Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1931-08-28 · Heft 206 (28.8.1931) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 206 (28.8.1931)
Date
1931-08-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2711613-2711790-2711825--2693-2716006
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Söffe % DIE NEUE WEET Vhk 8J§ D I III? ff lAJIIMfftD Elnrlohtunsen modernster Ans- BADEZIMMER' ssawasnasaa ELPHORA, t. Dominlkanerbastel22(Eoke Kai 7/9)R-24-4 16 Verden, und zwar durch Non Cooperation, Aufklärung durch die Presse, Informierung des Völkerbundes und der öffentlichen englischen Meinung. Die Resolution Soskins Ausführungen, von zwingender Logik und rhetorischer Prägnanz getragen, dienten auf die zionisti* sehen Zuhörer, die den großen Saal des Verbandsheims füllten, in höchstem Maße anregend und aufklärend. Es wurde eine Resolution angenommen, die folgenden Wortlaut hat: Die am 19. August 1931 in Wien tagende zioni* stische Massenversammlung beschließt nach Anhörung des Referats des Herrn Dr. S. E. Soskin (Genf): über /den Landentwicklungsplan für Palästina, daß die Instruktionen des Kolonialsekretärs Lord Pasfield . an den Direktor des Landentwicklungsamtes, Mr. French, sowie die im Unterhaus vom Unterstaatssekretär Shiels fabgegebenen Erklärungen im' Gegensatz zu den Bestimmungen des PaIästiria«Manda'ts stehen und daher von der zionistischen OeffentMchkeit abgelehnt werden müssen. 1. Im Gegensatz zu den Verpflichtungen des Man* dats, den Juden Staatsländereien für geschlossene Sied* lungen zur Verfügung zu stellen und die Entstehung des jüdischen Nationalheims zu begünstigen, geht die Man* datsregierung daran, die noch für jüdische Ansiedlung in Palästina verfügbaren Landreserven zu verkleinern und durch besondere Maßnahmen den Bodenerwetb den Juden unmöglich zu machen. 2. Die klare Verpflichtung der Palästina*Regierung, zur Förderung und Begünstigung jüdischer Ansiedlung in Palästina wird durch die gegenwärtigen Maßnahmen des Kolonialamtes in ein Kolonisationsregime zugunsten der Araber umgewandelt. 3. Die Versammlung beschließt daher, die zioni* stische Exekutive aufzufordern, unverzüglichst und energischest die geeigneten Maßnahmen zur Wah* rung der im Mandat den Juden gewährleisteten Rechte zu ergreifen und auf keinerlei Zugeständisse in dieser Frage einzugehen.!' :; - - '■" * .: ' Anschließend an den Vortag Dr. Soskins ver* sammelten sich zahlreiche Freunde des Revisionisten* führers im Festsaal des Hotel de France zu einem intimen Beisammensein. Der Präsident der revisionistischen Union Oesterreichs, Dr. Heinrich Glück er, begrüßte den Gast, worauf die Herren Leon Wechsler und Leopold Sitzmann einige freundschaftliche Worte an Doktor Soskin und die Versammelten richteten. Dr. Soskin selbst dankte seinen Wiener Freunden. Aus der arabischen Weh Arabische Exekutive und Landentwicklungsplan Jerusalem. Am Montag, den 17. August, drei Tage vor dem Eintreffen des Landentwdöklungsdiiektors French, hat die arabische Exekutive eine Sitzung abgehalten, tun ihre Stellung zur Frage des Landentwicklungsplanö zu präzisieren. In der Sitzung, an der 31 Mitglieder der Exekutive teilnahmen, wurde nach einer äußeret stürmisch verlaufenen Aussprache mit Stimmenmehrheit beschlossen, weder den Inhalt der informativen Vorbesprechungen mdt der Regierung zur Kenntnis zu nehmen, noch einen arabischen Berater des Landentwicklungsdireiktoirs zu nominieren. Es wird eine Erklärung vorbereitet, in der die Ablehnung der Mitarbeit bed der Durchführung des Landentwicklungsplans begründet werden soll. Eine arabische Universität in Jerusalem? London. „Daily Express" meldet aus Jerusalem, daß dort eine Konferenz von Vertretern aller mohammedanischen Länder abgehalten. werden 6oll, um über Mittel und Wege