Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 206 (28.8.1931)
- Date
- 1931-08-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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He. 2Ö6 DIE NEUE WELT SeS© f| AUS PALÄSTINA. Waad Leumi und die Volkszählung. Tel-Awiw, 19. August. Der Waad Leumi hat du sedner letzten Sitzung die vom Präsidium getroffenen Maßnahmen aar Wahrung der jüdischen Interessen bei der bevorstehenden Volkszählung gebilligt und eine Resolution gefaßt, in der alle jüdischen Gemeinden Palästinas aufgefordert werden, die volle Mitwirkung der jüdischen Bevölkerung bei der Volkszählung zu sichern. Ferner wurde beschlossen, durch das Einwanderungsdeparteinent der Jewish Agency Schritte zu unternehmen, um allen hiefür in Betracht kommenden Juden zu ermöglichen, der anläßlich der Volkszählung verkündeten Amnestie teilhaftig zu werden. Zollfreie Einfuhr von Industriezucker, Die „Official Gazette", das palästinensische Amtsblatt, teilt mit, daß auf Zucker, der zu industrieller Verwertung in der Fruchtsaf terzeugung bestimmt ist, kein Einfuhrzoll erhoben werden ward. Die neue Bestimmung ist für die Entwicklung der jüdischen Fruchtsaftindustrie von außerordentlicher Bedeutung. Das Verbrechen von Yadjur. Poliizeioberkommissär Pantridge teilte dem J. T. A.-Vertreter mit* die Aufklärung über den Mord an den jüdischen Arbeitern aus Yadjur sei innerhalb der nächsen 48 Stunden zu erwarten. Es seien am Montag drei Beduinen aus dem Stamme Schikrat verhaftet und in einem Keller versteckte W a f f en ' gefunden worden, die, wie die Polizei auf Grund ihrer bisherigen Erhebungen annimmt, bei dem Ueberfall auf die jüdische Arbeitergruppe benützt wurden. Die neue Grundstückverkehrsverordnung. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, wurde mit Rücksicht auf die Opposition der Jewish Agency gegenüber der angekündigten neuen Grundßtückverkehjsverordriung die Veröffentlichung dieser Verordnung bis zum 7. September verschoben. Es wird mit der Möglichkeit einer Milderung der geplanten Verordnung gerechnet. Die jüdischen Industriellen gegen den Handels*, vertrag mit Syrien. Jerusalem, 19. August (J. T. A^ In Jerusalem fand die diesjährige ordentliche General Versammlung der Handelskammer statt. Im Ver lauf einer eingehenden Beratung über die gegenwärtige Wirtschaftslage in Palästina wiesen die Ver treter der jüdischen Industriellen auf die Notwendigkeit hin, möglichst bald den Handelsvertrag mit Syrien zu kündigen, da dieser Vertrag im Hanblick auf die scharfe Konkurrenz der syrischen Industrie für Palästina sehr ungünstig geworden sei. Die Handelskammer hat beschlossen, 10 führende palästinensische Kaufleute zum Studium der amerikanischen Geschäftsmethoden in die Vereinigten Staaten zu entsenden. Misrachi und die Fußballkämpfe am Sabbat In der Frage der Veranstaltung von Fußballspielen am Sabbat in Palästina hat sich, wie der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt Wird, die Zentrale des Misrachi in Jerusalem an den Präsidenten des Makkabi-Weltverbandes, Herrn Dr. L e 1 e w e rnBerlin gewandt und dessen Intervention erbeten. Der Misrachi schlägt vor, den Freitagnachmittag als Spiel- und Wettkampfzeit zu erklären. Entsprechend der durch die Weekendbewegung in europäischen Ländern für Sonnabend Nachmittag erreichten Arbeitsbeendigung solle durch Vereinbarung . mit den jüdischen Arbeit .gabern in Palästina erzielt werden, daß Angestellte bereits voll Freitag Mittag an arbeitsfrei seien. Das Präsidium des Makkabi iWeltverbandes wird nunmehr eingreifen und ver suchen, auf diesem