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Die neue Welt · 1931-08-28 · Heft 206 (28.8.1931) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 206 (28.8.1931)
Date
1931-08-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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ÄReHI DIE NEUE WECK Jb. 296 .....».....MMMMMIMMMMMMM»M»M»M».....^ 1 HeuerOffnnns am 3. September 1931 Stets frisch rituell geschlachtetes Geflügel Lebende und frische Fische sowie alle Arten Selchwaren. — Sehr mäßige Preise. Waren werden auch ins Haus geliefert. Abr. fchächter WIM, m, BtifMatM 44 Tal« B*35-9«2S j \ *♦•»»♦♦♦»♦♦»♦♦♦»♦»♦♦»♦♦♦♦♦♦»♦♦»♦»»»♦♦♦♦♦♦♦»♦»»♦»»»♦»♦♦♦<: verbrannter alter Jude für den Abschluß seiner glorreichen Aera in Palästina nicht ganz geeignet schien, erließ er den „Gnadenakt". 10.000 Juden brauchen eich nicht zu verbrennen. Sie dürfen nun auch ohne amtlichen Schein im Lande der Väter arbeiten und Steuer zahlen. So ist die Sonne der Gnade aufgegangen und ihr milder Strahl bescheint 10.000 verworfene Juden. Ein göttlich Wunder! Die jüdischen Zeitungen wissen das aber auch nach Gebühr zu schätzen. Sie preisen die Hochherzigkeit des scheidenden Hochkommissars. 10.000 Juden dürfen in Palästina bleiben und müssen sich nicht umbringen, werden nicht ins Meer geworfen. Welch ein Erfolig! Ein jüdischer Erfolg... r. st. Die Geschichte von den silbernen Löffeln Wir hören von einem Urteil, das das Kasseler Landgericht in einem Prozeß der jüdischen Gemeinde von Rotenburg a. d. Fulda gegen das dortige Pfarramt gefällt hat. In Rotenburg sind die Juden auf Grund einer alten Verordnung, deren Datum und Entstehungsursache sich nicht mehr feststellen läßt, dazu verpflichtet gewesen, alljährlich je einen silbernen Löffel an den Stiftsprediger der Neustädter . Kirche abzuführen. Schon in den Jahren 1809, 1833 und 1851 wurden vergebliche Versuche gemacht, diesen Rechts* anspruch des Pfarramtes für nicht bestehend . erklären zu lassen. Die Behörden und Gerichte stellten sich aber immer auf die Seite des Pfarramtes. Nur während der französischen Okkupation von 1814 haben die Juden diese Abgabe, ni cht. zu leisten brauchen. Vor kurzem ist es nun" den beiden jüdischen Nachbargemeinden von Meim b r e s s e n und Mansbach, für die eine gleiche „Verpflichtung" anerkannt wurde, gelungen, sie durch die Justizbehörde in aller Form annullieren zu lassen.. Daraufhin hat nun auch die Gemeinde Rotenburg den Versuch gemacht, eine Entscheidung der Gerichte herbeizuführen, nach der diese Abgabenverpflichtung aufgehoben wird. Das lokale Rotenburger Gericht lehnte das ab und erklärte den Anspruch des Pfarrers auf die Löffelsteuer für einen gültigen Rechtstitel. Aber auch die Revisionsinstanz, das Landgericht in Kassel, schloß sich'dieser Auffassung an. In einer eben der jüdischen Gemeinde von Rotenburg zugeleiteten Urteilsbegründung von fünfzehn Seiten Umfang führt das Landgericht aus: Es sei nicht zu erweisen gewesen, daß die Löffel- Steuer Ueberrest des mittelalterlichen Hörigkeitsverhältnisses der Juden zur Kirche sei und es werde nicht für ausgeschlossen gehalten, daß es sich um eine priyatrechtliche Schuld der Juden an die Kirche handelt. Sei das aber der Fall, so müsse die Löffel- Abgabe auch weiterhin geleistet werden. Man sagte bisher der katholischen Kirche nach, sie habe „einen großen Magen", es gibt aber noch kein Sprichwort vom protestantischen Pfarrer, der mit silbernen Judenlöffeln speist. Der Pfarrer von Rotenburg a. d. Fulda hat die beste