zum Schutz der mohammedanischen heiligen Stätten und zur Errichtung einer m o h a msnedanlßcfoieo Univer*ität Im Jerusalem ra beraten. Kollektivstrafe für Hebron Jerusalem. Dde Regierung hat bestimmt, daß die Stadt Hebron mit der Zahlung der Über sie wegen der Massakers im August 1929 verhängten Kollektivstrafe sofort beginne. Jeder Araber an Hebron — mit Ausnahme derjenigen, die während des Massakers jüdische Mitbürger verteidigt haben, wird jährlich den Betrag von etwa 3 Dollar zu entrichten haben. Die Einhebung dieser Beträge wird solange fortgesetzt, bis die mit 14.000 Pfund festgesetzte Strafsumme voll erlegt ist. Die A>raber hatten um einen Monat Zahlungsaufschub für die erste Teilzahlung gebeten. Es wurde ihnen jedoch nur eine dreitägige Frist gewährt. Anglo-arabische Kundgebung in London London. Die Londoner,'„Nationle Liga" beruft für den 2. November eine „&"ti glo -ar a b is c h e mohammedanische De m o ns tir a ta on'* in der Albert Hall in London ein. Den Voreitz dieser Versammlung wird Viscount Brentford führen. Ais Redner ist u. a. der indische Mohammedanerführ er Maulana Schaukat Ali angekündigt. Der Großmufti von Jerusalem hat an die „Nationale Liga" ein Telegramm gerichtet, in dem er der Hoffnung auf einen großen Erfolg der geplanten Kundgebung Ausdruck gibt. Die Lage in Saloniki Die jüdischen Institutionen gefährdet Die Stadtgemeinde von Saloniki hat die Subventionen für philanthropische und kulturelle j üd i s c h e Institutionen Salonikis von 800.000 auf 354.000 Drachmen herab gesetzt, obwohl diesen Institionen auf Grund des zahlenmäßigen Anteils der Juden an der Gesamtbevölkerung Subventionen in ider Gesamt* höhe von 3 Millionen Drachmen zukämen. 11 jüdischen Gesellschaften und Anstalten, die insgesamt bisher städtische Beiträge in der Höhe von 280.000 Drachmen, erhielten, unter ihnen der- Liga zur Bekämpfung der Tuberkulose, dem/^G$6fön$5$l, foer Wöchneiinnenfürsörge und" dem Hilfswerk für arme Kranke, wurde die bisherige Subvention vollständig gestrichen. Sechs anderenjüdischen Ih^titutio^nyjvurden die städtischen Zuschüsse sta.nkgekürzt. CVieje vidieser Anstalten sind in ihrem Bestand-ernstiich.i.be^iali.i Der Rat der Jüdischen Gemeinde und die jüdischen Abgeordneten haben beim Bürgermeister und beim Generalgouverheur gegen *d?e -''ungerechtfertigten Streichungen und .Kürzungen. ^Protest /eingelegt; und die Wdederher&teHung^ 4e*V j. fordert. Es besteht' indessen wenig 'Hoffnüng auf einen j Erfolg der Intervention. 'Die Maßnähme: der Stadtgemeinde wird von der, jüdischen . Bevölkerung um so schmerzlicher empfunden,, als gleichzeitig, der ausfesprochen antisemitischen Organisation „Stahle 1 m" eine Subvention Von 60;000 Drachmen gewährt wurde. b •" Nadiridhfenv au§ Polen Ein polnisch-jüdischer Kongreß geplant Warschau. Angesichts ider. sich von Tag zu .Tag „verschlechternden Wirtschaftslage der Juden Polens wird gegenwärtig in der polnisch-jüdischen Presse der Plan, einen a 1 l g e ni eine n p o 1 n i s c h - j ü d i sehen Kongreß einzuberufen, der Maßnahmen zur Rettung der polnischen Judenheit au,s ihrer verzweifelten Lage treffen soll, lebhaft erörtert.,Den jüdischen Mitgliedern j des Sejm wird nahegelegt, die Initiative zur Ein- I berufung des Kongresses, an' dem alle jüdischen Orga- ( nisationen Polens teilnehmen sollen, zu ergreifen. Auf | der Tagung, in der man das einzige Mittel zu einer Zusammenfassung aller, jüdischen Kräfte zu . einer energischen Selbstbilfeaktion erblickt, sollen sämtliche lebenswichtigen Probleme "der polnischen Judenheit zur Erörterung' gelangen. Man wird sich mit der Frage befassen, müssen, wie die Existenz der zugrunde gerichteten jüdischen Händlei und Handwerker wieder aufgebaut Werden kann, welche Maßnahmen zur Erleichterung der-drückenden