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Die neue Welt · 1931-09-18 · Heft 209 (18.9.1931) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 209 (18.9.1931)
Date
1931-09-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Mr. 309 DIB NEUE WELT flHNfc*$ »TESO« Ä Tc Lep h o n - Sontfcrcffciwt —^ t. nmummt* t T*_ Ü*»*S»36 Sttfe teilt Ihnen mit, ob nnd von wem Sie wfthread ihrer Atmeteafieit von der Wohnung oder Boro teiephontech angetnfen worden. Die deutsch-palästinensischen Handelsbeziehungen Die nachstehenden Import« and Exportziffern ver* anschaulichen in interessanter Weise die von Jahr zu Jahr steigende Bedeutung, die der palästinensische Markt für den Absatz deutscher Produkte gewonnen hat. Es betrug der Wert der deutschen Ausfuhr Einruhr nach Palästina von Palästina 1926 . . » Pfund 734.305 Pfund 54.053 1927 .... „ 557.617 „ 90.009 1928 . . < , „ 677.218 „ 69.025 1929 . „ , , „ 586.850 „ 197.150 1930 ...... 593.550 ,. 379.200 Insgesamt . . Pfund 3,149.540 Pfund 789.437 Ohne Zweifel war es gerade die jüdische Ein» Wanderung und die mit ihr verbundene landwirt« schaftliche und industrielle Entwicklung, die den palästi« nensischen Markt erweitert und, durch die besondere Herkunftsbeziehung der Einwanderer, mit den europä!» sehen Ländern, besonders mit Deutschland ver« bunden hat Bestrafung eines antijiktischeii Hetzers in Palästina Jerusalem, 10. September. Der Herausgeber der in Haifa erscheinenden aratbdschen Zeitung „AI Hayat", Akram Zouiatar, wurde vom stellvertretenden Distriktskommissär Sulman zu einer Geldbuße von 100 Pfund und zur Hinterlegung zweier Garantiesummen von je 50 Pfund für gutes Betragen in Zukunft verurteilt, weil Akram Zouiatar in seiner Zeitung Artikel gegen die Juden veröffenlicht hat, die dazu angetan sind, den Frieden im Lande zu stören. Akram Zouiatar wurde vom Sekretär der arabischen Exekutive, A u n i B e y Abdul H a d >i, verteidigt. Prager Brief Der deutsche Antisemitismus -r- Haltung der Poale Zion — Die linke Wizo — Revisionisten und Landorganisation Prag, Mitte September. .Nun beginnen auch in der Tschechoslowakei antft semitsche Tendenzen an die Oberfläche zu kommen. Zu« nächst sind es die Deutschen unter Führung der Natio* nalsozialisten, die von ihren reichsdeutschen Hilter* Brüdern das Stichwort empfangen. Die Bewegung verdichtet sich jetzt um so mehr, als in de,r ganzen Repu» blik Gemeindewahlen vor der Tür stehen. In det> Prager 'Gemeinderat kandidiert eine geschlossene antii semitische' deutsche Liste, die aus den deutschen Natiq* nalsozialisten, Christlichsozialen und Deutschnationaleü besteht. Dieser Wahlauftakt der Deutschen Prags hat das heitere jüdisch*assimilatorisch»deutsche Gegenspiel: auch : die „Deutsch-demokratische Freiheitspartei" gießt - t,n ihren gut ■ israelitischen Wein etwas antisemitisches . .Wasser, in der Hoffnung, durch diese Manipulation auch nichtjüdische deutsche Stimmen zu bekommen. Besc>«s ders ihr Organ, „Bohemia", die im gewöhnlichen Leben - nur assimilatorisch und antizionistisch ist, nimmt sich als Propägatorin für Judenreinheit überaus spassig aiijs., * , . Für die kommenden Gemeindewahlen 2ieht die , Jüdische Partei mit großen Hoffnungen in den Kampf.; In Groß*Prag führt die jüdische Liste der bekannte* Zioniat Norbert Adler an. Eine eigenartige Haltung, zeigt unsere tschechoslowakische Poale Zion, Sie? hai;^ beschossen, in Orten, wie Brünn, Bratislava, Olmützfund Mähr.