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Die neue Welt · 1931-08-28 · Heft 206 (28.8.1931) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 206 (28.8.1931)
Date
1931-08-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Mi» 905 fpoii tische Entwicklang der leUten Wochen in London und in Palästina, insbesondere dde Fragen des LandentwdcJclungeplanS und der damit zusammenhängenden Gesetzgebung. Die Exekutive hat eine Reihe von Beschlüssen gefaßt, die die Wahrung der Interessen des jüdischen KolonisationsWerkes und des Jüdischen Nationalheims bezwecken. Ferner wurde die finanzielle Situation sowie der Stand and die Aussichten der N ols ta nds - Ak tio n des Keren Hajessod erörtert. Aus einigen Ländern liegen bereits günstige Anfangsberichte über die Erfolge der Notstands-AJction vor. Die Exekutive beschloß, einen besonderen Aufruf an die Juden aller Länder zu erlassen, in dem die Notwendigkeit besonderer Opfer für Palästina in diesem Moment dargelegt wird. Was die reguläre Keren Hajessod-Arbeit betrifft, über die Herr Jaffe referierte, so ist besonders erwähnenswert der Beschluß, edne Delegation mit Sokolow an der Spitze nach den Vereinigten Staaten von Amerika zu entsenden. Dieser Delegation wird auch Dr. Hexter angehören» Die englische Presse zur Frage einer Unterhauskandidatur Weizmanns Die J. T. A. meldet aus London: Ungeachtet der Erklärung der Zionistischen Exekutive, daß mit einer Kandidatur Weizmanns bei den nächsten Wahlen ins englische Unterhaus nicht zu rechnen sei, stellen die großen englischen Zeitungen weiterhin Betrachtungen über die Aussichten und die Bedeutung einer solchen Kandidatur an. „Ma nc bester Guardian" widmet dieser Frage einen Leitartikel, in dem zum Ausdruck gebracht wird, die Wahl Weizmanns wäre gesichert, falls er sich zur Annahme einer Kandidatur in Manchester entschließen sollte. Im Leitartikel von „E v e n i n g Standard" wird ausgeführt: »Sollte Weizmann die Einladung der Laibour. Party zu einer Unterhauskandidatur annehmen, so würde die Partei damit einen guten Fang machen; denn Weizmann ist nicht nur ein Mann von großer Begabung und Erfahrung, sondern auch eine Persönlichkeit von magnetischer Wirkung." Es verlautet, daß die Einladung der Labour-Party an Weizmann durch die Vermittlung der Exekutive der poale-zionistisch en Organisation erfolgt ist. Nadifichäen aus der TsdhediOf Slowakei Absurde Spionage-Beschuldigung Prag, 16. August. Vor dem Prager Senat begann soeben die Verhandlung gegen den Professor des deutschen Staatsgymnasiums in Kaaden, Dr. Robert Wunder, der des dreifachen Verbrechens der Verleumdung angeklagt ist. Dr. Wunder hatte im Oktober 1929 der Präger Polizeidirektion angezeigt, daß drei Professoren des Kaadener Gymnasiums Agenten der sowjetrussischen und deutschen Ausspähung seien. „Der jüdische Professor Dr. Tanzer", wie es in dem Schreiben heißt, sollte sich auf die Auskundschaftung militärischer Pläne und der Garnisonen in Westböhmen spezialisiert haben, während „sein Freund, der Jude Prof. Weiß", das Haupt der Spionage sein sollte. Prof. Weiß war damals dem Prager Landesschulrat zugeteilt, als Direktor des Kaadner Gymnasiums ausersehen, hatte jedoch den Posten noch nicht angetreten. Die eingeleitee Untersuchung ergab dde völlige Haltlosigkeit der erhobenen Anschuldigungen und die Erhebungen zur Feststellung des anonymen Briefschreibers führten schließlich zu Dr. Robert Wunder. In der Verhandlung