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Die neue Welt · 1931-09-04 · Heft 207 (4.9.1931) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 207 (4.9.1931)
Date
1931-09-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 207 DIE NEUE WELT lieber Bestürzung mit der auch durch den Rundfunk verbreiteten Rede des Feldihischofs Dr. Stelfan Hasz beschäftigt, die »»gerechte Beschuldigungen gegen die Anhänger der mosaischen Konfession enthielt. Wir verwahren uns dagegen, daß die Judenschaft, die im Krieg und im Frieden mit der größten Bereitwilligkeit auf jedem Gebiete patriotische Opfer gebracht hat, in einem Gotteshaus in =o unwürdiger Weise auf die Anklagebank gezerrt werde. Wir protestieren im Namen unserer beleidigten Konfession gegen derartige, zur wahren Menschenliebe und zum Geiste der Gerechtigkeit im Widerspruch stehende unbegründete Anklagen." Gegenüber den Behauptungen des Bisehofs Hasz weist die jüda'sch-assimilatoriische Woc.hensch.rift ,.E g y e n 1 ö s e g" nach, daß im Weltkrieg tO.000 ungarische Juden den Heldentod gefunden haben und 130.000 ungarische Juden an der Front kämpften. Während der Kommune haben 43 Juden den Märtyrertod erlitten, 342 waren als Geiseln gefangen. Daß nicht die Juden es sind, die Ungarn aussaugen, beweist die Tatsache, daß 74 Prozent der zugrunde gegangenen Geschäftsleute Juden sind, während die Juden in Staatsdiensten und in Diensten der städtischen Gemeinden nicht einmal 2 Prozent der Beamten stellen. Der Eifer der Rabbine.rkanzlei und des „Egyenlöseg" ist ebenso rührend als nutzlos. Solche schöne Worte und schöne Zahlen schreiben die Juden seit etlichen hundert Jahren fein säuberlich nieder, zur Erbauung der — Juden. Bischof Hasz und seine Schäfchen lesen so was nicht, und wenn sie es lesen, glauben sie es nicht. Seite 5 Das neue Kabinett hat sich dem Parlament vorgestellt. Ministerpräsident Karolyi verwies in seiner Ansprache an die Abgeordneten uu a. darauf, daß er immer auf christlich-nationaler Grundlage gestanden habe, nach seiner persönlichen üeberzeugung dürfe aber ein konfessioneller Unterschied nicht gemacht werden. In fortschrittlichen Kreisen Ungarns begegnet man dem neuen Kabinett, dem außer dem Rassenschützler Gömbös als Heeresmiirister noch einige andere Politiker mit antisemitischer Vergangenheit angehören, mit Reserve. . * Der neue Kultusminister Dr. Ernszt hat in Gesprächen mit Pressevertretern erklärt, er werde den bestehenden Numerus clausus an den Hoch' schulen verschärfen und auf weitere Lehranstalten ausdehnen, um eine weitere Heranzüchtung eines diplomierten Proletariats hintanzuhalten. Er fügte sofort hinzu, daß er dabei durchaus nicht an irgend welche konfessionelle Kriterien denkt, daß vielmehr nach seinem Plan die Aktion zur Zurückstauung der Jugend vom Hochschulbcsuch alle Schichten und alle Glaubensbekenntnisse in gleichem Maße treffen 6olle. Er wolle die Auswahl für den Hochschulbesuch schon beim Abiturium in. den Mittelschulen stattfinden lassen, und zwar derart, daß nur diejenigen zur Hochschule zugelassen werden, die bei der Reifeprüfung die stärksten Fälligkeiten an den Tag gelegt haben. In jüdischen Kreisen wurde die Ankündigung E Hoffenden Frauen und jungen Müttern verbilft das natürliche „Franz-JosefM-Bitterwasscr zu geregelter Magen- und Danmtötigkeit. In Apotheken und Drogerien erhältlich. des