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Die neue Welt · 1931-09-18 · Heft 209 (18.9.1931) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 209 (18.9.1931)
Date
1931-09-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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.1* Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 20* SIEGM. KORNMBHL OROSSPLEItCNHAUtAll Zentrale; (X., Berggasse 19, Tel. A»l7»>9* n. A«16.9»34 Lieftran > Or Heilanstalten Abteilungen fflr ^g^«Ff Isen unter Aufsieht des Ehrwürdigen Rabbisat» der lar Ku\- tusgemeinde Wlsn Auto«ust«llw»a kestsnfe* IX. ItrgtMH IS / XVIII.» Wihrlnflftf sfr. «7 tttmitmirMMimmnmmiwiMiiitfmiM HUfHMllHWWUtmmilWttltlHmuiHtWtlHlklrim neuen Schuljahrs eine Schulkindetdemonstffttion. Etwa 2000 der ärmsten jüdischen Kinder Warschaus zogen durch die Hauptstraßen des Warschauer jüdischen Viertels und trugen Transparente mit Aufschriften: „Wit fordern Rechte für die jüdische weltliche Schule!" „Laßt unsere Lehrer nicht verhungert" „Wir fordern Recht auf Arbeit für unsere Väterl" Tausendc Freunde des jiddischen Schulwesens begleiteten, baW. um« säumten den Zug. Die Führer der zentralen jüdischen Schutorganisation hielten an mehreren Stellen Ansprachen. Die „Neue Welt" hat in ihrer letzten Nummer über die seitens der polnischen Behörden betriebene Aktion gegen das jüdische Schulwerk berichtet. . 235 jüdische Freiheitskämpfer in Lettland erhalten Siedlungsland Riga, 12. September. (J, T. A.) Die Regierung Lettlands, die im Rahmen der Agrarreform den Teilnehmern an den lettländischen Freiheitskämpfen Siedlungsland zur Verfügung gestellt hat, hat auch 235 Juden, die an den Freiheitskämpfen Lettlands teilgenommen haben, mit ßiedluhgslahd bedacht. Insgesamt haben 600 jüdische Freiheitekämpfer das Ersuchen gestellt, sie auf dem Lande anzusiedeln. Da aber die Badenverteilung demnächst abgeschlossen sein wird, werden wohl kaum 300 jüdische Freiheitskämpfer mit Siedlungsland bedacht worden sein. Man erwartet, daß die Regierung jenen 300 jüdischen Freiheitskämpfern, die bei der Bodenverteilung leer ausgegangen sind, eine Abfindung zahlen wird. Judensteuer in Rumänien Czernowitz, 15. September. Die „Ostjüdische Zeitung" berichtet über schwere Schikanen, der die jüdische Bevölkerung der Bezirke Storojineti (Storozinetz) und Cämpulung (Kimpolung> durch die dortigen Präfekten Major Chirescu und Oberst Voia ausgesetzt sind. Die Regierung Jorga hat die Verwaltung militarisiert und aktive und inaktive Militärs zu Präfekten ernannt, die die Bürger wie Rekruten behandeln. Besonders hat die jüdische Bevölkerung unter deu neuen Verhältnissen zu leiden. Major Chirescu hat z. B. einer Jassyer Gesellschaft die ausschließliche Konzession für den Autoverkehr Storojineti—Czernowitz erteilt und den jüdischenAutobesitzern, die bisher diesen Verkehr aufrecht erhielten, verboten, ihr Gewerbe weiter auszuüben. Dadurch sind zahlreiche jüdische Familien brotlos geworden. Der Präfekt von Cämpulung, Oberst Voia, ließ die Judenschaft von Cämpulung zu sich kommen und legte ihnen eine Steuer für den Bau eines Asyls an!. Er gab ihnen zu ■ verstehen, daß die Juden sich zu dieser Steuer bequemen müssen, -wenn sie mit ihm, dem Präfekten« auf gutem Fuße leben Wollen. Die Judenschaft von Cämpulung und dem ganzen Bezirke wehrt sich gegen eine solche spezi ellejudensteuer. Juden in Cämpulung ist es fast