Steuerlast getroffen werden können, wie die jüdische Landsiedlungsbewegu,ng in Polen im großen Maßstab durchgeführt werden und wie eine Steigerung der Wiedereinstellungen arbeitsloser jüdischer A xbeiter erzielt werden könnte. Die Blätter weisen darauf hin, daß das Problem der Eingliederung der jüdischen Massen in die Produktion dm Mittelpunkt mit dem braven Berl Locker zufrieden und haben seine Ausführungen „mit großem Beifall" aufgenommen. Es fragt sich nun, ob auch die Zionisten in den großen Beifall einstimmen? Manschet und die Radiopredigt. Die furchtbare Wirtschaftskrise hat in Ungarn durch die beginnende Entwertung der Pengö-Währung eine weitere Verschärfung erfahren. Die Lotterwirtschaft des herrschenden Kurses fügte Ungarn schwere Schäden zu; am meisten getroffen ist die ungarische Judenheit, die von den regierenden, Kreisen seit dem Beginn des Horthy-Kurses in jeder Hinsicht zurückgesetzt mifl zurückgedrängt wird. Trotz all dem sind es gerade tdhrende jüdische Köpfe, die alles, aufbieten, um dem Lande eine finanzielle Erleichterung zu verschaffen. So entwarf dieser Tage der jüdische Rechtsanwalt Oberregierungsrat Dr. Ignaz Friedmann den Plan einer inneren Valutaanleihe, der zu einer Aktion mit Graf Apponyi an der Spitze führte. Aber wahrend die Juden solcherart bemüht sind, 6m Laad vor dem Ruin aa retten, erlahmen maßgebende Kreise noch immer nicht in ihrem Kampfe gegen das Judentum. So hielt am 6. d. M. der Feldbischof Dr. Stefan Hasz in der Budapester Garnisonskirche eine durch das Budapester Radio vermittelte antisemitische Hetzpredigt, worin er wieder einmal die Juden für die Sünden des Bolschewismus verantwortlich machte. Es ist klar, daß den regierenden Kreisen der Uebereifer des frommen Rassenschützlers gerade jetzt, wo sie Westeuropa und Amerika um eine neue Anleihe angehen, einigermaßen unangenehm und unzeitgemäß vorkam. Und so wurde denn auch der Feldbischof vom Budapester erzbischöflichen Vikar Dr. Meszäros um Aufklärung gebeten, die der eifrige Prediger denn auch umgehend erteilte. Sie scheint jedoch: in einer so aufrichtigen Art und Weise ausgefallen zu sein, daß man es vorzog, sie der Öffentlichkeit vorzuenthalten. Das hinderte aber den Feldbischof durchaus nicht, einem Journalisten gegenüber offenherzig zuzugeben, daß er wirklich die Juden für die Sünden der bolschewistischen Schreckensherrschaft in Ungarn verantwortlich gemacht habe. Und damit ist auch die Affäre erledigt. Weder die kirchliche noch die militärische Behörde noch die Regierung hielt es für angeder Beratungen des Kongreeses stehen müßte und dafi dieser Kongreß das einzige Mittel wäre, die polnische Judenheit moralisch und wirtschaftlich zu beleben. Selbstmordepidemie unter den Warschauer Jaden Warschau. Die Selbstmordepidemie unter den Warschauer Juden, eine Folge der rapid zunehmenden Wirtetfhaiftsnot unter der Warschauer jüdischen Bevölkerung, hat noch nicht abgeebbt« Gestern waren wieder vier Selbstmorde zu verzeichnen. Der 19jährige Benjamin Lewin, der seit längerer Zeit arbeitslos ist, machte seinem Leiben durch Einatmen von Leuchtgas ein Ende. In einem Haustor fand man einen 26jährigen jungen Mann vergiftet auf. In einem bei ihm gefundenen Schreiben schildert der Selbstmörder den wirtschaftlichen Zusammenbruch seiner Familie und teilt mit, daß er seit zwei Tagen nichts gegessen habe. Die 38 jährige Witwe Debora« P e d g e r f, die in eine vterzweif elte materielle Lage geriet, sprang aus einem Fenster ihrer im dritten Stock gelegenen Wohnung auf das Straßenpflaster. Sie "würde in bewußtlosem Zustand in das jüdische Hospital gebracht, wo sie bald darauf verötarb. Im Badezimmer ihrer Wohnung vergiftete sich mit Leuchtgas die Frau des Trikotagefabrikanten Jacob L ö w e n g r u b. In einem hinterlassenen