Chance, einem solchen Sprichwort Flügel zu verschaffen und mit ihm zugleich das Kasseler Landgericht. Denn die obenstehende Nachricht ist nicht etwa eine Satire auf das deutsche Gericht, kein Fastnachtsscherz eines Witzblattes — es ist eine Begebenheit, die sich im Jahre 1931 beim Volk der Dichter und Denker, bei den Führern der Weltzivilisation, den Deutschen zuträgt; und es ist ein Urteil, das eine Gerichtsbehörde dieses großen Volkes gefällt hat. Im republikanischen Deutschland macht eine Behörde den ernsthaften Versuch, einen, wohl einr zig dastehenden barbarischen Zustand zu rechtfertigen und zu bestätigen,, einen Zustand, der seine Rechtstellung aus den düstersten Zeiten des Mittelalters zieht, wo ein Bürger, weil er Jude ist, zwar dem Pfarrer nicht mehr die Hand küssen, in sie aber einen silbernen Löffel drücken muß. Das Urteil spricht von einer — „privatrechtlichen Schuld der Juden an die Kirche". Wir wissen aus der Geschichte, daß es der Kirche sehr oft beliebte, wenn sie in Geldnöten war, den Juden Geld und Gold und Silber abzuknöpfen. Aber daß sie, die Kirche, den joden Geld gebargt habe, das diese in Fprm xon Völkerbundrai und Paläslma#Frage Referat des Außenministers Marinkovic In Belgrad Ist der Direktor der Mandatsabteilun* des Völkerbundes M. Catastini eingetroffen, um mit dem jugoslawischen Außenminister Marinkovic,. der in diesem Jahre als Rnpporteur für Mandatsfragen vor dem Völkerbundrat fungieren wird, Besprechungen über den von der Mandatskommission nach Abschluß ihrer letzten Tagung im Juni d. J. verfaßten Bericht abzuhalten. Ueber diesen Bericht wird Außenminister Marinkovic auf der im September stattfindenden Tagung des Völkerbnndratcs referiere«. Im Anschluß an dieses Referat wird sich der Völkerbundrat auch mit den im Bericht der Mandatskommission behandelten Palästina- Fragen zu befassen haben. Bekanntlich hätte der Völkerbundrat bisher noch nicht Gelegenheit, zu dem vor zehn Monaten im Oktober 1930 veröffentlichten P n s s f i e 1 d s c h en Weißbuch über die Palästina-Politik der englischen Regierung, zu dem gleichzeitig veröffentlichten Bericht Sir John Hope Simpsons und zu dem im Februar als „autoritative Interpretation" veröffentlichten Brief des Ministerpräsidenten MacDonald Stellung zu nehmen. Man hatte erwartet, daß das Weißbuch und der Simpson- Bericht bereits auf der im Mai dieses Jahres abgehaltenen Tagung des Völkerbundrates behandelt werden würden, doch mußte die Beratung dieses Gegenstandes mit Rücksicht darauf, daß auf der Tagung des Völkerbundrates im Jänner beschlossen worden war, keine außerordentliche Sitzung der Mandatskommission einzuberufen, auf die Septembertagung verschoben werden. In der Junisitzung der Mandatskommission wurde das Weißbuch im Lichte des MacDonald- Briefes geprüft. Bezüglich des Landentwicklungsplanes für Palästina erklärte der Vertreter der britischen Regierung, Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Drummond S h i e 1 s, daß sich die englische Regierung an die Feststellungen des Simpson- Berichtes nicht als gebunden erachtet. Das amtliche Protokoll der Sitzung der Mandatskommission ist bisher noch nicht erschienen. Es verlautet jedoch, daß die Mandatskommission., die „. .britische Regierung ersucht habe, ihr weitere detaillierte Informationen über die Verteilung, des Landbeäitfes-jn Palästina unter Juden nnd Araber n\ ünd-^&li^'den, tW äffen Ii andel in Palästina zukommen ^'ÄSsen. oder mit überflüssigen . Haaren gebfauchf Erhältlich