Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1931-09-04 · Heft 207 (4.9.1931) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 207 (4.9.1931)
Date
1931-09-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2711613-2711790-2711826--2706-2716020
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

MB NEUE TO Kr. 207 ECKSTEIN'S FAMILIEN-PENSION RMIauraOon, Kallsahan« / Tügllcii S*im»Tm SEMHERING TXffKät9SStSS^m Mflffigc Preise, vorzügliche Küche, Zimmer mtt Penskxi S 12.— aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm« und Kaltwasser In jedem Zimmer. / Auskunft unter Telephon Ü-27-6-24 Regierung den Vorwurf, daß sie die Rechte der .Agency tatsachlich illusorisch gemacht habe. Er befaßte sich sodann ausführlich mit dem patssti* nensiachen Staatsbürgerschaftsgesot* und er« klärte, dieses Gesetz entspreche weder seinem Inhalt noch seiner Anwendungsweise nach dem Geist des Artikels 7 des Mandats, durch den die Mandatarmacht ver* pflichtet wird, diejüdischeEinwanderung zu erleichtern; es stehe auch nicht im Einklang mit dem ChurchillAVeißbuch, in welchem ausdrücklich erklärt wird, daß die Juden in Palästina kraft eines Rechtes und nicht bloß geduldet leben. Die britischen Ver* treter haben diese Fragen nicht sofort klar beantwortet, sondern bloß versprochen, sie au studieren und im Lichte der Bemerkungen' von van Rees zu prüfen. Peinliche Fragen Auf eine Bemerkung des Vorsitzenden Theo doli, daß die Araber behaupten, die Kommunisten in Palastina seien Juden, während umgekehrt die Juden das» selbe von den Arabern behaupten, antwortete der General« sekretär der Palästina*Regierung M. A. Young, es sei anzunehmen, daß die Kommunisten eher unter den Juden zu suchen seien. Mehrere Fragen über die Einwanderungspolitik der, Regierung wurden den britischen Vertretern von Prof. Rappard gestellt. Er erklärte u. a., die Bestimmung, dag jeder Einwanderer mit eigenem Kapital den Besitz v.ph 1000 Pfund nachweisen müsse, anstatt wie früher bloß, von 500 Pfund, wäre auch in einem Lande, das gegen jiede Immigration kämpft, als sehr streng zu bezeichnen, sei aber besonders scharf in einem Lande, in dem nach Artikel 6 des Mandats die Ein« Wanderung von Juden erleichtert werden soll. Wertere Fragen wurden auch im Zusammenhang mit Artikel 11 des Mandats gestellt, demzufolge die Palästina«Verwaltung öffentliche Arbeiten, die s i e n i c h t selbst durchführt, der Jewish Agency über« geben kann. , Shiels gewundene Antwort Im Verlauf der Aussprache über die Organisation der Polizei wurde, die Frage der Sicherheit der jüdi« sehen Siedlung eingehend besprochen. Die britischen Ver« treter erklärten, die Darstellung im Memorandum des Waad Leumi, in dem sich dieser über die Unsicherheit im Lande beklagt, sei übertrieben. Sie betonten, daß den jüdischen Kolonien Waffen zur Verfügung gestellt wurden, und daß jede Kolonie jetzt eine gute telephonische Ver« bindung besitzt. *' Namens des Internationalen Arbeitsamtes ersuchte Herr Weaver die britischen Vertreter um genaue Aus« kunft über die Lage der Arbeiterschaft in Palästina und über die Aussichten der Einführung einer Arbeit er sc hutzge setz gebung. Die briti« sehen Vertreter versicherten der Kommission, daß/ die Regierung dieser Frage gehörige Aufmerksamkeit zuwende und die erforderlichen Gesetze vorbereite. Unter Berufung auf den Passus des MacDoriald»Brief es, in dem gesagt wird, daß die jüdischen Arbeiter bei öffentlichen Arbeiten im Verhältnis