Wege den Konflikt zu lösen. ' ' i . ■ , " Harry Sacher Berater des Landentwicklungsdirektors. London. (J. T. A.) Bekanntlich sollen dem Landentwioklungßdireik'tor French, der in den nädisten Tagen seine Tätigkeit in Palästina aufnehmen wird, je ein jüdischer und ein arabischer Berater bei der Durchführung des Landentwieklungsplans zur Seite gestellt werden. Von jüdischer Seite wird höchst wahrscheinlich das ehemalige Mitglied der Zio!nistischen Exekutive Harry Sacher als Berater des Landentwicklungsdirektors nominiert werden. Der jüdische Student und die Universität Jerusalem Debatte in de* Berliner Jüdischen Gemeinde ^.r,,i& Reduzierung der Personalausgaben Die am Montag, den 17. August, abgehaltene Sitzung der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde hatte sich insbesondere mit der durch die außerordentlich schwierigen finanziellen Verhältnisse der Gemeinde gebotenen Restriktion der Personalausgaben und mit der Frage der weiteren Suibventionierunig der Hebräischen Universität in Jerusalem zu befassen. Daneben führte eine Anfrage über die zwischen der Berliner Jüdischen Gemeinde und der Jewish Agency bestehenden Vereinbarungen zu einer grundsätzlichen Aussprache zwischen den Vertretern der liberalen und der volksparteilichen Fraktion. Während in der Frage des vom Gemeindevorstand in Aussicht genommenen Personalabbaues eine weitgehende Uehereinstimanung zwischen den beiden großen Parteien erzielt werden konnte, führte das Problem der weiteren Erhaltung des von der Berliner Jüdischen Gemeinde errichteten Lehrstuhls für Botanik an der Universität Jerusalem zu einer scharfen Scheidung der beiden Hauptgruppen des Hauses. Es lag zu diesem Punkt der Tagesordnung eine Anfrage der Jü dischen Volkspartei vor, ferner ein Antrag des Mitglieds der . Repräsentantenversammlung Bruno Woyda, in dem gefordert wurde, daß für das laufende Geschäftsjahr keine Auszahlung eines Gemeindebeitrages an die Hebräische Universität erfolgen soll. Nach längerer Aussprache, i<n der diese Frage von voliksparteilicher und liberaler Seite sowohl in ihrer grundsätzlichen Bedeutung, als auch unter dem Gesichtspunkt der augenblicklichen Finanzlage der Gemeinde eingehend erörtert wurde, gelangte der Antrag Woyda in namentlicher Abstimmung zur Annahme. Für den Antrag wurden 20 Stimmen der Liberalen, gegen ihn 12 Stimmen der volksparteilichen Vertreter abgegeben. Die Vertreter der Religiösen Mittelpartei und der Ueberparteilicheu Vereinigung hatten sich der Stimme enthalten. Kein Beitrag rar die Jerusalemer Universität Nach Erledigung von verschiedenen Vorlagen trat die Versammlung in die Beratung der Frage ein, ob zur Erhaltung des von der Berliner Jüdischen Gemeinde errichteten Lehrstuhle an der Universität Jerusalem auch in diesem Jahre ein Beitrag geleistet werden solle. Die Volkspartei hate hiezu folgende Interpellation eingebracht: 1. Hat der Gemeindevorstand für das laufende Geschäftsjahr die Auszahlung des Gemeindebeitrages für die Hebräische Universität an Jerusalem veranlaßt? 2. Wenn das niont der Fall sein sollte: a-) Weiß der Gemeindevorstand, daß die fortfawfaode Sbbvewtionierttivg' einer zwißchenparteiliohen Vereinbarung entsteht ist dem ^effie^ndetorßtand bekannt, daß der durch die., Subvention der Berliner Jüdischen Gemeinde geschaffene Lehrstuhl besetzt ist? Weiß der Gemeindevorstand, . daß gerade im Hinblick auf die Verfolgungen, denen die jüdischen Studenten an vielen europäischen Universitäten ausgesetzt 6ind, ein ruhiges und sicheres Studium in möglichst allen Fakultäten; in J ei usaJ em dringend wünschenswert