^Ostrau, selbständig zu kandidieren,1 auch dort, wo, die Kandidatur von vornherein aussichts? los ist, und mit den sozialdemokratischen Parteien zu koppeln. Die Hitachduth dürfte^ ihr wacker sekundieren, da ja der Zusammenschluß, die „Ichud", auch in der Tschechoslowakei bereits perfekt ist. Daß das eine Zersplitterung der jüdischen Stimmen bedeutet, ist selbstverständlich klar, ein bescheidener Anfang, der,, wie das österreichische Beispiel lehrt, ein gänzliches Aufgehen unserer poalezionistischen Sozial« deraokraten in den nichtjüdischen sozialdemokratischen Parteien in die. Wege leiten muß. Daß das offizielle zionistische Parteiorgan „Selbstwehr'Vda8 z, B, in seiner Neujahrsbetrachtung großzügig , die englische Palästina*Politik und die Araber verteidigt, dem Judenstaatszioniamus aber natürlich wieder gründ* lieh eins, auswischt, die antinationalen Linkstendenisen unserer zionistischen Gruppen fördert, sogar als Exe* kutiYorgan der Jüdischen Partei des Landes, ist zwar nicht verständlich, aber Tatsache. In ihren Spalten lebt sich jetzt die „neue" Wizo aus, die bekanntlich näöU ihrer Weltkonferenz in Basel zur Gänze ins linke Fahr* wasser geraten ist und als tschechoslowakische Landes» Organisation gerade heute viel poalezionistischen Zuspruch hat, vornehmlich aus dem Grunde, weil gemäß der ewigen .Geldbedürftigkeit unserer Linken die Wizp als Sammelapparat einen mehr oder minder kräftigten Anziehungspunkt bildet. . . \ ■ In innerzionistisch#organisatori»cher Hinsicht sind Tendenzen vorhanden, die ein neues Bild ankündigen» Die Hitachduth'gefärbten Teile der zionistischen Orga* nisation in der Tschechoslowakei werden jetzt wohl nach der Vereinigung mit Poale Zion aus der Landesorgani* sation ausscheiden, wie der Misrachi ausgeschieden, so daß die Organisation den Charakter eines Dachverbandes verliert Unter diesen Umständen sehen sich die Revisionisten vor das Problem ihres Verhält' nisses zur Landesorganisation gestellt. Die vorherrs sehende Meinung der Revisionisten geht dahin, ange» sichts der oben angeführten Sachlage die Konsequenzen zu ziehen und nicht weiter in der Landesorganisation als solcher (die faktisch nur mehr die Organisation der All gemeinen Zionisten ist) zu verbleiben. Eine diesbezüg« liehe Stellungnahme gibt Dr. Oskar Kwasnik-Rabinowitsch in einem Aufsatz, wo es u. a. heißt; „Als Zionisten haben wir alle — Allgemeine, Poale Zionisten, Misrachisten und wir — gemeinsame Pflichten in bezug auf den Palästina*Aufbau. Es ist selbstverständlich, daß wir diese Arbeiten mit allen Kräften und Anstrengungen leisten müssen. In die K.=K.*L.S und K.-H.«Kommissionen werden wir unsere Vertreter entsprechend unserer Stärke entsenden, die nach den Ergebnissen der Kongreßwahlen bemessen werden müssen. Wir werden im Palästina*Amte gemäß dem Kongreßbeschluß unsere Vertretung haben; kurz, an allen Palästina-Arbeiten aktivsten Anteil nehmen, der uns unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht immer möglich gemacht wurde. Wir werden auch naturgemäß als wichtiger Faktor vor allem im Osten unserer Republik zur Behandlung der Orts= und Landesfragen gelangen und so gezwungen ' sein, zu landespolitischen Angelegenheiten unsere Stellungnahme zu äußern. Es steht für uns außer Zweifel, das die positive jüdische Minoritätenpolitik die einzige in Betracht kom* mende jüdische Landespolitik sein kann. Allerdings wird es einer genauen Ueberprüfung der tschechoslowakischen jüdischen Landespolitik bedürfen, die hauptsächlich von Zionisten dieses Staates inauguriert wird, bevor wir un* sere endgültige Stellungnahme in dieser Hinsicht fassen werden. Als selbständige Organisation dieses Landes weis den wir eine entscheidende Rolle in allen Fragen des öffentlichen jüdischen