unmöglich, sich Auslandspässe zu verschaffen; jüdische Ansuchende, auch akademische Bürger, wirft der Präfekt einfach aus den Büroräumen hinaus. Die Zeitung appelliert an den Innenminister Argetoiane, hier Remedur zu schaffen. Ein jüdisches Arbeitsparadies? Moskau, 12. September. (J. T. A.) Wie die Moskauer Zeitungen melden, sind in diesen Tagen unter der Führung des amerikanisch-jüdischen Professors Charles Kunz jüdische Arbeiter aus Argentinien, Uruguay und Deutschland, ehemalige russische Bürger, die vor kurzem in ihre alte Heimat zurückgekehrt sind, um das jüdische Land Biro-Bidschan aufbauen zu helfen, an die Errichtung einer sozialistischen Muster-Kleinstadt herangetreten. Die Lage der neuen Stadt zwischen Bergen und Wald, von drei Seiten von einem Fluß umgeben, das sie mit einer weiten Umgebung verbindet, ist «ine sehr günstige und schöne. Ganz in der Nähe befinden sich die beiden jüdischen Kommunen „Ikor" und „Tichoceansky Oktiabr", Die Stadt stellt eine agro-industrielle Kombination dar, etwa 5000 bis 6000 Menschen werden gleichzeitig im, Ackerbau und in der Industrie beschäftigt sein. Man erbaut 25 große Häuser zu je 100 Räumen> die nur als Schlafräume bestimmt sind. Das Leben der Einwohner wird sich auf kommunaler Basis abspielen: Küchen, Speisesäle, Klubs, Kinderheime usw. werden alle« Einwohnern gemeinsam zur Verfügung stehen. Die Häuser werden mit Wasserleitung, elektrischem Licht, Telephon, Radio usw., versehen sein. Di« Stadt erhält eine Reihe Erziehungsanstalten, darunter eine Technische Hochschule, Ei werden eine Konservenfabrik für 1500 Arbeiter, eine Schlosserei für 50 Arbeiter, ferner eitijß Möbelfabrik, eine Baufabrik zur Herstellung von Staadard-iHHüsern, eine Käsefabrik usw. erbaut. Etwa 40.000 Hektar landwirtschaftlicher Beden wird den Stadteinwohnern zur Verfügung stehen. Es werden 20 Ställe.mit Platz für 2000 Kühe. 20 Ställe für 2000 Schweine und ein Gef lügelhof, in dem 50.000 Stück Geflügel Untergebracht werden können, erbaut. Prof. Kunz versichert, daß diese sozialistische Kleinstadt eine s o?. i alis tische Mast er Stadt nicht nur für den Fernen Osten, sondern auch für die gesamte Sowjetunion werden wird. ■ Ueber die jüdische Siedlung Biro-Bidschan, diesen „Judenetaat" an der sibirisch-chinesischen Grenze, lagen bisnun die traurigsten und unwidersprochenen Meldungen vor. Man hat Juden hintransportiert, ohne jede Vorsarge in diesem wilden Land zu treffen. Ein großer Teil der jüdischen Kolonisten ist zugrunde gegangen, mehr als die Hälfte aller nach Chma durchgebrannt oder in die Heimat geflüchtet. Männer, die dahinsiechen, Frauen, die das Elend in die Prostitution treibt. Jetzt auf einmal Wasserleitung, Klubs, Telephon, Radio — Herz, was begehrst du noch mehr. Fehlen nur noch Massage- und Schönheitssalons und Brddgestuben. Wir überlassen die Verantwortung für die Richtigkeit der Meldungen denen, welche sie so willfährig verbreiten, den Zeitungen und der Jüdischen Telegraphen-Agentur. Möge ihnen diese Verantwortung nicht allzuschwer fallen. Antisemitismus in der sowjeterussischen Eisenbahnverwaltung Moskau, 12. September. (J. T. Ä.) Die jüdischen und nichtjüdischeh Sowjetzeitungen weisen darauf hin, daß gewisse Bahnverwaltungsbehörden sich noch immer weigern, ausgebildete jüdische Eisenbahn* a r b e i t e r anzustellen. Obwohl es im Eisenbahnwesen an qualifizierten Kräften mangelt, werden