Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 205 (21.8.1931)
- Date
- 1931-08-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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/ flfeffe S DIE NEUE WELT Nr. 2« liebem, aber dafür auf weniger umständlichem Weg akqniriert Um die alten jüdischen Jagdgewehre geht der Rommel. Und während der brftföfce Amitteffor den Völkern teigt, wie besorgt er um die Sicherheit der Juden ist, indem er ihnen die Waffen beläßt fegen den wilden Protest der Araber, kann et diese wiederum von der Harmlosigkeit unserer alten Jagdgewehre Uber zeugen und sie. die friedlichen Araber, auf die erst klassige Qualität ihrer eigenen Gewehre verweisen. . Ist es nicht klar, daß die friedlichen Araber auf Grund dieser Sachlage «ich vor den jüdischen Gewehren fürchten? DaB die militanten Inden Jubeln kdnnen ob ihrer Protesierung durch die britisch« Administration am Exempel der alten Jagdgewehre? Nachrichten aus Deufsch- ■ - fand Der Kampf um die politische lnt«ressenvertr«tu«g Die Repräsentantenyersammlung . dpx Jüdisch e n Gemeinde Ber 1 J.n hat;am Montag, den 3. August eine Sitzung abgehalten, in der die Vertreter der beiden großen Fraktionen dieser Körperschaft. im. Anschluß an eine von der Jüdischen Volkspartei an den Gemeindevor* stand gestellten Anfrage Gelegenheit fänden, ihren Stand* punkt zur Frage der Wahrung der Staatsbürger* liehen Rechte der jüdischen Bevölkerung und der Verteidigung ihrer politischen Interessen durch ihre öffentlich anerkannten Vertre* t/ungeh, Gemeinden und Landesverbände, zu präzisieren. Di« Jüdische Volkspartei hatte folgende Anfrage gestellt: „Wir fragen den Gemeindevorstand an, ob er die Entwicklung der politischen, wirtschaftlichen und . sozialen Lage der Berliner Juden mit der dem Ernst der Situation entsprechenden Aufmerksamkeit verfolgt und entschlossen ist, bei immer weiterer Verschärfung der politischen Lage die jüdischen Rechte mit allem Nach* druck zu wahren." Zu dieser Anfrage erklärte R.*A. Dok* tor Klee, die Studentenunruhen, mit denen sich die Repräsentantenversammlung bereits zu beschäftigen hatte, seien nur das Fanal, das die allgemeine Lage der deutschen Juden beleuchte. Politische Dinge müßten mit politischen Mitteln behandelt werden. Auch auf wirtschaftlichem Gebiete könne die Gemeinde richtunggebend und anregend wirken. Die jüdische Bevölkerung erhoffe in dieser schweren Zeit Maßnahmen der Jüdischen Gemeinde zur Wahrung der jüdischen Rechte. Dr. Kurt Fleischer gab namens der liberalen Fraktion eine kurze Erklärung ab, in der er u. a. ausführte: Die liberale Fraktion hält es für a b s o 1 u t abwegig, daß politische Fragen von der Jüdischen "Gemeinde behandelt werden. Die Gemeinde hat die sozialen und wirtschaftlichen Interessen ihrer Mit* glieder zu wahren, sie hat aber nicht die Aufgabe, den Nationalsozialismus zu bekämpfen. Die Liberalen sind der Ansicht, daß sich die Gemeinde mit der Anfrage über* haupt nicht zu befassen habe. Dr. Klee betonte, daß ebenso wie sozialer und wirtschaftlicher Interessenschutz auch die Vertretung politischer Interessen von der Jüdischen Ge* meinde auf Grund einer entsprechenden Interpretation ihrer satzungsgemäßen Aufgaben gefordert werden könne. Dies sei durchaus keine Parteifrage. Dr. Meyer (Hb.) erklärte, die Gemeinde sei nicht die Organisation, die die Rechte der Juden als Staatsbürger zu wahren habe. Ihre dringendste Aufgabe sei es vielmehr, ihre finanzielle In* tegrität zu schützen, denn die Gemeinde sei in den letzten Jahren desorganisiert worden. Neue Friedhofsschändungen. Auf dem jüdischen Friedhof in Neumagen an der Mosel wurden in einer der letzten Nächte neun Grabsteine umgeworfen. Auch