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Die neue Welt · 1931-09-25 · Heft 210 (25.9.1931) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 210 (25.9.1931)
Date
1931-09-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Kr. 210 DIE NEUE WELT Seite 5 Der Volkerbund für den Zionismus Der politische Referent Lange (Norwegen) fordert ein neues Bekenntnis zum Jüdischen Nationalheim Bei der Besprechung der Lage in Palästina vor der Mandatskommission des Völkerbundes übten mehrere Redner, vor allen der Holländer van Rees, eine ver* nichtendc Kritik an der vom bisherigen Kolonialminister Paßfield betriebenen antizionistischen und mandats* widrigen Politik in Palästina. Nunmehr gelangte das Palästina=Problem in der „Politischen Kommission" des Völkerbundes zur Besprechung. Auch hier war eine durchaus sympathische Haltung der Redner gegenüber den zionistischen Bestrebungen zu verzeichnen. Wenn man einen Vergleich zu den Ausführungen des Vertreters der englischen Regierung vor der Mandatskommission zieht, können die Reden in der Politischen Kommission als wuchtige Kritik an der Haltung der britischen Palä* stinaregierung eingeschätzt werden. * Genf, 17. September. Die Sechste (Politische) Kommission des Völkerbundes hat gestern die Aus* Sprache über die Minderheitenfragen, in deren Mittelpunkt die große ,für stärkeren Schutz der Minderheiten« belange eintretende Rede des deutschen Ministers des Auswärtigen, Dr. Curtius, gestanden hat, beendet und ist heute in die Beratung der Frage der zeitlichen Abgren» zung der Mandate eingetreten. Hierbei kam es zu einer eingehenden Aussprache über Palästina. Der Berichterstatter Lange (Norwegen) hielt eine große Rede, die in der Forderung gipfelte, daß der Völkerbund die Politik der Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina nochmals in autoritativer Weise dokumentieren solle. Nachdem er einen eingehenden Ueberblick über die Lage in Palästina gegeben hatte, kam Lange zu dem Schluß, daß Palästina, dank der außergewöhnlichen Opfer» bereitschaft der Juden, aufgebaut wird. Die Juden der ganzen Welt, sagte er, sehen in Palästina Ziel und Zentrum ihrer Hoffnung; für sie bedeutet es eine tiefe Genugtuung, und es ist Sache ihrer persönlichen Würde, daß das Land, aus dem sie stammen, wieders um als ihr nationales Heim aufgebaut wird. Lange erinnerte an das böse E,c h o, das das Paßfield*Buch auf dem Zionistenkongreß in Basel geweckt hatte, und schilderte das traurige Leben, der Millionen Juden in Europa, die dem Proletariat oder dem armen Mittelstand angehören und unter äußerst schwierigen materiellen Verhältnissen leben. Wenn diese Millionen Menschen, sagte Lange, des Elements der Würde beraubt werden, das Palästina ihnen gibt, wird dies das soziale Unbehagen in der Welt, das die gegenwärtige Epoche charakterisiert, nur vermehren und die soziale Frage komplizieren. Lange betonte zum Schluß, daß es notwendig sei, die Existenz des Jüdischen Nationalheims in Palästina durch den Völkerbund zu garantieren und die Position der jüdischen Minderheit in Palästina in jeder Weise zu sichern. Genf, 19. September. Im Verlauf der Aussprache über die Mandate in der Sechsten (Politischen) Kommis* sion des Völkerbundes erklärte der Vertreter Polens, Mü Ist ein, die Frage der Behandlung der Juden Palästinas sei nicht eine Frage der Anwendung von Minderheitenrechten, sondern eine V e r* wirklichung des jüdischen