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Die neue Welt · 1931-09-18 · Heft 209 (18.9.1931) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 209 (18.9.1931)
Date
1931-09-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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tfif? ^^WbUotheV Wien. Tui ÜnWetsU'a* U«' «tr;»n.!• Preis 35 dreschen fakrgaftg $ Frtfcag, aVii 1«« ScptewatWt 1911 Nr. V« b« b« BEZUQSBEDlNOUNOENi Oesterreich monatlich S 1J0, vierteljährig S4.20, ganzjährig S16.-; Polen monatlich Zloty 2.-, TlerteUahrig Zloty 6.-; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jagoefowtn monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.-: RttmaiHen monatfleh Lei 40.-, vierteljährig Lei 130.-; Detrtsehlnod monatlich Mark 1.-. viertelittrlg Mark 3.-: B«l*ariea monatlich Lewa 40.-, vlerteltthrlß Lewa 120.-; Italien monatlich Lire 5.-, v*wrd]ihflg Lire 14.-; Sdnreti «ad <ße ihrigen Linder monatlich Schweizer Francs 1JD. TferteP (Ihrig Schweizer Francs 4.S0 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER fttfrfdttfon it. feiw^ REVUE WISSEN SIE SCHON,«» SDßBTUATTPßQuo,,IÄUwaren am SoSSJm . MlWBtsB varkimlt TrS'sunÄ Beslohtlgen Sie un«ep Rie«en>Skl>Lagar 1 ^~m^ma~mmmmm*m^^m~—*~—^—mm~^^m»^mmmmmmmmm^m^^mßi^m*m^mmmmm*mmmmmmmmmmmmmmmm Skandal um Rothschild In den Zeitungen ist jetzt der Name Rothschild häufig zu lesen/Eine Wiener Bank von Weltruf, die Oesterreichische Credit-Anstalt, deren Präsident der Chef des Wiener Hauses Rothschild ist, geriet ins Wanken und mußte die Hilfe des schwachen Staates in Anspruch nehmen. Das ist bedauerlich, aber nicht beschämend. Die heutige Zeit bringt viele traurige Wunder dieser Art hervor. Aber aus den Trümmern der gefallenen Unternehmungen steigt Gestank zum Himmel. Man spricht von Betrug, gemeiner Beutelschneiderei. Vor allem tobt sich ein berühmter Schauspieler, der Charakterdarsteller Pallenberg, in den Spalten aller Zeitungen aus. Er hat bei der Anistelbank, einem von den Direkt, toren der Credit-Anstalt gegründeten und geleiteten Unternehmen, sein großes Vermögen verloren und will sich das nicht ruhig gefallen lassen. Er schildert temperamentvoll undausgiebig, wie schnöde er und viele seiner Kollegen von dieser feinen-Direktorengesejlschaft hineingelegt wurden. Die Herren .Direktoren und ,. ihre noblen' Agenten und Agentinnen haben sich bei Prömieren,.; Banketten1 und Elitebällen an Künstler und ebenso , ahnungslose Aristo-' krateji herangemacht. Zwischen dem Champagner und 'G^rächien /über ^iteratuir; Ktirist üntf Pferderennen hat .man Benierkung&v eingösdhmuggelt.: Uebkr ein..feines',, eitlusiyes' .Bankhaus!!, nur ausgewählte Klientel, bietet allerhöchste Zinsen und allerhöchste Sicherheiten, schützt überdies hinter vornehmster Diskretion die Klienten vor der Belästigung durch die Plebejer der Steuerämter. — Ist auch Rothschilddabei? — Na, na, darüber spricht man doch nicht. Ist es denn nicht genug, wenn seine Freunde, seine Direktoren, seine Bevollmächtigten verantwortlich, zeichnen? — 'Kleinigkeit?! Direktor und1 Verwaltungsraiskollege von Rothschild! Kleinigkeit?! ' > Gescheitere wären auch auf diesen Leim gegangen. Die berühmten Künstler gaben ihr Geld her und die berühmten Direktoren steckten es ganz ordinär und diebsmäßig in die eigenen Taschen und ließen ihre feine Bank und ihre feinen Klienten glatt hineinfallen. Pallenberg tobt. Mit dem Namen „Rothschild" hat man ihn hineingelegt. Er hält sich jetzt an Rothschild. Er wird einen Enthüllungsvortrag über Rothschild halten. In Wien, Berlin, Dresden, Leipzig. Das Datum ist bestimmt, die größten Säle sind schon gemietet. Er hat ,ein Theaterstück bestellt, in der Hauptrolle als Haifisch Rothschild tritt er selbst auf. Ob's dazu kommen wird? Aber der Skandal um Rothschild ist , da, breit und groß. . ...... * . Der Reichtum der Rothschilds ist gewiß oft gegen die Juden ausgespielt worden. Aber man kann nichi sagen, daß die Familie'Rötschild dem Judentum jemals; Schande und Schaden' zugefügt hätte, wie andere Reiche. Ihre Geschäftsgebarung war immer korrekt, hielt jeder Kritik stand. Ihre Firma blieb bei wilden, verbrecherischen Spekulationsäusbrüchen ungenannt. Ihre Lebensführung war diskret, frei von Schmutzerei und Protzerei. Sie hat die Oeffentlichkeit nie mit unsauberem Sprech- und Lesestoff versorgt, nicht mit den Bildern ihrer Pferde, Hunde, Weiber und- Schlösser belästigt. Die Rothschild blieben in würdiger Haltung beim Judentum. '','.'