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Die neue Welt · 1931-08-21 · Heft 205 (21.8.1931) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 205 (21.8.1931)
Date
1931-08-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Söfft! % TSE NEUE WELT Nt. 9(0 II i tllJ nifcfIVBf! Eln*l«fct«agan modernster Aas- BADEZIMMER' sa^D%ea ELPHORA, L D©«J«»kaiwbt«tsl22(EeM Rai 7/8)R-24-416 widmet Er het ans seinem Unternehmen keinen wirtschaftlichen Nutzen gesogen, vielmehr bei der'Führung des Verlags sein bedeutendes privates Vermögen zum großen Teil verloren. Als ehemaliger Student deutscher Hochschulen und Verleger zahlreicher Übersetzungen deutscher Werke hat er sieh nach Kräften bemüht, die deutsch-polnische Annäherung zu fördern. Theatersperle Die jiddischen Theater „S k a 1 a" und „Central" mußten infolge der Wirtschaftsnot geschlossen werden. Die Schließung der beiden Theater bedeutet die Vernichtung der Existenz von Aber 100 jüdischen Familien. Rückgang der Ehescheidungen Die Zahl der jüdischen Ehescheidungen in Polen ist in der letzten Zeit bedeutend zurückgegangen. Im abgelaufenen Halbjahr wurden vom Warsehauer Rabbinat bloß 85 Scheidungen durchgeführt, was einem Drittel der früheren Durchschnittszahl entspricht. Im Monat Juli gab es bloß zwei Scheidungen. Das Rabbinat führt diesen Rückgang auf die Wirtschaftskrise zurück, die es zahlreichen Juden unmöglich mache, die Scheidungstaxen aufzubringen. Das Heil in der Auswanderung Die Auswanderung, die während der letzten Monate fast vollständig ruhte, ist seit einigen Tagen wieder im Ansteigen begriffen. Die jüdische Auswanderer- Herberge in Warschau, die noch vor kurzem leer stand, ist fiberfüllt. Alle 100 Betten der Herberge sind belegt, m den Warteräumen und Korridoren mußten Notbetten aufgestellt werden. Das Ziel der Auswanderer ist vor allem Uruguay, Brasilien und Argentinien. Am Donnerstag, den 13. August, ist ein von HIAS organisierter Auswanderertransport von 200 Personen nach Südamerika abgegangen. Die Emigranten stammen fast durchwegs aus den polnischen Provinzstädten. Antisemitismus in einem polnischen Invalidenheim. Anläßlich eines Besuches des polnischen Arbeitsmtnisters Hubkki in dem vor kurzem im Kurort Iwanitsch errichteten Invalidenheim „Excelsior" kam es zu einem peinliehen antisemitischen Zwischenfall. Die Insassen des Heims, 80 Invaliden, darunter 20 Juden, sollten gemeinsam mit dem Minister und der Anstaltsleitung photographiert werden. Die christlichen Invaliden weigerten sich jedoch, sich gemeinsam mit den jüdischen Patienten photographieren zu lassen, und versuchten diese mit Gewalt beiseite zu schieben. Minister Hubicki Keß sich schließlich mit den jüdischen Invaliden nochmals besonders aufnehmen. Die jüdischen Insassen des Heims haben im Hinblick darauf, daß die Anstaltsleitung sich bei dem peinlichen Vorfall nicht ine Mittel «gelegt hatte, beschlossen, das Heim zu verlassen. Hilfe durch den Joint Angesichts der schweren ökonomischen Lage, durch die die jüdische Sozialfürsorge besonders stark in Mitleidenschaft gezogen ist, haben Vertreter jüdischer sozialer Institutionen aus Lettland und Polen, sowie die zuständigen Inspektoren des Joint im Berliner Büro des Joint Distribution Committee Beratungen abgehalten. Es wurde berichtet, daß sich die Situation auf dem Gebiete der Kinderfürsorge und der medizinischen Arbeit infolge des starken Rückgangs der lokalen Einnahmen und der kommunalen Unterstützungen sehr schwierig gestaltet hat. Auf Grund der Schilderungen hat der europäische Direktor des Joint