nationalen Heims. Polen sei an dem Wohlergehen der aus Polen stammenden Palästina*Bevölkerung lebhaft interessiert und begrüße Englands Anstrengungen, den Frieden im Lande zu erhalten und das Land zu entwickeln. Mülstein billigte die Bestrebungen, Palästina so zu entwickeln, daß es eine konstitutionelle Vertretung erhält. Zum Berichterstatter über die Sitzung der Poli* tischen Kommission, bzw. über die Aussprache, betref* fend die Mandate und Palästina, wurde der Norweger Lange ernannt. Er unterbreitete bereits der Kommis* sion den Entwurf des der Plenarsitzung des Völkerbundes zu erstattenden Berichtes. neue englische Regierung und Palästina Die antizionistische Bodenverordnung des früheren Kolo* nialministers Paßfield gefallen? Einer der letzten Hiebe, welche Kolonialminister Paßfield gegen den Zionismus geführt hatte, war eine Verordnung über Regelung des Bodenkaufes in Palästina, welche die Verhinderung der Boden» kaufe durch Juden und besonders durch den Jüdi* sehen Nationalfonds bedeutete. Diese Verordnung hätte am 7. September in Kraft treten sollen. Das ist nicht geschehen, und informierte Londoner Kreise ziehen daraus den Schluß, daß die neue Regierung die antizionistische Politik Paßfields, der bekanntlich seinen Posten verlassen hat, nicht fortsetzen will. « London, j& September Wfc 3fc Xft41e*rJr« Telegraphenagentur erfährt, soll die neue Natio* nale Regierung in England die Absicht haben, die vom früheren Kolonialminister Lord Paßfreld ausgcar5 beitete und zur Veröffentlichung am 20. August — dann unter dem Druck des Baseler Zionistischen Kongresses zur Veröffentlichung am 7. September — bestimmte Palästina * Bodenverordnung nunmehr ganz fallen zu lassen. Man weiß jetzt, daß betreff fend diese Verordnung ein Kampf hinter den Kulissen geführt wurde, und wäre nicht ein plötzlicher RegierungSs Wechsel eingetreten, der das Ausscheiden Lord Paßfields aus dem Kabinett mit sich brachte, so wäre diese Verordnung bereits in Wirksamkeit und die Zio« nistische Leitung wäre vor neue große Schwierigkeiten gestellt worden. Paßfield, der vor dem Sturz der Ar« beiterregierung* den Finanzminister S n o w d e n in der Frage der Zolltarife unentwegt unterstützt hatte, wodurch er seine eigene Position und seinen Einfluß im Kabinett befestigte, glaubte, er werde sich mit seiner Palästinapolitik gegen die Opposition der übrigen Kabinettsmitglicdcr durchsetzen können, und war entschlossen, die PalästinasBodenver* Ordnung jedenfalls in Wirksamkeit treten zu lassen. Der bisherige High Comniissioncr für Palästina, Sir John C h a n c c 11 o r, der inzwischen in London eingetroffen war, unterstützte die Paßfields Verordnung und bestand darauf, daß keine ändernden Bestimmungen nachträglich in die Verordnung auf* genommen werden. Sein Standpunkt war, daß jetzt, nach* dem der Landentwicklungsdirektor French sein Amt angetreten habe, ungesäumt die Verordnung veröffentlicht werden müsse. Chancellor konnte aber mit seiner Ansicht nicht durchdringen. Die Veröffentlichung der Bodenverordnung erfolgte nicht. Der Beschluß der Zio= J> fdnftc tngUfdje (Stoffe ^"^tT^ *** **" *" HAJRÖ jC I dedr. I391 ~s*s^ WIEN I. FREISINGERGASSE 1 Telephon U 2o-3 4J nistischen Exekutive, die Verordnung in ihrer jetzigen Form nachdrücklich abzulehnen, war nicht ohne Wirkung geblieben. Was die Haltung der neuen Regierung in der Frage der -.Landentwicklung Palästinas im allgemeinen