Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 209 (18.9.1931)
- Date
- 1931-09-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 209 letitllMitton, auch Tanten ZWMIMrlalthtming „ELPHOItA" I., Dtmlutoflwbftstel 22 (Eeltt KM) Tai. R-24-4-18 ihrer Eröffnung festgelegt werden. Es wird auch darüber ein Beschluß gefaßt werden, ob die Olympiade nur in TeUAwiw stattfinden oder im ganzen Land vor sich gehen soll. In Palästina selbst legt man auf die Makkabiah große Hoffnungen in sportlicher, wirtschaftlicher und vor allem nationalpropagandistischer Beziehung. Der Generalsraatoaiiwalt Norbert Bentwich voip Dienst enthoben — Die Verwaltung wird judenrein Die Palästina*Regierung teilt amtlich mit, daß der Generalstaatsanwalt Norbert B e n t w i c h, der schon lange in „Urlaub" war, am 31. Oktober d. J, aus dem Dienst scheidet. Bentwich war seit der Okkupation Palä* stinas durch England im Jahre 1917 im Justizdienst tätig und wurde vom ersten Gouverneur Sir Herbeft Samuel zum Generalstaatsanwalt und obersten Leiter des Justizwesens eingesetzt. Das Schicksat dieses Mannes ist lehrreich und be« zeichnend für die Politik, welche von der englischen Büro* kratie nunmehr seit einem Jahrzehnt in Palästina be* trieben wird. Bentwich kam den Ansprüchen der anti* zionistischen Araber weitest entgegen, so weit, daß er von den Juden als Schädling an der zionistischen Arbeit im Lande angesehen wurde. Die schärfste jüdische Kritik setzte nach dem; Pogrom im Jahre 1929 ein. Man be* schuldigte Ihn, daß er es' an jeder Energie bei Ver* folgung der arabischen Mörder und Räuber fehlen ließ. Er vergaß wohl daran, daß er seine Stellung dem Zio* nismus zu danken hatte, nicht aber den arabischen Führern. Sie förderten zähe die Entfernung des ziöni* s t i s c h e n Justizchefs. Im Oktober 1929 verübten sie ein Attentat auf ihn. Er kam mit einer leichten Ver* letzung davon. Da begannen die Araber einen Petitions* stürm, welche seine Entlassung zum Ziel hatte. Als die Regierung Neigung zeigte, Bentwich zu opfern," erinnerte sieh dieser wieder an den Zionismus. Er Wandte sich an die Zionistische Leitung und Weizmarin legte beim Pre# mier MacDonald in London Verwahrung gegen das anti* jüdische Kesseltreiben ein. MacüonaW versprach Schutz und schickte „energische** Telegramme nach Palästina. Resultat: Die Araber haben recht behalten, Bentwich muß gehen. Aber es waren nicht nur arabisch*antizionistische Einflüsse am Werk, sondern auch englisch * a n t i s e m u tische. Den vom Juden Herbert Samuel eingesetzten englischen Bürokraten benagte der jüdische Kollege nicht, trotzdem er bei jedem Anlaß von den Juden abrückte. Durch die energielose Haltung der Zionistischen Leitung übermütig gemacht» gingen sie ihm gegenüber zu groben antisemitischen Flegeleien über, Nach dem Pogrom 1929 bildete die englische Beamtenschaft ein Komitee, für die arabischen „Opfer". Bentwich beeilte sich» seinen Beitritt anzumelden und eifieft größeren Geldbetrag zur Verfügung zu stellen. Man wies ihn mit dem Bemerken ab, daß bei der Aktion Juden nicht er* wünscht seien. Die Berliner „Jüdische Rundschau" schreibt zum Falle Bentwich: „Mit Bentwich scheidet der letzte jüdische oberste Beamte aus der Palästinas Verwaltung. In hohen Aemtern sind jetzt nur noch der Hilfssekretär Nurok und der Leiter des Immigrationsdepartements Hyamson. Wenn auch; wie aus dem oben Gesagten hervorgeht, wegen des Mißtrauens von beiden Seiten Joden in der höchsten Verwaltung Palästinas einen schwereren. Stand zu haben pflegen, so muß doch diese Tendenz zur „J u d e n r e i n h e i t" der Verwaltung mit großem Be« dauern festgestellt werden. Es wäre äußerst bedenklich, ' wenn, wie man leider annehmen