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Die neue Welt · 1931-08-28 · Heft 206 (28.8.1931) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 206 (28.8.1931)
Date
1931-08-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 20* ^kj^enerP&äaaoae erteilt englischen und hebräischen Unterricht an Kinder und Erwachsene. Zuschriften erbeten unter „Akademiker" an die Administration des Blattes oder Telephon U-27-904 von 8 bis 10 Uhr. »ieruug der antireligiösen Artbeit unterstützen. Antireligiöse -Prozessionen von Sehulkindern und Exkursionen in die antireligiösen Museen sind zu organisieren. Aus Odessa wird mitgeteilt, daß der dortige Stadtrat eine großangelegte antireligiöse Kampagne aus Anlaß der herannahenden j ii d i s e heu Feiertage eingeleitet hat. Fünfzig für die antireligiöse Arbeit ausgebildete Agitatoren besuchen die Fabriken, in denen jüdische Arbeiter beschäftigt isiiul. um diese zur Fortführung der Arbeit an den Feiertagen zu bewegen. Tausende antireligiöse Plakate in jiddischer Sprache wurden angeschlagen. * Der Bund der Gottlosen hat die Moskauer Zentrale der jüdisch-kommunistischen kulturellen Arbeiterorganisationen aufgefordert, eine Anzahl von Mitgliedern dieser Organisationen namhaft zu machen, die an der Moskauer Universität ausgebildet werden sollen, um später als antireligiöse Propagandisten unter der jüdischen Bevölkerung tätig zu sein. Die jungen Leute werden an der Universität als ordentliche Hörer inskribiert werden und im Genuß derselben Rechte stehen, wie die Hörer anderer Fakultäten. Die S o w j e t r e g i e r u n g wird die Kosten i Ii r es Unterhaltes während ihres S t ud i u tu s bestreiten. Das jüdische Gefühl unausrottbar Moskau. (J. T. A.) Die jiddisch-kommunistischen Tageszeitungen „Emess" in Moskau, „Stern" in Charkow und „Oktiabr" in Minsk veröffentlichen Mitteilungen ihrer Provinzkor respondeiiten, in denen darüber geklagt wird, daß in den jüdischen So- 1 onien noch immer jüdische Tradition gepflegt wird. In der Kolonie Pervez-Dorf, so wird mitgeteilt, leisten au Savbbattagen nur 20 Prozent der Kolonisten Feldarbeit. In der Kolonie, die einige „Sif a-e - Th o r a" besitzt, werden täglich die gemeinschaftlichen Gebete verrichtet. Gleiche Zustände herrschen in den anderen Kolonien. Wo kein Schächter am Orte vorhanden ist, wird das Geflügel zur Schächiung in die Stadt geschickt. Fast alle Kolonisten lassen i h x e neugeborenen Söhne beschneiden. Die Korrespondenten faidern schärfste Bekämpfung der „klerikalen Elemente" in den Kolonien. Die beiden jüdifdien Mitglieder der neuen englifchen Regierung Marquefi of Reading. Marquefi of Reading, der neue Außenminister, hieß ursprünglich Rufus Daniel Isaacs. Im Jahre 1860 geboren, ging er seinem Vater, einem Londoner Fruchthändler, als 14jähriger Knabe durch, um Schiffsjunge zu werden. Dann studierte er in Brüssel und Hannover und wurde Rechtsanwalt an der " Londoner Effektenbörse. 1904 schickte ihn der Wahlkreis Reading als liberalen Abgeordneten ins Unterhaus. 1910 wurde Isaacs Generalstaatsanwalt, 1942 Lord-Oberrichter von England; damals erhielt er den Lordtitel mit dem Namen seines Wahlkreises Reading. 1915 und 191? wurde er mit wichtigen Staatsaufträgen mach Amerika entsandt; das Jahr 1920 sah ihn wieder als Lord-Oberrichter. Die Ernennung zum Vizekönig von Indien im Jahre 1921 verdankte Reading seiner Freundschaft mit dem Premier jener. Zeit, Lord George, aber auch der Objektivität, mit der er als Justizchef die Schuld britischer Behörden am Blutbad von Amritsar zugegeben hatte. Durch sein liebenswürdiges Entgegenkommen und seine Klugheit vermochte er die nationalistische Bewegung in Indien in immerhin erträglichen Grenzen zu halten. 