße 123 IX., fllserstraße 6 Fünfjahrplans, d. h. in etwa zwei Jahren, vorzunehmen. In Biro-Bidsclinn wird eine judische Hauptadministratio» eingerichtet werden. Einwanderung von Rabbinern in Palästina Als Ergebnis der Verhandlungen zwischen der Exekutive der Jewish Agency und der palästinensischen Regierung 'ül>er Hie Einwanderung von Rabbinern und Ausübenden religiöser Berufe nach Palästina, ist die Exekutive nunmehr vom Chief Secretary der palästinensischen Regierung verständigt worden, daß eine Bürgschaft des Oberrabbinates von Palästina für den Unterhalt solcher Personen, deren Gesuch um Einwanderung in das Land zur Prüfung vorliegt, angenommen werden soll. Das Projekt eines Kalifats in Jerusalem Die britische Umorientierung — Palästina als arabisches Zentrum — Schaukat Ali will das Kalifat in Jerusalem Der Vordere Orient, der sogenannte „arabische" Orient, hat in den Nachkriegsjahren sein politisches Pro* fil mannigfach geändert. Unmittelbar nach den Feld* zügen der englisch«fransösischen Truppen, den Opera« tionen so geschickter englischer Agenten wie Lawren« c c und P h i 1 b y trat der arabische Orient auf die Arena der europäisch*asiatischen Politik. Das Zurück« treten der türkischen Interessensphären aus diesen Landstrichen ließ den rivalisierenden europäischen Kolo« nialmächten England und Frankreich Raum zu Kombinat tionen für ihre imperialen Tendenzen. Besonders für Eng* land zeigten sich diese Länderstriche als von vitalem Jnteresse. Es, ist. klar, daß Aegypten und Indien sich mit immer größerer Vehemenz dem unmittelbaren Macht« bereich Großbritanniens zu entziehen suchen. Das Ent« stehen und Verschwinden arabischer Königreiche und Könige im letzten Jahrzehnt, der Ausbruch von „Auf« ständen" da und dort, das alles läßt unschwer eine fremde Hand erkennen, die von Fall zu Fall die Ein« heimischen lenkt. Palästina schien für eine kurze Zeit kein Feld für solcherlei Schachzüge abzugeben. Die Formel vom ,,Jü« d i s c h e n. N a t i o n a 1 h e i m", die schon den Rahmen einer bestimmten exklusiven verfassungsrechtlichen Stel« lung im vom Völkerbund geschaffenen Mandatssystem beherbergte, schien das Land einem imperialen Ränke« spiel zu entziehen. Aber das Fehlschlagen der britischen Absichten um . M e k k a, die heilige Stadt, die Liquidie« rung des blutigen Drusenaufstands in Syrien durch Frankreich, die ebenso unverwirklichten Hoffnungen rings um Damaskus — all dies rückte Palastina für die briti« sehen Interessen in Arabien in den Vordergrund und brachte damit zugleich auch eine Umorientierung der britischen Politik in bezug auf Palästina selbst. _ Die letzten Jahre britischer Politik in Palästina zeigen deutlich die neuen Richtlinien an. Die Formel vom „Jüdischen Nationalheim" wurde unbequem, weil sie einer Konzentration der für die englischen Interessen verwendbaren potentiellen Kräfte eines Arabertums im Wege stand. So ist die britische Politik in den letzten Jahren deutlich darauf gerichtet, jenes zu be« seitigen, um dieses zu ermöglichen. Ebenso plötzlich wie künstlich wurde Palästina zum heiligen Mittelpunkt des Islam umge« dichtet und eine Propaganda für diesen Aspekt in die Wega geleitet. Zweifellos nicht vergeblich, In die ara* bische Propaganda im,Ausland wurde plötzlich Palästina eingestellt. Die Ereignisse in Palästina selbst, die Auf« Züchtung des Kreises um den Mufti zu einem politischen Machtfaktor, die Entj.udaisierung der Landes* truppen, der A erat er und Gerichte, die Klage* raauer*Affäre, die blutigen Augusttage vom Jahre 1929 und die ihnen fplgende offizielle systematische Um* fälschung der Balfour«Deklaration und des Mandats sowie die yerschiedentlichen anderen politischen Aktionen in Palästina und in London sind mehr als Spuren dieser neuen britischen Einstellung. Diese Tendenz ist in vollem Fortschreiten begriffen. Pen jüngsten Meldungen zufolge wird nichts anderes beabsichtigt, als Jerusalem zu einem Mittelpunkt arabi* scher „Heiligkeit" zu fixieren. Der erste Schritt auf diesem Wege, die Art, wie das Klagemauerproblem erledigt wurde, ist gelungen. Nun bereitet sich die zweite Etappe vor. Der Bei* setzung des indischen Islamiten Mohamed Ali soll', wie man. seit Monaten verstehest, eine iaojMtat*d«*

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