Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 205 (21.8.1931)
- Date
- 1931-08-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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A^guwg MMUMk M DIB NEOS WELT Steife 9 i RUNDSCHAU Efae erfüllte Mission Söft 12 Jahren gab es in London eine Wochen* Bchrift, den „J e w i sTi G u a r d i a n*\ der sich von den zwei anderen englisch-jüdischen Wochenschriften „Jewish Chronicle" und „Jewish World*4 dadurch unterschied, daß er sich •— wie er jetet, da er sein Erscheinen aufgibt, selbst erklärt — „gegen die zionistischen Anechauungenwendete".- Der „Jewish Guardian" ist nun nach 12jährigem Bestand eingestellt worden. Sah das Blatt vielleicht ein, daß sein Kampf gegen den Zionismus aussichtslos sei? Hat die hinter ihm stehende assimilatorische Großbourgeoisie etwa kein Geld für ein Wochenblatt? Keines von beiden. Die Herausgeber entbehren weder des Kampfmutes, noch «ind deren Financiers so arm geworden. Das Blatt hat einfach — seine Mission erfüllt. Dr. Claude G. Montefiore, der Direktor des „Jewish Guardian", legt im Abschiedsartikel darv was sein Blatt wollte, was es erreicht hat und weshalb es überflüssig geworden ist Die betreffende Stelle lautet; «Es sollte die Anschauung, daß die J u den eine Nation wie alle übrigen, etwa wie die Dänen oder Schweden, nicht aber ein Volkvon besonderer religiöser Eigenart seien, bekämpft werden, Heute hat „Jewish Guardian" seine Aufgabe erfüllt. Die Mehrheit der Z i q- -. nisten, zumindest in England, ist in ihren Anschauungen gemäßigter als damals. Sie haben den Gedanken der Gründung ein esjudenstaafesaufgegebenund ihn den Revisionisten überlassen. Die Hoffnung, daß die Zionisten auf dem Wege seien, zu erkennen, daß der einzig wertvolle Zionismus ein geistiger sei, daß die Juden durch den Glauben geeint werden oder geeint werden sollten, nichtaber durchden blutsmäßigen Zusammenhang, ist wohl nicht zu weitgehend. Der nationalistisch e Zionismus ist im Niedergang, der kulturelle oder geistige Zionismus im Aufstieg. Unter diesen Umständen hat der „Jewish Guardian" sein Ziel weitgehend verwirklicht." c In einfaches Deutsch übertragen, ist die Konklusion von überraschender Drastik. Was der Revisipnasmus den anderen jeweils mit dem ganzen Rüstzeug seiner Argumentation immer wieder beweisen muß, ist hier mit einer Mühelosigkeit nachgewiesen, die eben in der Wahrheit liegt. Was in der Tat soll einen Herrn Montefiore, für den der Gedanke der Gründung eines Judenstaates aufgegeben, der einzig wertvolle Zionismus ein geistiger sei, von einem Herrn Dr. E der unterscheiden? Wollte der etwa auf dem Kongreß den Judenstaat? IJnd die kleine Anschauungsdifferenz in „religiöser Eigenart'* und „blutsmäßigem Zusammenhang", diese kleine Differenz wird sich mit der Zeit auch abschleifen. Das Blatt hat seine Mission erfüllt Was Leute vom zionistischen Typus Eder den Revisionisten nicht glauben wollten, hier haben sie es bestätigt. Der „Jewish Guardian" kennt mit Recht außer den Revisionisten keine Parteien mehr, sondern nur noch Assimilanten. Das Hakenkreuz auf dem Balkan Am deutschen Wesen soll, wie bekannt, die Welt genesen. Wir hätten nichts dagegen einzuwenden, wenn die Welt aus dem Geist Goethes, Beethovens, Kants, Dürers Nahrung ziehen wollte. Gewiß wären aber damit gewisse Teile des