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Die neue Welt · 1931-09-11 · Heft 208 (11.9.1931) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 208 (11.9.1931)
Date
1931-09-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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S^Tfp 8 DIE NEUE WELT Nr. 208 SIEGM. KORNMEHL (MOSULllSCHHAUIftll Zentrale: IX., Bergga»sc 19, Tel. A»l?»3-W o, A»16»9-34 Lieferant lür Hellanstalten Abteilungen für «^-Plftltcti W> anter Aufsicht des Ehrwürdigen Ktbbinat« der ltr. K«l* tuttg-etneinde Wien Autosuetolluno koelenlo« IX., Bsrgflatss IS / XVIII., WMhrlnfl«fitr. %1 hängern bis zu «simplen Propagandisten der Taufe. — Rudolf Steiner, der Begründer der anthroposophischen Bewegung soll ja auch aus dem Bereich des ungarisch'jüdischen Aseimilationsmilieue stammen, wofür wohl sein Weg vom Haeckelschen Materialismus Uber die okkulte Theosopliie zur „geisteswissenschaftlichen" Anthroposophie sprechen würde. Da ist auch einer, der sich um die Erscheinung „Judentum" geisteswissenschaftlich Sorge macht. Der Mann, er heißt Dr. Ludwig Thieben, hat sich ihrer in einer soeben erschienenen Schrift ,*Das Rätsel des Judentums" (Pflugschar-Verlag, Düsseldorf 1931) entledigt. Er wirft mit ganz großem Schwung die Frage nach dem Geheimnis der Existenz des jüdischen Volkes auf, das zu lüften er sich erbötig macht. Und Dr. Thieben lüftet es auf 143 Seiten. Kurz und bündig und populär: Das Judentum war da, um Schoß zu sein für Jesus Christus, es konnte weiter bestehen kraft der Leugnung des Erlösers, weswegen es wiederum das gespenstische Dasein des Ahasver führt, um zu guter Letzt — kein Zionismus wird ihm helfen, kein Bolschewismus, kein Traditionalismus — sich individuell und einzeln erlösen zu müssen durch tiefinnerliche Eirtbekennung des Messiastums Jesu, wie das der Autor selbst schon getan hat. Er sagt nämlich im Vorwort schlicht: „Meine Abstammung verbindet mich zwar mit dem Judentum, doch hat mir mein seelischer Entwicklungsgang in sachlicher und zeitlicher Hinsicht jenes „Zurücktreten vor dem Objekt" ermöglicht, das eine der geschilderten Grundbedingungen für das Zustandekommen objektiver Erkenntnisinhalte ist. In zeitlicher und sachlicher Hinsicht sage ich, weil ungefähr in derselben Lebensphase, da mean persönliches Ringen um das Rätsel des Judentums zu einem gewissen, vorläufigen Abschluß gekommen war, zum erstenmal Anthroposophie in mein Leben trat." Diese an und für sich belanglose, objektiv überflüssige Schrift ist jedenfalls charakteristisch für die Seelenhaltung einer Sorte heute lebender Juden. Sie ist charakteristisch aus der oben gemachten Feststellung, daß sich in der Anthroposophie in schlichter Eintracht unsere Brith Schalom-Leute und simple Taüfpropagandisten „geisteswissenschaftlich" schulen. In den Brith Schalom-Kreisen wird nämlich Anthroposophie eifrig studiert, so mancher von ihnen gehöht der Gesellschaft organisatorisch an. Das christologische und christianisierende Büchel „Das Rätsel des Judentums" zeigt den Spiegel solch fragwürdigen Tuns. 1 - Die seelische und geistige Verfassung, die daraus reflektiert, ist gewiß ein Rätsel. Um dieses Rätsete willen wurde diese Erscheinung registriert. o. ar. Codreanu wird natürlich im Parlament bleiben. Er hat seinen Sieg vor allem der geschickten Ausbeutung der vielen Kommunistenprozesse in Rumänien zu verdanken. Die überwiegende Majorität der Angeklagten sind Juden. Daraus leitete Codreanu die Behauptung ab, daß die Juden Rumänien an Moskau verkaufen wollen. Bukarest, 