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Die neue Welt · 1931-09-11 · Heft 208 (11.9.1931) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 208 (11.9.1931)
Date
1931-09-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Mr. 2Ö8 DIE NEUE WELT Sri!»» einem Jahr ein Fräulein U. als Praktikantin tätig. Vor ihrer Einstellung hatte sich der Besitzer der Apotheke mit Rücksicht auf seine zur Mehrheit jüdischeKundschaft vergewissert, daß die Praktikantin nicht Anti* semitin sei. Anfang August gingen dem Apotheker aber Briefe zu, in denen ihm mitgeteilt wurde, dafl seine Praktikantin auf der Straße Flugblatter antisemitischen Inhalts verteilt hätte, was sie, zur Rede gestellt, auch zugab. Nach einer Unterredung verließ die Praktikantin die Apotheke, ohne dafl man wußte, ob sie entlassen worden war oder selbst gekündigt hatte. Vor dem Arbeitsgericht strengte sie dann die Klage auf Fortsetzung des Lehrverhältnisses an mit der Behauptung, fristlos entlassen worden zu sein. Der beklagte Apotheker bestritt dies, sprach dann aber die fristlose Entlassung wegen ihres Verhaltens in der Verhandlung aus. Das Gericht wies die Praktikantin nach kurzer Beratung mit ihrer Klage ab. In der Begründung betonte der Vorsitzende, daß einem jüdischen Arbeitgeber nicht zugemutet werden könne, einen Arbeitnehmer zu beschäftigen, der außerhalb der Dienstzeit antisemitische Propaganda treibe. Friedhofsschändungen 1925 bis 1931 Berlin, S. September. Eine neue authentische Liste sämtliche in Deutschland in den Jahren 1923 bis 1931 erfolgter Friedhofsschändungen hat der Zentral-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens soeben herausgegeben. Das Verzeichnis enthält nicht weniger als 103 derartige Schändungen. Die erste nachweisbare Schändung wurde in der Nacht vom 27. zum 28. Jänner 1923 in Schneidern ü hl, die letzte wurde am 17. August d. J. in O f f e nbach festgestellt. Die Schändungen verteilten sich auf alle Teile des Reiches. Am seltensten ist die Provinz Brandenburg in der Liste zu finden. Unter den aufgezeichneten Stellen sind sieben, in denen unzweifelhaft nachgewiesen werden konnte, daß die Täter rechtsradikalen, bzw. nationalsozialistischen Kreisen angehören. Bei dieser Liste sind alle diese Fälle von Friedhofsverwüstungen ausgeschieden, in denen es sich um Unfug von spielenden Kindern, um Unwetterschäden oder ähnliche Ursachen handeln könnte. Der Zentral-Verein teilt mit, er werde mit allen Kräften und mit seinem gesamten Apparat dafür eintreten, daß diese Liste vorzugsweise in nichtjüdischen Kreisen verbreitet wird. Gerade Anhänger rechtsstehender Parteien werden aus ihr erschüttert entnehmen, zu welchen schändlichen Untaten der zügellose Judenhaß in Deutschland führt. * Der gute Zentral-Verein überschätzt wohl die Wirkung seiner Liste, wenn er sich eine „seelische Erschütterung" der Deutsehnationalen erhofft. Die Herren sind an sich schwer zu erschüttern, durch jüdische Publikationen aber schon gar nicht. Manifest der Zionistischen Exekutive Die neue Zionistische Exekutive hat ein Manifest herausgegeben» in welchem u. a. ausgeführt wird: Die Exekutive der Zionistischen Organisation erachtet es als ihre Pflicht, bei Uebernahme der ihr durch den 17. Zionistenkongreß auferlegten Pflichten und Verantwortlichkeiten, der zionistischen Welt die Hauptricht- Brüder Sdiiffmann II., Taborstraße 48 gratulieren •He« Verwandte», Bekannte« und Kunde« Wim Neuen Jahr! im 4nttnK . RESTAURATION UND SELCHWAREN „HOROWITZ" Thea Starnberg, und Frau IL, Kleine Pfarrgasse 29 entbieten allen verehrten Gästen, Freunden, Verwandten und Bekannten die herxHdisfen Gludhwfiiisdhel sjjHltlHHIHIII! *! Hllltllllllllf | komm-r. ROBERT CESCHKA | CHEF DER HUTFABRIK | CARL CESCHKA & SÖHNE | Vif, KAIS ERSTRASSE 123 | WÖNSCHT AUEN VEREHRTEN KUNDEN EIN 1 GLÜCKLICHES I NEUES JAHR mmmmmmm linien ihres Arbeitsplanes zu unterbreiten und alle Zionisten zur tätigen, freudigen Mitarbeit aufzufordern. Die politische Arbeit bleibt von überragender Bedeutung für unsere Bewegung. Die Mandatarmacht rüstet zur aktiven Anteilnahme an der wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas, und es mufl jetzt die erste Sorge der Exekutive sein, über die Rechte des jüdischen Volkes zu wachen, wie sie in der Batfour-Deklaration und im Mandat nieder gelegt und garantiert sind. Unser Vertrauen in die Gerechtigkeit und Weisheit