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Die neue Welt · 1931-09-25 · Heft 210 (25.9.1931) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 210 (25.9.1931)
Date
1931-09-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. tt» SIEGM. KORNMEHL Ii aRossnusCNHAUMEi |( Zentrale; IX., Berggawe 19, Tel. A-17-3-99 q. A-16-9-34 ij Lieferant ' ü r Heilanstalten |I Abteilungen für «nfr3»«el«ch Ii unter Aufsicht des Ehrwürdigen KabbuiaU der Ist. Knill tusyemeinde Wien § Ii Autesustellung kostenlos 1 i| IX., Borggasse 15 ✓ XVIII., Wahrlngerstr. 97 § s >wnMimNmnmunmiimimiiimMmfftvNlm^ ............—iirriTwfiiinnTmiMrimmninmii«^^ Erfüllung dieser Forderungen erkannt hat. Damit ist der Zionismus zu Ende.*4 ..Es ist wahr, der Kongreß hat eine Resolution angenommen, welche ein Gemisch -von konventionellen zionistischen Phrasen ist Aber das kann niemanden täuschen. Nationalen Inhalt hatte keine dieser Phrasen. Die Extreme der Nationalidee sind: in Europa .,Hitlerismns", in Palästina „Jabotiriskysmus". Eine Anzahl von Juden hatte solche Ideen angenommen. Es ist ein Zeichen von Gesnn- (I u n g, daß sie diese Idee jetzt verworfen haben." ..Die neue erweiterte Jewish Agency ist immer mehr und mehr unabhängig von der Zionistischen Weltorganisation geworden. Wir sind in eine neue Aera jüdischen Denkens eingetreten. Wir liberale Juden erschrecken nicht vor dem Namen Palästina. Wir werden dort helfen, wie wir den Juden in Rußland, Polen, Rumänien und anderswo helfen. Die jüdische Nntionalidee wird aufhören, ein belebendes Ideal oder eine mögliche Theorie zn sein. Israel wird dazukommen, sich als religiöse Gemeinschaft zn betrachten, als Gemeinschaft, welcher das Andenken an Palästina heilig ist, deren historische Bestimmung aber ist, Palastina zu überschatten und in allen Ländern feste Wurzel zn fassen." So hat ein Nichtzionist die Dinge gesehen. Seine Ausfuhr ungeu verdienen diu Aufmerksamkeit aller Zipnisten. Das Lob, daß,dieser Nichtzionist der Entwicklung im Zionismus spendet, deckt sich inhaltlich mit der warnenden Kritik, welche die zionistischen Oppositionellen, die He r z 1 - Z i o ni s t e n, ' an dieser Entwicklung üben. Der Nichtzionist stellt fest, daß sich der Zionismus von der Idee seines S c h ö p f e r,s H e r z I, vom nationalen, p o 1 i t ischen Zionismus loslöst. Warnend stellt die zionistische Opposition das gleiche fest. . . . Pae Trabilne Ein Zeichen der Zeit im „Prager Tägblatt" War erhalten folgende Zuschrift: „Wien, 14. September 1931. Geehrte Redaktion! Anbei ein Inserat aus dem „Prager Tagblatt" vom 12. d. M., das wohl als Zeichen der Zeit zu werten ist. In früheren Zeiten gab es im „Prager Tagblatt" an diesem Tage (1. Tag des jüdischen Neujahrsfestes) eine große Anzahl von Glückwunschanzeigen, zum Teil sogar in hebräischer Schrift. Heute nicht eine einzige, dagegen eine kleine Anzeige, in welcher die religiösen Gefühle der Mehrheit der Leser dieses Blattes verspottet werden. Mit Zionsgruß B. G." Das im Original beigegebene Inserat lautet: FürJom-Kipur suche zwecks angenehmen gemeinsamen Fastens auf meine Kosten in einem Luxusauto junge, hübsche Leidensgenossin. Chiffre: „Konfession Nebensache'* hauptpostlagernd gegen Schein. 