.' '■': ' '' ' ' Und auch jetzt, da der Name , der Rothschild in den Skandal geraten ist, kann von einem Vergehen oder Verbrechen, von skrupellosen Manpvem . ihrerseits nicht die Rede sein. Die itothschild haben an den Unglücksfällen der Kreditanstalt und den Schwindeleien ihrer Direktoren nichts verdient. Sie haben Opfer gebracht und schwere Verluste erlitten. Ihre tragische Schuld besteht darin, daß sie aus ihrer lange gewahrten Reserve herausgetreten sind. und sieh in eine Gesellschaft begeben haben, die mit ihrer Fäulnis jeden ansteckt, der in sie hineingerät. Die Mehrzahl des Direktorenklüngels, das hinter dem Namen Rothschild seine diebischen Fischzüge getan hat, besteht aus getauften, ausgetretenen und ganz „assimilierten" Juden. Die Garde des Klüngels aus ebensolchen Journalisten. Parfümierter und gut angezogener Auswurf des jüdischen Volkes. Leute, die bei ihrem Aufstieg iht Judentum, ihre jüdischen Beziehungen weidlich ausnützen und wenn sie oben sind, das Judentum anspeien und wegwerfen. Wenn sie treulös und skrupellos ihr Volkstum verraten, ausnützen und dann mit einem Tritt beiseitestoßen, warüm sollen sie mit Protektoren und Ge- Willst Du Deine Frau nicht kranken, Dann mußt Du Ihr 'neri Teppich schenken (Doch einen guten, vom Teppich-Schein In Wien am Bauernmarkt allein I) Schäftspartnern anders umspringen? Wer rein zu ihnen kommt, geht besudelt weg. So ist es «um Skandal um Rothschild gekommen. Judenhaß in Berlin Am Sonnabend, den 12. September, am zweiten Abend des Rosch*Haschanah*Festes, wurde der natio*. nalsozialisfische Mob gegen die Juden im B 6.r 1 i n e r W e st e ri nach einem vorher gefaßten und .geriau ausgearbeiteten Plan mobilisiert. Wie es schon die ^ejatelbej solchen Anschlägen ist, hielt sich die eigent* fii^jift Kefnfrüppe der Sturmabteilungen Hitlers noch zu* es, \yurden, zunächst Jugend'licheünd Halb*;Vir& h sl'g e vorgeschickt, die aber, wie festgestellt wurde, unterdem Befehl erwachsener Hitler«Leute das blutige Terrorwerk vollbrächten. " ' Nach < Schilderungen ypn;Augenzeugen; haben sk die Vorgänge ungefähr .wie.;,fol^ U#rabends tauchten ^plötzlich»^r£. ^zahlreichen -Stellen des Berliner- Westens stärkere Trupps-Hitler? Jungen auf. Diese, joaeeeeeaaaeaaexeeaeMneeeeaaiaiMMaMaaMaaMaMMa Sie brauchen y ' kalt abwaschbare, extrastarke Original-Zelluloid .,/Payadruii"gTUWs oder T a p e I e n g S c h o n e r zur Schonung Ihrer Türen, zu. jeder Türe oder Tapete passend . 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Rosch*Haschanah*Andacht geplant gewesen, die Veranstalter hatten sich aber in der Zeit verrechnet; denn als sie (kurz vor 9 Uhr auf dem'Plan erschienen, waren die Andachten bereits beendet, der.größte Teil der Andächtigen hatte die Synagogen verlassen, so daß den HitlerJungeri nichts übrig blieb; als über die etwas verspätet heimkehrenden Synagogenbesucher herzufallen. Insbesondere scheint der j ü d i s c h e Tempel i n der Fasanenstraße das .Ziel des Anschlags gewesen zu sein, denn verschiedene . Trupps hatten sich so' postiert, daß sie alle zu der Synagoge führenden Straßen blockier* ten. Schauplatz der Ausschreitungen ' war der Teil des Kurfürstendamms zwischen Knesebeckstraße und der Kaiser*WilhelmiGedächthiskirche samt Nebenstraßen, ein« seine Attacken kamen aber auch in der Tauentziehstraße, aqa Nbjlendqrfpjatj! und in anderen Gegenden vor,, . Die