der Mandatarmaoht und die Heiligkeit internationaler Verpflichtungen ist durch die Schicksalsschläge und Enttäuschungen der ver gangenen zwei Jahre nicht zerstört worden. Der An Spruch des jüdischen Volkes auf eine von künstlidien Beschränkungen freie Einwanderung, auf die Möglichkeit des Bodenerwerbes und auf die ungehinderte wirtschaftliche, politische und kulturelle Entfaltung seines Lebens in Palästina wird die Basis der Verhandlungen mit den Vertretern Großbritanniens bilden. Vorurteil und Mißverständnisse trüben noch unsere Beziehungen zu der arabischen Bevölkerung Palästinas. Die Erklärung der neuen Exekutive, die dem Kongreß bei seiner letzten Sitzung unterbreitet wurde, gab dem unwandelbaren Wunsch der Judenheit Ausdruck, aktive Maßnahmen auf ökononTICA« Telephon- MIB)U<( cROBoin Telephon-Soniferdlenst TelitfaltttraB« 7 Tel._ U-29-5-35 Serie übernimmt für Sie telephonisctie Anrufe wahrend Ihrer Abwesenheit. Unverbindlicher Vertreterbestich. Prospekt Nr. 207 kostenlos mischem, sozialem und politischem Gebiet zu treffen und friedliche Beziehungen und die Annäherung zwischen Juden und Arabern in Palästina herbeizuführen, von dem Grundsatz ausgehend, daß ohne Rücksicht auf die numerische Stärke keines der beiden Völker das herrschende, keines das beherrschte Sein soll. Die Exekutive der Zionistischen Organisation richtet an jeden einzelnen Zionisten die Aufforderung, sieh mit unbeirrbarem Eifer der Arbeit für den Keren Hajessod und den Keren Kajemeth zu widimen und dazu t beizutragen, daß der Erwerb von Boden in Palästina und seine Nutzbarmachung für das fortdauernde Wachstum des jüdischen Nationalheims in Land und Stadt keine Unterbrechung erfährt. Vor allem aber fordert die Exekutive von denen, die den Ehrentitel' eines Zionisten tragen, mit dem Beispiel freudigen,', Opfermutes voranzugehen. Landwirtschaftliche Kolonisation auf der Grundlage nationaler Volksbeiträge muß ausgebaut und konsolidiert werden. Mittelstandskolonisation, basiert auf privater Initiative, aber unterstützt durch unsere zentralen Institutionen, muß systematisch entwickelt werden. Die Exekutive wird nach diesen beiden Richtungen hin alles tun, was in ihrer Macht steht, und vertraut dabei auf die Mitarbeit aller Volksschichten und Gruppen. Die Exekutive wird es sich angelegen sein lassen, die zionistische Propaganda, insbesondere unter der Jugend, auf der breiten Grundlage jüdischnationaler Anschauungen, in ihrer Anwendung auf das jüdische Problem der Gegenwart und aiuf die Hoffnungen des Judentums für die Zukunft, auszubauen. In Erez Israel und im Gallith werden Anstrengungen gemacht werden, den Gebrauch der hebräischen Sprache und das Studium ihrer geistigen Schätze zu fördern. Die Jewish Agency in ihrer in Zürich im August 1929 erweiterten Form muß zu einem starken Werkzeug konstruktiver Aulbauarbeit geschmiedet werden. Die Exekutive tritt ihr Amt an nach einer langen Periode historischer Entwicklung, die beginnt mit der Vision Herzls und endet mit dem politischen Genius und der praktischen Schaffenskraft Chaim Weizmanns. In der Ueberzeugung, daß die Judenheit den Willen und die Kraft besitzt, ihr ' Werk in Palästina zu vollenden, erbittet die Exekutive Hilfe und Mitarbeit. Die Vorgange im revisionistischen Lager Die Jüdische Telegraphen-Agentur verbreitet folgende Meldung: »London, 2. September. Im Zusammenhang mit Gerüchten über eine scharfe Kontroverse innerhalb der Union der Zionisten-Revisionisten hinsichtlich der Gestaltung der Beziehungen zur Zionistischen Weltorganisation, eine Kontroverse, die sogar eine Erschütterung der Position Jabotinskys als Führer der revisionistischen Bewegung im Gefolge gehabt hätte, erklärte 4** revisionistische Führer Herr Meir Großmann einem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur gegenüber u. a. folgendes: v Kein Mitglied der Exekutive der Union der Pianisten-Revisionisten stellt Jabotinskys Position als |hthrer der revisionistischen Organisation und Bewegung in Frage, es bestehen auch keinerlei persönliche Feindschaften oder Rivalitäten unter den Mitgliedern der revisionistischen Exekutive. Die Erörterungen Wn- Jüdische Eltern! Kauft Schulbücher (auch am i qua tische) für Eure Kinder in der Jüdischen BiicfttiandMifHI Herrn. Tuchner Wien«, Gr. Stadt gut g. 7 (Et*« Trtwilr. 52) Leihbibliothek Alle Neuerscheinungen erhältlich. 