neuen Kultusminisiers «lennoch mit einem Mißbehagen aufgenommen, Ha nach bisherigen Erfahrungen jede, auch nicht konfessionell betonte Einschränkung sich für die Inden ungünstig auswirkt. Es steht zu befürchten, daß die Schulbehördcn bei der Auswahl der Abiturienten für den Hoch Schulbesuch konfessionelle Gesichtspunkte nicht werden aus dem Auge lassen wollen. Es wird darauf hingewiesen, daß dem neuen Kabinett der R as s e n s c h ii t z 1 c r »G ö mbös als Heeresminister angehört. Im Verlauf der Debatte über die Regierungserklärung im ungarischen Abgeordnetenhaus knüpfte Abgeordneter Dr. Eugen Ga t (Demokrat) an die Aoußeorungen des neuen Kultusministers Dr. Ernszt über eine beabsichtigte Verschärfung des Numerus clausus an und führte aus: Graf Klebelsberg hat ebenfalls immer gesagt, daß der Numerus clausus keine konfessionelle Angelegeniheit sei. Aber deshalb war es doch sehr schwer, Kinder, die einer gewissen Konfession (der jüdischen) angehören, in einzelnen Instituten unterzubringen. Jünglinge, die der jüdischen Konfession angehören, war die Alma mater verschlossen, und daraus kann man wohl folgern, daß der Numerus clausus sich bisher gegen eine Konfession gerichtet .hat. Dr. Gul forderte ein Dementi der Aen Hertingen Doktor Ernszts. Palästina vor der Mandatskommission Bericht und Debatte Genf, 25. August, der letzten Augustwoche ist das Verhandlungs* Protokoll über die Tagung der Mandatskommission, die im Juni 1. J. gehalten wurde, veröffentlicht worden. Bekannt* lieh stand auch die Palästina*Frage auf der Tages* Ordnung. Schon die bisher bekanntgewordenen Einzel* heiten, vornehmlich der Debatte, lassen in großen Um* rissen erkennen, daß so ziemlich der größere Teil der Mandatskommission E n g 1 a n d mit Beziehung auf die Durchführung der Mandatsbestimmungen mit immer größerem Mißtrauen begegnet. Wenn dies zunächst in den Beschlüssen1 durchaüsj-nicht "zum 'Vorschein kommt, ja diese sogar manches Bekämpfenswerte für uns ent* halten, so zeigen einzelne Phasen der Debatte, daß wir in der Völkerbundskommission eine Reihe von g r ü n d* liehen Kennern der Materie haben, die keines* wegs gewillt sind, der englischen Mandatarmacht alles durchgehen zu. lassen. Die Stellungnahme von Männern •wie vari Rees, Rappard u. a., ihre Fragen und Ein* wände bezeugen, daß sie in ihrer Loyalität gegenüber England dennoch klar Rechtsbrüche der Man* datarmacht an dem jüdischen National* heim als solche erkennen. Dieser Umstand er* härtet wieder einmal die sträfliche Vernachlässigung unserer politischen Arbeit in Genf und die Leisetreterei, die bisher unseren offiziellen Dokumenten an den Völker* bund, d. h. denen der Jewish Agency, anhaftete. Im wesentlichen besagen die Berichte folgendes: In dem Palästina*Bericht wird die Erklärung des Vertreters der englischen Regierung, Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Drummond Shiels, zur Kenntnis genommen, daß die englische Regierung bemüht sei, die jüdische Einwanderung ohne Benachteiligung der arabischen Majorität dadurch zu fördern, daß durch Ausbau der palästinensischen Wirtschaft die Fas* sungskraft des Landes für neue Einwanderer erhöht wird. Ferner wird die Vorbereitung eines landwirtschaftlichen Entwicklungsplanes zur Kenntnis genommen. Die Mandats« kommission begrüßt es, daß der Vertreter der britischen Regierung anerkannt