1926 trat er zurück und erhielt den Titel eines Marqueß. Der Einundsiebzig jährige hat erst vor drei Wochen in zweiter Ehe seine bäsheriige Pi&vatsekretärin und Mitaiibeiterin geheiratet. Marqueß of Reading hat bei der Erweiterung der Jewish Agency eine ansehnliche Rolle gespielt und im Haus der Lords häufig zu Palästinafragen Stellung genommen. * /. Sir Herbert Samuel Der neue Innenminister Sir Herbert Samuel, 1902 als Liberaler ins Unterhaus gewählt, trat 1909 als Kanzler des Herzogtums Lancaster zum erstenmal in ein Kabinett ein. Von 1910 bis 1914, dann von 1915 bis 1916 war er Generalpostmeister, dazwischen Hahdelsminister, und von 1916 bis 1917 Innenminister. Im Jahre 1920 in den Ritterstand versetzt, erhielt er das Amt eines Oberkommissärs von Palästina, wo er die seit der militärischen Besetzung im Jahre 1918 installierte Militärver waltung ablöste. Während seiner Amtsperiode ist der Grundstein für die spätere, so bedauerliche politische Entwicklung mit Beziehung auf den eigentlichen Sinn des jüdischen Palästinaproibleuis (gelegt worden. Wir haben bei verschiedenen Gelegenheiten die Palästina-Aera Samuels oharakter.isicrt. Im Juni 1925 kehrte Samuel nach England zurück. Er betätigte sich durch Jahre im Organisationsausschuß der liberalen Partei und ist Vertreter Lloyd Georges in ihrer Führung. Zum Tode Aron Stern bergs Anläßlich des tragischen Tades des Österreich! sehen Gründers und Führers des Brith Trumpeldor, Aron Stern her g, wird eine Sammlung zur Eintragung in das E is c r n c-0 u c h des Tel-Chaj-Fonds eingeleitet. A I t e r Revisionist K. M. . ,......S 10.— Der erste Spender, Herr E. M.. fordert alle Gesinnungsgenossen und Freunde dos plötzlich dahingerafften Aron Sternberg auf, sich an der Sammlung rege zu beteiligen. Spenden für die Eintragung nimmt die Redaktion der „Neuen Welt", Wien, IX., Universitätsstraße 6/8, entgegen. Eine Sondernummer des „Rasswjet" Wir erhalten von der Redaktion der in Paris in russischer- Sprache erscheinenden revisionistischen Wochenschrift „R a s s w j e t". (Chefredakteur: Vladimir Jabotinsky) folgende Zuschrift: „Die Nummer 35 des ,Rasswjet" vom 30. August 193i wird dem Problem der künftigen Beziehung zur Zionistischen Weltorganisation zur Gänse gewidmet sein. Bekanntlich existiert eine Tendenz, die Beziehungen auf der Basis der vollständigen Selbständigkeit der revisionistischen Union zu regeln, das heifit die revisionistische Union in eine „Unabhängige zionistische Organisation" zu verwandeln. Diese Sonderhummer, die gleichzeitig in deutscher Sprache erscheint, wird eine zusammenfassende, möglichst err schöpfende Darstellung dieses Standpunktes geben." Bestellungen werden angenommen: „Rasew jet" (L'Aube), 9 bis Rue Vineuse, Paris 16; Buchhandlung J. P e i\s k y, Wien, >Vj|L^- Mech;itariste.Agasse 4. Chtonifc efer Wodie Rabbi Berlin nach Südafrika abgereist. Jerusalem. Der Präsident des Misfachi Weltverbandes, Rabbi Meer Berlin, hat sich nach S ü d a f r i ka bejge* ben, um die Leitung der dortigen Kampagne für die MisrachUFonds zu übernehmen. König Card von Rumänien und Königin von Jugos slawien Gäste von Aristide Blank. Bukarest, 19. August. Anläßlich des Stapellaufes des rumänischen Kriegsschiffes „Constanrza" statteten König* C a r o 1 von Rumänien, Königin Mariöara von Jugoslawien und Groß* wojewode Mihai in Begleitung des Finanz* und Innen* m.'nisters Argetoianu, des Verkehrsministers Valcovici und