betrifft, so wäre es, wie man der ITA sagt, vielleicht ungerechtfertigt, auf die Möglichkeit einer sof o r« t i g e n und radikalen Aenderung der offiziellen Palästina-Politik allzugroße Hoffnungen zu setzen. Paß* field ist in der Durchführung seiner Pläne zu weit fort; geschritten, als da!,! ein völliger Rückzug in der Palästinapraxis durch das neue Kabinett wahrscheinlich wäre. Immerhin dürfen einige ^vesentlichc Acnderungcn im Landentwicklungsplan bestimmt erwartet werden. Heute steht die Frage so: Wird die neue Regierung im Hin* blick auf die Finanzkrise die Durchführung des Land* entwicklungsplanes hinausschieben oder gar den Plan ganz fallen lassen? Mit den eigentlichen finanziellen Schwierigkeiten der Regierung hat die Frage der Land* entwicklung nicht direkt zu tun, da die zur Landentwick* lung notwendigen Summen nicht aus Regierungsfonds, sondern aus den Mitteln einer von der Regierung zu garantierenden Anleihe genommen werden sollen. TESO Der „Baron" und Palästina Zum 86. Geburtstag des Pariser Barons Edmund de Roths schild In diesen Tagen feierte Baron Edraond de Rothschild in Paris seinen 86. Geburtstag. „Der Baron", wie ihn die Juden kurz nennen, ist am 19. August 1845 in Paris als jüngster Sohn des Barons James de Rothschild geboren und trat nach dem Tode seines Vaters als Fünfundzwanzigjähriger in das Bankhaus der Brüder Rothschild ein, das er gemeinsam mit seinen älteren Brüdern, den Baronen Alphonse und Gustave de Rothschild, führte. Wenn auch der Name Rothschild im Ghetto legen* dären Klang hat, so ist doch Edmond de Rothschild, der „Baron", der einzige, der in der jüdischen Renaissance der Gegenwart eine führende Figur geworden ist. Pa* lästina ist es, wo sein Name in den Herzen aller lebt; denn einzigartig ist das Werk, das er dort geschaffen hat — seit seinem 35. Lebensjahr bis auf den heutigen Tag. Nach den Pogromen im Jahre 1880 in Südrußland, Ab eine große Anzahl von russisobjüdiachen Flüchtlingen •kh in Konatantinopel sammelte und wittern war, sich ab» „ Telephon-Sontferdlenst II ISDIlRAlf I. Tolnlaltafra«« 7 VlKUDUljf Tel. U-29-5-35 Serie gibt ihnen zu jeder Tages- und Nachtzeit allgemein gehaltene Auskünfte über Hotel- und Reiseangelegenhelten // Vertreterbesuch unverbindlich Bauern in Palästina niederzulassen, gab Baron Rothschild zum erstenmal eine Beisteuer von 30.000 Francs. Weitaus größer war seine Unterstützung der sogenannten Bilu* Bewegung, die sich unter der Führung jüdischer Intellekt tuellen zum Ziel setzte, einen jüdischen Bauernstand in Palästina zu schaffen. So entstanden die heute berühmten Kolonien P c t a c h T i k w a h, S i c h r o n J a a k o w, Chedcra, Rosch Pinah, Jessot Hamaalch, Rischonlc*Zion und die Mehrzahl der vorzionisti* sehen jüdischen Kolonien, zwischen 1880 bis 1895, dreißig an der Zahl. All diese Kolonien verdanken ihr Entstehen der vom Baron Rothschild zur Gänze finanzierten Gesell* schaft Jewish Colonization Association, kurz Tca genannt, die später, im Jahre 1924, als Palcstinc Jewish Colonisazion (Pica) alle Kolonisationensfunk* tionen übernahm und heute vom ältesten Sohn des Barons, dem Mitglied des britischen Unterhauses James de Rothschild, geleitet wird. Sein erster Besuch in Palästina fiel in das Jahr 1895, sein zweiter in das Jahr 1914. Der Weltkrieg hemmte die Arbeit des Barons, ja vernichtete manches, das er gc* schaffen hatte. Nach Kriegsende ging Rothschild mit aller