muß, hier nicht nur eine verwaltungstechnische Personalmaß« nähme, sondern ein P r i n z i p vorläge." Die „Jüdische Rundschau", welche die Politik des ständigen Nachgebens gegenüber den antizionistischen Arabern und der englischen Regierung immer unterstützt hat, ist enttäuscht. Mit Unrecht. Das Schicksal des jü* dischen Generalstaatsanwaltes ist dos notwendige Re* sultat dieser Politik. ' ' DARMBAD Wien I, Graben 1Ä / Tel. U-26-4-30 Varianten si« PrptpBW Institut DK.Lobenuem;- mi Die Levante*Messe TelwAwiw 1932 Mespe und Ausstellung :,xiv'k>n'> Direktor der LandwärtsohÄftlichen f Schule inMikweb> Israel; A. Shen'kax (Vorsitzender des Verbandes de* palästinensischen Industriellen und Inhaber der Fabrik ^Lodziah"); Dr..A, L Kastelaansky, ,.]£, Berli.n (Mitglieder des Waad Leümd) und 1^. E s e ic o | f^Jaffe, idelson und T o x o k o r von!der Gesefls^fiaff Sascha» Wfix haiben keine Gelegenheit unbenutzt gelassen, um auf die Notwendigkeit wirtsthaftlicher Maßnahmen, bzw. auf die Förderung kaufmännischer Interessen an Palästina hinzuweisen. In einer Reihe von Aufsätzen hat „Die Neue Welt" die Wichtigkeit des Industrie- und Handelsschutzes betont, sehr oft im Gegensatz zu anderen Richtungen, . welche. v,on eaner Stützung des Mittelstandes und einer Forderung der Privatinitiative nichts wissen" Sollten. Unser jüdischer Handel und unsere jüdische Industrie haben sich aus eigenem. geholfen. Das Resultat dieser Bemühungen wird eich in der Levante-Messe Tel-Awiw zeigen, über die wir den folgenden Vorbericht von der Messeleitung in Tel-Awiw erhalten. Es wird intensiv an den Vorbereitungen zur Eröffnung der Levante-Messe Tel-Awiw 1932 gearbeitet. Das Komitee der Messe besteht aus denselben Personen, die an der Spitze des Komitees der Ausstellung in 1929 standen, und zwar MDizengoff, Bürgermeister von Tel-Awiw (Vorsitzender); Mitglieder: S. Hoofien (Direktor der Anglo-Palästina-Bank und Vorsitzender der Handelskammer); S. Tolkovsky (Citrus Exchange), Direktor der Jaffa Fruit Co.; A. Krause, I« wTaasiÄ; die ,die VeraiKtftlter ' Der. Qberkönimissai;. P^äj#nas Jjfat, m ^lc.^ufitdteUungr1929,;aas PatVona^uÄWS^iWiM. Vorsitzender d,©r Jur7 äs* I. F. Ca oip ib e 11, ^uVerheur des südlichen Bezirkes.' Man erwarteteaae^ griffe Beteiligung seitens der Regierung und ihref Dejpar%ments. ' Dp Levante-Messe wird in zwjeii Richtungen ausgebaut; als Messe und als Au ss tellung^.Als Messe reflektiert sie auf die Länder des mittleren Ostens: Palätina, Syrien, Aegypten, Mesopotamien und Persien. £s wird erwartet, daß in der Messe einige Tausend europäische Firmen ausstellen werden, womit die Kaufmannschaft des mittleren Ostens die Möglichkeit bekomjnen wird, wirtschaftliche Verbindungen mit Europa zu schließen. Die Messe beansprucht somit, die Leipziger Messe des mittleren Ostens zu werden und Palästina als Transitland zwischen Europa und Asien auszubauen. Klavierunterricht erteilt sehr t«wlftMftfiaH staatlich geprüfte Klavierpädagogin (mit Auszeichnung^ in und außer Haus unter günstigen Bedingungen Sofie Neumann-Kleiner Wien, XX., Karl-Melßel-Straße 4,1. Stock, Tür 50 Zu gleicher Zeit bietet der zahlreiche Besuch der Kaufmannschaft des Nahen Ostens in Palästina zur Zeit der Messe den palästinensischen Industriellen große Vorteile für die Erweiterung ihrer Geschäftsverbindungen auf den Märkten des Nahen Ostens. Es ist bemerkenswert, hier zu erwähnen, daß die palästinensische Industrie, die nooh vor einigen Jahren gegen die Organisierung von internationalen Messen in Palästina war, heute die Beteiligung ausländischer Farmen an der Messe fordert und dadurch beweist, daß sie heute schon in einigen Artikeln, was Preis und Qualität anbetrifft, konkurrenzfähig