7523. * Der antisemitische Schwimmer Hans Staudinger — freigesprochen Wie berichtet^ hat gelegentlich des am 1. und 2. August 1931 stattgefundenen Schwimmeetings in Linz der Schwimmer des Ewask, Hans Staudinger, die Aeußerung getan, er spiele nicht mit Juden in einer Wasserballmannschaft. Diese Aeußerung hat begreiflicherweise Entrüstung hervorgerufen. Man wartete aber in Schwimmerkreisen das Urteil des Gaugerichtes ab. Das Gaugericht hat am 1?. September 1931 getagt und den genannteu Herrn freigesprochen, weil er diese Aeußerung privat, bloß zu einem Klubkameraden, getan hat. In dieser Angelegenheit erhalten wir vom "Vizepräsidenten des Sportklubs „Hakoah" folgende Zuschrift: „Verehrliche Redaktion I Gestatten Sie, daß ich in - der Linzer Angelegenheit des Schwimmers Herrn Hans Staudinger zum Freispruch des Gaugerichtes des Schwimmverbandes Stellung nehme. Ich war als Zuschauer bei der Linzer Schwimmeisterschaft anwesend. Zwei Minuten nach der Aeußerung Staudingers, er spiele nicht mit Juden, war sie fast allen Anwesendeu, Schwimmern und Gästen, bekannt. Wenn daher das Gaugericht Herrn Staudinger freigesprochen hat, weil seine Aeußerung sozusagen mit Ausschluß der Oeffentlichkeit geschah, ist das Urteil in der Begründung verfehlt. Ich gehe aber weiter, Das Gaugericht des Schwimmverbandes ist kein Gericht, welches formales Recht zu erkennen bat, sondern es soll in sportlicher und disziplinarer Hinsicht wirken. Dann ist nicht zu beurteilen, ob jemand eine Beleidigung öffentlich ausgesprochen hat, sondern es ist zu prüfen, ob diese Aeußerung den sportlichen uud disziplinaren Zielen des Verbandes entspricht oder nicht.. In dem Moment, wo jemand sich öffentlich sportlich betätigt, darf es im Sport für ihn keine anderen Fragen geben als die der sportlichen Leistung, schon gar nicht die Ablehnung eines ganzen Volkes. Wenn Herr Standinger nichts mit Juden zu tun haben will, so darf er in allgemein zugänglichen Schwimmveranstaltungen nicht mittun. Dieses Recht hat er, die Gegner oder Mitspieler sich aussuchen, ist unsportlich und undiszipliniert Aus diesen Erwägungen ist das Urteil des Gaugerichtes nach der formalen und noch mehr nach der materiellen Seite hin vollkommen ungerecht und entbehrt jeder Objektivität Dr. Hugo Benedikt, 1P.? Beatrixgasse 14b." 75. Geburtstag von Chacham Moses Gaster London, 19. September. Am 16. September vollendete der hervorragende jüdische Prediger, Gelehrte und Politiker Chaman Dr. Mo6Ce Gaeter, früherer Oberrabbiner der spanisch-portugiesischen Gemeinde in London, sein 75. Lebensjahr. Chacham Moses Gaster wurde 1856 in Bukarest geboren, studierte in Breslau an der Universität und dem Jüdischen Theologischen Seminar und wurde 1882 Lektor für rumänische Sprache und Literatur an der Universität Bukarest 1885 aus politischen Gründen, insbesondere wegen seines Auftretens gegen die Entrechtung der Juden in Rumänien, ausgewiesen, ging er nach Eng 1 an d, wo er zunächst als Lektor für slawische Sprachen an der Universität Oxford wirkte. 1887 wurde er' zum Chacham (Qberrahhiner) der spanisch-portugiesischen Gemeinde in London gewählt, die er bis zu seiner Pensionierung (1923) leitete. Seine wissenschaftlich-literarische Tätigkeit ist außerordentlich vielseitig^ Er schrieb zahlreiche historische und philosophische Werke, insbesondere zur Geschichte Rumäniens, seiner Sprache und Literatur. Auf dem Gebiete der Wissenschaft des Judentums hat sich Gaster besonders als Folklorist betätigt und hat als einer der ersten Juden diesen Wissenszweig behandelt Dem Wilnaer Jiddischen wissenschaftlichen Institut steht er als Mitarbeiter und Förderer nahe. Er gab auch eine Reihe von liturgischen Textbüchern in rumänischer und englischer Sprache heraus. Im jüdischen Leben Englands nimmt Gaster eine hervorragende Stellung ein. Eine führende Rolle spielte Gaster. früher auch iu der, z i o n i st,ischen Belegung. Er schloß sich frühzeitig der