des Hofmarschalls General Ilasievici dem hervorragenden jüdischen Finänzmann und Philanthropen Aristide Blank in seiner Villa im Seebad Techirghiol*Eforie einen Besuch ab. Aristide Blank führte seine Gäste durch die Anlagen des Ortes TechirghiobEforie, der von ihm aus einem vernachlässigten Dorfe am Schwarzen Meere zu einem modernen Seebad umgewandelt worden ist. Der Könjgsbesuch bei Aristide Blank hat in politischen und wirtschaftlichen Kreisen Rumäniens großes Aufsehen erregt.. König Feisal in Genf eingetroffen. In Genf ist am Montag, den 17. August, König Feisal vom Irak eingetroffen. Es ist anzunehmen, daß sich der König lan* gere Zeit in Genf aufhalten wird, um sich mit dem Völkerbundsekretariat und während der bevorstehenden Tagung des Völkerbundrates mit verschiedenen Staatsmännern bezüglich der Frage des Eintritts Iraks in den Völkerbund im Jahre 1932 in Ver* bindung zu setzen. Die bevorstehende Aufnahme Iraks in den Völkerbund hat bekanntlich vor kurzem im eng« Hachen Parlament Anlaß zu einer Debatte über die Lage der dortigen nationalen Minoritäten, darunter auch der Juden, gegeben. Jüdische Spar« und Kreditgenossenschaft in Buda» pest. Die vor kurzem gegründete „Ezra" Spar» und Kreditgenossenschaft veröffentlicht soeben ihre Subskrip* tionseinladungen. Die Genossenschaft will an die Stelle der Almosenwirtschaft die soziale Fürsorge und gegenseitige wirtschaftliche Hilfe setzen. Die neue Insti* tution steht unter der Leitung des Vizepräsidenten der Pester Israelitischen Kultusgemeinde Dr. Marzoll H a j d u. Sitz der Genossenschaft, deren Wirkungskreis sich über das ganze Land erstrecken soll, ist Budapest. Der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem testorben. Der Patriarch der griechisch-orthodoxen jrche für Palästina und Transjordanien, Damanias, ist gestorben. Der Verstorbene hat sein Amt seit dem Jahr 189? bekleidet. Seiner geistlichen Juridiktion unterstanden etwa 70.000 Angehörige der griechisch-orientalischen Kirche in Palästina und Transjordanien» zum größten Teil Araber. Auf politischem Gebiet ist der Verstorbene nicht hervorgetreten. piminntitM^ |M t S RACM I , M i NJAN | 1 Anläßlich der hohen Feiertage a'Jtyi § H findet, wie alljährlich, in unserem Heime § 1 ein §f | Feierli'dierGottesdiensl I I statt | H Eintrittskarten von S 10.— aufwärts zu haben bei: § 1 M i srachi*Zentrale 1 1 II, Praterstraße 11, Tel. R-45-6-25 § m\ „Hazefira" hat ihr Erscheinen eingestellt Die einzige außerhalb Palästina herausgegebene hebräische Tageszeitung, „Hazefira" in Warschau, hat am 15. August ihr Erscheinen infolge finanzieller Schwierigkeiten eingestellt. Die „Hazefira" war im Jahre 1862 begründet worden und erschien regelmäßig bis zum. Ausbruch des Weltkrieges. Viele Jahre hindurch stand sie unter der Leitung des gegenwärtigen Präsidenten der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency Nahum Sokolow. Im Jahre 1925 wurde in Warschau eine neue hebräische Tageszeitung unter dem Titel „Ilajim" gegründet, die sich jedoch nur ein Jahr lang halten konnte. Bald nach der Einstellung dieses Blattes im Jahre 1926 begann die „Hazefira" wieder in Warschau zu erscheinen, mußte aber im August 1928 neuerlich eingestellt werden. Es wurde nunmehr ein Pressefonds zu dem Zweck geschaffen, das Wiedererscheinen des Blattes zu ermöglichen, was anfangs dieses Jahres gelang. Die Reserven haben sich jedoch nicht als ausreichend erwiesen, um den Bestand der Zeitung zu sichern. Uber das Wefen des »Brith Schalom« Eine Schrift von Avrahani Schwadron. Der Zionismus als jüdischnationale