äst. Der große Erfolg der 1929-Ausstellung und Messe, die in einem viel kleineren Maßstab als die bevor* stehende organisiert war, gibt Anlaß zur Anna-hme, daß die 1932-Messe ein wirklicher Faktor dm wirtschaftlichen Leiben Palästinas werden wird. Wenn aber die Messe eine außerorderitRch große Bedeutung für die Wirtschaft des Landes hat, so ist die Ausstellung von besonderem Wert für den Aufbau des jüdischen P a I ä s t i n a. Es Werden Schritte unternommen zur Organisierung zahlreicher Touristengruppen nach Palästina zur Zeit der Ausstellung. Das Judentum muß Palästina!wieder näher kommen und sieh überzeugen, daß auch unter den gegenwärtigen Verhältnissen Palästina seine Wirtschaft intensiv weiterbaut, daß es eine Reifte von Wirtschaftszweigen gibt, wo man gut basierte, und rentable Investierungen machen' kann. In Verbindung mit der Ausstellung ist eine Reihe wirtschaftlicher Konferenzen, Sitzungen, Kommissionen usw. geplant, jund;kt;.e$ anzunehmen, daß jedermann, der wirtschaftliches 'Interesse a"n Palästina.hat, zur Zeit der Ausstellung das Land besuchen \«fi'rd, um an Ort und Stelle? die nötigen^ Informationen einzuholen, Möglichkeiten zu prüfen usw. >. j , ,; - - , Das Komitee,: der .Messe steht in Verhandlungen mit verschiedenen Schiffsgesellschaften und Eisenbahndirektionen zwecks Erlangung aller möglichen Ürleictiterungen und. Ermäßigungen. Es werden auch Schritte unternommen, um nicht nur die F a h r t, sondern auch den Aufenthalt _'m £>aude selbst zu verbilligen. ' ' ' -' Dr> §* E+ Soskin und Frau . Genf . gratulieren ihren Freunden m WkH zum Neueiii Jähret Familie Juda Herz 1K, <*ioße Pfavrgasse 11 wünscht allen Verwandten, Freumlen und Bekannten avö iai' Nichtvorhandensein einer Erbschaft konnte ihren feisen» festen Glauben ins Wanken bringen. Ja, noch mehr; Im Zuge der modernen Organisationsbestrebungen schlössen sich die „Erben" zusammen und gründeten drei Ver« eine, die sich gegenseitig als unlautere Konkurrenz be« trachten. Jährlich treten diese Vereine zu Generalver» Sammlungen zusammen, im übrigen harren sie unentwegt der großen Erbschaft. Vor einigen Monaten entstand eine neue „große Erbschaft"; die Erbschaft des Lord d'Aquillar. Da war es wieder die böhmische Judenheit die in furchtbare Erregung geriet Durchaus begreiflich angesichts der Tat« sache, daß es sich um 4? Millionen englische Pfund, also anderthalb Milliarden Schilling handeltet Allerdinga erwiesen sich die Grenzen Böhmens bald zu eng, um alle Erbberechtigten fassen zu können. Außer den eingeborenen Familien Kohn, Agular, Weiner Roth, Golde stein — und wer nennt alle Namen! — meldeten sich auch noch die Barone Groedel, die vom Judentum schon längst abgefallen sind, und sich plötzlich ihres abge* streiften Judentums erinnerten,' und Graf Coudenhove« Kalergi, der auf Grund der Verwandtschaft seiner jüdischen Frau Ansprüche erheben zu können glaubte. Was wurde da nicht alles an Legenden aufge» tischt! Von einem Lord Moses Raphael d'Aquillar war die Rede, der, einer MaranenfamÜie entstammend — wahrscheinlich in Anlehnung an Horovitz in Amerika —, Bischof wurde, dann nach London ging, dort zum Judentum übertrat, Lord wurde und sich »päter in Wien niederließ, wo er es durch Spekulationen zu einem uner< meßlieben Reichtum brachte, dann wieder nach London ging, wo er auch starb. Das Unterlassene Vermögen betrage nun 43 Millionen Pfund, die den Nachkommen seine» in Böhmen angesiedelten Bruder» gehören, Und als eich mm die Erben meldeten, da sah man erst, daß «ach an uns Juden der Segen der Thora erfüllte: „Seid Ümiillar und mehret euch und füllet die ErdeJ" Die Erben entfalteten eine fieberhafte Regsamkeit: Untersuchungsausschüsse