auf dem Friedhof der jüdischen Gemeinde Reichelsheim wurden etwa sehn Grabsteine umgeworfen und beschädigt. Per Hakenkreuzkrieg gegen jüdische Jugendliebe Auf der Sorge bei Pennewitz (Thüringen) fand dieser Tage, ein Lager des Bundes der Junggruppen im Verbände der jüdischen Jugendvereine Deutschlands statt. Wenige Tage nach Errichtung des Lagers erschien ein Trupp von zirka 20 Burschen um Mitternacht auf dem Lagerplatz, wo 15 Jungen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren in Zelten übernachteten, trat, ein Lager« tor nieder, zerschnitt mutwillig eine Zeit« bahn, entwendete einen Wimpel und bedrohte die Jugendlichen mit schweren Knüppeln. Unter NiederURufen auf die Juden fielen die Angreifer über die Jungen her, von denen zwei schwer mißhandelt wurden. Der Ueberfall war planmäßig erfolgt, Kommandos wurden erteilt, mit Taschenlampen Signale gegeben. Schließlich erklärten die Rowdies, das. Lager müsse bis morgens 7 Uhr geräumt werden, sonst würden sie es selbst räumen, da sie auf diesem Platze keine Juden dulden wollten. Der Führer der Jugendgruppe versuchte vergeblich, die Polizei in Gehren und Königssee zu errei» oben. Auch die Arnstädter Polizei erklärte, nicht tm tandig zu sein. Erst auf Veranlassung des Kreis* kommissars in Arnstadt stellte der Gemeindevorsteher in Pennewitz zwei Beamte zum Schutz des Lagers bereit. Der Bewachung durch eine Anzahl RoJchsbanoerleute aus Kösigeaee und Pennewire, <He ht lemetloser Weise mehrere Nächte opferten, ist es zü danken, daß das Lager von den Hakenkreuzlern nicht weiter bedroht wurde. Bisher iit es de* Polizei nicht möglich gewesen, die Angreifet festzustellen. Zusammenbruch der Wohlfahrtspflege Die Organisation der Wohlfahrtspflege der Israelit!« sehen Gemeinde Frankfurt ist bereits seit einigen Monaten durch die Wirtschaf tskfUe »Vnstlich gefährdet. Das Gemeindeparlament hat gioli'in seiner letzten Sitzung genötigt - gesehen, die sofortige Einleitung einer Not« S t e*n d aa k t) o n zu beiohjie0en, Inzwischen hat sich die Lage durch die letzten Wta weiter augespitzt« sd daß der g in i; 1 i c h e Z u s a m m e n* bruch aller Wohlfahlrtsinstitutionen der Gemeinde in bedrotilicne Isfäha gerückt ist. Die, Israelitische. Gemeinde hat deshalb in einer Sonderausgabe ihres Gemeindeblattes folgenden letzten Hilferuf an die Gemeindemitglieder gerichtet: „Die Jüdische Wohlfahrtspflege befindet sich in einer Katastrophal Wenn ihr nicht in ausreichendem Maße von allen Kreisen der Frankfurter jüdischen Bevölkerung in großzügiger Weise Mittel zur Verfügung gestellt werden, muß sie in kurzer Zeit ihre gesamte Fürsorge* tätigkeit einstellen. Das bedeutet: Hunderte jüdischer Familien, Männer, Frauen und Kinder, werden auf der Straße liegen; Hunderte körperlich geschwächter Kinder werden für ihr ganzes Leben gesundheitlich geschädigt werden; Hunderte geistig oder körperlich gefährdeter junger Menschen werden der Verwahrlosung verfallen. Tausende müssen hungern! Eine Verwahrlosung wird ein* setzen, deren Folgen nicht abzusehen sindl Schnelle Hilfe tut not! Jeder muß helfen!" Vollständige Ruhe in Palästina ■ 1 5|v: " " " Keine Demonstrationen — Ueberfall auf einen jüdischen Arbeiter In der Vorwoche* kamen aus Palästina Nachrichten, die geeignet waren, die jüdische Welt in Beunruhigung zu versetzten. Es liegen nunmehr Berichte vor, die den völlig ruhigen Verlauf des 15. August, des sogenannten arabischen Demonstrationstages, melden. Wir lassen den Bericht der J.T. A. von Jerusalem, 16. August, folgen. "1 Der mit großer Spannung erwartete 15. August, an dem nach den Weisungen der vor kurzem in Nablus abgehaltenen arabischen Konferenz im ganzen Lande Demonstrationen