Anstellungs* gesuche jüdischer junger Leute, die sich als Heizer, Lokomotivführer flusw. haben ausbilden lassen, so lange verschleppt, bis diese jungen Leute auf anderen Gebieten Arbeit gesucht und gefunden haben. Die Zeitungen be« klagen es, daß ungeachtet der fortwährend vor sich gehenden Reinigung des Eisenbahhapparats von anti* semitischen Einflüssen, der Antisemitismus in den KlavIeruntenlcM erteilt ataall. geprüfte Klavierpädagogin (mit Matura) In und außer Haus. Lette Ederer Wien, XX., Karl-MafBLStraft« 4, H. Stock, Tür S«. Eisenbahnverwaltungen, der sich dort in der Zarenzeit sehr tief eingenistet hat, noch immer nicht ausgerottet ist. Erst unlängst fanden gegen Werkführer und Arbeiter der Eisenbahndepots Prozesse wegen an jüdischen jugend* liehen Eisenbahnarbeitern begangener Q u ä 1 e re ie n statt. Zweieinhalb Jahre schweren Kerkers für Vollziehung des Beschneidungsaktes Moskau, 10. September. Nach zwölfetünddger Verhandlung hat das Gericht der kleinen Stadt Azoritsch dn Weißrußland einen Juden, der als „Mohei" fungierte, wegen Vollziehung eines Beschneidungsaktes zu zweieinhalb Jahren schweren Kerkers verurteilt. Das Kind war mehrere Tage nach der Beschneddung gestorben; die vom Gericht veranlaflte medizinische Beweisaufnahme kam zu dem Resultat, daß der Tod infolge der Beschneidung eingetreten war. Jüdische Wirtschaftsführer in Sowjetrufilaiid Moskau, 12. September. (J. T. A.) Unter den Chef* direktoren des neugegründeten Getreide« t r u s t s für die neun Sowjetrepubliken befinden sich drei Juden: Braude, Rosenthal und Margolin. Braude war bis jetzt Bevollmächtigter des Getreidetrusts im Kaukasus, Rosenthal bekleidete die Stelle eines Vize* direktors des Getreidetrusts, der Sowjetunion, Margolin war Direktor des Gigant*Kollektiv9 „Werblijud" und der Versuchsstation dieses Kollektivs. Margolin ist einer der wenigen Inhaber des „Lenin* Ordens", den er sich für seine großen Verdienste als Organisator des ersten Gigant*Kollektivs erworben hat. Er steht gegenwärtig dem Getreidetrust Westsibiriens vor. Palästina und Zionismus vor der Mandatskommission (20* Session de» Ständigen Mandatskommission/ 9« bis S7* Juni 1931) Von Dr. S. E. Soskin, Genf Vor wenigen Tagen erschien endlich (für uns endlich) das Protokoll der so bedeutsamen Juni-Tagung der Mandatskommission in Genf. Diese Tagung war in doppelter Hinsicht bedeutsam: a) sie bezog Stellung gegenüber den Maßnahmen des britischen Mandatars in Palästina; b) sie behandelte — und dies zum ersten Male — das Problem der Auflösung des Mandatsverhältniases eines unter Mandat stehenden Gebietes, des Königreiches Irak, auf Antrag des ebenfalls britischen Mandatars. Neben dem unmittelbaren Interesse des Zionismus an der auch dieses Mal sehr scharfen Kritik der Handlungen und Unterlassungen des Mandatars durch die einzelnen Mitglieder der Mandatskommission, ist die Frage der Lösung des Mandatsverhältnisses, besonders behandelt an dem Beispiel unseres Nächbars Irak, nicht allein von theoretischem Interesse für uns. Wir werden auch dieser Angelegenheit unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden haben und uns auf dem laufenden der Geschehnisse halten müssen. Zunächst die Palästina-Fragen. Man muß eines vorwegnehmen: in den der breiten Öffentlichkeit bekannt werdenden, einstimmig gefaßten Resolutionen, die dem Völkerbundsrat durch seinen Rapporteur — gegenwärtig der