Distribution Committee, Dr. Bernhard Kahn, für die nächsten drei Monate für den Verband der Jüdischen Waisenfürsorgezentralen in Polen Dollar 15.500 und für die Gesellschaft TOZ in Polen Dollar 8500 als außerordentliche Beiträge bewilligt. Die Frage der Kalenderreform Der jüdische Abgeordnete Rabbiner Lew in hat vor einiger Zeit einen Brief an den polnischen Außenminister gerichtet, in dem dieser ersucht wurde, für die Vertretung der jüdischen Interessen in der Frage der Kalenderreform durch die polnische Regierung vor dem Völkerbund einzutreten. Abg. Lewin hat nunmehr vom polnischen Außenminister Zaleski folgendes Antwortschreiben erhalten: In Beantwortung Ihres Schreibens vom 13. Juli gibt das Außenministerium bekannt, daß in der Haltung der polnischen Regierung zur Frage der vom Völkerbund projektierten Kalenderreform in letzter Zeit keinerlei Aenderung eingetreten ist. Vom Standpunkte unserer Ökonomischen Interessen aus bedeutet die Kalenderreform keinedringendeNotwendigkeit Was die religiöse Seite der Frage anbelangt, so wird die Regierung selbstverständlich auf die religiösen Traditionen und Gefühle der Bürger Rücksicht nehmen und diese Interessen vor dem internationalen Forum verte&fögett, Wieder ein Todesopfer Der 55J8ferige Metallwarenersseufrt* Daniel Edelbaum hat unter besonders tragtotra Utastiinden Selbstmord begangen. Aus Verzweiflung darüber, daß er m der letzten Woche nicht mehr imstande wat, den zwölf Arbeitern, die er seit längerer Zeit in seinem Betriebe beschäftigte, Ihren Lohn voll aus zu, zahlen, hat Edelbaum seinem Leben ein Ende gemacht. Er wurde am Tage nach der lebeten Lohnauszahlung an der Transmission der im Kellergeschoß seines Wohnhauses aufgestellten Maschinenanlagen erhängt aufgefunden. Edelbaum hinterläßt eine Witwe und einen Sohn. Dr. f♦ Wasdrite in Wien Die Wiener revisionistischen Freunde hatten Gelegenheit, ihren Gesinnungsgenossen, den „Wiener" Doktor Fischel W a s c h i t z, der seinen Rechtsanwaltsberuf in Haifa ausübt, unmittelbar nach dem Baseler Kongreß längere Zeit in ihrer Mitte zu haben. Man konnte mit Freude konstatieren, daß Fischel Waschitz nichts von seinem alten, kämpferischen Geist für die zionistische Sache eingebüßt hat. Durch seine Mitarbeit ist der palästinensische Revisionismus wesentlich gekräftigt worden. Während seines Wiener Aufenthaltes nahm Doktor Waschitz mit seinen alten Wiener Freunden Fühlung und trat Donnerstag, den 13. August, im revisionistischen Verbandsheim vor die Öffentlichkeit Außer den vollzählig erschienenen Freunden des Vortragenden waren die Zionisten Wiens so zahlreich gekommen, daß sie der große Saal des Verbandsheims kaum fassen konnte. Die Versammlung stand zunächst im Zeichen des /wehmütigen Abschieds vom tragisch verschiedenen jungen Revisionisten Aaron Sternberg, für den Robert Stricker bei Eröffnung des Abends bewegte Abschieds worte fand. Dr. Waschitz beschäftigte sich in seinem darauf folgenden Vortrag mit der politischen Situation des Jischuw nach der Balfour-Deklaration. Er entrollte anschaulich ein Bild der Palästina-Politik Englands, wobei er an Hand von Beispielen die Hörer über die neuen britischen Tendenzen informierte. Anschließend an den Vortrag fanden sich die Freunde des palästinensichen Gastes zu einem intimen Abschiedsabend zusammen. Freitag, den 14. August, trat Dr. Waschitz mit seiner Gattin;die Rückreise nach Erez Israel an. Streng upd Restauration Lasar VII, Andreasgasse 5 (Ecke Mariahilferstraße 84-86) Autobus und Straßenbahnhaltestelle, Linien : L, 51, , 52, 58 und 59 