Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 209 (18.9.1931)
- Date
- 1931-09-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seile S Dffi NEUE WELT tf?. m Damin-Muntfl mit Pelz, Ia Wollstoff. S Backfisch*Mantel ii« aus engl. Stoff mit Pelz Sil« Mädchen-Mantel reine Wolle, strapazfähig S fJir 6 Jahre . .., . Baby-Manierl für 3jähriges Mädchen . 8 36 ,50 .50 dDAMENMODENHAUS I. Kärntnerstraße Nr. 12, wegen seines jüdischen Aussehens verprügelt. In der Nähe der Gedächtniskirche wurde ein Herr v. Ijöwenstein, ein früherer Offizier, der kein Jude ist, aber etwas jüdisches Aussehen hat, blutig geschlagen. Auch vor dem Cafe H e ß l e r in der Kantstraße veranstalteten die Hitler? Leute einen Tumult und schlugen die Fensterwand ein. Die nationalsozialistische Aktion kam so plötzlich, daß die Polizei von ihr vollkommen überrascht wurde und t niöht rechtzeitig an den gefährdeten Punkten erscheinen kannte. Wo sif «he* ersehien, griff sie, wie AugöpaßUgen bifichten, scharf du?ßh. Gegen H Uhr abends war die Kllhe wieder hergestellt. Zu irgendeiner Alarmierung jüdischer Selbsthilfe war, wie uns mitteilt Wird, kein Anlaß, weil die f©lizei, wenn auch spät, 4urch> gegriffen hat, #tw* 50 Nationalsozialisten wurden vor* Wftet. Am Sonntag abfpd wiederholten sieh, wenn auch in vermindertem Maße, die nationalsozialistischen Aus« lohreUungen gegen jiidiiehe SynÄgogenbeaneher. Plannet war der Schauplatz dei Horden Berlins, National« sozialsten blockierten eine hauptsächlich von Ostjuden besuchte kleine Synagoge in der Weise, daß sie sich an beiden Ausgängen der Straße, in der die Synagoge liegt, Sortierten. Als die Andächtigen am Ausgang des Rosch* [aschänah'Festes die Synagoge verließen, wurden sie von den Hitlsr«Leutän attackiert. Von (Sanftmut deutscher Frauen * . , Am 5, und 6, September fand in Potsdam der ReicljggrUiidungptag des deutschen Fruuenqrdene „Rotes Hakenkreuz" Statt. In den Pausen zwiiechen den Referaten sangen die Teilnehmerinnen erbauliche Lieder. Eines mit dem Refrain; ..Erat wenn die Juden bluten, erst dann sind wir befreit." Um da# Sehüehtyftrlwt Wie die Berliner Rejcliszentrale für Schüchtangolßgenbeiten mitteilt, ist in B i e l e f e 1 d in der Stadtvepordnetensitzung der Antrag auf Schäphtverbot abgelehnt worden. Ursprünglich wurde der von nationalsozialistischer Seite eingebrachte Antrag von der Fleischerinnung, die in. Bielefeld Besitzer des Schlachthofes ist, abgelehnt, später jedoch unter dem Druck von an den Vorstand dpr Schlächterinnung gelangten Drohbriefen unterstützt, Der Magistrat nahm die Vorlage mit Stimmengleichheit an. Jn der Stadtverordnetenversammlung wurde zunächst eine Kommission zur Prüfung der Angelegenheit gewählt. Nun kam es. zur endgültigen Ablehnung. Der Referent führte aus, daß der Antrag In die G e w is s e n s f r e ib.ei t einer Gruppe MI < .....•••»—»»•§»»>•* * .....HIMMMW Flfdit/ OtfMgei, ftultft, Efe» und §#f«hw«f#it Im 8p«zia|gesehöft Wien VII, Biirggaiie Nt* 44 Inhabert A< MMte» / Tel« B*3iI«0«9I des Volkes eingreife. Die Frage einer mit dem Schächten verbundenen Tierquälerei werde von vielen Gelehrten bestritten. Der Versuch, die Angelegenheit jetzt blaß als eine Frage „Tierquälerei oder nicht?" hinzustellen, müsse entschieden zurückgewiesen werden. Auch der kommunistische Redner sprach sich gegen ein Schächtverbot au«. Der Antrag wurde sodann mit den Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten, des Zentrums und der Wi r t s c h a f ts- Partei abgelehnt. Ebenso wurde vor kurzem in Wertheim (Baden) der Schächtverbotsantrag der Nationalsozialisten mit allen Stimmen des Gemeinderates gegen die Antragstoller abgelehnt. Hier hatte die Handelsgesellschaft Pjoteet bei der Stadt eingelegt, und auch die Viehhändler haben ejne entschiedene Erklärung gegen das beantragte Schächtverbot abgegeben. * Interessant ist die Aenderung der Haltung der Sozialdemokraten und Kommunisten in dipser Frage. Bisher sind beide Parteien in den Landtagen und Stadtversammlungen d a f ü r eingetreten, den Juden das Schächten ohne vorherige Betäubung der Tiere zu verbieten. Besonders entschieden war die Stellungnahme der Kommunisten. Wird doch in Sowjetrußland das Schächten mit