ist? Anderseits lag folgender von Bruno Woyda gestellter Antrag vor: Die Repräsentantenversammlung wolle beschließen: Für dieHebräische Universität in Jerusalem soll für das laufende Geschäftsjahr keine Auszahlung eines Gemeindelbeitrages erfolgen. Zur Anfrage der Volkspartei ergriff Dr. Alfred , Klee das Wort. Er bat, die Frage nicht unter fiskalischen Gesichtspunkten zu betrachten, sondern unter! dem Gesichtspunkt, daß der JBeitrag für die Hebräische Universität der einzige Beitrag für einen Palästinai Zweck im Budget der Jüdischen Gemeinde sei, und daß i die Leistung dieses Beitrages einer zwischenparteilichen \ Vereinbarung entspreche, die in der vorigen Sessionsperiode getroffen worden sei. Die Vertreter der Volksi partei hätten sich damals zu gewissen Konzessionen, der Anstellung von Rabbinen, die von Eberaler Seite gewünscht wurde, und einer Verkürzung der Legislaturperiode bereit erklärt, um als Kompensation hiefür die Zustimmung der Liberalen zur Schaffung eines Lehrstuhls der Jüdischen Gemeinde an der Universität Jerusalem zu erlangen.. Die Errichtung des Lehrstuhls . habe auch bei den Liberalen vollen Anklang gefunden. Die Volkspartei habe sich dagegen verpflichtet, im Laufe der Legislaturperiode keine weiteren Palästina- Forderungen zu stellen und habe auch ihre Forderung bezüglich der jüdischen Schule zurückgestellt. Durch eine Ablehnung des Gemeindebeitrages würden sich die Mitglieder der Volkspartei, die an den damaligen Verhandlungen teilgenommen haben, in ihrem Vertrauen auf die Geltung von Treu und Glauben getäuscht fühlen. Auch bei einem Budget von nur 1 Millionen ließe sich ein Beitrag von nur 12.000 Mark im Jahr als einziger Posten für Palästina-Zwecke rechtfertigen. Die Bedeutung der Förderung eines wissenschaftlichen Instituts vom Range der Jerusalemer Universität sollte auch von nichtzionistascher Seite gewürdigt werden. Bruno Woyda erklärte, man könne die Zeit vor zwei Jahren nicht mit der heutigen vergleichen. Weite Kreise der Berliner Judenheit würden es nicht verstehen, daß in einer Zeit, wo die Wohltfahrtsinstitutionen der Gemeinde und der Beamtenschaft gefährdet sind, Geldmittel für Palästina-Zwecke bewilligt werden. Als der Lehrstuhl geschaffen wurde, sei die Hebräische Universität eine überparteiliche Institution gewesen. Dies sei heute nicht mehr der Fa>M. Dean der. ■ »♦♦♦♦♦♦♦♦»♦♦•♦♦♦♦♦♦»♦»♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦»♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦»♦♦«♦♦♦♦m^ VEREIN DER BUCZACZER gemeinsam mit dem! VERBANDE DEM. ZIONISTEN veranstalten in den Sälen des Verbandes, : \ IL, Untere Augartenstraße 38, ein MINJAN M Bequeme Sitze / Mäßige Preise Karten erhältlich allabendlich von 7—9 Uhr abends Im Verbands- <' heime und bei den Vorstandsmitgliedern Telephonische Auskünfte: R-48-2-67, A-45-S-61 and U-26-6-20 Für gute Vorbeter ist gesorgt Zionistenkongreß habe eine Resolution angenommen, in der die Wahrung des nationalen Geistes an der Universität gefordert wird. Es sei auch unrichtig, die Forderung nach Auszahlung des Gemeindebeitrages für die Universität damit zu begründen, daß die Jerusalemer Universität eine Stätte für ruhiges und sicheres Studium für die verfolgten jüdischen Studenten sei, denn die Universität sei als Lehrinstitut noch nicht ausgebaut. Es könne nicht die Aufgabe der deutschen Juden sein, den jüdischen Studenten ein ruhiges Studium in Jerusalem zu ermöglichen, sondern es sei ihre Aufgabe, hier iu Deutschland solche Verhältnisse herbeizuführen, die ein ruhiges Studium gewährleisten. Wir müssen uns den Glauben bewahren, erklärte der Redner, daß der Geist im deutschen Volke wieder wach wird und daß auch hier eine ruhige wirtschaftliche und politische Entwicklung Platz greift, die es überflüssig macht, daß die jüdischen Studierenden in Jerusalem ihre Zuflucht suchen. Die Zukunft der jüdischen Studierenden kann nur in Deutschland liegen. Es ist Auf gäbe der jüdischen Studenten, zur Gesundung der deutschen Verhältnisse beizutragen. Der „nationale Geist" R.