der jüdischen Steuerleistung be* schäftigt werden sollen, fragte Weaver, wie es komme, daß beim Hafenbau in Haifa neben 988 arabischen b 1 oß 1 83 jüdische Arbeiter beschäftigt werden. Auf diese Frage wurde die Antwort erteilt, daß erstens die Aufnahme der Arbeiter vor Veröffentlichung des MacDonaUbBriefes erfolgte und daß zweitens der Brief selbst keine zwingende Bestimmung enthalte, wonach jüdische Arbeiter genau im Verhältnis zur jüdi» sehen Steuerleistung zu beschäftigen seien. Nichts für Schulen und Hygiene In der Kommission wurden außer/lern Fragen be» züglich des Alkoholkonsums in Palästina, des Schmuggels von narkotischen Mitteh), Fragen des Unterrichts, der Hygiene usw. behandelt. Auf eine Frage von Lord Luggard, warum die Palastinä'Regierung den jüdischen Unterrichtsanstalten nur 15 Prozent des Unterrichts* budgets zur Verfügung stelle, während doch die Juden 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen; antwortete Generalsekretär Young, das Unterrichtsdepartment habe der Jewish Agency gewisse Reformen des Waad Hachinuch vorgeschlagen und solange diese Reformen m mich-trink-und Spelsetiulle m vegetarische und flansche Speisen MEl l Alt Mit« Ifflitaffl* 13 ■ mII«■ ■ CIn8mn9 IL, röreteru. 7 VolktittcHW» Rfwte BfcttUbriw»W«o#fciJ nicht durchgeführt seien, könne die Regierung ihre Sub? ventionen für dte jüdischen Schulen nicht erhöhen. Young brachte auch seine Anerkennung für die großen Leistun* geh der Juden auf sanitärem Gebiet zum Ausdruck, be* merkte aber, daß die Regierungssubvention für das jüdische Gesundheitswesen nur im Rahmen der finanziellen Möglichkeit der Regierung erhöht werden könne. Genf, 27. August. Heute liegen weitere Efrrtelheiten der Palästina* Debatte vor. Die Ziele des Landentwicklungsplans Im Verlauf der Aussprache Über den Landent* wicklungsplan gab der stellvertretende Vorsitzende der Kommission, van Rees, seinem Erstaunen darüber Ausdruck, daß der Hauptzweck des Plans die Wiederansiedlung der durch jüdische Landkäufe ver* drängten Araber sein soll, und forderte, daß zu* nächst festgestellt werde, ob diese Araber das von ihnen früher besetzte Land freiwillig geräumt haben. Das Kom< missionsmitglied G a r c i a erklärte, er verstehe nicht, warum der Ausdruck „depossedierte Araber" gebraucht werde, da doch die Juden das Land durch normalen Kauf an sich gebracht haben. Er wies darauf hin, daß die schwierige Lage der arabischen Bauern nur zum Teil darauf zurückgeführt werden könne, daß durch die jüdische Einwanderung Bodenknappheit entstanden sei, und forderte die englische Regierung auf, die Möglichkeit, neues Land in Kultur zu nehmen, zu untersuchen und zum Zweck der Lösung des Palästina« Problems die Agrarreform auszudehnen. Van Rees betonte, daß auch arabische Großgrundbesitzer Pächter von ihrem Boden entfernt haben. Auf diese Bemerkungen erwiderte Unterstaatssekretär Dr. Shiels, die Regierung habe sich nur verpflichtet, Personen, die infolge der jüdischen Kolonisation ihres Bodens verlustig gegangen sind, Land zur Verfügung zu stellen und fügte hinzu, daß die Jewish Agency noch große unverwertete Land» reserven (1) besitze. Auf eine Frage Prof. Rappards bezüglich der Aufteilung der Staatsländereien erklärte Dr. Shiels, die Vorstellung, daß Staatsländereien im größeren Ausmaß zur Verfügung .stehen, sei falsch; zu den Zielen des Landentwicklungsprogramms gehöre aber auch die Ermöglichung einer dichteren jüdischen Siedlung. Das