deutschen Wesens nicht einverstanden. Sie haben weit«* aus größere Freude daran, daß ihr Aftergeiet, der von ihnen in die Welt gesetzte theoretische und praktische Antisemitismus, den Siegeszug antritt Man lernt von ihnen. Gestern waren es ihre Bücher, von ihrem Chamberlain bis zu ihrem Hammer- Frit6ch, die fleißig studiert wurden, heute sind es ihre physischen Methoden, die ebenso fleißig nachgeahmt werden. Sie dringen bis in den Balkan hinein., Die Jüdische Telegraphenagentur meldet; „Unbekannte Täter haben nachte alle Fensterscheiben der aschkenasischen Synagoge in Sofia eingeschlagen. Dieser Angriff erfolgte einen Tag, nachdem an den Eingängen der Hauptsynagoge, an zwei anderen Synagogen, an der jüdischen Schule und am zionistischen Yolkshaus antisemitische Hetzplakate angeschlagen und an die Wände mit Teer Kreuze und Hakenkreuze gezeichnet worden waren. Der Vorfall hat im den jüdischen Kreisen Sofias stärke Beunruhigung hervorgerufen. Man glaubt, daß es sich bei der Synagogenschändung um einen organisierten Vorstoß seitens der antisemitischen Heimwehrorganisation ,Jt o d u a S a s c htdta" hardelt, die in letzter Zeit eine besonders »intensive judenfeindliche Propaganda entfaltet und etet -vor kurzem m ihrem Organ öffentlich zur „Nachahmung des Beispiels von Saloniki*' aufgefordert hat" Diesen deutschen Geist lernen die jungen bulgarischen Studenten an den deutschen Hochschulen und im besonderen am der Wiener Universität Der Goethe und der Kant und der Dürer lassen sich schwer erfassen, das Hakenkreuz ist bald erlernt. Pasel leid, das Unschuldslamm Jungst fand in London zu Ehren des ans der zionistischen Exekutive scheidenden Herrn Ing. Kaplansky ein Abschiedsbankett statt das von der poale-zionistischen Partei Englands veranstaltet und im National Labour Club abgehalten wurde. Selbstverständlich wurden hiebei Reden gehalten: Zuerst vom Labour-Party-Mitglied James Middleton, dann vom , Gefeierten, von Kaplansky selbst. Es ging um den heiklen Genossen Passneid. Ein verdammt unangenehmes Thema für einen zionistisch-labouristifichen Abend, wo man einander in die Arme zu fallen hat. Der Passfield des Weißbuches steht dazwischen. Was tun? Eine kleine Retusche und die Sache ist in Ordnung. Der englische Labour-Mann erklärte, seiner Meinung nach stehe Lord Passfield den zionistischen Aspirationen noch immer sympathisch gegenüber, und meinte, „man sollte dessen eingedenk sein, daß es Sidney Webb, der jetzige Lord Passfield, war, der die Weltkriegaziele der Labour Party, zu denen auch die Errichtung des jüdischen Nationalheims in Palästina gehörte, formuliert habe". Dem Engländer Middleton ist so etwas; nicht übelzunehmen. Befand er sich doch in einer Versammlung, die er für zionistisch hielt, und glaubte sich derart aus der Verlegenheit ob der Missetat seines Labour-Ministers Passfield zu helfen. Unser „Zionist" Kaplansky war gewiß auch verlegen. Könnte doch der JL.abour-Mann, sein Vorredner, glauben, daß er, Kaplansky, ob der Missetat des Lord Passfield, der englischen Regierung gram sei. Und er, Kaplansky, beweist ihm das Gegenteil. Er nimmt die Geschichte mit dem Passfield nicht so tragisch". Passfield,, sagt er, ist nur irregeführt ..... r. \„;; ' Also: Sein Weiflpitöh, die Zerstörung der jüdischen Hoffnungen,; pler täglich bewiesene Hohn gegen den Zionismus,. all das entspringt einem Irrtum. Er wird es schon wieder gutmachen, der Passfield. Di© Kiaplansky^Moschkosi werden1 nicht am Ende wider, ihre Herren Von der LaJbour-Regierung aufmucken. Nur keine-Angst, Herr Middleton I Jüdische Eltern! Kauft Schulbücher (auch anliquat (sehe) für Eure Kinder in der Jüdischen Buchhqndluna Herrn. Tuchner Wien II, Gr. Stadtgutg. 