Energie an die Wiederherstellung seines Werkes, so daß heute die Kolonien blühende Siedlungen darstellen, die einzige blühende Weinindustrie in sich schließen. Außer* dem ist die Mühlen* und Seidenindustrie Palästinas eine Schöpfung des Barons. Triumphal gestaltete sich sein Besuch im Jahre 1925, in seinem 80. Lebensjahre. Jüdische und arabische Reiter geleiteten ihn nach Sidron Jaakow, jener ihm teuersten Kolonie, die dem Andenken seines Vaters ge* widmet ist. In der Synagoge von Sichron Jaakow versam* melten sich die Spitzen der RothschildfKolonien, die Repräsentanten der führenden jüdischen Kolonien Palästinas, der High Commissioner Sir Herbert Samuel, der heutige Führer der englischen Liberalen, der heutige Präsident der Zionistischen Weltorganisation Nahum Sokolow, um den greisen, ersten Pionier auf Vätererde voll Liebe, Ehrfurcht und Verehrung zu empfangen. Eine große Rolle spielte der Baron aber auch in der Arbeit für den politischen Zionismus. Er ist einer jener Männer, denen die bedeutsame B a 1 f o u r* Deklaration mit zu verdanken ist, das Dokument, das die historischen Rechte der Juden auf Palästina festlegt. Lord B e r t i e, der britische Botschafter in Paris während des Weltkriegs, erzählt in seinen 1924 veröffentlichten Tagebüchern von einer Unterredung, die er mit Baron Edmond de Rothschild am 23. Jänner 1915 hatte. Diese Tagebuchstelle offenbart deutlich die Bemühungen des Barons, der dem englischen Embassadeur gegenüber auf die Sympathien Lloyd Georges, Lord Greys, Sir Herbert Samuels und Lord Crewes bezüglich der jüdischen Aspira* tionen auf Palästina hinwies. Als im Jahre 1929 von Prof. Dr. Chaim Weizmann die erweiterte Jewish Agency geschaffen wurde, wählte man Baron Rothschild zum Ehrenpräsidenten dieser jüdi* sehen Körperschaft, die gegenüber England und dem Völkerbund das jüdische Palästina zu vertreten hat. Bekannt ist des Barons energischer Protest gegen das vom Kolonialminister der Lab'our*Regierung Lord Pass* field herausgegebene Weißbuch über Palästina, das von den Juden der ganzen Welt als ein Anschlag gegen den Wiederaufbau des jüdischen Nationalheims angesehen wurde. Seiner großzügigen Unterstützung archäologi* scher Arbeiten in Palästina sind wertvolle Resultate wie die Ausgrabungen an der Davidstadt durch Prof. Raymond Weil 1914 und .1924 zu verdanken. Die Funde wurden vom Baron der hebräischen Universität in Jerusalem gespendet. Nicht weniger Interesse bezeugte Baron Rothschild der Kunst. In seinen Sammlungen befinden sich wertvolle Stiche, Holzschnitte und Gemälde. In Anerkennung seiner Fachkenntntsse wurde er im Jahre 1906 als Nachfolger von B 0 u c h o t zum Mitglied der französischen Akademie der schönen Künste gewählt. Im Jahre 1921 stiftete er den Betrag von 10 Millionen Francs für wissenschaftliche Forschungen, sechs Jahre später weitere 30 Millionen Francs. Vorher gründete er eine Abteilung des' französi* sehen Instituts zwecks Förderung der Freundschaft zwischen Frankreich und England mit einem Spenden« fonds von 6 Millionen Francs. Ganz im Sinne des großen Barons arbeitet sein Sohn James de Rothschild, das bekannte englische Unter» hausmitglied, der gewesene Soldat in der jüdischen Legion für Palästina. Klavierunterricht erteilt staatl. geprüfte Klavierpädagogin (mit Matura) in und außer Haus. Lotte Ederer WIM. XX* KarMteMMfMM 4, Bt stodiy 8e*

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