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Die neue Welt · 1931-09-11 · Heft 208 (11.9.1931) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 208 (11.9.1931)
Date
1931-09-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE JVELT Nr. 208 RA 1tIf71 MM 17D ElfaSw^ianiSSm°ieS«U8" DÄUIl//lIVlMIln^ KoKttber^ tUMfOftA» l Domfnltunerba4tel22(Eokfl Kai 7/9JR-24-4 td «donistische Bewegung läßt sie die Frage bejahen. Und In begeisterten Aufsätzen tan sie es stolz dem spanischen Publikum kund, was die Sephaxdim — und einzig und fellein die Sephardim — für die Menschheit getan haben. „Wahrlich, Max Nordau (dessen Name übrigens ohne Ausnahme N o r d a n geschriebenwird) war ein Sepharad, Herzl stammt von Sephardim, Moses Monteflore, Disraeli, Abram Danon usw. usw., waren Sephardim'*, schreibt Sam Levy; von den Leistungen der rüchbsephardischen Juden schweigt er aber so hartnäckig, daß man geradezu erstaunt sein muß, wieso er einen Einstein, einen Bergson, einen Gundolf usw. nicht auch zu den Sephardim zählt. Ueber die Einstellung der Sephardim gibt übrigens ein Interview des Grafen von Foxa mit dem Großrabbiner Sabetay J, D jaen in Sofia genügend Aufschluß („Gaceta Literaria', 15. Juli 1031). Der Rabbiner, der selbst drei Dramen auf Spanisch verfaßt hat und in Spanien zahl« reiche Freunde — darunter auch Ignacio Bauer — besitzt, warf die Idee auf, daß die spanische Nationalität allen sephardischen Juden, die darum ansuchen, ohneweiters zugestanden werde. Dadurch wäre der erste Schritt zur Erreichung des Zieles getan; aber, fragen wir, würde, dies nicht ausschließlich nur solchen Jaden zunutze kommen, die z. B. in den Jahren der Inflation zum Schutz ihrer mehr oder minder trüben Geschäfte pro forma aus« ländische Nationalitäten annahmen? Eine solche Vor« Schubleistung liegt gewiß nicht im Sinne des Ober« rabhiners. Die Beurteilung, was die Rückwanderung der Juden nach der Pyrenäischen Halbinsel für die jüdische Welt bedeuten würde, kann wohl dem Leser über« lassen werden. Unsererseits kann aber nicht genug davor gewarnt werden, den verführerischen Sirenen* tönen Spaniens zu glauben. Es ist zwar nicht zu leugnen — im Gegenteil, es ist sehr erfreulich —■, daß das heutige Spanien sehr philosemitisch gesinnt ist; es ist aber ebenso sicher, daß ein Zuzug von — wie es geplant ist nicht weniger als zwei M il* 1 i o ne n Juden •— diesen Philosemitismus unverzüg« lieh in einen heftigen Antisemitismus umkehren würde. Die spanische öffentliche Meinung: wird heute durch die Binsenwahrheit irregeführt, der Verfall Spa« niens sei einzig und allein der Austreibung der Juden zuzuschreiben. Diese Behauptung, die nicht Un« bedeutendere als der bereits erwähnte Ruiz, vertreten, mag den Busen des selbstbewußten Juden noch so hoch steigen lasseh,-; sie entspricht keineswegs den historischen. Tatsachen; Und Uegt es nicht auf der Hand, daß ein Volk, das seinen Verfall. —• im schroffen Gegensatz zu den ost« und mitteleuropäischeri "Völkern einzig und allein dem Exodus der Juden zuschreiben will, einen eventuellen weiteren Verfall sofort denselben Juden in die Schuhe schieben würde, von dessen Rückkehr es einzig und allein sein Heü erwartet? Wir tun aber dem spa* n^C?,Ül? Volk eiBentHcb> Unrecht an, wenn wir hier von .VVolkV reden::, die Idee der:;,repatriacion"'kam ja nur in den Köpfen ganz weniger auf, deren Propaganda nur vor«: übergehende, aber "keine Dauererfolge zeitigen