Landesbfirgerschaftsgesetz Von Rees warf die Bürgerschaftsfrage auf. Er beklagte es, daß das palästinensische Landesbürgel« sohaftsgesetz die Juden nicht erwähne und ihrer besonderen Stellung in Palästina nicht Rech» nung trage. Dr. Shiels erwiderte, die Juden kämen nach Palästina nicht als Juden, sondern als ausländische Bürger. Das Völkerrecht kenne keine jüdi« sehe Nationalität Diese Antwort wurde von van Rees mit der Bemerkung aufgenommen, die Ansicht Shiels ent* spreche zwar den völkerrechtlichen Bestimmungen, aber BalföursDekÜaration, Mandat und Weißbuch haben zugunsten des jüdischen Volkes einen neuen Begriff in das Völkerrecht eingeführt Dr. Shiels versprach, dieser Frage sein Augenmerk zuzuwenden. Die Agency hat nichts verlangt Auf die Beschwerde von van Rees, daß die Jewish Agency nicht in die Lage versetzt worden sei, jene wichtige beratende Rolle zu spielen, die die Urheber des Artikels 4 des Mandats im Augen hatten, versicherte Dr. Shiels, die Palästina^Regierung sei stets bestrebt, freundschaftliche Beziehungen zur Agency aufrecht zu erhalten. Im letzten Jahre sei die Agency, wahrscheinlich aus wirtschaftlichen Rücksichten, nicht sehr aktiv gewesen. Soweit ihm bekannt sei, seien von der Agency keine Ansuchen zu öffentlichen Angelegenheiten ge* stellt worden, sollten jedoch solche einlaufen, so würden sie einer wohlwollenden Betrachtung unter« sögen werden. Die tendenziöse arabische Presse Das englische Mitglied der Mandatskommission Lord L u g a r d warf die Frage auf, ob es notwendig sei, daß das Völkerbundsekretariat auch in Zukunft eine Uebersicht über die arabische Presse für die Mit« glieder der Mandatskommission, zusammenstelle. Erstens, erklärte Lord Lugard, seien die Nachrichten bereits ver* altet und zweitens beziehen die Mitglieder der Kommission die arabischen Zeitungen direkt. Im übrigen sei die arabi* sehe Preise so tendenziös, daß sie kaum ernst genommen werden könne. Im Sinne der Ausführungen Lord .Lugards beschloß die Kommission, auf die. Vorlage einer. Presseübersicht künftighin zu verzichten. Der Bluff mit den 9 Millionen Pfund In ihrem vorjährigen Bericht an den Rat hat die Kommission dem Mandatar empfohlen, in weitestmöglichem Maße die wirtschaftliche Entwicklung des Landes zu unter* Stützen. In den —» wie erinnerlich — sehr scharfen Konv mentaren zu diesem Bericht bat die Mandatarmacht u, a. geantwortet, daß sie seit dem Jahre 1921 bereits mehr als 9,000.000 Pfund Sterling für dje Entwicklung Pa* Irinas, „die Militärkoate» natürlich mit« einbegriffen", auagegeben habe. Diese Frage wurde SIEGM. KORNMEHL anOSSPLEISCHHAUtAII Zentrale.' IX., Berggawe 19, Tel A-17-3-99 0. A-16-9-34 Lieferant tür Heilanstalten A^JJ*^2^2,j^£2££lSSi tmter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der ler. Kai« tusgemerade Wien Autosustellung kostenlos IX., Barggaaaa » ✓ XVIII.» wahrlngarstr. 97 von Rappard aufgegriffen, der dem Vertreter der Matt« datarmacht ziemlich deutlich nachwies, daß die fragliche Summe fast ausschließlich für Polizei und Landesverteidigung ausgegeben wurde, also für wirtschaftlich ganz unproduktive Zwecke. Die Vertreter der Mandatarmacht waren nicht m der Lage, die Argumente Rappards zu entkräften und vex* sprachen eine genauere Antwort — für das nächste Jahr. Dr. Shiels bemerkte bloß, daß seiner Ansicht nach die Ausgaben für Polizei und sogar für Landesverteidigung nicht so ganz ohne Einfluß auf die wirtschaftliche Ent* Wicklung des Landes sind, wie