jugoslawische Außenminister Marink o w i c — zur Annahme vorgeschlagen werden, kommt die eigentliche Stellungnahme der Mandatskommission zu den einzelnen Fragen nur wenig zum Ausdruck. Die Resolutionen werden erst richtig gewertet werden können im Lichte der häufig sehr eingehenden Diskussionen, die wiederholt durch besondere, sogar schriftlich ausgearbeitete Referate einzelner Mitglieder der Kommission eingeleitet werden. Das Protokoll über die Sitzungen der Mandats« kommission stellt eine Fundgrube wertvoller Materialien zur Frage der Behandlung des Mandats dar und hiffte eigentlich verdient, in einer Revue ausführlich behandelt zu werden. Mangels einer solchen müssen wir uns darauf Erfahrener Pada SSE erteilt englfstncn Und hebrifsatan Unterridit an Kinder und Erwachsene. Zuschriften erbeten unter „Akademiker" an die Administration des Blattes Oder | Telephon U-27-904 von 8 bis 10 Uhr. § lllffilJilM^ beschränken, in einer Artikelserie die wichtigsten von der Kommission behandelten Gegenstände der breiteren peffentlichkeit zugänglich zu machen. In Verbindung mit dem Jahresbericht der britischen Regierung über Palästina für das Jahr 1930 behandelte die Mandatskommission den Landentwicklungsplanin erster Linie. Anläßlich der Besprchung der politischen Lage im Zionismus und In Palästina wurde vom Vizepräsidenten der Mandatskommission, Herrn VanRees^ein Vergleich zwischen dem Weißbuch vom Oktober 1930 und dem Brief MacDonalds vom 13. Februar an Dr. Weizmann gezogen. Alsdann beschäftigte sich die Kommission mit dem beabsichtigten Legislative Council. Es folgte die Behandlung der Frage der J e w i s h A g e n c y, der E i nwanderung, der Landfrage, des Nationali-, tätengesetzes, der Konzessionsfrage, der Frage der Vergebung von öffentlichen Arbeiten usw, Es gibt kein Gebiet der Mandatsanwendung, das nicht von der Kommission in ihrer Juni-Tagung mehr oder weniger ausführlieh behandelt wäre. Wir wollen versuchen, die wichtigsten Teilfragen zu besprechen. Der Landentwicklungsplan Die Behandlung des Landentwicklungsplanes wurde durch die Feststellung eingeleitet, daß er sich nicht auf die Behauptungen Hope-Simpsons aufbauen werde, sondern auf neuen. Erhebungen. Vorläufig habe aber der Mandatar* nach ausdrücklicher Unterstreichung durch Dr. Shiels, Maßnahmen zum Schutz der Pächter vor Verdrängung vom Land unternommen. Man habe gehofft, sagte ferner Dr. Siehls, der Mandatskommission schon jetzt Näheres Über den ganzen Plan mitteilen zu können, sei aber dazu nicht in der Lage, da man noch nicht den fähigen Mann gefunden habe, der mit diesem Überaus verantwortungsvollen Auftrag betraut werden könnte — inzwischen wurde, wie bekannt, der Beamte des indischen Dienstes Louis Fr euch für diesen Posten auserkoren, dem als rechte Hand der irakische Beamte Mr. Kitching beigegeben wurde —, aber eines stehe schon fest, nämlich, daß das erste Ziel die Wiederbesetzung der Araber wäre, die ihres Bodens verlustig gegangen seien durch die Tatsache« daß ihr Land in jüdische Hände übergegangen war» Diese unzweideutige Feststellung des akkreditierten Vertreters des Mandatars über die Art und Weise, wie er sich die Durchführung des Mandats denkt, blieb nicht unbeanstandet seitens der Mandatskommission. Nachdem Herr Van Rees schon einleitend unterstrich, daß der Entwicklungsplan bis zu einem gewissen Grade

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