Art der Ausschreitungen war von einer .schwer wiederzugebenden Roheit. SprechebÖre brüllten: „Deutsch* land ,erwache, . Juda ve^reckel", /„Schla.gt die J u den;t o 11",. „W e n n 's. J.u dp njb. 1 u t v o m;M e 's s e r f 1 i,eß t, ■ d ann;geh t's. noc hf m al, s o gu t.V*. Jüdisch aussehende Personen, die die Straßen passierten, wurden AUe im redaktionellen Teil, befindlichen entgelt* lieben Notizensind durch eis beigefügtes B -fceteichnet, mit Fäusten, Gummiknüppeln und Ei sen« Stäben roh niedergeschlagen, mehrere am Boden Liegende auch noch mit den S t i e f e 1 a b 8 ä t z e n getreten. Manche der Trupps stürzten sich auf ihre Opfer unter den Rufen: „Die Synagoge brennt l Sarah packt die Kofferl" Andere riefen: „Das habt ihr Juden euch nicht träumen lassen, daß wir heute an eurem Feiertag zu euch kommen!" Auch unflätige Beschimpfungen gegen das jüdische Fest wurden laut. Im ganzen schätzt man die Teilnehmer an den Ueberfällen auf über 1000. Einzelne Jugendliche lösten sich von den Trupps, mischten sich unter die Straßenpassanten, suchten sich unter diesen ihre Opfer aus, knüppelten sie nieder und liefen dann zu '.'ihrem' Trupp zurück;* Das .alles geschah blitzschnell, so daß es nicht gelang, die Täter festzustellen. Wie bis jetzt festgestellt wurde, wurden etwa neun Juden und-vie* jüdisch aussehende Christen mehr oder weniger, schwer verletzt. Vor der chinesischen Gesandt* schaft am Kurfürsten dämm wurde ein jüdisch aussehender Herr, der einen Blumenstrauß trug, von den National* Sozialisten blutig geschlagen. An der Ecke Knesebeck* straße*Kurfürstendamm ließ ein Trupp Nationalsozialisten* einen älteren Herrn und eine Dame, die Andachtsbücher trugen, zunächst passieren, dann drehte sich einer der Nationalsozialisten um und versetzte dem Herrn rücklings einige Schläge über den Köpf, so daß der Ge« schlagene zusammenbrach. Am schlimmsten wüteten die Nationalsozialisten vor und in dem Ca 16 Reimann am Kurfürstendamm zwischen Unland* und Knesebeckstraße, gegen das sie -— anscheinend aus. Wut und Enttäuschung darüber, daß sie zum Synagogensturm zu spät kamen — eine reg el* "rechte Attacke inszenierten. Ein Trupp von etwa 70 Nationalsozialisten erschien unter strammer Führung vor dem Cafe. Zunächst wurden zwei Schüsse gegen die Glaswand abgegeben. Dann wurden die draußen stehenden Marmortische und «stuhle in die Höhe gehoben und durch die Glaswand in den Innenraum geschleudert. Dann stürmten die Hitler*Leute in das Cafe, schlugen auf die Gäste los und demolierten die Inneneinrichtung. Es entstand eine fürchterliche Panik. Zu bemerken, ist, daß der Inhaber des Cafes Reimann kein Jude ist, das Cafe aber sehr viel von Juden, namentlich jüdischen Künstlern, besucht wird.. Bevor noch der Sturm auf das Cafe begann, wurden einige jüdische Herren, die dort vorbeigingen, ange* rempelt, wer sich nicht rechtzeitig in Sicherheit brachte, -wurde niedergeschlagen. Herr Dr. Alexander Rosen« feld, Mitglied des Präsidiums des WelbMafckabi* der mit. einem ausländischen 'jüdischen Journalisten an dem Cafe vorbeiging, wurde von einem Hitlerjungen rücklings über den Kopf geschlagen. Als er sich umdrehte und sich mit seinem Stock zur Wehr setzen wollte, sprangen drei andere Hitler jungen hinzu und schlugen so lange auf ihn los, bis er aus mehreren Wunden, blutend am Boden liegen blieb. Passanten brachten . den > Verletzten in 'einem "Auto in seine Wohnung. Dr.< Rosenfeld erhielt zwei .blutende Kopfwunden, einige Blutergüsse-und Kontusionen an verschiedenen Stellen des Körpers. « /Auch vor der^Konditorei Möhrihg am Kur* ifürstendamra, Ecke Uhlandstraße wurden mehrere Pas* , santen. mißbandelt, unter ihnen, der > Sohn des Konditors :Möhrjng,?der so geschlagen wurde, /daß er einen Nerven* schock: erlitt. Mit'blutenden Kopfwunden wurde er zum Arzt «gebracht. Möhriog ist1 ketol Jude, sondern wurde nur

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