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Die neue Welt · 1931-08-28 · Heft 206 (28.8.1931) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 206 (28.8.1931)
Date
1931-08-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Titl. Dnivcrsi Wien. I Q(- Prttlt 35 Groschen PvNltaMj/'' Abb Jä* Vabafeki J; S16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Inar 14.—, vierteljahrig Dinar 40.-: RraStrien montttteh _____ , ,_______ _ . .___________ _____________________ „ _______.____„ Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 12ö.—; Itaifen monatlich Lire 5.-*, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die üT>ri.gen Länder monatlich Schweixer Francs USO, vttfteljährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltm^ Wien IX, UniversUätseb. 6-8, Tei. B-48-504 — Erseheini jeden Freitag REVUE In dieser Woche hat sich in England ein Ereignis begeben, das auch für die zionistische Welt von Bedeutung sein kann. Die britische Labour-Regierung ist vom Schauplatz getreten und hat einer nationalen Koalitionsregierung Platz gemacht. An der Spitze dieses neuen Kabinetts steht allerdings derselbe Mann, der die Arbeiterregierung angeführt; hat, MacDonald. . / Das Kapitel „Labour-Regierung" in England! vom Juni 1929 bis August 1931 wird in der jüdischen Geschichte und in der des Zionismus gewifl, nicht spurlos vorübergegangen sein. Die 26 Monate Labour-Regierung sind für uns eine Epoche schwerer Ereignisse, die mit dem Namen dieser Regierung immer verknüpft sein werden. . Als Ramsay MacDonald und seine Partei eine Wahlschlacht schlügen und sie gewannen und an die Spitze jenes Reiches traten, das die Geschicke Palästinas lenkt, würden in der jüdischen Welt auf den Führer und seine Partei die größten Hoffnungen.-gesetzt.-Man konnte wohl annehmen, daß eihe- Partei; dieauf ihre Fahne die Losung von Gerech-' tigköit und.Moralität in dfer Politik'geschrieben hätv Gerechtigkeit und Moralität walten lassen wird/ einem Werk .gegenüber, das; wie keines in der heutigen WeJtt .e^ Jäirjaulend^n.' TOi^hahdelte&r'^'d>^^'a4t^' VÄ{ isW; Man, könntees ^ön: e,iner Partei erwarten, ^ie^als solche vor und nach der •Balföür-Deklafatiori ihre Sympathie für ein jüdisches Natiohalheim öffentlich kundgetan hat, deren führende Persönlichkeiten .mehr als einmal in begeisterten Worten vom jüdischen Werk in Palästina sprachen, deren Führer MacDonald selbst Palästina bereiste und die Leistungen der jüdischen Arbeit in einer begeisterten Schrift anerkannte. Die Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Im Gegenteil. Die Aera Labour-Regierung ist eine traurige Aera für den Zionismus, für Palästina. Es ist nicht notwendig, der zionistischen Welt in allen Einzelheiten von den Schlägen zu , erzählen, die die Labour-Regierung unserem Werk versetzt hat. Es beginnt mit den Augustunruhen vom Jahre 1929 in Palästina, von der schmachvollen Reaktion der Ar-, beiterregierung auf sie. Ihr Kolonialminister Lord Passfi.eld schien von diesem Zeitpunkt ab nur noch ein Ziel zu kennen: das Moment der Ursachen zu politischen Attacken gegen die Juden zu verwenden, zur Demolierüng des Begriffs Jüdisches Nationalheim, zum Abbau des Mandats über Palästina;im Sinne der Mißachtung, seines Grundcharakters, der Bestimmungen über das Jüdische Nationalheim. . Dieser Tendenz diente zunächst die heute schon berüchtigte Shaw-Untersuchungs k o mm i s s i o n, die das Kunststück '. zuwege brachte, Mordgesellen zu rechtfertigen und die Gemordeten zu verdächtigen. Simpson-Bericht und Weißbuch sind die weiteren Etappen auf dem Wege der Offensive gegen die vom Völkerbund auferlegte Aufgabe, Palästina zürn jüdischen Nationälheim zu machen. Diese drei Dokumente: Shaw-Bericht, Simpson- Bericht und Weißbuch sind dunkle Fleckenauf dem Schild der Ehre dieser Labour-Regierung. Und