Schreiben erklärte die Selbstmörderin, sie scheide aus dem Leben, weil sie dem verzweifelten wirtschaftlichen Ringen ihres Mannes nicht mehr zusehen könne. Sitzung der Jewish Agency* Exekutive in Züridi Die J. T. A. meldet unter dem ü9. August aus Zürich: i Vom 17. bis 19. August fand in Zürich ön Eden-Hotel eine außerordentliche Sitzung der Exekutive der Jewish-Agency statt, an der die folgenden, noch in Europa weilenden Mitglieder der Exetkutive teilnahmen: Präsident Nahum Sokolow, Prof. S. Brodetsky, H. Farbstein, B. Locker, D,r. Maurice Hext er und Dr. Werner Senator. Auf besondere Einladung waren ferner die folgenden Herren anwesend:- Leo Motzkin, Dr. Victor Jacobson, Dr. Artur Ruppin, Leib Jaffe. An einem Teil der Sitzung nahm auch der dem Administrative Committee der Jewish Agency angehörende Herr Leo Simon (Berlin) teil. M. M. U.ssischkin, der. gegenwärtig in Bad Kissingen weilt und mit Rücksicht auf die zur Verhandlung stehenden Bodenfragen dringend eingeladen worden war, konnte aus Gesundheitsrücksichten nicht zur Sitzung kommen. Ueber den Verlauf der Sitzung wurde ein längeres offizielles Kommunique ausgegeben, in dem zunächst berichtet wird, welche Tätigkeit die einzelnen Mitglieder der Exekutive seit dem Abschluß der Council-Tagung der Agency geleistet haben. Sokolow, der sich bis jetzt in der Schweiz aufhält, hat mit einer Reihe von Persönlichkeiten und Organisationen zwecks Vorbereitung der künftigen Arbeit den Konta/kt aufgenommen. Prof. Brodetsky hat, bevor er seinen Urlaub antrat, in London Verhandlungen mit der Regierung über die aktuellen Fragen, worunter insbesondere der Landentwick1ungsplan zu verstehen ist, geführt; diese Verhandlungen wurden später im Auftrage der Exekutive von S. Kaplansky •fortgesetzt. Berl Locker wird sich demnächsi nach London begeben, um das Departement für Organisation und Propaganda zu übernehmen. Emanuel Neuman wird nach seiner Rückkehr aus Amerika in London ein Resso r t f ür Förderung der Privatinitiative in Palästina leiten und die Zusammenarbeit mit Amerika organisieren. Dr. Bernhaid Kahn bleibt als Mitglied der Agency-Exekutive ohne Ressort in Berlin. Weiter teilt das Kommuniqu6 die bereits bekannten Tatsachen mit, daß Dr. Arlosoroff die Leitung des politischen Departements in Palästina übernimmt und daß Dir. Senator und Dr. Hexter sich demnächst nach Palästina begeben werden, um ihre Tätigkeit wieder aufzunehmen. Dr. B e r k s o n und Harry Viteies befinden sich bereits in Palästina. H. Farbstein wird nach den Feiertagen nach Palästina übersiedeln. Den wichtigsten Gegenstand der Beratungen bildete, so beißt es in dem Kommunique weiter, die zeigt, gegen den Feldbischof einzuschreiten oder gar eine Erklärung in der Oeffentlichkeit abzugeben. Eine moralische Verpflichtung besteht den Juden gegenüber nicht. Sie sollen nur beschimpft werden, Hauptsache ist, daß säe das Geld hergeben. Wie sich diese Dinge in den Köpfen der judischen Assimilanten in Ungarn widerspiegeln, beweist nun folgender Vorfall: Einer der vielen jüdischen Oberregierungsräte, ein gewisser Bela Nagy — der Titel eines Oberregierungsrates kostet gegenwärtig 20.000 Pengö — machte dem Präsidenten der jüdischen Gemeinde in Budapest den Vorschlag, im laufenden Jahre die Kultussteuer von allen Mitgliedern der Gemeinde noch einmal einheben zu lassen, um dann den auf diese Weise einfließenden Gesamtbetrag der ungarischen Regierung als National geschenk der Budapest er Judenheit zu überreichen. Und das in einer Zeit, in der die ungarischen Juden zum größten Teile in furchtbarster Weise unter dem wirtschaftlichen Elend leiden und große jüdische Gemeinden, wie uzm Beispiel Miskolc, nicht mehr in der Lage sind, ihre Angestellten zu bezahlen!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.