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Die neue Welt · 1931-09-04 · Heft 207 (4.9.1931) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 207 (4.9.1931)
Date
1931-09-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seile 3 DIE NEUE WELT Nr. m » Telephon-SoniMnst TES0(< «™foitwt«w Tai- und Ruthldiiiti Prosptktt titftnltt 1 0n>on der Zionisten-Revislonisien, Bratislava | HHHMHHMHBBHBHlHflMHHHHHIIMHHHHIBMMHMHBBflMlBHHi 3 | Sonntag, den 6. September 1931, spricht im | i Spiegelsaale des Primatialpalais 1 1 1 I Qberbaurat | I lng. Robert Stricker l i w|en i j über das Thema: | IM Wendepunkt i Zionismus" =x E 3 1 Beginn um 8 Uhr abends I s Karten zum FreUe von Kö 12.—, 8.—, 5 — und 3.— im Schuhwaren- §j s hause H. BleiWciss, Laurlnskd 6, Parfürnerie Freundlich, Zitprig 3 nim. 5, erhältlich ■; ■ ■■ s den schärfsten Widerstand entgegenzusetzen, als es galt, die Nation und den Staat vor Unheil zu bewahren. MacDonald und seine Genossen sind kein vereinzeltes Beispiel für eine solche Handlungsweise sozialistischer Führer. In Frankreich ist es häufig genug, vorgekommen, hei Ausbruch des Weltkrieges zeigten die sozialistischen Führer aller Staaten dieselbe patriotische Haltung. Bei den unterdrückten kleinen Völkern, die um ihre Freiheit rangen, waren es die sozialistischen Führer, die den stärksten patriotischen Elan aufbrachten und im entscheidenden Augenblick alle sozialen Gegensätze zurückstellten. Volk in Not — war für alle die oberste Richtlinie ihres Handelns. Heute für MacDonald das, was er „Nationale Pflicht" nennt. Und das bei ^Völkern, deren nationale Existenz keineswegs bedroht ist, die nicht physischer Gewalt ausgebeutet" sind, die eine normale soziale Gliederung« aufweisen, deren Ehre nicht angetastet ist, die einen . Staat und ein Land besitzen*, mächtige Staaten und große Länder. , ,."/ ,. Wie beschämend bei uns! Ein kleines zerrissenes- Volk,-überall unf erdrückt; ^überall bedroht,"; krank an einer beispiellosen wirtschaftlichen Anomalie, auf Leiben und Tod um. ein kleines Stückchen Boden in seinem alten Heimatland kämpfen müssend*, ohne die geringsten Konturen einer normalen sozialen Gliederung. Ja, dieses Volk hat prinzipienfeste sozialistische Theoretiker, die es den MacDonald und den anderen nicht nachmachend e kümmern nicht Gefahrenmomente, und jeder Tag ist ein Gefahrenmoment, sie geben nichts preis von Dogma und Parteiprogramm. Der Wahnwitz des Klassenkampfes in Palästina zum Beispiel, auch in einem Zeitpunkt, da ein Uebermafi an Feindschaft die letzte Rettungsinsel . des gequälten Volkes zu überschwemmen droht. Und wie ■ umwinseln sie gerade jene Feinde, mit denen sie das Parteidogma teilen, denen gegenüber sie gerade kraft des Parteidogmas würdig und gerecht auftreten könntenI Wie beschämend bei uns! Nationale Pflicht und Parteidogma! „Endziel" Im „Najen Weg" (Paris) verzeichnet der in Tel-Awiw lebende alte Zionist Israel R oso w unter dem Titel „V or 13Jahren und heute" charakteristische Episoden, die die ungeheure Autorität der Zionistischen Organisation und ihrer Leiter in der damaligen Zeit erhärten. Besonders bezeichnend ist eine Episode, über die Rosow folgendes erzählt: . „Am 6. Dezember 1918 wurde in Paris vom damaligen französischen Premierminister P i c h