Lebens zu spielen haben, weil wir die einzige zionistische Organisation dieses Staates sind, die derart zu einer Sammelstätte der j ü d i s c h und. zionistisch.be w i}. ß t e n J u g en d geworden ist, welche doch immer'!deri 'Vortrupp der nationalen Arbeit darstellt. Daraus wird sich die Notwendigkeit der Umformung unserer Organisationsart ergeben/ auf die hier näher einzugehen mir heute noch nicht notwendig erscheint." :! Willy Fritsdi . Brigitte Helm in Int Geheimdienst j r Eine Filmreportage vom Geheimkampf der Weltmächte «\ mit Oscar Homolka, Karl Ludwig Dlehl, Theodor Loos Bloch-Rablnowltsch-Produktion der Ufa ' Produktionsleitung: Gregor Rabinowitsch / Photogra- -;; phie: Carl Hoffmann / Musik: Schmidt - BoeTcke 11 :; Manuskript: Walter Reisch Regie: Gustav Ucieky Uraufführung ab heute: | Gartenbau-Kino, I. Ufa-Ton-Kino, II. * Stala-Klno, Vü. Kolosseum-Kino» IX. :: Professor Einstein dementiert . Berlin, 18. September. Der Londoner „S.u n d u y E.xpress" hatte einen Aufsatz über Professor Einstein und* insbesondere über dessen Beziehungen zum deutschen Volke lind zum Judentum veröffentlicht. Durch eine rechtsstehende Korrespondenz wurden angebliche charakteristische Sätze aus dem Interview in eine ganze Reihe von Zeitungen übertragen, die sie größtenteils mit gehässigen Bemerkungen versahen. Diese reaktionären antisemitischen Zeitungen versahen die JJotiz mit Ueberschrdften wie „E d n s t e i n i s t kein deutscher Staatsbürger" usw. Im Text selbst wurde mitgeteilt, Einstein hätte sich über den „Aussehufi deutscher Staatsbürger" absprechend geäußert und gesagt, er selbst wäre kein deutscher Staatsbürger. . . Prof. Einstein ermächtigt nun den ^eutraiverein deutscher Staatsbürger j üdi s c h e n Glaubens, das Folgende zu erklären: * ■. ■>■■,. - „Es wurden mir schon wiederholt Auszüge ans einem Artikel der „Sunday Express" zugesandt, aus denen ich ersehe, daß es sich um eine glatte Fälschung Handelt. Ieh habe in Oxford überhaupt kein einziges Zeitungsinterview gegeben. Der Inhalt ist eine böswillige Entstellung eines vor elf Jahren geschriebenen^:moht für die Oeffentlichkeit bestimmten Briefes.'* .ws^ .* Ganz unverschuldet gerät Albert Ein^teiiinicht in die Lage, dementieren zu müssen. Er gibt aüauleachfInterviewe über die verschiedensten Dinge. Er läßt sich von jedejm Maoher, der Reklame für eich und seine Ideen braucht, mißbrauchen. Was Wunder, daß mau Einstein- Interviews im Bedarfsfälle pinfach erfindet. Sie sind ein allzu gangbarer Artikel. Auch scheinen die Empfänger seiner Privatbriefe nicht sehr diskret a« sein, Jüdische Eltern! Kauft Schulbücher (auch antiquarische) für Eure Kinder in der jüdischen Buchhandlung Herrn. Tuchner Wien II, Or. Stadtgute. 7 (Ecke Tabottö. 52) Leihbibliothek Alle Neuerscheinungen erhältlich. 10 Groschen täglich, keine weiteren Gebühren! Für Anfragen Telephon R-41-4-20 Eine Erklärung Weizmanns über seine angebliche Parlamentskandidaiur London, 14. September. (J. T. A.) Dr. Chaim Wcizmann, der frühere Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency, hat nach seiner Rückkehr nach London die Jüdische TelcgraphcnsAgentur ersucht, in seinem Namen zu erklären, daß er entschlossen sei, jede ihm angetragene Kandidatur zum engischen Unterhaus abzulehnen. * Jüdische Zeitungen hatten die Meldung verbreitet, daß Professor Weizmann über Wunsch MacDonalds in die Labour Party eintreten und bei den nächsten Paria« mentswahlen kandidieren werde. Ein jüdischer Preisboxer — Kandidat der englischen Nationalsozialisten zum Unterhaus London, 10. September. (J. T. A.) Vom Hauptbüro der von Sir