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Die neue Welt · 1931-09-04 · Heft 207 (4.9.1931) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 207 (4.9.1931)
Date
1931-09-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Hr. 20? DIE NEUE WELT Seife S sation angelegen sein lassen. Den Grundzug seiner Politik werde die Kooperation mit E n g 1 a n d bilden; dabei aber werde er den Kampf für die jüdischen Rechte ohne Kompromiß weiterführen. Möglicherweise werde die Durchführung des Landentwickhingsplans die Juden zwingen, binnen kurzem einen Verteidigungskampf aufzunehmen. Vorläufig sei noch kein jüdischer Berater des Landentwicklungsdirekiors ernannt worden. Bezüglich der Politik gegenüber den Arabern in Palästina erklärte Dr. Arlosoroff, er werde im Sinne einer j ü d i s c h-a rabischc n V e r s t ä nd i g u ng auf der Basis der Parität, wie dies im Koalitionsprogramm der Exekutive auf dem Kongreß festgelegt wtyrde, tätig sein. Er sei davon überzeugt, daß die Araber im Laufe der Zeit ein Verständigungsprogramm auf dieser Basis nehmen werden. (J. T. A.) an- Dr. Arlosoroff ist als Kandidat der Arbeiterpartei in die Exekutive gewählt worden. Seine Erklärung, daß er sein Amt nicht im Sinne der Politik seiner engeren Partei, sondern im Geiste nationaler Politik führen wird, ist zu begrüßen. Hoffentlich ist diese Erklärung mehr als ein schönes Wort. Dasselbe gilt bezüglich seines Versprechens, sich die Förderung der Mittelstand skolonisation angelegen sei n zu lassen. Die Entwicklung des jüdischen Palästina hat gezeigt, daß eine Kolonisation nach dem Plane einseitig eingestellter Klassenpolitiker versagen muß. Nicht eine Klasse, sei es auch die wertvollste Arbeiterklasse, kann das jüdische Nationalheim aufbauen. Die jahrelang und systematisch betriebene Agitation gegen die Mittelstandskolonisation zugunsten einer aus Spendenfonds gespeisten einseitigen Arbeiterkolonisation hat den Zionismus zurückgeworfen, hat Jahre des Aufbaues entwertet. Auch hier muß dem Wort von der Förderung der Mittelstandskolonisation — die Juden sind ja ein Mittelstandsvolk — die Tat folgen. Nicht ohne Bemerkung können die Worte hingenommen werden, welche Dr. Arlosoroff der „Araberpolitik" widmet. Er läßt außer acht, daß der Zionismus die jüdische Mehrheit in Palästina fordert und daß auch die überwiegende Majorität des Kongresses ihre Meinung in dieser Richtung unzweideutig zum Ausdruck gebracht hat. Er spricht von „Parität", von Gleichheit. Das ist an sich eine Preisgabe des Zionismus. Und eine nutzlose, soferne man mit ihr die Araber befriedigen will. Die heutigen Führer der palästinensischen Araber wollen N u 11 if izi e r u ng des M andats, Sperre der jüdischen Einwanderung und Verbot des Ankaufes von Land: durch Juden. Für sie bedeutet „Parität" eine ebenso provozierende, unannehmbare Forderung wie „Majorität". Uebrigens haben sie ja Herrn Dr. Arlosoroff schon die Antwort erteilt. Die arabische Presse hat bereits Herrn Dr. Arlosoroff angekündigt, daß alle seine Bemühungen um eine jüdisch-arabische Verständigung nutzlos wären, seien sie auch in noch so bescheidene und sanfte Worte gekleidet. Mit dem Worte „Parität" die Araber fangen zu wollen, ist unter den derzeitigen Umständen wirklich ein zu naives Beginnen. Dann wäre auch an Herrn Dr. Arlosoroff die Frage zu richten,, was. er unter „Parität" versteht. Versteht er unter Parität das, was Professor Weizmann darunter versteht? (Die Frage ist um so berechtigter, als sich Dr. Arlosoroff immer als treuesten Schüler Weizmanns