Iii< /Vpdtheken und Fachgeschäften! Silberlöffein ^ur^iiekzuerstatten hätten, davon haben wir in der Geschichte nichts gelesen. „Es wird nicht für ausgeschlossen gehalten, daß . . Für welchen Schuldbetrag haben die Rotenburger Juden durch Ablieferung silberner Löffel an den Pfarrer aufzukommen und wie lange werden diese Reparationen dauern? Wann wird diese Silberlöffel-Schuld, getilgt sein? Darüber haben sich weder Pfarramt noch Landgericht den Kopf Verbrochen. Die Hauptsache, daß die Juden mit dem gelben Fleck und die Herren Pfarrer in Rotenburg mit den Silberlöffeln Parade machen. Aber Spaß beiseite! Die emanzipierten Juden des deutschen Reiches, die Teilnehmer an der deutschen Kultur und Wirtschaft, sie haben nicht zu lachen. Das Silberlöffel-Urteil eines deutschen Gerichts ist ein Symptom, ein böses Symptom. Das Wprt „Jude". Im selben Deutschland lebt auch ein jüdischer Mann, namens Konstantin B r u n n e r. Ein Kulturphilosoph und überhaupt eine Seele, die sich mit großen Dingen beschäftigt. Seine Theorien werden oft belächelt, zu Unrecht aber die Thesen, die er manchmal über die Judenfrage von sich gibt. In den umfangreichen Abhandlungen, die er dem jüdischen Problem widmet, findet man mitunter einen gescheiten Gedanken. So hat er im August-Heft der „Preußischen Jahrbücher" einen Aufsaf£;,Ueber die notwendige Selbstemanzipätion des Juden** geschrieben, der für die Assimilationsjuden manches Beherzigenswerte enthält. Konstantin Brunner schreibt an die Adresse dieser Herren, vornehmlich an den Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, gerichtet, folgendes: „Ich fordere die Aufgabe des jüdisch-nationalen Namens „Juden" . . . Denn Juden ist dasselbe wie: ,,die vom Volk der Juden". Und er. begründet dfiese Forderung an die Herren Ässimilanteh vollkommen richtig, wenn er sagt, daß Leute jüdischer Abstammung, die keine Zionisten sind, nicht „den jüdischnationalen Namen Juden" führen dürfen, weil es „der Name eines andern Volkes ist als ihres wirklichen Volkes**. M;'--h gibt es auch einen Assimilationspre- «' ans Ende geht, Er erklärt: Das Wort j 'ischnationaler Begriff und wer das J ablehnt, darf für sich auch nicht das in Anspruch nehmen. Konstantin Brunnci1 u,t Konsequent, 2^2 Milch Trlnk-und Speisehalle *m üßSelarlschß nnd dlfitlsche Speisen Ml Hau L Untere Auplßoslraßß 13 ■ ■■■■VII dag « hb il, FSrsters. 7 VolkstOmliche Preise Bis 12 Uhr nachts offen Sonderbare Vorfalle fit Rumänien Der „Kommunist" Lord Balfonr Einer Meldung aus Rumänien zufolge wurde in dem Ort S e 1 e t i n der zionistische Verein „Achad Haam" nnd der Hebräische Kindergarten behördlich gesperrt. Wie die J. T. A. unter dem 20. August meldet, macht Dr. Mayer Ebner m der von ihm herausgegebenen „Ostjüdischen Zeitung" die höheren staatlichen Behörden und den Ministerpräsidenten Jorga auf Ueibergriffe des Unterpräfekten von Seietin, Ottokar Kratki, aufmerksam, der den zionistischen Verein „Achad Haam" und den hebräischen Kindergarten von Seletin in Geheimberichten als „kommunistische Zellen" denunziert und dadurch die Schließung des Vereines und des Kindergartens sowie die Beschlagnahme der Vereinsbibliothek, der Wandbilder des Vereinslokals und der Schul bewirkt hat. Unter anderem wurde auch das Bild Lord Balfours beschlagnahmt. Dr. Ebner stellt diesen Fall als ein Beispiel dafür hin, wie sehr die zur Psychose gewordene Kommunistenriecherei in Lächerlichkeit ausartet. Hiezu bemerkt das „Czernowitzer Morgenb 1 a 1t": Man konnte füglich annehmen, daß