hat, daß eine Besserung der arabisch« jodischen Beziehungen von einer gerechten Lösung wirt* schaftlicher Fragen abhängig ist. Die Stellung der Mandatskommission zur Palästina« Politik der englischen Regierung wird durch folgende Be* merkung gekennzeichnet: Die Mandatskommission hat nicht ohne ein .gewisses Unbehagen die Fluktuationen der Palästina« Politik der Mandatarmacht verfolgt und hofft, daß die nemen Bemühungen, das Problem der arabisch» judi* sehen Beziehungen zu lösen;, von Erfolg gekrönt sein werden. In einer Reihe weiterer Bemerkungen zu Einzel» fragen begrüßt die Mandatskommission die Erklärung Dr. Shiels, daß die Mandatarmacht m Uebereinstimmung mit dem Weißbuch einen Legislative#Council einzusetzen beabsichtige. Sie nimmt es zur Kenntnis, daß bezüglich verschiedener Gegenstande ein Abweichen vom Weißbuch erfolgte. Sie bringt die Hoffnung zum Ausdruck, daß die Mandatarmacht ihre Absieht, die Stadtverwaltun* gen zu reorganisieren und ihnen weitgehende Machtvoll« kommenheiten einzuräumen, verwirklichen werde. Sie betrachtet eine periodische Zusammenstellung genauer Daten über die Arbeitslosigkeit als von größtem Wert für die Bestimmung der Jahresquoten für die Arbeiterein» Wanderungskontingente, Schließlich spricht die Mandatskommission in ihren „Bemerkungen" die Hoffnung aus, daß der Bericht der Klagemauerkommission, durch den die jüdischen und arabischen Rechte auf die Mauer endgültig definiert ouA das mit dem Zeichen der streng rituellen Erzeugung versehene Kunerol. Das Verschlußsiegel bürgt Ihnen dafür, dafe Kunerol von jedem Strengglaubigenohne Bedenken genossen werden kann. 0> Kunerol ist reines KokosnuMett und kann sowohl zur Zubereitung von Milchspeisen als auch zur Zubereitung von Fleischspeisen verwendet werden. ÜNER0L 100% REINES KOKOSNUSSFETT „Kunerol ist nur echt in Originalpackung!" „Vor täuschenden Nachahmungen wird gewarnt!" werden, den früheren Auseinandersetzungen über dieses Problem ein Ende bereiten werde. Die Debatte Bezeichnend für die Debatte war die Tatsache, daß die Kommission von einer Diskussion der allgemeinen Politik der Mandatarmacht fast gänzlich abgesehen hat. Die Kommission begnügte sich damit, die Erklärung des Vertreters der Mandatarmacht „zur Kenntnis zu nehmen", wonach der Brief des Premierministers an Dok» tor Weizmann vom 13. Februar 1931 in den von ihm berührten Punkten „eine authentische Auslegung des Weißbuches vom Oktober 1930 darstelle". Im allgemeinen lehnte sich die Debatte der Kom* mission an den ihr vorgelegten Jahresbericht der Man» datarmacht an und die meisten Fragen der Kommissions« mitglieder bezogen sich auf verschiedene in diesem Be? richte enthaltene Informationen. Viele wichtige Einzelheiten der Debatte scheinen jedoch aus dem gedruckten, Verhandlungsprotokoll gestrichen worden zu sein. Der Vorsitzende der Kommission, Graf Theodoli, stellte fest, daß der Vertreter der Mandatarmacht es unterlassen hat, eine Der Stellung der allge* meinen politischen Lage zu geben. Er wisse nicht, ob dies absichtlich oder unabsichtlich geschehen ist. Doch habe er gehofft, daß Dr, Shiels nach seiner Palästiaa»Reise der Kommission eine Darstellung seiner persönlichen Bipdrucke geben werde, Er erUiaejrto andererseits an die für die politische Geschichte Palästinas höchst wichtigen Ereignisse des letzten Jahres (Weiß* buch, Simpson*Bericht, MacDonald*Brief usw.), an die Erregung, die sie sowohl bei Arabern, wie bei Juden hervorgerufen haben und wies auf diq aus diesen Dokumenten ersichtlichen Schwankungen der briti* sehen Politik hin. Er fragte schließlich, ob der Vertreter der Mandatarmacht der Kommission nicht einige Auf* klärungen über die definitiven Richtlinien der britischen Politik geben könnte. Dr. Shiels antwortete, daß er dem Wunsche des Vorsitzenden in einer nächsten Sitzung mit Vergnügen nachkommen werde. . Dr. Shiels hat sein Versprechen auch wirklich ge* halten und in der Sitzung vom 16. Juni ein — soviel uns bekannt ist -— ungefähr eine Stunde währen* des Expose gemacht. Dieses Expose wurde in den Verhandlungsprotokollen nicht veröffentlicht. In dem gedruckten Verhandlungsbericht ist darüber 1 nur die folgende Bemerkung zu lesen: „Der Bitte einiger | Mitglieder der Kommission Folge leistend, legt Doktor t Drummond Shiels am Anfang der Sitzung in einem per* sönlichen Expose die Eindrücke von seinem Besuch in Palästina und seine Meinung über die allgemeine Lage dar. Im Verlaufe dieses Exposes beantwortet er auch verschle* dene Fragen, die ihm gestellt worden sind." Der Ver* handtungsbericht gibt keinen Grund an, warum diese Er* klärungen Dr.- Shiels geheim gehalten werden. Dies steht mit allen bisherigen Bräuchen der Mandatskom* mission in erstaunlichem Widerspruch. Eine solche Methode der Verheimlichung „ ist überdies mit den Bestimmungen und dem Geiste der Völkerbundsatzung unvereinbar. Aus dem Bericht ist zu ersehen, daß sich die Man« darskommission auf ihrer heurigen Juni/Tagung in sechs (Sitzungen hefaßt hat. Auch in diesem Jahre wurden in diesen Beratungen alle mit der Verwaltung Palästinas zu» sammenhähgenden Probleme eingehend behandelt. Außer* dem aber galten ein großer Teil der Debatte und viele Fragen, die den Vertretern der englischen Regierung ge* stellt wurden, der besonderen politischen Lage, die durch die Veröffentlichung des Weißbuches und des Briefes MacDonalds an Dr. Weizmann geschaffen worden war. Das Problem des Landent wicklungsplans wurde ausführlich besprochen, wobei einige Mitglieder der Kom*! mission klar zum Ausdruck brachten, daß es sich bei der i Durchführung dieses Planes nicht nur darum handeln 1 könne, die sogenannten „depossedierten Araber" mit { Boden zu versorgen, sondern auch darum, daß der Be* \ Stimmung des Mandats entsprochen werde, | durch die die Mandatarmacht verpflichtet j wird, die Si,e d 1 un g von Juden a uf dem Lande za fördern, Gesetzgebender Rat und Jewish Agency In der Debatte über den Legislative Counci 1 wies insbesondere der stellvertretende Vorsitzende der Mandatskommission van Rees darauf hin, daß eine wiederholte Ausübung des vorgesehenen Vetorechts gegen« über Beschlüssen des Legislative Council durch den High Commissioner keinesfalls geeignet wäre, die Gemüter zu beruhigen und zu Konflikten führen könnte. Van Rees betonte die besonderen Schwierigkeiten, vor denen der High Commissioner in solchen Fällen stünde, da er dann die Aufgebe hätte, das Mandat zu interpretieren. Eine Reihe von Fragen stellte van Rees an die britischen Vertreter bezüglich der Stellung der Jewish Agency als einer in Mandat vorgesehenen beratenden Körperschaft der PaieetiM-Verw^UwÄ, B* mectrtc der «nggteheft

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