bezeichnet.) Professor Weizmann hat auf dem letzten Kongresse — und das war ja die Haupt Ursache seines Sturzes — erklärt, er verzichte auf eine jüdische Majorität in Palästina. Er wolle jüdische ..Zivilisation" und „Kultur" und dazu brauche man keine „Majorität". Nach dem Sturme, den diese Kundgebung auf dem Kongresse hervorgerufen hatte, erklärte Professor Weizmann im Permanenzausschusse, er sei für ..Parität". Auf die Frage, ob er darunter, wie jeder andere Mensch, Gleichheit verstehe, sagte er: Parität braucht nicht fünfzig Prozent zu fünfzig Prozent zu bedeuten. Es könne auch sechzig zu vierzig, siebzig zu dreißig sein . . . Ist auch Herr Dr. Arlosoroff für eine solche ..Parität"!'' Dann ist seine Politik Verzichtpolitik schlimmster Sorte, welche der Kongreß in entschiedenster Weise abgelehnt hat. So entschieden, daß er darum Professor Weizmann. Jüdische Eltern! Kauft Schulbücher (auch antiquaiische) für Eure Kinder in der jüdischen Buchhandlung Herrn. Tuchner Wien«, Gr* SSadtgufg. 7 (EckeTaboptlr.52) Leihbibliothek Alle Neuerscheinungen erhältlich. 10 Groschen täglich, keine weiteren Gebühren! Für Antrauen Telephon R-4M-20 den langjährigen Führer, stürzte. Was einem Weizmann verwehrt wurde, kann Herrn Dr. Arlosoroff nicht gestattet, sein. Das Wort „Paritat" hat im Zionismus einen üblen Beigeschmack bekommen. Auch die Araber versetzt es nicht in Entzücken. Das politische Debüt Dr. Arlosoroffs kann daher nicht als ein besonders glückliches geschätzt werden. Hinter den Kulissen der Nahen OrienUPoHtik Der Mufti und die duristtfchen Spatzen — Weizmanns sonderbare Zufriedenheit mit der Situation — fSenfwadi um seine Existenz besorgt — Der arabische Boykott gegen Italien — Die Hand des Vatikans — für eine starke zionistische Politik Unter einer objektiven, der Weltpolitik Rechnung tragenden Betrachtung beginnen sich allmählich die Nebel zu lichten, die dem Blick die Einsicht in die Welt jener Traktoren verwehrten, welche an der politischen Gestais tung des Nahen Orients im allgemeinen und Palästinas im besonderen beteiligt sind. Wir haben in unserer vors letzten Nummer („Die Neue Welt" Nr. 205 vom 21. August 1931) einen Aufsatz veröffentlicht, der unter dem Titel „Italienische Stimmen über den Zionis* mus und die PalästinaeArbeit" die Tendenzen klarlegte, die Italien bestimmen, dem Palästina«Mandat nicht nur wegen politischskolonialer, sondern auch öko« nomischer Interessen sein Augenmerk zuzuwenden. Nun veröffentlicht der bekannte Wissenschaftler und Publizist Dr. Nahum Sluszsch unter dem Titel „Wer steht hinter der arabischen Politik" in amerikanischen Blättern eine äußerst aufschlußreiche, objektive Betrachtung, deren einzelne Partien das Ter« rain beleuchten, auf, dem die Drahtzieher der Palästinas Politik ihr unheimliches Spiel spielen. Wenn Dr. Sluszsch auch darin irrt, daß er in nahezu naiver Manier eine Tren« nung zwischen der von London gewollte nx und gegen die eigentlichen Intentionen Londons in Pala* stina geübten Politik ziehen zu müssen glaubt, so ftinfct engUfcVje tftoffe ALBERT HARDT dedr.1191 WIEN I. FREISINGERGASSE 1 Telephon U 2o-3-4/ die -krummen Fänger hängen lassend, übt man sich vorläufig in böser Nachrede über die ganze" Welt. Auf der Treppe des Hoteis steigt ein junger Hoteldiener, mit hoch erhobenem Tablett in der Hand; auf dem Tablett —ein Teller mit einem Stück roten fetten Lachs. Einige Gläser feinster Konfitüren in allerlei "Farben und irgend welche pikant aussehende Schachteln. Es müßten sicher schmackhafte, süße Dinge drin sein. Ach, und Bäckerei