kann. Jt?1!1 a,ndererseits die eanze sephardische Welt den Karren des sjpahischen rmperia« Ii s m u s _ s c h i e b e h? Wird einem Gehetzten und Gejagten endlich eine freundliche Hand dargereicht, so wird er hastig nach ihr greifen; nichts ist psychologisch leichter zu verstehen. Aber wenn er nach dem ersten Auflodern der Freude, schon weniger geblendet durch die edle Geste, dahinter die eigennützigen Absichten ent« deckt; wird er die ihm dargebotene Hand doch abschlagen Aulruf Zionisten! Der letzte Kongreß hat eine Notstandsaktion für Palästina beschlossen, welche längstens Ende September I. J. durchgeführt werden muH. Die allgemeine Weltwirtschaftskrise hat die Finanzen der Jewish Agency schwer betroffen und nur durch außergewöhnliche Maßnahmen und harte Drosselungen auf Kosten, wichtiger Ailbeitszweige ist es gelungen, die Arbeit bisher fortzuführen. Die Sachlage hat sich aiber derart gestaltet, daß nur ein außerordentliches Notopfer einen Ausweg eus der wirtschaftlichen Bedrängnis schaffen kann. Der große Betrag von fast 100.60 0 Pfund muß u n b e d i n g t noch für die Ausgaben dieses mit Ende September schließenden Geschäftsjahres aufgebracht werden, damit die Leitung in Palastina ihren drängendsten Verpflichtungen nachkommen könne. Die Aufbringung dieser Summe ist eben eine absolute Notwendigkeit für die Aufrechterhaltung und Fortführung der Palästinaarbeit. Ein Mißlingen dieser Aktion würde von den schwersten Konsequenzen für das gesamte Palästinawerk begleitet sein. Dazu darf und ward es nicht kommen! Die N o t st a nd s<a k t i 0 n für Palästina Ist bereits in allen Ländern im Gange. Die ärmsten Klavierunterricht erteilt staatlich geprüfte Klavierlehrerin in und außer Haus. Lotte Ederer Wien, XX., Karl-Mei$*lsira^e 4, Tür 50. Sdialom Alejdteins berühmter Thealerroitian K o in 6d i a n t e n Zum erstenmal in deuHAer Uebewsetzunq Soeben im Verlag „DIE NEUE WELT", Wien IX, Univer eitätestraße 6-8, erschienen. Preis kart S 4.— (RM 2.40), in Leinen geb. S.5.— (RM 3.—). Zu beziehen direkt vom Verlag, 11^ Untere Augartenstr. 38 und durch jede bessere Buchhandlung Länder, in denen die Krise am drückendsten ist, haben die, Aktion energisch und erfolgversprechend eingeleitet. Die Zionisten Oesterreichs werden hinter den allgemeinen Bemühungen nicht /jurUckbleiben. Wir appellieren an jedermann, uns unverzüglich seinen außerordentlichen Beitrag zugehen zu lassen und erwarten von dein Verantwortungsgefühl der österreidiischen Zionisten, daß sie, jeder nach seinen Kräften, trotz der Not der Zeit, ihre Opfergabe entrichten. Die Selbsteinschätzung überlassen wir dem Gewissen jedes Zionisten. Selbstverständliche Voraussetzung ist, daß dieses Opfer nicht a«i:. Kossen, /d er... reguläre» Leistungen für Keren . ftajessod und Keren Kajemefch erfolgen darf. In ernster Stunde mahnen wir jeden Zionisten an seine Pfldcht. Geldüberweisungen bitten wir auf Postsparkassenkbnto A 4 7.115 „Zi o.n" vornehmen oder an den Keren Hajessod, L, KUrntnerstraße 28, richten zu wollen. Dr. Oskar Grünbaum, Präsident des Zionistischen Landeskomitees. — Dr. Fritz Eckstein, geschäftsführender Vorsitzender des Keren Hajessod. — Dr. Ad. Bernay (Poale Ziön). — Ab. Bloch (mtachduth). — Rabb. Sal. Friedmann (Misrachi). — Sofie Löwenherz (Organisation zionist Frauen Oesterreichs). — 'Dr. Heinrich Glücker (Zionisten - Revisionisten). — Dr. Leopold Plasohkes (Verband radikaler Zionisten). — Obenbaurat Robert Stricker (Verband demokratischer Zionisten). Bei Hämorrhoidalleiden, "Verstopfumg, Darmrissen, Abszessen, Harndrang,: SlauimnigBlöber, Krewßohmerzöh, Br.ustbekloirnirnienihedt, Herzpoclien, SöhiwiindelöM^len bringt de?., Gebmuch.. des, , natürlichen „Franz-Josel"- Bitterwasere iinimeY 'änigeÄ $n Ago-' 'tfoeken «rihältKch. .