wie lendenlahm fiel der Versuch'des Chefs der Regierung MacDonalds aus, durch seinen bekannten Brief an Prof. Weizniann, die von seiner Regierung heimtückisch geführten; Schlage zu verschleiern! Die; letzte Tat dieser Regierung, der Entwurf des La'nderitwickJungsplans für Palästina, um ■ den 'gerade jetzt gekämpft wird, rückt den Humbug des MäcDonald-Briefs'ins rechte Licht!; Das Kapitel Labour-Regieruhg ist vorläufig, zu Eji.de. Wir.haben. keinen Grund, dieser Regierung eine Träne nachzuweinen. Wir wissen nicht, ob wir Grund haben, der kommenden gegenüber optimistisch zu sein. Passfi'elds Antwort an die revifiö* >»f AUe im redaktionellen Teil befindlichen entgeh* Möttau «öd dtmfe gm beigefügte^ £ bezeichnet, Wie wir bereits berichtet haben, wandte sich die Exekutive der revisionistischen Weltunion mit einem Brief än das britische Kolonialamt, in welchem auf die geschaffene Situation in Palästina aufmerksam gemacht und gefördert wurde, Schritte, -pi unternehmen, die die Ruhe und Ordnung in Palästi: Nun ist im Auftrag Lord sehen Kolonialamt ■ auf - den - fj Exekutive folgendes »St-h reiben sichern sollen. «is s f i e 1 d s vom britief der revisionistischen ingelangt: Das Unterstaats-Sekretariat, Kolonialamt London EW. 1. .. , Dowhiri£-*Street, 19. August 1931. Sir! '; . Im Auftrage von 'Lord # a s s'f i e 1 d bestätige ich den Empfang Ihres Schreiben» vom 13. August bezüglich der Situatioh*.in? Palästina' im Zusammenhang mit der arabis.cjajen Agitation gegen die jüdischen versiegelten W«Kenläger. Aus kürzlieh erhaltenen telegraphischen Berichten des High CömmiSjSiqners an' den Staatssekretär geht hervor, daß die Situation in Palästina sorgfältig überwacht wird und Lord Passfield ist zuversichtlich, daß der High Commissioner sicherlich Schritte unternimmt, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. In diesem Zusammenhang muß ich auf die Tatsache hinweisen, daß Sir John Chancellbr kürzlich ein Qommunique veröffentlichen ließ, aus dem klar hervorging, daß die Regierung keine Rede oder -keine veröffentlichten Kommentare bezüglich derjüdischen versiegelten Waffenlager zulassen. würde, die Besorg-, nis erregen oder Aufregung hervorrufen könnten, und es wurden vom High Commissioner Instruktionen!erteilt, wonach die geplanten Demonstrationen gegen die Bewaffnung jüdischer Kolonien nicht zugelassen werden sollten. * Ich habe noch hinzuzufügen, daß der 15., August, gemäß einem eben erhaltenen,telegraphischen Bericht, ruhig und ohne unangenehme Zwischenfälle verlief i .' An den Sekräter Exekutiv-Komitee .Weltunion der Zionisten-Revisionisfen. ' ' Der OeneralOreik Zufamm^nlfoBe in . -' :.^--> Aus Jerusalem wirif uns .vomAugusit gemeldet::.' Jv , '^j r;.:;:.,^v'V'-?z Der für heute angekündigte arabische Generalstreik war nnr wenig ' im; ganzen LandVzu spüren. Wegen des Sonntags waren die ei n i s t Li c he h Geschäfte und Arbeitsstätten ohnehin geschlossen. Nur ein geringer TeR .der Araber folgte, der Losung ihrer Exekutive. So "waren alle arabischen Lebensmittelgeschäfte offeni Die j ü d i sc hen Geschäfte und Arbeitsstätten hätten normalen Betrieb. Im ganzen Land herrscht Ruhe. Die TeL-Union berichtet über Zusammenstöße in S i c h e m^- Eine arabische Menge versuchte einen Demonstratiohszug zu veranstalten. Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei. 6 Personen wurden verwundet, darunter ein Pplizeioffizier., 60 Araber < Sichern —1 Ein arafoiCdies;M,c»m^a^d(p»i.': „• ' ^.'^wvftpi/i;, i'VA''<:- ',t -.-■..'/•r.^r',--;->>. ■;. ^^irw?'