auch! Bräunliche französische Semmeln und Beugel und Stangeln, denen von ferne wie eine kostbare Schleppe edn süßer und beglückender Duft anhängt. Es erregt bei den sitzenden Lastträgern eine Sehnsucht hinter dem Nabel, eine klebrige Geilheit auf den Lippen. „Sabbatgebef", witzelt ein alter, zusammengekauerter Lastträger, mit einem Kopf, der ihm biß zu rix Bauch reicht. : „Für unsern Amerikaner wahrscheinlich!" . „Warum just für den Amerikaner? Für alle . . . für alle vornehmen Gäste, die dort im Hotel wohnen." - „Sizilisme, hm?" stößt mit dem Ellenbogen seinen Genossen ein unter der Nase redender Jude an. „Komdnisme, was?" „Närrchen,, hast nicht gehört? Kommunismus geht doch in der TJebersetzung: Komu—na, Komu—njet . . .** (Wem — was, wem — nichts.) „Und wo bekommen die das, diese guten Dinge jetzt?", schlingt immer noch gierig die Luft jener alte Lastträger mit dem vornüber gebeugten Kopf — jene dünne Säule teurer Luft, die sich den» Hoteldiener mit dem Tablett nachschleppt. . „WÜrklich wahr, möchte gerne wissen, woher!" „Närrchen! Für Geld kann man auch jetzt alles kriegen," „Ach, du Geldelein, die Geldchen", krächzen alle im Chor, und wieder wird's still im Lastträgerwinkel und wieder beginnt man schweigsam an den Strohhalmen zu kauen. Ueber den Köpfen leuchtet die milde Sommersende-ßonne. „Sieh nur, dort geht's wieder los", deutet edn alter Lastträger mit seinem Strohhalm in die Richtung der Marktmitte. Die Lastträger blicken von der Ferne mit melancholischer Neugierde auf den zappeligen Knäuel, der eich dort auf dem Markt zusammenballt und wieder auflöst, sich bald schließt, bald lockert. Eine Frau ist irgend einem Juden in die Quere getreten, hat einen Kunden weggelotst und edn Paar Hosen angebracht. „'s ist Räuberei," schnellt ihr des Juden breit zerkämmter Bart entgegen. „So ein elendes Frauenzimmer, der Verdienst gehört mir, verkränken wirst du die zehn Kopeken, ich schwör's bei meinen Kindern." Die Umstehenden wollen sie auseinanderreißen, es gelingt aber schwer. Der Besitzer des breit zerkämmten Bartes läßt sich durchaus nicht abdrängen und allzu grob kann man mit dhra auch nicht verfahren. Kleinigkeit, ist es doch Reb Tewele selbst! ... Er stellt sich immer wieder auf die Spitzen seiner sonderbar zerdrehten Schuhe, fuchtelt mit Keinen 'breitknochigen, behaarten Händen an der Luft, schreit zum elenden Frauenzimmer hinüber, über die vielen Köpfe hinweg, die ihn von ihr trennen. „Närrchen", versichert er der Frau mit Verbitterung, die hinter allen verschämt dasteht, sich irgendetwas hastig zu schaffen macht und immer wieder ihr Gesicht wischt, wie eine Katze, die soeben fetten Rahm gefressen hat. „Närrchen, verkränken wirst du's, der Apotheke wirst du's abgeben. Auf medn ehrlich Wort.. " zeigen doch seine Schlußfolgerungen die Tatsachen im richtigen Licht. Der erste Abschnitt, der Weizmanns Rolle im Spiel „Jüdischsarabische Verständigung" behandelt, ist zweifellos eine Pikanterie. Er zeigt Weizmanns Hereinfall und seine völlig apolitische Einstellung in Dingen, die zumin« dest einige politische Gewiegtheit erfordern, und erhärtet so die Berechtigung der jahrelang geübten Kritik seitens der zionistischen Opposition am Weizmann>System. Der charakteristische Abschnitt lautet: „In seinem bekannten .Brief hat MacDonald Dr. Weizmann beauftragt, sich mit der Frage der j üdisch,« arabischen Verständigung zu be* schäftigen, damit beide Seiten zusammen für die ökos nomische Entwicklung des Landes arbeiten können. Weizmann seinerseits hat das Seinige getan, er hat in