wurden gebildet, Prüfung»* ämter und Juristen sichteten das eingereichte Material. Der Stammbaum wurde festgestell, die Suche nach ver« schollenen Gräbern begann, Matrikelämter und jüdische Gemeinden wurden mobilisiert; Tempelhöfe und Karte« theken durchstöbert und zwei'Anwälte nach London entsandt Eine selbst in jüdischen Kreisen unerhörte Pietät gegen die Ahnen ergriff die späten Nachfahren. Aber schon als die ersten Nachrichten über die' Person des Erblassers, des „Lord d'Aquillar" in den sensations* lüsternen Zeitungen erschienen» mußte sich jeder in der jüdischen Geschichte nur einigermaßen bewanderte Mensch fragen, ob es sich hier nicht um einen Purim* scherz handle. Denn Diego d'Aguilar, der nach seinem Uebertritte zum Judentum den Namen Moses Lopez« P e r e y r a führte und dessen Mutter auf dem alten Wiener jüdischen Friedhof in der Seegasse begraben liegt ist doch keine legendäre Persönlichkeit aus dem grauen Altertum, die es verdient hätte, daß ihr unwissende und wenig gewissenhafte Prager Journalisten Lügenkränze um das längst verwitterte Haupt winden. Die jüdische Geschichte kennt die edle Figur d'Aguilar» sehr wohl und wenn man auch Über seine Anfänge nicht genau Bescheid weiß — von den Sagen, die sich um seine Person ranken und ihn, in seiner Jugend, das Amt eines Inquisitors bekleiden lassen, ganz zu schweigen —, so steht doch fest daß er nie Bischof war, aber von seinem weiteren Lebenslauf, nach der Uebersiedlung nach England, ist man wohl unterrichtet Um das Jahr 1730 kam er nach London. Es ist eigentlich beschämend, wie groß die Unkenntnis von , der jüdischen Geschieht« ist Man darf den Lesern unwidersprochen da», Märchen auftischen, daß ein Jude ™ Beginn des 18. Jahr» hundert« eh'güscbe'r Lord werden konnte, ifia* in man, srsehewewte «Aadjäcte" Aaitaag Ufit mk das noch „eigens'« berichten,) In Wirklichkeit, waren die Juden um diese Zeit in England kaum geduldet. Es mußten mehr als anderthalb Jahrhunderte vergehen, bevor der erste Jude (Rothschild im Jahre 1885) mit der Lordwurde ausgezeichnet wurde. D'Aguilar war in Wien kein wüster Spekulant sondern Pächter der Tabakregie in den böhmischen und österreichischen Ländern, der zu einer Zelt, als es noch in Oesterreich keine Börse gab, der Regierung sehr wichtige und be» deutende Dienste leistete. Und Baron d'Aguilar war auch stets ein treuer Schützer seines Volkes. Er rettete 1742 die mährische Judenheit vor dem Untergang, . setzte »ich auch für die Prager Juden ein, als sie 1744 aus 4er böhmischen Hauptstadt vertrieben wurden. Auch aridere Gemeinden wandten sich an ihn und fanden immer in ihm einen werktätigen Helfer. Aber wie dem auch sei; auch dieser Traum ist zerronnen. Die Milliarden schrumpften zu armseligen 4000 Schilling zusammen, und auch die sind nicht zu haben. Die jüdischen Mystiker unserer Zeit sind am einen Traum ärmer. Eigentlich schade, daß das öster* reichische Bundeskanzleramt «o jäh mit roher, Hand den Hoffnungsschleier zerriß. Dabei ist das Merkwürdigste an der Sache, daß der einzige Sohn des Baron» Ephraim Lopez d'Aguilar, da» ihm Unterlassene bedeutende Vermögen noch erheblich vergrößerte und m ganz England durch seinen Geiz berüchtigt war. Wo ist also da» Geld? Das läßt sich um so schwieriger beantworten, als Baron Ephraim «ich bereits *8oa zu seinen Vätern versammelte. Und so bleibt da» große Rätsel ungelöst Träume von großen Erbschaften sind Zeichen der »ehweren wirtschaftlichen Not. Der Wunsch ist da Vater de», Gedanken». Und wenn die Nqt nicht bald vorbei ist, so laufen wir Gefahr, wieder einmal von einer neuen irrrftnirt jjHitrrhTtTL iz«*»»«*»»*» > hs»»»> ^If"-»^"»— ^^w^^^^^mz^^v ^^»^^^www^PW^^F ^P^»J*T»niPwp»WB»J|. V