Oswald Mosley gegründeten Partei der englischen Nationalsozialisten wird mit* geteilt, daß die Partei zu den kommenden Unterhaus« wählen den berühmten Boxer und früheren Welt* meister im Mittelgewicht Ted „K i d" Lewis als Kandidaten für den Wahlbezirk Whitechapel im Osten Londons aufstellen wird. In einem Gespräch mit dem JTA.sVertreter hat Lewis erklärt, daß er diese Kandi« datur angenommen hat und demnächst bei einem politi« sehen Frühstück der Partei, bei dem Sir Oswald Mosley anwesend sein wird, seine Politik darlegen wird. Im Hinblick auf die in England verbreitete Meinung, die M o s Ii e y t P a r t e i wolle sich organi« satorisch nach dem Beispiel der H i t l e r > B e w e g u n g in Deutschland ausbauen, wird die Tatsache, ' daß die Partei einen jüdischen Kandidaten in einem vor« nehmlich von Juden bewohnten Bezirk aufstellt, viel vermerkt. Diese Tatsache beweist jedenfalls, daß Sir Oswald Mosley keinesfalls beabsichtigt, die antisemiti« sehen Inhalte der Hitler*Be\vegung mit zu übernehmen. Ted „Kid" Lewis, der in Whitechapel geboren wurde und hier seine Karriere begann, wird allgemein „der Held von Whitechapel" genannt. Rosch-Haschanah-Botscliaf t des Präsidenten Hoover an die Juden der Vereinigten Staaten Washington, 14. September. Die Jüdische Telegraphen-Agentur New York verbreitet die folgende Botschaft des P r ä'ß :i <\ ente n H e >r b ev t Hoover an die Juden der Vereinigten Staaten aus Anlaß des jüdischen Neujahrsfestes: .„Kosch Haschanah', das jüdische Neujahr, ist die passende Gelegenheit, sich der Beitrüge eines alten Volkes an die heutige Welt zu erinnern. Jüdische Leistungen und jüdischer Idealismus sind unaußlöscliibar in das Buch der Zeit geschrieben, Durch die Jahrhunderte bis auf unsere Zeit floß von den Juden her ein ununterbrochener Strom der Bereicherung des geistigen und kulturellen Lebens in der Welt. In den Handel, die Künste, die Philanthropie, das Staatsleben und vor allem in die Evolution des geistigen Lebens der Menschheit hat die jüdische Rasse Elemente der Kraft, Schönheit und Toleranz hineingetragen, die zum gemeinsamen Erbteil aller Menschen geworden sind. Aus Anlaß des glücklichen Festes, das jetzt gefeiert wird, habe ich das Bedürfnis, den jüdischen Bürgern meine herzlichste Gratulation und meine innigsten Wünsche für das kommende Jahr auszusprechen." Ein lÜSjähriger polnisch-jüdiscliei* Freiheitskämpfer Warschau, 17. September. (J. T. A.) Der im Dorfe Taiaczki bei Grodno lebende 108jährige Moses Dogaazewski, der sich noch bis vor ganz kurzer Zeit als Schmied sein Brot verdiente und unter den Guts« besitzern und Bauern der ganzen Gegend großes Ansehen genoß, wandte sich als Veteran des polnischen Aufstandes vom Jahre 1863 an das Kriegs« ministerium mit der Bitte, ihm eine Rente auszusetzen, da er wegen Altersschwäche nicht mehr in der Lage ist, sein aHndwerk auszuüben. „Bis jetzt", schreibt der Greis in seinem Gesuch, „habe ich aus freien Stücken auf die mir zukommende Rente als Teilnehmer am polnischen Aufstand im Jahre 1863 verzichtet, weil ich mir mein Brot mit meiner Hände Arbeit verdienen wollte, heute bin ich dazu nicht mehr in der Lage, Almosen will ich auch nicht annehmen, deshalb erhebe ich Anspruch auf die Rente." _ 2000 jüdische Schulkinder demonstrieren in War, schau gegen die Aushungerung der Lehrer Warschau, 14. September. (J. T. A.) Die zentrale jüdische Schulorganisation, die ein großes Netz weltlicher Schulen mit jiddischer Unterrichtssprache in Polen unterhält, veranstaltete aus. Anlaß des Beginns des

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