10 Groschen täglich, keine weiteren Gebühren! Für Anfragen Telephon R-41-4-20 sichtlich der Gestaltung der zukünftigen Beziehungen der revisionistischen Union zur Zionistischen Weltorganisation werden weitergeführt, allein eine Entscheidung wird erst durch die Weltkonferenz der Zionisten-Revisonisten im Dezember d. J. getroffen werden, da die Konferenz der Revisionisten in Basel sich auf einen Status quo bis zur Weltkonferenz im Dezember geeinigt hat. Inzwischen setzt das Hauptbüro der Revisionisten in London die politische Arbeit, die als von äußerster Wichtigkeit anzusehen ist, fort und leitet auch wichtige wirtschaftliche Arbeit ein, die eng mit der Frage der PaJtistina- Einwanderung verknüpft ist." * Diese Meldung hat der zionistischen Presse Anlaß zu den verschiedensten Erörterungen gegeben. Tatsache ist, daß bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine einheitliche Stimmung in bezug auf das Verhältnis der Union der Ziondsten-Revisionisten zur Weltorganisation nidit besteht. Eine rasche Klärung dieser Frage ist um so dringender, als der Verlauf des Baseler Kongresses bewiesen hat, welch wichtige Mission die Union der Revisionisten im Zionismus zu erfüllen hat. Rascheste Klärung dieser Situation liegt sowohl im Interesse der revisonistischen Union als auch der gesamten zionistischen Bewegung. Das weite zionistische Betätigungsfeld des Revisionismus hat ihm eine .schwere, verantwortungsvolle Aufgabe zugewiesen, der er nur durch eindeutiges, zielgerichtetes Handeln gerecht werden kann. Das Rätsel vom Rätsel des Judentums Von neuen Erscheinungen Auf dem Wege der neuzeitlichen Assimilation wächst allerlei Unkraut, daß schwer macht, das Terrain selbst und seine Vegetation zu erkennen. Aus dem Nährboden des jüdischen Laberalismus, der in der Aushöhlung der jüdischen Inhalte gründliche Arbeit geleistet hat, sind Sumpfpflanzen aufgeschossen, die sich dem Betrachter mit einiger Aufdringlichkeit zur Registrierung anbieten. Im Flug durch die letzten Jahre wird die Linie von jenem Vorläufer angekündigt, der in der Abenddämmerung der Assimilationsepocho das Signal eines Wahnsinns von sich gab: die Parole von der Ueberwindung des Judentums in sich. Eine Flut von Begriffdefinitionen vorher und nachher mühte sich in possierlichster Weise darum, ein Judentum zu konstruieren, das üb er windungsbed U rf ti g erscheinen konnte, und das in einer Manier, die vom Wissen um die Materie unangekränkelt und angewiesen war, sich ihr Rüstzeug von germanisch-blonden Theoretikern epigonistisch zu holen. Der Aderkult der teutonischen Wälder mit Einbeziehung der gallüäischen Landschaft, aus der der Christus-Jesus sein Menschheitserlcsertum ausstrahlt, hat es diesen jüdischen „Individualitäten" angetan. Was war nicht alles das Judentum bei ihnen I Es war in ihren Definitionen unschöpferisch, feministisch, <l rationalistisch, kapitalistisch, revolutionär-destruktiv, und dergleichen mehr — im ganzen der Fluch der Menschheit, selbst verflucht und allem Guten fluchend. Sie bemühten sich natürlich auch um eine Lösung dieser heiklen Judenfrage. Die frühen, z. B. Otto Weininger, kannten das Rezept noch nicht genau, zerfleischten sich daher im „jüdischen Selbsthaß", der zum Revolver führte, Weininger und die mit ihm seelisch Verwandten sprachen wenigstens noch den Juden die Fähigkeit ab, Christus zu erkennen und zu bekennen. Heute steht es günstiger. Der Seibathaß ist zu aufregend, der Revolver unbequem. Sich von Selbsthaß und Revolver abwendend, haben diese Späteren sich zu Christus durchzu* ringen vermocht und aus dem Individuajerlebnis das Rezept auch für jedes einzelne Individuum, für jedes einzelne jüdische Individuum gefunden. Solche jüdische Zeitgenossen stehen jetzt nicht allein für sich einsam auf weiter Flur, sie sind trotz ausgeprägtesten Individualcharakters und Ablehnung kollektivistischer Bestrebungen mitten drin in allerlei Gemeinschaften von Bekundern und Bekennern. Eine dieser Gemeinschaften, in der sieh Juden ziemlich fleißig tummeln, ist die Anthroposophische Gesellschaft, nach dem Erfahrungsgrundsatz, daß es ohne Juden einfach nicht geht. Diese scheint nun so ziemlich alles in sich aufzusaugen, was an den oben erwähnten Komplexen leidet und denen ein Gott gibt, auch davon zu sagen. Von anthroposophischen Juden beginnt es jetzt wt wimmeln; von Brith Sch«lom-An-

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