o n ein Frühstück gegeben, zu dem die Herren Nahum S o k o 1 o w und Th. G. Masaryk geladen waren. Masaryk befand sich damals unterwegs von Amerika nach Prag und war bereits zum Präsidenten der neugegründeten tschechoslowakischen Republik fewählt. Sokolow weilte in Paris in Erwartung der Iröffhung der Friedenskonferenz. Premierminister Pichon erhob sein Glas auf das Wohl des ersten Präsidenten der tschechoslowakischen. Republik Thomas Masaryk. Sein zweiter Toast galt dem — voraussichtlichen Präsidenten der jüdischen Republik in Palästina, Nahum Sokolow. So faßten im Jahre 1918 Staatsmänner vom Range des französischen Premierministers den Zionismus auf. Auf dem 17. Zionistenkongreß in, Basel pflegten „Zionismen" nach Art des Vogel Strauß die Köpfe zu verstecken, wenn man über die Endzielfrage und die Judenstaatsresolution debattierte und stimmte. So sieht es", schließt Rosow, „nach 15 Jahren _ <c aus. ^mnüt^dmiiSaii '•4 Hon-Ewensu oder mit Überflüssigen Haaren gebraucht Erhältlich in Apotheken and Fachgeschäften! Die Lftge in Palästina — Neue Verhaftungen — Die ersten Urteile gegen Demonstranten aus Nablus Jerusalem, 27. August. (J. T. A.) In Nablus macht sich ein wachsender ^Widerstand der besonnenen älteren arabischen Führer gegen die ungezügelte, Propaganda der jugendlichen Elemente;.bemerkbar. Die friedliche arabische Bevölkerung ' Verurteilt die Ausschreitungen in der Stadt; insbesondere' sind;'jdW Strenggläubigen Moslems, darüber ^c^rlät^erfe, r. daß \ 1- .auch Frauen an den St x a ß e n k ü n d g e b-u n g e n t e i I g e n o'm me'il u n d "S t e i n e;g 'e '^ e n d 3 e P o J,iz e'ä;gee'c%:l.e u?d.e r$ habein. ^s. wird erwartet, daß die Mißstimmung in $en preisen, der älteren orthodoxen fMQljanMn^<l.aner;. eine;><feg:enbe.Wegung .gegen die extremen Nationalisten auslösen werde mit dem Ziel, Renate MUlier „ Der kleine Seitensprung Eine musikalische Filmkomödie der Ula mit Hermann Thimig, Hilde Hi|debrand, Otto Wall» ' bürg, Hans Brausewetter Produktion: Günther Stapenhorst y Buch: Reinhold Schünzel, B. Preßburger - / Musik: - Ralph- Erwin Liedertexte: Robert Gilbert./ Regie: Reinhold SchünzelgpY~ Vorher: Ein Ula-K u 11 u r I II m -^nj Uraufführung täglich: ' Gartenbau-Kino, I. /. Ufa »Ton-Kino, II. Stafa-Klno, VII. / Kolosseum-Kino, IX. die jugendlichen Heißsporne endgültig zur Ruhe zu bringen. Weitere zwanzig Personen, die wegen Teilnahme an den Ausschreitungen in Nablus verhaftet worden sind, wurden ins Untersuchungsgefängnis nach Jerusalem gebracht. Die bei den Straßenkämpfen Verwundeten sind in Jerusalemer Spitäler eingeliefert worden. Die arabische Exekutive hat am Montag nachmittags eine Sitzung abgehalten, in der sie sich mit den Zusammenstößen in Nablus beschäftigte. Am Dienstag, den 25. August, wurden die ersten Urteile gegen die Teilnehmer an den Ausschreitungen in Nablus gefällt. 