Befreiungsbewegung stallt iim Zeidien einer schweren Ideenkrdse. Seit dem Augenblick, da die offizielle Führung den Weg Hcrzls verlassen und sidi die Ziellosigkeit zum Ziel gesetzt hat, entstehen in unserer Mitte Gruppen und Grüppdien, jode mit einer eigenen, neuen Ideologie. Unter diesen ist der „Brith Schalom" wohl die bedeutendste. Nidit numerisch, aber geographisch. Vom Skopusberge verkündet der Brith Schalom in alle Welt seinen „publizistisdien Messdanismus" und findet fast überall '■ einflußreiche Jünger. Bei Ziunisten, Nichtjuden, ja sog&f ibei getauften Juden. Der Revisionismus, der die Gefahr der Ideengänge des Brith Schalom als erster erkannte, kämpft erfolgreich gegen den Brith Schalom — den er mit Recht als den Liquidator des Her« Iis dien Zionismus betrachtet. Wfls,ist Brith. Schalom? Was ist seiue Ideologie? Darauf vensudit Avrahaan S c h w a d r o n in seinem jün.gst erschienenen Buche „Zur Kritik der Ideologie des Brith Schalöm vom Standpunkt des integralen Zionismus" (;,Achiassaf", Jerusalem 1931) seine Antwort zu geben. Des Autor bemüht sich, die Ideologie des Brifch Schalom zu umreißen, jedodi der Materie entsprechend ohne Erfolg. Deim der Brith Schalom als soldier hat keine einheitliche, von allen anerkannte Konzeption. Jeder Wortführer" hat seine Ansichten. Zum Beispiel, in der arabischen Frage. Für Hugo Bergmann ist die arabische Frage eine ethische, für R. Bin jamin'eine realpolitische. Auch in der Endzielfrage herrscht in seinen Reihen keine. Einmütigkeit. Wenn zwei Führer des Brith Schalom das Ziel erreicht hätten, wäre der eine am Nord-, der andere am Südpol angelangt, keiner jedoch im Judenstaat Palästina. R. Binjamin behauptet, Herzlianer zu sein. Dr. Simon betrachtet den Hertzlianisnius als eine gefährliche Idee, die in den Geist der Moderne nicht hineinpaßt. Kalwarijski sieht in der Balif our- Deklaration ein Stück Judenstaat. Magnes verwahrt sich gegen die Betonung der historischen Rechte der Juden auf Palästina in der Balfour-Deklaration, weil jeweils die Berufung auf das ^historische,Recht" Kriege herauf-, beschworen hat. Obendrein ist die BaJfour-Deklaration ein Teil des Vertrages von Versailles, also aus dem Geiste des Unterdrückunigswilleus. entstanden. Die Araiber fühlen sich unterdrückt und fürchten eine jüdische Majorität. Diese Furcht muß ihnen genoim- <men werden. Aber wie? Brith Schalom gilbt das Rezept. Palästina .für die. Palästinenser. Das Land soll ohne Rücksicht auf die jeweiligen numerischen Bevölkeruin^venhältnisse zum Wohle aller Einwohner verwaltet werden, jedoch in entscheidenden, Fragen gemäß dem Willen der Majorität. Mit Recht bemerkt Schwadron, daß in diesem Fall die momentane Majorität alles tun werde, um den numerischen Status quo aufrechtzuerhalten, in dem Sinne, eine permanente Majorität zu bleiben. Das Charakteristische an der Geistesrichtung des Brith Schalom ist seine Einstellung zum jüdischen Element in Palästina. Er rechtfertigt die Furcht der Araber vor einer zukünftigen jüdischen Majorität und sieht nicht die Furcht der Juden vor der gegenwärtigen arabischen Majorität, wiewohl diese allzu berechtigt ist Magnes behauptet, daß die Juden die Schuld an den gegenwärtigen Zuständen tragen. Sind also die Araber die reinsten Engel? Schwadron zitiert Ansichten bedeutender Nichtjuden über die Araber Palästinas, aus denen k|ar hervorgeht, daß diese keineswegs die Elite der Menchhei^darstellen. Nsch den Unruhen des August 1929 fand siih keine einzige arabische Stimme des Protests gegen die

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