verabreicht die besten Speisen zu besonders billigen Preisen Ein Versuch macht ium Stammgest! Vom jüdischen Studenten Internationale Konferenz in Rumänien In Sinaia wurde unter dem Ehrenvorsitz König Carols von Rumänien eine Konferenz des i n t e rnationalenStudentenverbandes eröffnet. Auf der Konferenz sind 74 studentische Körperschaften mit einer Mitgliederzahl von insgesamt über einer Million Studenten vertreten. Da die Wahlen zur Konferenz auf territorialer Basis erfolgten,, nehmen jüdische Delegierte an den Beratungen nur als Mitglieder der verschiedenen Länderdelegationen, nicht aber als Vertreter jüdischer Verbände teiL Es wird erwartet, daß sich die Konferenz auch mit der Frage des studentischen Antisemitismus befassen wird, gegen den bereits auf der letzten, 1929 in Budapest abgehaltenen Tagung des Weltverbandes eine scharfe Resolution angenommen wurde. Die jüdische Studentenschaft Rumäniens verfolgt die Beratungen der Konferenz, auf der die antisemitische rumänische Studentenschaft diesmal besonders stark vertreten ist, mit größter Aufmerksamkeit. Jahreskonferenz in Amerika In der Zeit vom 30. August bis 9. September findet im Mount Holyoke College, South Headly bei Boston Mass., U. S. A., die Jahreskonferenz des International Student Service statt. Auf der Tagesordnung steht auch der Antisemitismus an den Hochschulen Europas. Außer den amerikanischen Vertretern der jüdischen Studentenorganisationen werden als jüdische Delegierte aus Europa Herr Ministerialdirektor Dr. Hermann Badt aus Berlin und Herr Alexander Teich aus Wien die Interessen des Weltverbendes jüdischer Studenten vertreten. Empfang englischer Studenten Die zionistische Palästina-Exekutive veranstaltete zu Ehren der Hörer der Wycliff Hall eines der theologischen Colleges der Universität O x f o r d, die vor kurzem in Palästina eingetroffen sind, nm das Land zum Zweck historisch-geographischer Studien zu bereisen, einen festlichen Empfang. Die Gäste wurden von dem bisherigen Leiter der Palästina-Exekutive, Colonel K i s c h, in einer längeren Ansprache begrüßt, in der er daran erinnerte, daß an den Unruhen von 1929 Hörer des gleichen College« an der Verteidigung der Juden von Jerusalem teHgeaommea haben. .«iimnimttittuiiftitiinwitiuiintiiiiimitfitii Das Neueste in der Pädagogik »Hadawer« von L Herzberg für das Erlernen des Hebräisch-Lesens und -Schreibet* tmd der Anfangsbegriffe der hebräischen Sprache in 38 Lektionen Das beste national-religiöse Unterrichtsbuch überall erhäffifch MiiiiiiiiiniHiHiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiHimiiiHiirHimmw Sabbatruhe und Kalenderrefown Ein Aufruf des „Schomre SehabbW* Der Weltverband für Sabbatsehutz „Sdiomre Schabbos" übergibt der Jüdischen Telegraphen-Agentur einen Aufruf, worin es u. e. heißt: „In einer Zeit schwerster wirtschaftlicher Krise, die ausnahmslos alle Länder der Welt und alle Bevöl- ■keruÄgskreiße mit besonderer Schärfe ajber uns Juden, befallen hat, werden wir das diesjährige Roseh Haschana-Fest feiern. Doch es ist nicht nur die Sorge um die materielle Existenz, die uns bedrängt, auch unsere höchsten geistigen Güter sind durch die Wirtschaftskatastrophe auf das schwerste bedroht. Es ist vor allem der Sabbnt, der in Gefahr steht, unter dem furchtbaren Druck der Zeit vollends vernichtet zu werden. Die großen Opfer, die die sabbathaltenden Gewerbetreibenden und Angestellten seit der Einführung der allgemeinen Sonntagsruhe zu bringen gezwungen sind, sind unter dem Einfluß der Wirtschaftskrise ins Unerträgliche gestiegen. Eine neue Gefahr