-tA. Heinrich Stern führte aus, entscheidend für seine jetzige Stellungnahme in dieser Frage aber sei der Beschluß des Z i o ni s t e nk on g r ess es über die Universität. Auch wenn er nicht aus finanziellen Gründen sich gegen die Gewährung des Beitrages in diesem Zeitpunkt wenden müßte, würde es ihm die in der Resolution des Kongresses ausgesprochene Einschränkung der Voraussetzungslosigkeit zur Forschung -an der Universität unmöglich machen, für ihre weitere Förderung durch die Berliner Gemeinde einzutreten. Die Gemeinde, die in ihrer überwiegenden Mehrheit nicht nationaljüdisch sei, sei nicht nur nicht verpflichtet, sondern sogar gar nicht berechtigt, ein Institut zu unterstützen, das nicht die Wissenschaft, sondern den nationalen Geist fördern soll. Er hoffe, daß künftighin diejenigen Kreise, die die Universität als Hort nationalen Geistes wünschen, für die Erhaltung des Lehrstuhls Sorge tragen werden. Die Liberalen seien keineswegs Gegner der; Palästina-Arbeit. Dehn wer liebte nicht das' Land, aus dem wir gekommen sind. Nur die gegenwärtige Art des Aufbau s mache den liberalen Juden in Deutschland die Beteiligung am Palästina- Werk unmöglich. Sie hoffen jedoch, daß es ihnen einst möglich sein werde, auch an dieser Arbeit teilzunehmen. Nachdem noch R.-A. Dr. Kollenscher als Vorsitzender der Kommission, die die Vorbereitungen zur Schaffung des Lehrstuhls getroffen hat, darauf hingewiesen hatte, daß mau sicher nicht im Juli 1930 die Besetzung des Lehrstuhls vorgenommen hätte, wenn damit gerechnet worden wäre, daß der Lehrstuhl nur bis Dezember desselben Jahres bestehen sollte, hielt Dr. Klee das erste Schlußwort. Er betonte, für die Notwendigkeit, jüdischen Studenten eine ruhige Arbeitsstätte zu sichern, spreche der in vielen Ländern bestehende Numerus clausus. Die Kongreßresolution über den „nationalen Gei6t", die übrigens falsch aufgefaßt worden sei, könne die Art, wie ein Lehrstuhl für Botanik geleitet wird, keineswegs beeinflussen. Das zweite Schlußwort hielt Bruno Woyda. Er erklärte, für eine demokratische Körperschaft müsse die Entscheidung der Wähler maßgebend sein. Diese aber hätten dahin entschieden, daß die Förderung des Palästina-Werkes, solange es national jüdisch und zionistisch sei, nicht Sache der Gemeinde sein könne. Es folgte die namentliche Abstimmung über den Antrag Woyda, die das oben mitgeteilte Resultat ergab. Im weiteren Verlauf der Satzung kam es noch zu einer Aussprache über das Verhältnis der Jüdischen Gemeinde zur Jewish Agency. Dr. Oskar Wolfsberg (Volksp.) hob die Bedeutung der Agency für das Gesamt Judentum hervor und bezeichnete die Mitarbeit am Palästina-Aufbau als die schönste Aufgabe jeder jüdischen Gemeinsdiaft. Kammergerichtsrat Leo Wolff gab eine Darstellung der seinerzeit zwischen dem Initiativkomitee der Agency und der Gemeinde geführten Verhandlungen, die zu keinen festen Vereinbarungen zwischen den beiden Körperschaften geführt habe. Seine Ausführungen wurden von R.-A. Heinrich Stern ergänzt. Zu diesem Punkt ergriffen noch Dr. Kurt Fleischer (üb.), Alfred Berger (Volksp.) und Redakteur. M. Weidmann JVolkep.) des W-oii,