7 (Ef|nTaM.5Z) Leihbibliothek Alle Neuerscheinungen erhältlich. 10 Grqschen tätlich, keine weiteren Gebühren! Für Anfragen Telephon R-41-4-20 Die tschechoslowakischen Handelsbeziehungen zu Palastina Das Handelsministerium veröffentlicht, einen Bericht über den tschechoslowakischen Außenhandel, <der auch interessantev Zahlen bezüglich des Handelsverkehrs mit Palästina im Jahre 1929 enthält. In diesem Jahre' hat der tschechoslowakische Export nach Palästina rund 14 Millionen tsch. Kronen betragen und ist gegen das Jahr 1927 um 5,3£ Millionen tsch. Kronen gestiegen. Die Tschechoslowakei führt hauptsächlich Baumwollwaren, Glas und Glaswaren, Konfektion, Schafwollw^ren, Eisens waren, Seidenstoffe, Papier und Leder nach Palästina aus. Der Import aus Palästina in die Tschechoslowakei ■ ' 1 - ■ ist im Berichtsjahr ebenfalls gestiegen, und zwar auf 800.000 tsch. Kronen gegen 580.000 im Jahre 1927. Im« portiert wurden Orangen und Zitronen, Flaschenweine, Därme und Blasen. Anfällig ist der starke Rückgang der Örapgeneinfuhr in die Tschechoslowakei. Der Umsatz an PalästinaoOrangen betrug 1927 194.000 tsch. K, 1929 nur noch 64,000 tsch: K. Die jüdischen Institutionen in Rumänien Der jüdische Abgeordnete Dr. Michael Landau bat beim Innenminister vorgesprochen, um Beschwerde dagegen zu erheben, daß die staatlichen Behörden in ßessarabien die Etats der jüdischen Institu* tionen in ungerechtfertigter Weise kürzen und dadurch den Bestand dieser Institutionen gefährden. Abg. Landau erklärte, diesen Mißständen könne nur durch Errichtung eines . D e p a rt e m e n t s f ü r F. r a g e n der n^tiona 1 en Minorität.en beim Innenminister rium abgeholfen werden. . Der Minister versprach, eine Untersuchung der vom Abgeordneten Landau mitgeteilten Mißstände einzuleiten und die Möglichkeit der Errichtung einer Abteilung für nationale Minoritäten zu prüfen. Sogar spat nachmittags kann mm mit dar Vo(gtllndw-B«tsa aoeh MonMteMfiummtn am freier Hamf ntaohan und btkommt doch tln gut durohgaxalohflttaa Bild. So Dehtstaric ist das Öbjaktlv. DieW*M*äi* . Bessa Ist «Ina modarna Rollfllm-Sohnellkamsra. Jedw kann damit gleich Photographie an, wall maa durah dla praktische DrelpunKtsinstelltHig (Portrft — Srupp« — Landschaft) automatisch scharfe Bilder erhllt. Oeffnan, einstellen und knoten. alls» Ist bei der Saasa so kinderleicht, daB es jeder kann« Lasten Sie «loh die Betsa unverbindlich bei einem Photohlndler zeigen, sie wird auoh Ihnen gefallen Der Illustrierte Bessa-Prospekt unterrichtet Sie genau über dfe Vorzüge dieser Kamera. Kostenlos ■ Zusendung von Schering-Kahlbaam A. Repr sentanz Wien, VI., Webgasse 2a, Abteilung 11_ lieberfall auf eine Hamburger Synagoge Aue Hamburg wird uns gemeldet Dienstag, den 18. August, wurde ein planmäßig vorbereiteter Ueberfall auf die Synagoge der sephan disehen Gemeinde in der Markusstraße verübt Maa' fand sämtliche Schränke und Läden eingeschlagen und aufgerissen vor. Die Eindringlinge