Chibuth-Zion-Bewegung an und leistete Theodor Herzl, als dieser 1896 zur Aufnähme von Beziehungen zu den Chowewc Zion nach England kam, aber auch später, besonders bei der Gründüng des Jewish Cdlonia! Trust,'•'' große''Di engt e. Er war mehrfach Präsident des La'sdesVerbandes der, englischen Z i ö n i s t e n und Mitglied des Präsidiums zahlreicher Zio n is tenk on gr es s e. In der Zeit des Weltkrieges beteiligte er sich an den politischen Aktionen, die von Dr. Chaim Weizmann und Nahnm Sokolow in England zugunsten des Zionismus unternommen wurden und zur Verkündigung der Balfour- D e k 1 a r a t i o n führten. — Seit einigen Jahren ist Dr. Gaster erblindet, nimmt aber trotzdem an jüdischen- Dingen lebhaften Anteil. Aas Holland Amsterdam, 18. September. Anläßlich des 51. Geburtstages der Königin Wilhelmine von Holland wurde« folgende jüdische Persönlichkeiten ausgezeichnet: Doktor H. A. van Nierop, Direktor der „Amsterdamer Bank", und Dr. Z. v. d. Bergh in Laren, ein bekannter ,! Anwalt und Politiker, wurden zu Rittern des Holländischen Löwen ernannt und damit in den Ritter et and erhqben. ' Herr S. van Zwancnberg in Nyimwegen und Dr. C. de Vries van Buuren in Amsterdam, beide führende Industrielle, sowie der bekannte Pariser Juwe-; lier Louis Asscher, ein holländischer Jude, wurden! zu Rittern des Ordens Oranien-Nassaü ernannt; * ' ' "' . •'' ' Für das neue Universitätsjahr wurden in Holland zwei hervorragende jüdische Gelehrte als Rectores' Magnifici gewählt: Prof. Dr. E. S. Ornstein' wurde zum Rektor der Staatsundversität in Utrecht und Prof. Dr. N. J. Polak zum Rektor der Holländischen Handelsuniversität in Rotterdam gewählt * ' ' Die Anhänger des liberalen Judentums in Holland haben sieh nach Ueberwindung mehrfacher Schwierigkeiten nunmehr zusammengeschlossen und treffen nun Vorbereitungen zur. Gründung einer Vereinigung f ü r d a s J u d e n t u m in Holland. Zweigvereinigungen werden in Amsterdam, dem Haag und in mehreren anderen Städten Hollands gegründet werden. Morde an Juden in den Dörfern der Bukowina * Czernowitz, 19. September. (J. T. A.) Der jüdfsphe Deputierte Dr. Max Diamant hat dem rumänischen Justizminister ein Memorandum überreicht, ia welchem darauf hingewiesen wird, daß in der letzten Zeit in den Bukowinaer Dörfern mehrere Morde an Juden begangen wurden, denen: antisemitische Motive zugrunde lagen. So ist u, ,a, festgestellt worden, daß der Mord on dem Ehepaar R u d i c h in Kupku durch antisemitisch aufgehetzte Bauern geschah; nebenbei nUr hatten die Mörder auch s|ch des Rauhdel|ktes schuldig gemacht Die Bauerubevölker*ing des Dorfes Kupku ist von eugisttechen Agitatoren so Klavierunterricht erteilt sehr g«wlas«nttaft staaülch geprüfte Klavierpädagogin (mit Auszeichnung in und außer Haus unter günstigen Bedingungen Sofie Neumann-Kleiner Witt, XX, rart-Melßel-Strafle 4,1. Stock, TBr 50 verhetzt daß sich eine Reihe Gemeindeangehöriger bei dem Konsistorium über den Pfarrer Constantin Grigorovici deswegen beschwert hat, weil der Pfarrer in der Kirche gegen den Mord gepredigt hat. Die jüdischen Einwohner wagen bei Anbruch der Dunkelheit nicht, die Straße zu betreten. Die Behörden bekunden kein Interesse dafür, die jüdischen Einwohner zu schützen. Bolivien weist Juden aus New York, 17. September. Herr Alfred M. Cohen,, der internationale Präsident des Ordens Bnei Brith, hat aus Bolivien ein Telegramm erhalten, in welchem mitgeteilt wurde, daß die Regierung Boliviens eine Anzahl Juden auf Grund einer Denunziation reaktionär gesinnter russischer Einwanderer, daß sie sich kommunistisch