6. September, (J. T. A.) Bei der Nachwahl im Neamter Bezirk hat der Präsident der antisemitischen Organisation „Eiserne Garde", Corneliu Codreanu, mit großer Majorität gesiegt Codreanu hat vor einigen Jahren den Jassyer P r ä f e kten Manciu erschossen, weil er von antisemitischen Studenten angegriffene jüdische Universitätshörer beschützt hat, wurde von einem Geschwornengericht freigesprochen und Von den Antisemiten zum Nationalhelden erklärt. Fortdauer der antisemitischen Hetze, in Bulgarien Sofia, 7. September. Die antisemitische Hetze in Bulgarien dauert an. In Sofia und in der Provinz wird gegenwärtig in Massen eine Flugschrift verbreitet, die den Titel „Eine We 11verschwörürig" trägt und die Legende über die Weisen von Zion auf wirft. Es wird in ihr; behauptet, daß die Juden nach der Weltherrschaft streben und an allein Unglück in der Welt, die Schuld tragen. Die Bevölkerung wird zur Be- *kämpf|||^ der „satanischen" Pläne des Weltjudentums und*'di|*Jüdischen „Weltsynhedrions", sowie zur vollständigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Boyköttierung der Juden aufgerufen. Das Zentralkonsistorium der jüdischen Gemeinden Bulgariens wird bei den zuständigen Regierungsstellen wegen der Fortdauer der Judenhetze vorstellig werden und die Einziehung der erwähnten Hetzschrift fordern. Ein Mörder-Antisemit im rumänischen Parlament Bukarest,?. September. Der Ausgang der Ersatzwahlen für die Kammer in Piatra Neamtze, wo der Führer der Radauantisemiten und Mörder des Jassyer Präfekten Manciu, Celea Codreanu, gewählt wurde, hat in allen politischen Kreisen größte Uaberraechung hervorgerufen. Die Nationalzaranisten werden im Parlament die Annullierung der Wahl Corneliu Celea Codreanus verlangen, mit der Begründung, daß man den Parlamentariern nicht zumuten könne, mit einem Mörder zusammenzusetzen. Die Zeitungen berichteu, .daß im letzten Monat vor dem Wahltage auf die einzelnen Dörfer des Wahlbezirks mehrere hundert Codreanu-Aahänger verteilt waren, die mit den Bauern zusammenlebten und eine maßlose Hetztätigkeit gegen die Juden entfalteten, Die Juden, erklärten sie, hätten die gegenwärtige Wirtschaftskrise herbeigeführt, um die, Bevölkerung auszubeuten, Weuu Codreanu gewählt wird, werde «man das Vermögen de* Juden unter dde Bauern- »cfe«(t verteilen. *■' Von der antireligiösen Kampagne in Rußland Moskau, 4. September. Latit den aus verschiedenen Teilen der Sowjetunion in Moskau eintreffenden Berichten verläuft die große antireligiöse Kampagne der A p i k o r s i m - (A t h e i s t e n») Zi r k el gegen die Abhaltung der jüdischen hohen Feiertage überall ohne Wirkung. Die jüdischen Massen in den größeren und kleineren Städten nehmen von der antireligiösen Agitation keine Notiz, die Atheisten-Zirkel selbst sind äußerst lau und begnügen sich damit, die vom Hauptquartier der Atheisten-Liga gelieferten antireligiösen Flugblätter und Plakate zu verbreiten. Die jiddisch-komtnunistische Presse klagt, daß die Atheisten-Zirkel keinen Versuch machen, die Tätigkeit der Rabbiner zu kontrollieren und die jüdischen Massen dazu zu bewegen, an den hohen Feiertagen den Synagogen fernzubleiben und zu arbeiten. „Einess" klagt, daß in den jüdischen Dörfern auf die antireligiöse Kampagne nicht im geringsten geachtet wird, und prophezeit, daß in vielen jüdischen Kolonien wie im vorigen Jahre, so auch in diesem Jahre die Bauern zu Rosch-Haschanah und Jom Kippur die A rbeit auf den Feldern ruhen lassen werden. Im. Hinblick auf die bisherige Erfolglosigkeit der Kampagne