wurde der Angeklagte, der die Denunziation aus hauptsächlich antisemitisch zu motivierender Feindschaft gegen die beiden Professoren begangen hat, durch eine Reihe von Zeugenaussagen und das Urteil der Schriftsachverständigen schwer belastet. Er behauptet jedoch, daß er, wie er ärztlich nachweisen will, in der gegebenen Zeit infolge einer Kugelverletzung bei einem Selbstmordversuch auf der linken und rechten Körperseite fast völlig gelähmt war und daher nicht schreiben konnte. Das Gericht beschloß, eine neue Schriften vergleich ung anzuordnen und weitere Zeugen einzuvernehmen. Fragen der Staatsbürgerschaft Prag, 16. August. In zuverlässigen Statistiken wird ÖBe Zahl der Personen in der Slowakei und in Karpathorußland, die bis zum heutigen Tage ohne tschechoslowakische Staatsbürgerschaft sind, auf 100.000 geschätzt. Nach dieser Schätzung dürften in der Slowakei und Karpathorußland, wenn man den Bevölkerungsanteil zugrundelegt, 10.000 bis 15.000 Juden noch ohne tschechoslowakische Staatsbürgerschaft sein. Diese Tatsache ist umso bedeutsamer, als die Herbstberatungen des Parlaments vor aussichtlich neue Bestimmungen Uber die Erwerbung der Staatsbürgerschaft bringen werden, welche, nach der Politik des Innenministeriums in der letzten Zeit zu schließen, der bisherigen Praxis gegenüber gewisse Erleichterungen vorsehen dürften. Jüdische Kolonisation in Karpathorußland Prag, 17. August Das in Prag erscheinende zionistische Organ „Zidovske Zpravy" veröffentlicht einen Vorschlag zur Schaffung eines jüdischen Kolonisationsgebietes in Karpathorußland. Im Gebiete von Manafcroech ist eine ausgesprochene Hungersnot ausgebrochen. Die vollständige Stagnation des Hobgeschäftes hat die zahlreichen jüdischen Fuhrwerker ihrer einzigen Existenzmöglichkeit beraubt. In den kleinen Dörfer gabt es keine Arbeits« möglichikeiten und tausende von Juden nähren sich seit Monaten ausschließlich von Mais, der bloß tsch. K 22' für 25 Kilogramm kostet. Dies ist. das einzige erschwingliche Nahrungsmittel. Gegenwärtig ist noch freier Boden vorhanden, der brtHg gekauft werden kann. „Zidovske Zpravy" macht DB lffftg WELT_ den Vorschlag, die I. G A. möge sich mit den Jüdischen Kreisen Karpathorußlands in Verbindung setzen und den Boden ankaufen, auf welchen die jüdischen Bergbewohner, die arbeitsgewohnt sind, anzusiedeln wären. Für einen solchen Plan wäre auch das Interesse der tschechoslowakischen Regierung eu wecken, die einer solchen Kolonisation keine Hinderndsse in den Weg legen würde. Mit Unterstützung sei den karpathorussisehen Juden nicht mehr zu helfen und ein Zusammenbruch sei unvermeidlich, Interparteiliche Notkonferenz in Karpathorußland In den letzten Tagen fand in Uzhorod eine auf Anregung der tschechischen Sozialdemokraten einberufene zwischenpaf teiliche Konferenz statt, die zur aktuellen katastrophalen Wirtschaftslage in Karpathorußland Stellung zu nehmen hatte. An den Beratungen beteiligten sieh alle Parteien mit Ausnahme der tschechischen Agrarpartei und der Kommunisten. Die JtidischePartei entsandte als Vertreter Jizchak D e u t s c h-Munkacevo. Die Jüdische Agrarpartei und die Jüdische Gewerbepartei — beide unter agrarischem Einfluß stehend — nahmen an den Beratungen nicht teil. Auf der Konferenz erstattete der Vertreter der Jüdischen Partei Jizchak Deutsch ein Referat, in dem er darauf hinwies, dafidie jüdische Bevölkerung besonders unter den wirtschaftlichen Folgen des vertraglosen Zustandes