wir die Zeit, in der jene Kreise, die sich zum Zionismus bekennen, Behörden nervös machten, längst tiberwunden haben. Zionismus, das ist heute nicht mehr in Aetherregionen schwebende Ideologie, Zionismus, das ist heute — man frage einmal die Araber — bereits im jüdischen Volkstum wurzelnde Realität, ist Bewegung, mit freiem Auge sichtbar. Zionismus, tlas ist bereits Weltmarke, anerkannt von Washington, London, Paris, Warschau, Berlin und Bukarest. Daneben auch von anderen Hauptstädten' der verschiedenen Reiche diesseits und jenseits des Ozeans. Das Baseler Programm, das dem Zionsgedanken zug'ritadeliegt (Schaffung eines Juden Staates i li P ä 1 ä s t in a), -:gehörtheute zum Akteninventar jeder europäischen und außereuropäischen Kabinettskanzlei. Daß Zionismus mit Staatsinteresse nicht kollidiert, sondern es von einem gewissen Gesichtspunkte aus sogar fördert, weiß heute jedermann, ausnahmslos. Bis auf den Prätor von Seietin. Der weiß es nicht, oder: Er will davon nichts wissen. Und da er sich in seiner Ambition als Lokalpotentat des sonst durch seine schlechten Straßen bekannten Gebirgsstriches von Seietin irgendwie gekränkt fühlt, deklariert er den dortigen Zionverein, der.den verdächtigen Namen „Achad Haam" führt, als staatverräterisch und läßt ihn glattweg sperren. Führer der Bewegung, zu der Achad Haam gehört, werden in Bukarest an den höchsten Stellen offiziell empfangen und begrüßt. Rumänische Staatsmänner anerkennen die weltpolitische Bedeutung der , zionistischen Volksaktion, würdigen den hohen ethischen Kern, der der Idee innewohnt und finden, daß die Verwirklichung des Gedankens mehrfach zur Konsolidierung der in allen Fugen krachenden Welt beitragen würde. So denken und sagen Staatsmänner von Ruf, nicht aber der Herr Prätor Katki von Seietin. Mag schon sein, daß er die praktische Auswirkung politischer Ideen gründlicher zu überblicken glaubt, weil er sie von einer gewissen Höhe ansieht, nämlich von den Bergeshöhen um Seietin. Mag auch sein, daß die Funktion des Prätors, für die das Verwaltungsgesetz eine ganz unscheinbare Kompetenz mühsam konstruiert, gerade durch die Lage von Seietin dort eine gewisse Erhöhung erfährt — vorläufig rangiert Bukarest vor Seietin. Es kann einem Prätor wohl gelingen, vorübergehend Menschen und Organisationen zu beunruhigen, letzten Endes ist der Zionismus noch nicht auf die Klassifizierung durch Dr. Kratki angewiesen. Aassperrang der Revisionisten Dasselbe „Czernowitzer Morgenblatt" läßt sieh unter dem Titel „Zwischenfall bei einer Zionistenversammlung" folgendes melden: Sonntag, den 16. d. M., fand hier über Einladung des Vereines „Erez-Israel" eine Versammlung statt, in der Herr Dr. Weißeiberger über den 17. Zionistenkongreß referierte. Die Revisionist en verhandelten vor der Versammlung mit den Veranstaltern, daß ihnen auch die Gelegenheit gegeben werde, in der sich entwickelnden Debatte zu dem erstatteten Bericht Stellung nehmen zu können. Schließlich wurde die Vereinbarung getroffen, daß sofort nach der Versammlung in einem anderen Lokale eine Diskussion unter Beteiligung der Revisionisten stattfinden soll. Umso größer war die Entrüstung anter den Revisionisten, als ein großes Polizeiaufgebot den Zugang zum Versammlungslokale kordonartig abgesperrt hatte und jedem Revisionisten den Eintritt verwehrte. Nor dem Verantwortungsgefühle der Revisionisten ist es zu verdanken, daß es nicht jm einem gtSflevea Skandale gekommen ist.

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