aber steht bevor: Nach Beendigung der Herbstfeiertage soll in Genf die Entscheidung über die Kalenderreform fallen, die durch die Zerstörung der Kontinuität der siebentägigen Woche das Fundament des Sabbats zu untergraben droht. Der erste Tag des Rosch Haschana-Festes fällt auf einen Sabbat. Der Weltverband für Sabbatschutz Schomre Schabbos fordert daher die Rabbiner in allen Ländern jüdischer Siedlung auf, daß sie den Sabbat Rosch Haschana nutzen, um in den jüdischen Massen die Liebe zum Sabbat zu festigen. Auch denen, die in der Hut des Sabbats lässig geworden sind, soll seine heilige Bedeutung nahegebracht werden, damit auch sie ihren Teil zur Erhaltung des Sabbats beitragen. Gründungsversanimlung in Bratislava Anfang August fand in Bratislawa die Gründttagsversammlung eines Schomre-Schabbos-Verb an des für die Tschechoslowakei statt. Alle tschechoslowakischen Kultusgemeinden entsandten Delegierte. Zum Präsidenten des Verbandes wurde einstimmig Kommerzialrat Ludwig Preiss-Presov gewählt Im Auftrage der neugeschaffenen Organisation sprach eine Delegation beim Handelsministerium vor, um auf die für die jüdische sabbathaltende Kaufmannschaft entstehenden Schwierigkeiten bei der Einführung der obligatorischen Sonntagsruhe Mnzuweisen. Die Delegation erhielt die Zusicherung, daß die Sonntagsruhe, die. in Preßburg bereits in Kraft gesetzt wurde, rocht auf die übrige Tschechoslowakei ausgedehnt werden wird. Sonntagsruhe and judische Kaufmannschaft Bekanntlich hat die Jüdische Partei in der Tschechoslowakei der tschechoslowakischen Regierung ein ausführliches Memorandum gegen die obligatorische Sonntagsruhe in Preßburg überreicht In dem erwähnten Memorandum erhoben die beiden jüdischen Abgeord-i neten Dr. Ludwig Singer und Dr. Julius Reise Yo»h Stellungen gegen die schwere Schädigung« die diese Verordnung für die vierhundert sabbathaltenden Kaufleuie in Bratislawa darstelle und forderten die Einfuhrung einer Ausnahmsbestimmung für diesen Bevölkerung»- teil unter Hinweis darauf, daß solche Ausnahmsbesthnmungen zur Bequemlichkeit von Kurgästen aaefi in den tschechoslowakischen Badeorten bestunden und daß die relgiöse Ueberzeugung mindestens der Bequem-* lichkeit von Kurgästen gleichzustellen sei Es wurde auch darauf verwiesen, daß von der sozialen Seite her keine Bedenken gegen die Einführung' -von Aas* nahmsbestimmungen für jüdische Kaufleute bestehen können, da für deren Angestelltenschaft edae 62stftn-i dige Ruhezeit von Freitag nachmittag bis Montag morgen faktisch bestehe und durch die geforderten Ausnahm»* bestimmungen diese Ruhezeit nur eine awetstümiige Unterbrechung am Sonntag erfahre. Dem Memorandum war eine ErfdSruog von 500- Handelsangestellten beigefügt die sich dem Protest der. Jüdischen Partei und der Forderung ihver Asbestgeber anschlössen. Die Regierung als solche hat bisher keine zu diesem Memorandum genommen. Es verlautet, daO der deutsche Sozialdemokrat Dr. Ludwig Czech, ein Jude, in seiner Eigenschaft als Minister für soziale Fürsorge die Jüdische Partei von seiner ablehnenden Haltung zu der Forderung nach Einführung von Ausnahmsbestimmungen für jüdische Kaufleute kt Bratislawa in Kenntnis gesetzt hat. Der Ausgang der Verhandlungen gewinnt dadurch an Bedeutung, daß sich in letzter Zeit Tendenzen bemerkbar machen, die für Bratislawa statuierte, obligatorische Sonntagsruhe auch auf die übrige Slowakei auszudehnen, was einer weiteren schweren Schädigung der Wirtschaft der tschechoslowakischen Juden gleichkäme.

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