32 Rädelsführer der Unruhen wurden zu Gefängnisstrafen von drei bis «Wölf Monaten verurteilt. Verschärfte Taktik der Araber in Palästina? Jerusalem, 28. August. Die arabische Exekutive hat in ihrer letzten Sitzung eine Resolution gefaßt, in der gegen die „Verfolgung der Patrioten durch die Regierung" protestiert wird. Der Sekretär der Exekutive, Jamal Hussein i, trat dafür ein, daß die Araber in Palästina die Taktik der Non-Cooperation mit der Regierung, wie sie von der indischen Bevölkerung durchgeführt wurde, einschlagen. Er erklärte, die bisherige arabische Taktik habe versagt und daher sei es notwendig, neue politische Methoden anzuwenden, auch wenn dies zu Massenverhaftungen wie in Indien führen sollte. Wie die Jüdische Telegraphenaigentur erfährt, werden die Beratungen der für den 20. September nach Nablus einberufenen arabischen Landeskonferenz bereits diesen neuen Richtlinien Rechnung tragen. Die Konferenz wird u. a. zu dem Vorschlag der Steueirver- Weigerung, der mit zu den von der arabischen Exekutive gefaßten geheimen Beschlüssen gehören soll, •Stellung zu nehmen haben, Weitere Verurteilungen. Jerusalem, 28. August. Am Fireitag, den 28. August,' wurden weitere Urteile gegen die Aufrührer von Nablus gefällt. 42 Teilnehmer an den Demonstrationen würden zu Gefängnisstrafen . von d r ei Monat ein bis zu ein ein Ja haverurteilt. , zionistischen Exekiilive Dr. Arlosoroff kündigt eine Politik der „Parität" an Jerusalem, 28. August. Der neue Leiter dfet. Palästina-Exekutive, Dr. Chaiin .A r 1 o s o f p'f'f,/ legte in einer Pressekonferenz die Richtlinien dar, die er in seiner Politik in Palästina zu verfolgen gedenkt. Er erklärte, als Leiter der Exekutive keine Parteipolitik,' sondern eine nationale Politik führen zu wollen. Hierbei werde er in gleicher Weise die Interessen aller Klassen, sowie die der Sepbardim und der Aschkenasim wahrnehmen und sich insbesondere auch die Förderung der Mittelstandskoloni- Auf dem Marktplatz Ein Bild vom Leben in einem Sowjet-jüdischen Städtchen Von Baruch GlaSmann Das lärmende Martktgewimmel des Morgens ist schon längst vorüber, aber noch nicht alle haben den Markt verlassen, nicht alle sind nach Hause gegangen. . Es ist immer noch vor dem Mittag. ,Die Sohne wärmt da und dort. Auf ausgebreiteten Inseln aus Stroh und Pferdemist sitzen noch zurückgebliebene ältere Bäuerinnen in farbigen Kopftüchern; siesitzen vor. ihren Körben mit gelblichem Käse und frischgetriebener Butter und mit Eiern, die in Hobelspänen liegen, mit Körbchen voll Erbsenschoten und 6Üßen Melonen. Diese zurückgebliebenen Bäuerinnen sehen hier einsam und verloren aus. Der große, morgendliche Marktlärm der herbeigefahrenen Ba-uernwagen aus den umliegenden Dörfern und Gehöften Ist vorüber. Jetzt berherrschen den Markt vollends die städtischen Händler, die jüdischen Händler zusammen mit den Verkäufern von altem Gerümpel und alten Kleidern. Im jüdischen Teil des Marktes ist es jetzt sehr lebhaft.. Köpfe drängen sich vor, Hände < fuchteln. Es ist zwar nicht der Handel, der sich so lebhaft zeigt, der Haupthandel ist auch schon vorüber. Die abgefahrenen Bauern haben für ihr frischgelöietes Geld die Billigkeiten bei den Kürschnern und Schustern, bei den Flickschneidern und Gewürzhändlern bereits eingekauft. Warum also kocht es hier so? Vor einer Weile hat sich hier eine lustige Sache zugetragen. Ganz unerwartet tauchte von irgendwo her der Finanzinspektor auf mit seiner dicken Aktentasche, und ging eilig auf einen Altwarenhändler zu, einen älteren Juden. Dieser pflegte nie »inen Bandelsschein oder zumindest einen Tagzettel zu kaufen. Der alte Jude riß aus und lief über den Markt. Der Finanzinspektor ihm