gegen die Haltung der hohen jüdischen Feiertage hat das Hauptbüro der.Atheisten zur Bekämpfung der traditionellen „Zehn Tage innerer Einkehr" (Assereth jeme teschubah) „Zehn Tage Anti¬ Religion" proklamiert. Die lokalen Atheisten-Komitees würden angewiesen, mit allen Kräften die Tätigkeit der. jüdischen religiösen Funktionäre; lahmzulegen. ■H ,r-'- >■ Eine Völkerbundpublikation in Hebräisch und Jiddisch' Genf, 6. September. (J. Tr. ,A.) Das Völkerbundsekretariat hat eine umfassende Broschüre unter dem Titel „Der, Völkerbund, seine Aufgabe und Organisation" für die Lehrerschaft ,in verschiedenen Sprachen erscheinen lassen. Im Auftrage des Völkerbundssekretariats wurde ,die Broschüre auch in hebräischer und jiddischer Sprache für. die Lehrerschaft an hebräischen und jiddischen Schulen herausgegeben. . Wie der J. T. A.-Vertreter erfahrt, ging die Anregung ziu Herausgabe der Broschüre in Hebräisch und Jiddisch von dem Vertreter der polnischen Regierung beim Völkerbund an*» der darauf hinwies, daß Jiddisch und Hebräisch Minderheitssprachen sind und die Brosphüre ja auch für die Lehrerschaft der Minderheitenvölker bestimmt sei. Es ist dies der erste Fall,, daß der. Völkerbund Publikationen in Hebräisch und Jiddisch erscheinen läßt. Klavierunterricht erteilt sehr gewissenhaft staatlich geprüfte Klavierpädagogin (mit Auszeichnung' in und außer Haus unter günstigen Bedingungen Sofie Neumann-Kleiner Wien, XX., Karl-Meißel-Straße 4,1. Stock, Tür 50 yiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiitiiM Erfahrener o«e 1 erteilt | englischen und hebräischen Unterricht | an Kinder und Erwachsene. § 1=3 Zuschriften erbeten unter »Akademiker"! an die Administration des Blattes oder m Telephon U-27-904 von 8 bis 10 Uhr. I iiyiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiH »HMMMMMOMOMMtMMMMMMMMIM.......>Mt/ StlldCIli SSmWstflie | öder gibt Stunden : Zuschriften erbeten unter „Erfolg" an die Admin« j i>»M»»»MM»»H»HHMM»»MMtrtMM«MMM>»»MM>i i 222 Milch Trlnh-und Speiselialle m Uesetnrlschß and difltlsche Speisen MI 11 gk n IL Untere AngartenstraBt 13 ■ ■■■■VII £ln0*ng II., FÄMtero. 1 Volkstümliche Preise Bis 12 Uhr nachts offen Dr. Emil Margulies auf dem Minderheitenkongreß Genf, 6. September. Auf dem Kongresse der europäischen Nationalitäten (Minderheitenkongreß) hielt der Vertreter der tschechoslowakischen jüdischen Minderheit Dr. Emil Margulies (Leitmeritz) eine längere Rede, in der er nachzuweisen versuchte, daß das Abrüstungsproblem organisch mit der Lösung des Minderheitenproblems verbunden ist In allen Ländern, in denen Minderheitenvölker vom Staatsvolk unterdrückt werden, herrscht Unsicherheit nnd Unruhe, und wolle man ernstlich an die Lösung der Abrüstungsfrage herangehen, müsse man vorher für die Frage der Minderheiten eine Lösung finden. Dr. Margulies wies auf das Beispiel Estlands hin. das allen seinen Minderheiten Kulturautonomie gewährt hat, und bedauerte es, daß nicht auch ein großer Staat mit beträchtlicher Minderheitenzahl mit dem gleichen Beispiel vorangeht. Dr. Margulies besprach eingehend die ideologischen Grundlagen für die Arbeiten des Minderheitenkongresses und schloß mit der Forderung, daß die Minderheiten nicht mehr als ein Objekt, sondern auch als ein Subjekt der Politik betrachtet und 2ur aktiven Mitarbeit an der Lösung der mit ihrer Existenz und mit dem europaischen Frieden verbundenen Probleme herangezogen werden. Der Kongreß wähltö in seine Exekutive Herrn Leo Motzkin als Vertreter der jüdischen Minderheiten. Angelo Goldstern