mit Ungarn, unter Steuerschikanen, Verständnislosigkeit der Beamtenschaft und parteilicher Vergebung öffentlicher Arbeiten zuleidenhabe. Er betonte, daß auch die Frage der jüdischen Gemeinden, die in Karpathorußland undemokratisch aufgebaut sind und daher keine wirtschaftliche Hilfe leisten können wie in anderen Ländern, nicht mehr eine interne jüdische Frage sei. Sie werde von der herrschenden Beamtenkaste zu politischen Zweoken mißbraucht. Die Gemeinde werde dadurch von einer dünnen Oberschicht okkupiert und kümmere sich nicht um das Schicksal des verarmten Judentums. Die Jüdische Partei werde mit allen Kräften jeden Plan zur Mkl J5S^ Ait msm?$ '7M/mV.;% ti Zl\: M, KrtirtnäMC liefern ihr nahrhaftes Fett zur Kanerolerzeugung. Vom Pressen der Früchte bis zum Verpacken des gebrauchsfertigen Kunerols steht die Herstellung unter streng ritueller Aufeicht des Herrn Bezü-l«rabbinersS. Ehrenfeld zu Maliersburg. Kunerol kann von jedem Strenggläubigen ohne Bedenken zur Zubereitung von Milch* und Fleischspeisen verwendet werden. ÜNER0L 100% REINES KOKOSNUSSFETI „Kunerol ist nur echt in Originalpackung!" „Vor täuschenden Nachahmungen wird gewarnff Erleichterung der wirtschaftlichen Lage Karpathorußlands unterstützen. Eine ständige „Jüdische Stunde" im Rundfunk von St Lonis. St. Louis, 23. August. Wie der Leiter der Associated Hebrew School und Lektor der hebräischen Kurse an den Hochschulen von St. Louis mitteilt, wird die Funkstation KMOX von nun an für St. Louis eine ständige „Jüdische Stunde" senden. Der sowjefrussische Kolonisafionssdiwindel Massenflucht und Rückwanderung Moskau,' 18. August Die jiddisch*kommunistische Zeitung „Emess'' veröffentlicht statistische Daten über die Bevölkerungsbewegung im Distrikt Kalinindorf, aus denen zu ersehen ist, daß in der Zeit vom Juli 1930 bis zum Juli 1931 eine wahre Massenflucht der K o 1 o* nisten in die Städte eingesetzt hat. Die Zahl der jüdi* sehen Kolonisten im Kalinindorfer Distrikt ist in diesem Zeitraum von 15.418 auf 11.465 gesunken. Von den Kolo* nisten, die im letzten Frühjahr angekommen sind, sind etwa zwei Drittel bereits wieder in ihre früheren Wohn« orte zurückgekehrt. Auf Grund der statistischen Daten kommt „Emess" zu dem Schluß, daß drastische Maßnahmen ergriffen wer« den müssen, um die Entvölkerung dieses Gebietes zu ver* meiden. Die Ursachen der Abwanderung erblickt die Zeitung darin, daß die Kolonisten nicht, wie ihnen ver« sprochen worden war, je eine Kuh pro Familie bekommen haben, und daß in den Läden der Konsumkooperative Lebensmittel. nicht in ausreichendem Maße zu erhalten waren. Die Kolonisten befürchteten, daß sich diese Ver* hältnisse im kommenden Winter noch verschlimmern würden. Das Blatt glaubt, daß der Landflucht nur dann ein Ende bereitet werden könnte, wenn 1. die Brutali* täten der Beamten gegenüber den Siedlern — es werden in dem Artikel mehrere solche Fälle angeführt — aufhören, 2, wenn jeder Kolonist für seine Arbeit ver* antwortlich gemacht wird und 3..wenn die Lehens* mittelversorgung verbessert und die Belieferung der neuangekommenen Siedler auch mit anderen Bedarfs* artikeln durch die Konsumkooperative sichergestellt wird. »Wir haben nichts, zu verlieren!" Moskau, 18. August. Die erste Gruppe der vom Vorstandsmitglied der OZET, J. Raschkes, in Litauen für die jüdische Siedlung in~Biro*Bidschan angewor* benen Arbeiter ist am 16. August in Moskau eingetroffen. Die Auswanderergruppe besteht aus 