Kerker bestraft. Nun haben in Bielefeld und Wertheim die gleichen Parteien das Schächtverbot durch ihre Stimmen zu Falle gebracht. FP M ■ CK 1*1 Wien VI, Amerlingst^alle I Qualitätsware, teste AnstQhrung GEGRÜNDET 1873 HERREN-WIA S S-AT E LI E R Wir kaufen Kassa ein und verkaufen nur gegen Barzahlung« Demzufolge billige Preise« RUNDSCHAU De* Putsch in Oesterreich Während am schönen Sonntag des 13. September die Bevölkerung Wiens ihren ruhigen Spaziergangdurch die feiertäglichen Straßen machte, versuchte draußen in der Provinz Steiermark die „Heimwehr1*, den Bundesstaat Oesterreich zu erobern. Das Abenteuer mißlangt es scheiterte infolge der Dummheit und des Dilettantismus der Führer, es scheiterte infolge der friedlichen, Putsch« manövern abholden Bevölkerung Oesterreichs. Aber es wäre ein schwerer Fehler anzunehmen, daß dieses Exempel auch weiterhin die Ruhe in der österreichischen Republik verbürgt, daß die friedliehen Bürger dieses Staates auch künftighin von Extempores einzelner Gruppen bewahrt bleiben. N.ach schweren inneren politischen Kämpfen, die gleich nach Kriegsende einsetzten und bald der ejnen, bajef der anderen „Weltanschauung" ein Uebergewicht brachten,. schienen sich die Machtverhältnisse In Oester« reich ausbalanciert zu haben, Einem Ruck' nach links folgte fa§t mathematisch ein Ruck nach rechts; Zwischen fliesen.?wej kräftigen Polen würde die ausgleichende jMitte sozusagen zerrieben, so daß heute wiederum die extremen Parteien, die äußerste Rechte und die radikalßozialistische Linke, im ewigen Wechselspiel das Schicksal dieses Staates zu' bestimmen sich berufen fühlen. Wenn auch diesmal der Putsch der Helmwehr einer spezifisch jüdischen Note entbehrte und antisemitische Signale nicht ertönten, so darf man. sich noch nicht dem Glauben hingeben, daß die österreichische Judenheit nur wie ein platonischer Beobachter Zeuge alles politischen Geschehens sein kann. Sie hat auch einen kleinen Stein zum Mosaik des politischen Bildes in Oesterreich bei« getragen. Maeh rechts »war nur in geringem Maß an* «agiert, haben die österreiehisehen, die Wiener Juden den liwken Flügel nicht unerheblich gestärkt und dadurch m der unseligen Situation beigetragen, die in dem Kräfte? Parallelogramm Reehts-^-Links zum Ausdruck kommt. Es war der offizielle Zionismus, der es nicht verstand, die Jugend vor allem an sich zu binden,, ja sogar in vielen Fallen den jüdisohmationalen Gedanken den Wiener sozialdemokratischen Tendenzen unterstellte und dadurch den Kampf der Klassen verschärft. Die Ruhe nach dem kalten Keimwehrputsgh iat wiederhergestellt. Aber die Gefahr für die Juden in einem Lande, dessen politisches Gesieht ausschließlich vpm rechten und linken Druck charakterisiert wird, dar^f nicht bagatellisiert werden. Passivität ist nicht das richtige Rescpt. Will die österreichische Judenheit nicht »wischen die Mahlsteine geraten, dann muß sie ihr eigenes national« jüdisches Profil allen jenen Tendenzen entgegenstellen, die sie, die Judenheit, in die innerpolitischen, lokalen Kampfe hineinzerren wollen- Der TO jährige Artur Schnitzle* über den Antisemitismus Nach einem halben Jahrhundert literarischer Tätig* keit steht Arthur Schnitzler ziemlich vereinsamt da, als. Dichter und als Mensph. Der Mann, der in der Welt* Üteratur mit der Marke der spezifisch wienerischen Note ausgestattet i^t .r— ljteraturvulgär Schöpfer des „süßen Mädels". — mag ajs Dichter mit Recht oder Unrecht in. einer heute nicht mehr umkämpften Äbs^itssteHun^ stehen. Als einsamer Mensch weist ei?' gewiß charftkte* rlstisehe' in^ividualzüge auf, ungleich allen jenen eilen? bogentüchtigen israelitischen Kulturkampfern, die dem heutigen deutschen 3ohrifttum eine etwas fragwürdige &ote* geben. Arthur Schnitzler ist nicht ohnewejters interview« bereit, in der Tagesehronik, in den Tratschrubriken scheint der Name des Theateraytors von Weltruf nur sehr selten auf, das, was er seine Wettansehauung nennt, hat der Denker Schnitzler in sympathisch distanzierter Abstraktion in seinen Sprüchen niedergelegt, die «war bekannt sind, s aber bei weitem ,nicht sq. „berühmt" wie Aeußerungen einiger seiner DichterkoHegen," die der Öffentlichkeit ihre Gefühle und Taten