^' v'^-v';»' wurden verlinftet,Herbeigerufene militärische Formationen besetzten all© RegiernugsMrdr tintT Itic-* bem die Menge, die ein zweitesmal zu demonstrieren versuchte, auseinander. Aus J e r ü s a 1 e m wird weiters gemeldet: Ungefähr 40 Araber, darunter, alle Mitglieder der arabischen Exekutive und ihre nächsten Anhänger, versuchten, in geschlossenem Zug das Regierungsgebäude zu betreten. Das Haus war von einer starken Polizeimannschaft bewacht, die nur den 10 Mitgliedern der a r ab i s c h en Exe tu« t i v e den Eintritt gestattete. Diese überreichte der Regierungein Memorandum, in dem gegen die „Bewaffnung der Juden" und gegen die Amnestie für die ohne Zertifikate Eingewanderten protestiert wird. Bemerkungen Ein alter verbrannter Jude In den Blättern war. zu: lesen» daß der High Commissioner einen .0 u ade nak t erlassen hat, der an die 10.000 Juden, die bisher ein „ungesetzliches" Dasein geführt haben, von Verfolgung nnd Strafe befreit. Der Meildung war die Bemerkung beigefügt, daß dieser, Gnadenakt die hochherz i g s t e Verfügung sei, die der Hochkommissär während seiner ganzen Amtsperiode getroffen habe. Hoch klingt das Lied vom braven Mann! . W®s steckt nun hinter, dieser jjlochherzigkeit"? Und . wie ist. es üni die Schuld' dieser verbrecherischen Juden' bestellt? Feierlich haben Völkerbund und England a]s Verwalter Palästinas beschworen^ alles zur Förderung eiher jüdischen Massensiedlung in Palästina zu tun. Im Zuge dieser feierlichen Zusicherungen hat der .Oberkoinmissär von Palästina ailles zur Verhinderung der jüdischen Einwanderung; getan. 3000 bis 4000 Juden dürfen pro Jahr ins Land;-kommen mehr/dann sind sie '„ungesetzlich" da, sind .Verbrecher. Von Pogromfurcht, Wirtschaftsnot und Sehnsucht nach, dem jüdischen Heimatland getrieben, sind im Laufe von zejin Jajiren ungefähr 10.000 Juden ohne Bewilligung ins Ivand gekommen, in i h r Land gekommen. Sie b.aben in ihren Herkunftsländern keine Verbrechen begangen,. sind nicht vor. einer Strafe; geflüchtet. Sie haben ihr Letztes zWammengescharr*» um in Palästina ein neues, men^chenwürd|ges> jüdisches . Dasein zu beginnen. Alles in Ruhe, ,'pr4,nüng und Fairness! Auch in Palästina haben sie. sich nichts zuschulden kommen lassen, sind niemandem zur Last gefallen, haben gearbeitet, Steuern und Abgaiben gezahlt, beim Aufbau des Landes ehrlich mitgeholfen. Und doch mußten sie ständig vor Verfolgung, Bestrafung und Ausweisung zittern, vor jeder Uniform ins letzte Mauseloch kriechen. Welches Verbrechen haben diese Elenden begangen? Sie haben an das Wort, die Eide der großen . Kulturnationen, in Palästina eine Zu» flucht, ein Nationalheim zu schaffen, geglaubt. Daran haben sie geglaubt — ein. veribrecheriscHer Glaube, aber daran vergessen, daß ein antisemitischer englischer Einwanderungsbeamter über dem Völkerbund steht — ein verbrecherjecites V erg ess e n! Das müssen sie büßen! Und wie, büßen! Vor einigen Wochen wurde ein Jupje ^ertappt", ein alter Mann aus Saloniki, ein Siebziger, der sein Vermögen in Griechenland, wo es nur kleinere Pogrome gibt, liquidiert, in Palästina ein Haus gekauft hat, um dort seiner Familie eine ehrliche, bescheidene Existenz zu gründen und seine Tage dort zu beschließen. , Richtig spürten die Büttel des Herrn Hochkommissars diesen verworfenen Gesetzesverletzer auf und er mußte — hinaus aus dem Lande. Wohin? Was geht das den englischen Herrn an, den Bevollmächtigten des Bundes der großen Kultnruationen, des Völkerbundes, der den Juden Palästina feierlich zuerkannt hat? Hinaus mit dem alten Juden! Da ging' der alte Jude hin und brachte. sich um,. obendrein in ganz . taktloser Manier: er begoß sich mit Petroleum oder Benzin oderL einer anderen besteuerten Flüssigkeit und zündete sie.an... So verbrannte der alte. Jude! v Die Amtsperiode des Hochkommissärs ist abgelaufen — zur Genüge charakterisiert durch den Pogrom des Jahres 1929, durch die Einwanderungssperre für Juden. Der Hochkommissar,, war ein getreuer Hüter des Jüdischen Nationalb«»9|« yot den Juden, Da ihm aber ein

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