betätigen, des Landes verwiesen hat Es wurde ihnen eine sechstägige Frist zai* Ordnung ihrer Angelegenheiten gelassen. Da es sich um polnische Juden handelt hat die Föderation polnischer Juden in Argentinien die polnische Gesandtschaft in Buenos Aires ersucht gegen die Ausweisung der unschuldig kommunistischer Umtriebe Verdächtigten bei der Regierung Boliviens zu intervenieren. Aus Rußland Das jüdische Problem noch immer ungelöst Stolz meldet die Sowjetregierung seit Jahren, daß es ihr gelungen sei, das jüdische Problem zu lösen. Aber das Problem ist hartnäckig und weicht nicht. Jetzt sind wieder die russischen Zeitungen mit dem angeblich schon lange gelösten Problem beschäftigt. Der A n t i s e m U tisraus, von offizieller Seite wiederholt totgesagt, ist im Anwachsen begriffen. Anderseits setzt die russische Judenschaft, trotz aller Knechtung und Bedrohung, den Entjudungstendenzen des Bolschewismus beträchtlichen Widerstand entgegen. * Der Antisemitismus in Sowjetrußland Moskau, 15. September. Nachdem man eine Zeit« lang nicht mehr von antisemitischen Vorfällen in Rußland gehört hat, weiß in den letzten Tagen die Moskauer und die Provinzpressc wiederum über eine Reihe von Ucber fällen, antisemitischer Huligans auf Juden in verschiedenen Teilen der Sowjets Union zu berichten. In dem Kurort M i s'c h o r, Krim, drangen zwei antisemitische Huligans in den Laden des jüdischen Photographen Bcndizki ein, demolierten die Einrichtung, vernichteten die Photos und mißhandelten Bendizki und seine Frau so schwer, daß sie beide in .das Hospital überführt werden mußten. Vorbei* gehende Kurgäste, die dem angegriffenen Ehepaar zu Hilfe kommen wollten, wurden von den Huligans, die riefen: „Wir schlagen bloß einen jüdischen Unternehmer" vertrieben, zum Teil mißhandelt Die O r t s m i 1 i z erschien erst drei Stunden nach dem lieber* fall am Tatort, aber statt die Huligans zu verhaften, suchte sie den im Hospital liegenden Bendizki, um ihn zu verhaften. Die in Simferopol erscheinende Zoi* "tung „Krasni Krim" fordert die Parteiorganisation und den Staatsanwalt auf, eine strenge Untersuchung des Falles durchzuführen und auch die Milizsoldaten wegen ihres unerhörten Verhaltens zu bestrafen. Im Eisenbahndepot der Station „Minenu logie" in Kaukasien wurde ein jüdischer Arbeiter', von seinen Arbeitskollegen schwer mißhandelt. Die zwei 16jährigen jüdischen Schülerinnen der Eisenbahnschule in Nielidowo, Epstein und Soposchnikowe, wurden von den Arbeitskollegen gezwungen, schwerste und schmutzigste Arbeit zu tun, Balken, Schienen und Steine zu tragen, die Magazine und Werkstätten zu reinigen, alles Arbeiten, die Schülerinnen nicht tun sollten. Als sie unter der schweren Arbeit zusammenbrachen, wurden •sie verhöhnt Im Konsumladen der Station weigerte man sich, ihnen etwas zu verkaufen. Fuhrer der Hetze gegen die jüdischen Mädchen war der Werk» meister A1 e x e j e w, eui Kommunist. Die jungen Mädchen führten vergebens Klage bei der lokalen Ge* .werkschaft und Parteiorganisation. Erst als sie sich an das Rayonsparteikomitee wandten, wurde gegen die Quäler der jungen Mädchen eingeschritten. Die Zeitungen „Leninski Put" und „Koro* somolskaja Prawda" klagen darüber, daß das antisemitische Gift auch Kinder infiziert und be* richten über das Martyrium des dreijährigen jüdischen Jungen Feli* Belenki, den seine nicht jüdischen > Spielkameraden immer „Zsidjonok" (Jüdchen) nannten, . mißhandelten ujid peinigten und immer zwangen, sich durch Geschenke, wie Zuckcnvarcn und Backwerk, „los*

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