mitteile»; die m Politik, Kultur und Weltanschauung sich „kämpferisch" bemühen. Der 70jährige Schnitter hat selten mv Judenfrage Stellung genommen, Penn das Anschneiden des, Juden* Problems in seinem Roman „Der Weg ins Freie" trägt weder de» Charakter eines persönlichen' Bekenntnisses noch sagt es auch objektiv Wesentliches aus. Man hat Schnitter häufig vnd gerne als den Prototyp dea assimilierbaren Juden bezeichnet. Hier sei einer der dem Jüdischen so ferne liegenden Welt Entrückten, dessen .Gestaltung obendrein eng an seine individuelle Erlebnis? Sphäre geknüpft ist, Und es lagen dann und wann Aeuße? rungen SchniUlerg vor, die sein Unbehagen an dieser Qualifikation verrieten, Per Zeichner von Milieus h, la Anatol, Leutnant Gustl, Liehelei, usw., scheint sich den* noch in seinem „Urwienertum" nie ganz sicher gefühlt «u haben, und wenn er heute, von einem jüdischen Jour? nalisten (erschienen im „Canadian Jewish Chronicle", „The Literary Piquest", „Die Auslese") über den Antl* semitismus befragt, diesen als das Lebens« e 1 e m e n t für das Judentum und dessen weitere Existenz bezeichnet und sagt: „Die Christen hoffen uns durch ihre Verachtung zu vernichten, in Wirklichkeit bewirkt ihre Verachtung, daß wir gedeihen'* und weiters „Die Juden werden stets anders sein und werden stets an der Spitze menschlicher Fähigkeit marschieren; sie müssen stets in der Minderheit sein!", so beaeugen diese Aeußerungen ein Doppeltes; müde Resignation eines den Quellen de* jüdischen Wesens entrückten Menschen und jenen Ueberrest yon StolZt der einem Charakter, wenn auch aus dem Nährboden gerissen, immer noch übrig bleibt. Tröstlich ist beides nicht. Das Gedeihen unter 'der Verachtung ist das Rezept für eine Pflanze, die im Sumpfboden wuchert, deren Blüten bekanntlich nicht d$n angenehmsten Duft haben. Die Antisemiten haben im übrigen andere Methoden für unser Gedeihen, als es die der Verachtung sind. Und das Marschieren an der Spitze ist eine ebenso problematische Funktion des Jude* seips in der Galuth. Wenn es schon an und für sich frag* Uch ist, ob Juden solcher Art «n der Spit??e marschieren können, so ist die bejahte Form von der Minderheit Ausfluß eines Standpunktes, der das traurige Bestehen der Minderheit sanktionieren will. Aber es gilt nicht, mit dem?9Jährtg«n Sebaftzhff zu polemisieren. Es gilt, eine Resignation aufzuzeigen! die im Sumpf gedeihen und in der Minderheit bleiben will — das verhältnismäßig noch gümpfHohe Produkt einer vertanen jüdischen Epoche, Jakob Schiff hat 35 Millionen Dollar hmierlassen — Nicht einen Ceni für das Jüdische Naüonalhebn New York, iU September, 11 Jahre nach dem Tode yon Jakob H. Schiff, dem großen Philanthropen und Ftibror der amerikanischen Juden, ist vom stellvertretenden FinanzjwmmissSr der Regierung eine endgültige Schätzung, seines Unterlassenen Yermögens bekannt gegeben worden« twt dieser Schätzung betrug die Hinterlassenschaft von Jakob Schiff 33 Millionen Dollar. Unter verschiedene jüdische -und nichtjflddßohe. Wohlfahrtßinstitutionen sollen 1,350.000 Dollar verteilt werden. Schon za seinen Lebzeiten hat Jakob H. Schiff mehrere Millionen zur Schaffung und Erhaltung philantb?ppischer Institutionen gestiftet. Das Testament bestimmt, daß das Unterlassene Vermöge» zwischen seinem Sohne Mortimer L. Schiff, der im vergangenen Fftthjahr starb, und seiner Toqhter Frau Frieda S c h i f f- W « r b u r |r» der Gattin Feüx M, Werburgs, geteilt werde. Die Vermächtnisse für öffentliche, Wobfahrtsanstalten betrugen; 500,00© Dollar für die NewYorkerJewiab Federation. 3QQ.QQQ EMlar für das Montcfioreüospital, 400,000 Dollar für die Union of American Hebrew Congregations, 00,000 Dollar für das Jewish Theolggieal Seminary Und,. je 35,000 Dollar für das IsraelitisqUe Waisenasyl in Frankfurt und das Salomon und Betty Loeb-Sanatorium- Andere Vermächtnisse betrafen die Columbia- und die Harvard-Universität, das Metropolitan Museum of Art, die New Yorker Voiksleeehaile, die Henry Street Settfement und sieben andere öffentliche Institutionen, # Bin reiehe? Jude, der eine offen« Hand hat, rättet wim Sterben. Er denkt darüber naeh, wie er aueh n-aeh dem Tode Gutei stiften könnte, & denkt m Spitäler, k