Rappard zu glauben scheint. Memorandum der Araber und der Agency In ihren Schlußfolgerungen nimmt die Mandats« kommission auch Stellung zu den Memoranden der arabischen Exekutive und der Jewish A g e n c y. Bezüglich der arabischen Petition, in der die Annullierung der Balfour*Deklaration, die Einsetzung einer einem Parlament verantwortlichen Regierung in Palästina, das Verbot der jüdischen Einwanderung und der Uebers» tragung arabischen Bodens in jüdischen Besitz sowie eine Konzession auf das Huleh«Gebiet gefordert wird, hat die Kommission unter Hinweis auf das Protokoll ihrer Ver« handlungen erklärt, daß sich eine gesonderte Beanta wortung dieser Petition im Hinblick darauf, daß die k* ihr berührten Fragen bereits anläßlich der Beratung des Berichtes der Palästina*Regierung für das . Jahr 1930 beo handelt wurden, erübrigt. Bezüglich des Memorandums der Jewish Agency über die Behandlung des . Sir John Hope Simpson zur Verfügung gestellten Materials sowie bezüg« lieh Leonhard Steins Antwort auf das britische Weißbuch und Weizmanns persönlicher Erklärung zum MacDonald* Brief gelangte die Kommission zu dem Schluß, daß weder das Memorandum, noch seine Beantwortung durch die englische Regierung irgend welche Empfehlungen an den Völkerbundsrat erforderlieh erscheinen lassen. Antisemitismus jenseits des Ozeans Eine Abart des Numerus clausus — Schule und Erziehung Auch dm Amerika hat, trotzdem es gewisse jüdisch-1 liberale Kreise nicht wahnhaiben wollen, eine Bewegung eingesetzt, die «inen scharfen Trennungsstrich, zwischen Juden und Amerikanern zieht. Die fast vier Millionen Seelen betragende jüdische Bevölkennng sieht sich zum Beispiel fetzt vor den Universitätsantieemitismu.s gestellt, der niun auch, von christliehen Beobachtern festgestellt wird. Es ißt eine amerikanische Abart des europäischem Numerus-dausus-Syistems, die nicht zuletzt auch San gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Leben ihre Fortsetzung findet. Ueiber diese Eiiseheinning findet sich in der großen amerikanischen Zeitschrift JH a r p e r s Magazin" ein Aufsatz ans der Feder eines „christMchenHocnselmlleih.rers**, der folgende Feststellungen macht: „Von allen Problemen des Zwiespalts der Rassen ist: das akuteste und weitverbreitetste das Problem der Juden in der christlichen Gemeinschaft Jeder Jude und jeder Christ weiß, daß die Scheidewand zwischen den beiden Rassen sehr breit ist, loh aaih ganze Reihen von Studenten ein ex höheren Sehnle, denen es unmöglich war, einen guten Rang ein* zunehmen, weil sie Juden waren, während zw gleicher Zeit intellektuell tieferetehende Christen eine bequeme Position innehatten. Die Absonderung von Juden und Nichtjuden in der Gesellschaft und Geschäftswelt außerhalb der Schule kommt deutlich an diesen Lernonistit«- tionen zum A/usdraictk, in der alleinigen Absicht, Amerika mit großen eigenen Führern zu versorgen. Mit dem stärkeren Besuch der höheren Schulen, der nach dem Kriege einsetzte, fühlten sich die Schulleiter bemüßigt, Mittel zur Einsohräinikung der Zahl der Studierenden zu finden, und hier fanden sie sich sozialen und rassemäöigen Vorurteilen gegenübergestellt. Der Endeffekt Erfahrener Pädagoge erteilt j englischen und hebräischen Unterricht | an Kinder und Erwachseite. | Zuschriften erbeten unter „Akademiker" jj an die Administration des Blattes oder § Telephon U-27-904 von 8 bis 10 Uhr. | ItfliMHntttWI^ B

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.