■ ■<[ e '{•; ■<;. _ , ,.r •< f .*» :' Der deutsche Exkron^ini S&rd berichtigt Das „Neue Wiener Journal" veröffentlichte vor kurzem ein Gespräch seines;, Mitarbeiters Otto König mit dem deutschen. Ex'Kronp^lpen Wihle I m, welches in Mondsee (Oberösterreich) stattfand. „Kronprinz Wilhelm gegen den Antisemitismus',' lautete der Titel. Der Ex-Kronprinz sagte u. a.: „Man wirft da den scharfen und berechtigten Abwehrkampf der nationalen Elemente in Deutschland gegen gewisse jüdische Kommunistenführer und ihren Anhang, die dem .russischen Bolschewismus und den Befehlen seiner Führer blind folgen, mit einem Kampf gegen die Jud eft im allgemeinen zusammen, für den ich beispielsweise nie zu haben sein werde. Es gehört für mich zu den unverständlichsten Dingen, daß die ganze zivilisierte Welt die ungeheure Gefahr, die ihr aus dem Osten droht, noch immer nicht recht erkannt zu haben scheint, und daß die vielen bürgerlichen und staatstreuen "Juden Deutschlands,, von denen eine große Zahl national fühlt, wie die Zehntajusende beweisen, die sich inr jüdischen Frontkämpferbund vereinigt haben, nicht alles tun, um jede Gemein-, 6chaft mit diesen staatsfeindlichen und antinationalen Gruppen öffentlich abzulehnen." „Ich bin ein zu moäer n denkender Mensch, als daß ich Antisemit schlechthin sein könnte, ich habe das bewiesen und beweise es immer wieder dadurch, daß ich viele jüdische Freunde habe, die meine höchste Achtung: genießen und deren Freundschaft ich sehr hoch schätze; daraus, daß ich einen Lumpen, einen Lumpen h.enne und, wenn er Jude ist, vielleicht einen jüdischen Lumpen, hat noch niemaud das Recht/, zu. schließen, daß jc;K, ein Antisemit sei.* . ,*..■•,., Diese Nachricht von dem judenfreundlichoa Ex- Kronprinzen fand ihre prompte Erledigung» . Berlin, 7. September., Q, T. A.) Nationalsozialistische und andere rechtsradikale Zeitungen. veröffentlichten eine Erklärung, dip besagt: „Zu den von einem Wiener Blatt veröffentlichten und zum Teil von deutschen Zeitungen übernommenen Mitteilungen. Uber ein Interview, das. der Kronprinz anlaßlich seiner Anwesenheit im SalzkÄmmergut einem Wiener Redakteur gegeben . haben soll, erklärt die Generalverwaltung;.: des Preußischen Königshauses, daß ein solches Interview nicht stattgefunden habe. Der Kronprinz hat sjeb. lediglich auf einem Spaziergang mit zwei Wiener Herren in zwangloser Weise unterhalten. Dabei sei neben einer Reihe anderer Fragen dem Kronprinzen gegenüber auch die Frage des deutschen und österreichischen Judentums berührt worden. Die näheren Angaben, die das Wiener Blatt über die hiebei von dem Kronprinzen getanen Aeußerungön gemacht hat, enthalten zu einem großen Teil wesentliche Entstellungen." Vier jüdische Selbstmorde in Berlin an einem Tage Die Stimmung der Verzweiflung, von der weite Kreise der Juden in Deutschland infolge der Wirtschaftsnot erfaßt sind, drückt sich in einer Erhöhung der Zahl der Selbstmorde von Juden in Berlin wie im Reiche aus. Solche Verzweiflungstaten kommen sowohl in den gehobenen wie in den ärmeren Schichten vor. Am 1. September wurden in Berlin