Aegypten Station gemacht und ist dort mit arabischen Persönlich» keiten zusammengekommen. Einige arabische Führer von draußen und vom Land selbst haben Unterhandlungen mit den hiesigen Rädelsführern geführt und sich bereit' gehalten, mit Dr. Weizmann zusammenzutreffen. Einige von ihnen (Naschischibi,, der Bürgermeister von Jerusalem, Musa Kjasim, der Präsident des arabischen Komitees, und auch Djemal Husseini, sein Sekretär, und Ever al Hadi, der Gescheiteste unter ihnen) drückten die Meinung aus, eine Begegnung mit dem zionistischen Führer sei am Platze und man. möge wenigstens nach London zu einer Unterredung mit der englischen Regierung fahren. Aber die Partei des Mufti und die christlichen Spitzen, die Angst haben, die Araber könnten, Gott behüte, zu einer Einigung mit den Zionisten gelangen, gaben dies nicht zu. Nun ereignete sich folgendes: Weizmann machte einen Versuch von einer anderen Seite her. Er bat um eine Audienz bei Emir Abdallah von Transjor»» danien und bekam die schriftliche Antwort, daß der Emir ihn mit größtem Vergnügen bei sich empfangen würde. Aber am nächsten Tag erhielt er von Mister Young, dem Generalsekretär der PalästinasRegierung, eine schriftliche Erklärung, worin es hieß, daß es unmögs lieh sei, ihn über den Jordan reisen zu lassen, da die Regierung für seine körperliche Sicherheit nicht garan* deren*könne, weder heute, noch später... So konnte Weizmann die Aufgabe nicht erfüllen, die MacDonald ihm gestellt hatte. Weizmann selbst hat (nachdem der ,Doar Hajom" in einem mutigen Artikel von Ben Awi Youngs Brief ver« öffentlicht hat, ist dies kein Geheimnis mehr) erklärt, daß er, von einer höheren Warte aus gesehen, mit dem Gang der Ereignisse nicht unzufrieden sei. Die zwei schriftlichen Dokumente, die er auf diese Weise bekommen habe, würden ihm endlich die Mög« ltchkeit geben, MacDonald zu überzeugen, daß alle Störungen von gewissen offiziellen Kreisen kommen. Ich weiß nicht, wieweit das in London helfen kann. MacDonald ist in der Sache sicher aufrichtig, aber das Colonial Office tut, was es will. Wir haben einen Beweis hiefür darin, was mit Generalanwalt Bentwich geschehen ist." Der Fall Bentwich spielt in der Geschichte des jungen jüdischen Palästina die gleiche verhängnisvolle Rolle wie der Fall Herbert Samuel, natürlich in einem engeren Rahmen. Wir sehen aus der folgenden Darstellung Sluszschs eine heitere Seite, zu der jeder zur Assis milation disponierte „Beamte" geschlagen werden muß: „Es ist bekannt, daß B e n t w i ch bei den Juden im Land nicht sehr beliebt ist, und er hat seine Unpopu* larität tatsächlich verdient — durch seine zweideutige, untertänige Haltung als juristische Instanz. Deswegen ist er auch bei den Freunden der Araber sehr verhaßt und sie suchen ihn als Beamten loszuwerden, so wie sie schon andere jüdische höhere Beamte losgeworden sind. Nun bekommt Edwin Samuel, Herbert Samuels Sohn, einen ,Urlaub' von anderhalb Jahren, obwohl er sich gar nicht als Kämpfer erwiesen hat. Er arbeitet intensiv für den Brith Schalom und hatte seinerzeit den bekannten Generalsekretär Luke in Schutz genommen. Ebenso wie Bentwich, der sich im Ausland befand, gerade zu jener Zeit ins Land zurückkommen sollte, da Weizmann mit MacDonalds Vertretern unterhandelte, hat die hiesige Regierung dem Colonial Office gemeldet, es sei nicht rat« sam, daß Bentwich ins Land zurückkomme, weil die ara* bischen GenUemen eventuell böse werden könnten. Hat doch der bekannte Sbnkbury den Namen Bentwich von

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