hatten alles durchwühlt, die Ritualgeräte herausgerissen und schwer be« schädigt. Vorläufig fehlt von den Tätern jede Spui^ Ruhr und Dysenterie unter den r^uchtlingen in . Saloniki. Umtetr den Flüchtlingen aus dem miedergebrantnnten jüdischen Viertel von Saloniki, die provi* eorisch in verschiedenen Synagogen untergebracht worden waren, sind Ruhr und Dysenterie ausgebrochen. Die. Epidemie hat bereits dreiTodes-i opfer gefordert, Die Behörden haben Maßnahmen getroffen, um durch Unterbringung der Flüchtlinge unter1 besseren sanitären Verhältnissen einer weiteren Ausbreitung der Krankheit Einhalt zu tun. Größere Hilfsaktionen für die Opfer der Ajusschireitungen in Saloniki wurden bisher von der AlKance Israelite in Paris, von der Anglo-Jewdsh Association m London, von dem American Joint Distribution Goanmifctee, von den in Paris ansässigen Juden ans Saloniki und von einem in Tel-Awiw organisierten Hilfskomitee durchgeführt. Die griechische Regierung hat für das Hilfswenk; den Betrag von 7000 Dol la r z»r Verfügung gestellt. . Vom Bund der Göttlosen in Sowjeirußland Moskau, Das Zentralkomitee des Bundes d?er Gottlosen hat folgende „Zehn Gebote" zur Bekämpfung der jüdischen Feiertage verkündigt: 1. In allen Fabriken, kooperativen Artete, KoUektivfermen, Schulen und Klubs sind Vorträge über die Themen: ,;Fünf jahresplan und Religion", ,iAntiseanitu'smus und Religion", „Kollektivierung und Religion*', „Der Klassencharakter der jüdischen religiösen Feiertage" und „Modernes Judentum und« nationaler Haß" zu halten. 2. Zu Bosch Haschana und Jörn Kippur sind Exkursionen zu veranstalten, antireligiöse Filme zu zeigen und Theaterstücke antireligiösen Inhalts zur Aufführung zu bringen. 3. An Stelle der hohen Feiertage, sind „nationale Arbeitstage". zu proklamieren, an denen jedermann zur Arbeit im Dienste de$ . Landesauf gefordert werden soll. 4. Es sind besondere antireligiöse Ausstellungen zu.veranstalten. 5. Das Radip soll in den Dienst der antireligiösen Propaganda gestellt werden. 6. Anläßlich der jüdischen Feiertage sind besondere Versammlungen der Jugend und der Frauen einzuberufen. 7. Eine großzügige Werbung von Mitgliedern für dpn Bund der Gottlosen ist durchzuführen. 8. Es ist eine Geldsammlung für den Bau eines Kriegsschiffes, d-as den Namen *M i 1 i t a n t e r Apikoires" tragen soll, einzuleiten; 9. Die jiddischen Publikationen antireligiösen Inhalts sind zu vermehren und in Kolonien und Fabriken zu verbreiten.- 10. Jedes in einer Stadt ansässige jüdische Mitglied des Bundes der Gottlosen bot sich an den jüdischen Feiertagen in die Dörfer zu begeben, um die Bauern zur Ablieferung der Ernte an die Regierung anzueifern. Die Legende von der jüdischen Preseeheirsehaft Auf Grund der statistischen Angaben des soeben von Prof. Dr. E. D o v i f a t im Verlag Carl Dunker herausgegebenen ,,Handbuchs der Weltpresse" stellt Hans O p p e nh e i na e r in Nr. 15 der Zeitschrift des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten „Der Schild** eine Untersuchung über den Einfluß der Juden auf das deutsche Pressewesen, der von antisemitischer Seite immer wieder als übermächtig dargestellt wird, an. Vergleiche sseigen, daß die Zahl der deutschen Tageszeitungen sich . von 1927 bis 1930 um 112 auf 3353 vermehrt hat. Der Pä* zentsatz der rechtsgerichteten Zeitungen von den