30 Erwachsenen und 25 Kindern. Während ihres kurzen Aufenthaltes in Mos* kau hatten die Mitglieder der Gruppe einelärigere Unter« redung mit dem jüdisch«kommunistischen Führer Mere* schin. Dem Moskauer JTA*Vertreter gegenüber er* klärten die Auswanderer auf die Frage, was sie veranlaßt: habe, nach Biro*Bidschan auszuwandern: „Wir ha.beu nichts zu verlieren und könnten dort im« merhin etwas gewinnen. Wirsuchennichts als die Möglichkeit einer Existenz/' Nach wenigen Stunden setzte der Transport die Reise nach Sibirien fort. In Moskau werden dieser Tage noch einige andere Gruppen ausländischer Arbeiter für Biro* Bidscha» aus verschiedenen Lindern erwartet. Lieher Hunger als Kerker Der amerikanische Schriftsteller Elias toben* kin, der sehn Monate lang die Jüdische Telegraphen- Agentur in SowjetruÖJand vertrat, hat dessen Londoner Büro ein Interview über die Lage der Juden in Sowjetrußlaiid gegeben, das sich zum Schluß mit dem neuen Nep-System befaßt. Es heißt darin: In den letzten Monaten hat die Sowjetregierumg versucht, das Nep-System in einem gewissen Umfang wieder herzustellen, hatte jedoch hiebe! keinen Erfolg. Tausende von Juden, die sich mit Kleinhandel befaßt hatten, waren, obwohl diese Tätigkeit als legal erklärt worden war, in die Kategorie der Deklassierten eingereiht worden. Weitere Tausende waren #zu Gefängnisstrafen verurteilt worden, weil sie nicht in der Lage waren, die hohen Steuern zu entrichten, die ihnen oft von Regierungsbeamten willkürlich vorgeschrieben wurden. Aus diesen Erfahrungen haben die Juden gelernt und wollen eich daher nur solchen Beschäftigungen zuwenden, die unzweifelhaft behördlich zugelassen sind, wenn sie auch für solche Arbeit wahre Hungerlöhne erhalten. Sie wollen lieber im Gefühl der Sicherheit hungern, als in einem gewissen Wohlstand leben und dabei fürchten zu müssen, daß plötzlich eine Aenderung der Regierungspolitik eintritt, die für sie Kerker oder Verbannung nach Sibirien bedeuten könnte. Der Bluff von Biro-Bidschan Moskau. (J. T. A.) Nach den letzten FeststeUumgeö leben heute in Biro-Bidschan 3 8 4 6 jüdische Seeleo, von denen die Mehrzahl in staatlichen Landwirschaftskollektiven, die übrigen in handwerklichen Produktionsgenossenschaften beschäftigt sind. Die ständige antireligiöse Kampagne Moskau. (J. T. A.) Das Volksbildu<n$skommissariat der Union der russischen Sowjetrepubliken hat an alle Volksbildungsabteilurigen in der Sowjetunion ein Zirkular versandt, in welchem auf die Bedeutung der antireligiösen Kampagne au« Anlaß der bevorstehenden jüdischen hohen Feiertage hingewiesen und die Beteiligung an dieser Kampagne als eine wichtige politische Aufgabe bezeichnet ward, im Hinblick darauf, heißt es in dem Zirkular, daß die antireligiöse Kampagne während der Herbstbestellung der Felder, zu Beginn des neuen Schuljahres und während der Vorbereitung zum vierten Jahr des Fünfjahrplans vor sich geht, müsse in diesem Jahr auf die antireligiöse Arbeit anläßlich der jüdischen Feiertage besonderer Nachdruck gelegt werden. Die antireligiösen jüdischen Kreise müssen kontrolliert und aktiviert werden. In Fabriken, in denen eine größere Zahl jüdischer Arbeiter beschäftigt ist, sind antireligiöse Diskussionen zu veranstalten. Jede Fabrikszeitung hat eine besondere, der, Bekämpfung der jüdischen Feiertage gewidmete Rubrik einzurichten* Studenten werden die Fehritakowiteos in der Ckgaah

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