nach. Allen war es klar: Der junge, flinke Mensch vom Staat wird sicherlich bald den alten Mann einholen, wiewohl dieser mit aller Kraft lief, sein Bündel an die Brust gedrückt, als wäre es sein einziges Kind, die Ränder des Kaftans im Wind wiegen lassend wie die Flügel eines erschreckten Vogels. . . .. Es drohte die Konfiskation seines ganzen. Schatzes, seines Bündels alter Waren. Auf einmal: bums! Der Beamte fällt in seiner ganzen Länge auf die Erde, die Akten-., tasche öffnet sich, die Papiere fliegen heraus . ♦ . Irgendwer muß ihm ein Bein gestellt haben. Der alte Jude, immer noch sein Bündel an die Brust drückend, äst im Nu verschwunden. Der Finanzinspektor, verschämt, tat bald desgleichen. Aber unter den Leuten gab es immer noch Aufregung, brodelte es, kochte es. „Hörst du?" sagt der eine voll Verdruß über den flinken Inspektor, wiewohl, doch dem übel mitgespielt wurde, „hörst du, ein Jude ist er noch dazu, dieser Schmntzkerl!" . „Und ich frage immer eines", klagt von irgendwoher eine verbitterte Stimme, „was spielt ihr mit uns Katz* und Maus? Mit der einen Hand laßt ihr uns handeln, ein paar Groschen zum Leiben verdienen, mit der anderen nehmt ihr es uns wieder ab als Steuern/' „Wir sind euch ein Knochen im Hals", regt sich ein Dritter noch mehr auf. „Ihr wollt uns das Leben nicht gönnen, dann plagt uns wenigstens nicht, haut uns auf einmal den Kopf ab und Schluß," Man beruhigt sich aber endlich — mag sein, nur äußerlich; Zappelt man doch nicht zum erstenmal, was hilft's? Schwache Fliegen rennen mit dem Köpfchen an eine hohe Wand aus kaltem Granit. Aber vielleicht ist die Beruhigung auch innerEch, eine Beruhigung aus Müdigkeit, aus Verzweiflung, aus Verlassenheit. An das Rad gekettet, muß man sich mit dem Rad drehen, so lange, bis das Rad in Schwung gerät und sie abwirft in Kotstücke. So geht man auseinander, torkelt über den Maorkt, beginnt wieder im Kreis, umherzugehen. Handeln? Nein. Die .abgefahrenen Bauern haben schon lange in der Stadt eingekauft, was sie einzukaufen hätten. Sind wieder weg und haben mit sich, in die Dörfer Polesiens die freudige Aufregung genommen. Was für Kunden kann, es. jetzt noch geben? Städtische, jüdische,, bah! Wer von ihnen kauft was? Alle an der Stadt verkaufen nur, aber umhergehen muß man. solange man lebt — umhergehen, um zu spüren, daß man leibt. Der Gewürzverkäufer, mit dem Warenkästchen um den Hals, wackelt hin und her und singt: „Naftalin, ei, ei, ei, Naftalin!" * Auf der gegenüberliegenden Seite des Marktes, an das Steinfundament des ersten staatlichen Hotels gelehnt, hockt ein Rudel Lastträger. Hohe Schaftstiefel, herunterhängende, mehlbestaüibte Fetzen, umklammert und umringelt von dicken. Riemenstricken, Junge, frische Kerle, denen das Blut aus dem Gesicht herausspritzt, selbst durch die Schicht von Mehl und Staub hindurch, die es zusammen mit dem ganzen Körper bedecken; alte, gebeugte Juden, hufeisenförmig nebeneinandergedrängt ob der unsichtbaren Last von tausenden und abertausenden Kisten und Säcken, Man wartet vergeblich auf den Ruf von irgendwem — er kommt von niemand. Man wärmt sich unterdessen in der Sonne, kaut unterdessen an einem Mahl aus gelblichen saftigen Strohhalmen. Zusammengedrängt,

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