Nachfolger Ludwig Singers hn tschechoslowakischen Parlament Prag, 7. September. Die Exekutive der Jüdischen Partei hat bestimmt, daß Dr. Angelo Goldstein als Nachfolger des vor kurzem verstorbenen Präsidenten der Jüdischen Partei Dr. Ludwig Singer in das Parlament der Tschechoslowakei einzieht. Brit Trumpeldor Die Leitung des österreichischen Brit Trumpeldor übermittelt uns folgenden Aufruf zur Veröffentlichung: An die jüdische Jugend! Im Prozeß des Äüfbaus Erez Israels zu einem Judenstaat fällt der jüdischen Jugend eine bedeutende Rolle zu. ' Die Liquidation des Zionismus hat auf keinem Gebiete so große Verheerungen angerichtet wie auf dem der Jugenderziehung. In viele Bünde und Grüppchen zer* fallen, ohne ein klares Ziel, ohne Sinn für die histo« rische Größe des Herzischen Zionismus, dient der größte Teil der jüdischen Jugend den verschie* denen Gruppeninteressen. Auf dem Trümmerfeld des Zio* nismus hält die Assimilation, die bourgeoise und die pro* letarische; ihre reiche Ernte. Zu Tausenden strömt unsere Jugend zum Kommunismus,, weil ihrem gesunden Instinkt halber Sozialismus ebenso zuwider ist wie halber Zio* nismus. ' Und Palästina geht dabei zugrunde. - . Der Brit Trumpeldor erzieht die jüdische Jugend zum ganzen Zionismus' des Herzl s c h e n Judenstaates. Alle Interessen des einzelnen, alle Interessen der Klassen haben sich unterzuordnen dem einen Imperativ: Aufbau! Wir wollen keinen Kampf der einzelnen, wir wollen keinen Kultur*, keinen Klassenkampf. Der einzige erlaubte Kampf ist der der geeinten Nation um die Errichtung ihres Staates. Verloren ist die Jugend, der man einredet, daß sie, ausgerechnet sie, die Menschheit erlösen müsse, daß sie sich an irgendwelche schönen Illusionen und Phrasen verlieren dürfe, während die Hälfte des Volkes hungert. Bescheiden muß die Jugend sein. Sie muß wissen, daß es ihre Aufgabe ist, in ernster Arbeit den Geist und den Körper zu stählen für jene Aufgabe, die die Ge« schichte ihr gestellt hat: nichts zu sein in der unendlichen Kette der Generationen als ein Glied, das mitzuhelfen hat an der Lösung der Tragödie unseres Volkes. Unsere Jugend weiß, daß sie nach Palästina geht, nicht in ein Paradies und nicht zu einem seligen Leben. Sondern daß in harter Alltagsarbeit und tragischen Kon» flikten mit persönlichen Idealen der Idealismus des Pioniers immer aufs neue den Beweis für seine Festigkeit er* bringen muß. Wir rziehen unsere Jugend zum Bewußtsein, daß es keine schönere Aufgabe gibt, als seinem Volk zu dienen. Daß dieser Dienst den Adel des Willens und der Tat verlangt. Und daß das ungeheure Beginnen der Um* Pflanzung eines ganzen Volkes in einer Welt von Not und Haß jene Unbedingtheit und Unterordnung verlangt, die allein ein Gelingen sichert. Der Brit Trumpeldor erzieht das Aufbauheer jüdischer Jugend, das keine andere Mission kennt n!s den Aufbau »des Judenstaates durch Arbeit und Schutz. Bereit und entschlossen, sich dem Gesetz, der jüdn» sehen Geschichte zu unterwerfen, wird diese Jugend die schwere Arbeit des Staatsbaues auf sich nehmen im Geiste jener herben Männlichkeit, die um den tragisch* heroischen Sinn der Geschichte weiß. Aus der Idee folgt der Wille. Hieraus wird die Tat Der Brit Trumpeldor erzieht die jüdische Jugend nicht zum Reden, sondern zum Handeln. Die jüdische Jugend darf nur dem jüdischen Volk dienen. Jüdische Jugend zu uns! Anmeldungen: Wien, II., Untere Augartenstraße 38. Für den österreichischen Brit Trumpeldor: De, Leo Koppel.

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