vier jüdische Selbstmorde gezählt. Großes Aufsehen erregte der Selbstmord des 44jährigen Bankiers Joseph M o 11 i n g, Leiters des Bankgeschäftes A. Molling in der Lennestraße, der sich in einem Körperpflegeinstitut am Kurfürstendamm, Ecke Rankestraße, von der obersten Etage des Hauses in den Lichtschacht hinabstürzte. Molling war weiten Kreisen auch dadurch bekannt geworden, daß er den Plan einer Sparlotterie, die jeglichen Verlust für den Lotteriespieler ausschließt, geschaffen hat, der vom preußischen Finanzminister sympathisch aufgenommen, aber von den süddeutschen Staaten abgelehnt wurde. ' In ihrer Wohnung, Schützallee 45, in Zehlendorf, wurde die 38jährige Frau Erna Gerson und ihre lljahrige Tochter Ruth mit Gas vergiftet tot aufgefunden. Unheilbare Leiden und immer unerträglicher werdende wirtschaftliche Not trieben die unglückliche Frau in den Tod. Sie ernährte sich und das Kind kümmerlich durch Näharbeit. Die wirtschaftliche Not stieg immer höher, und als die Frau noch an einem Gehirngesch'wür erkränkte und es ' ihr unmöglich: wurde, für ihre Uiitermieter zu sorgen, verlor sie noch den1 geringen Verdienst durch Zimmervermieten. Schließlich konnte sie auch keine Näharbeit mehr verrichten. Der 42jährige Dentist Manfred Katz verübte Selbstmord durch Erhängen. Katz sollte aus seiner Wohnungen der Danziger Straße 72 exmittiert werden. Als der Gerieht s Vollzieher erschien und keinen Einlaß fand, ließ er die Tür gewaltsam öffnen. Als der Beamte das Schlafzimmer des Dentisten betrat, fand er den Mann erhängt auf. Seine furchtbare wirtschaftliche Notlage hatte ihn zu der Verzweiflungstat getrieben. T. A.) _ t I;. fj Em greises jüdisches Schwesternpaar geht in den Tod Berlin, 7. September. (J. T. A.) Die jüdische Seibat» mordchronik Berlins ist nun durch eine weitere Tragödie der Not, die sich im Hause Giesebrechtstraße 1 zu Berlin* Charlottenburg abgespielt hat, bereichert worden, Zwei greise Schwestern, die 60 Jahre alte Fanny Lipp« schitz und ihre ,72jährige Schwester Emma ver« suchten, in ihrer Wohnung, in der sie eine kleine Kunst« handiung betrieben, ihrem Leben durch Einatmen von Leuchtgas ein Ende zu bereiten. Als die Feuerwehr er« schien, war die ältere bereits tot, während die andere noch schwache Lebenszeichen von sich gab. Sie wurde in das Krankenhaus Westend gebracht; wo sie hoffnungs» los darniederliegt. Aus Briefen geht hervor, daß die Schwe« Stern durch wirtschaftliche Sorgen zu der Tat getrieben worden sind. Ein Jude kann antisemitische Angestellte entlassen Berlin, 4. September. Die Frage, ob einem jüdischen Arbeitgeber die Weiterbeschäftigung eines Arbeitnehmers zuzumuten sei, der sich außerhalb der.Dienstzeit antisemitisch betätigt, beschäftigte das Berliner Arbeitsgericht Bei einem Apotheker in der Rosenthaler Straße war seit mehr als Jüdischer JWusikabend ^S"?" Sonntag, den 27, September 1951, halb 8 Uhr abend», im Konzertsaale (Theatersaal) „Post", L, Fleischmarkt 24 4. Seqaf-R9«e*kach (Tftitor) Mitwirkend; Prof. Joe. Zimbler, Sam. Sch'wagei, Am Flügel: Kapellmeister Rudolf Beck. Programm* Lieder, Volkslieder, jüdische Volksmelodien, ehassidi» sohe und Hochzeitstänze (Violine), jiddische Rezitationen. Karten von S —.80 bis 2,50 beim Jüdischen Hochschulausschuß, IX., Zimmermannplatz 8, Bücherstube Rath, IL, Taborstraße 20a, Keren Kajeraeth, V., Kärntnerstraße 28. >':)•. '.:

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