gegen das Bestehen versiegelter Waffenlager in den exponierten jüdischen Kolonien veranstaltet werden sollten, ist in v o M 81 ü n d i g e r Ruhe verlaufen. Nach den Berichten sämtlicher offiziellen Stellen ist die arabische Bevölkerung fast nirgends der von den extremen %rabfischen Nationalisten ausgegebenem Parole gefolgt. Das Leben in den Städten und Kolonien zeigte das gewohnte Bild; bloß in Nablus hielten einige arabische Ladenbesitzer ihre Geschäfte geschlossen. Die Regierung hatte "noch in den letzten Tagen alle Maßnahmen getroffen, um einer drohenden Panik vorzubeugen. Trotzdem halte Donnerstag nnd Frei- oder-tnü überflüssigen Haaren gebraucht BrbfilflitH Afio! MQRlSSOtl-ErlTHAflRUfiGSCflEME otftekeh'tJhd 'Fa'cfigescliaften I tag eine teilweise Umsiedlung jüdischer und arabischer Familien Uus den gemischten Bezirken Jerusalems stattgefunden; Ein Zwischenfall in R e h a v i a, einer neuen jüdischen Vorstadt in Jerusalem, hatte am Freitag Anlaß zu ehier Steigerung der nervösen Stimmung in der Stadt gegeben. Der an einem Bau in dieser Vorstadt beschäftigte'23jährige jüdische Arbeiter Mordechai Misrachi war von einem Araber mit einem Dolch attackiert worden, doch gelang es ihm, nach kurzem Kampfe dem Angreifer die -Waffe zu entwinden. Dem Arbeiter Misrachi, der leichte Verletzungen erlitten hatte, wurde im Hadassah-Spital erste Hilfe geleistet, worauf er sich in häusliche Pflege begeben konnte. Der Araber war nach dem mißlungenen Angriff entflohen und konnte von den ihn verfolgenden Arbeitern nicht mehr eingeholt werden . Nach Safed, wo das Gerücht verbreitet war, daß trotz des Verbots der Regierung Demonstrationen stattfinden würden, war miLit är\sche Verstärkung entsandt worden. Auch in Ä f u 1 e h und in der gesamten Jezreel-Ebene herrschte im Hinblick auf die angekündigten Kundgebungen eine gewisse Beunruhigung. Wieder eine jüdische Zeitung verboten Nach der revisionistischen Tageszei* t u n g „Haam" wurde nun auch die von dem Rechtsanwalt Ben A r o n herausgegebene Wochenschrift Bemaaracha" (Front) von der Palästinaregierung verboten. Das Verbot erfolgte wegen eines unter dem Titel „Seid bereit" in der letzten Nummer des Blattes veröffentlichten Artikels. Die Wochenschrift, die erst seit wenigen Monaten erschien, .hatte ihr besonderes Augenmerk der Registrierung aller Fälle, in denen Waffen bei Arabern gefunden wurden, zugewandt, um auf diese Weise der Behauptung der Araber, die Juden seien bewaffnet, wirksam entgegenzutreten. Weitere Einschränkung des freien Bodenerwerbs Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, soll am 20. August, dem Tage der Ankunft des Land* entwicklungfdirektors F r e n c h in Jerusalem, eine neue Verordnung über den Grundstücks« Verkehr in Palästina erlassen werden, die einen Teil der auf eine Einschränkung des Grundstücksverkehrs abzielenden Gesetzgebung darstellt, die mit der Pfichterschntzverordnung begonnen wurde, Eia Asekteat fi* den LandentwickluagwUrektor Wie die J&ttsche Telegraphen-Agentur erfährt, sdH dar esemelftge. Veuwaitungssnepektor im Irak, Kitching, zum Assistenten des Landentwicklungsdirektors Louis French ernannt werden. Revolte im Gefängnis von Akko Aus dem Gefängnis in Akko sollten am 13. August drei Araber, die in dem Gefängnis ihre Strafen wegen Teilnahme an den judenfeindlichen Ausschreitungen im August 1929 verbüßen, nach Jerusalem gebracht werden. Die übrigen Insassen des Gefängnisses protestierten stürmisch gegen diese Maßnahme der Gefängnisverwaltung. Es kam zu einer Revolte, die erst, nachdem sie einen halben Tag gedauert hatte, unterdrückt werden konnte. Die Gefängnisleitung hat sich genötigt gesehen, ihre Absicht, die .Verurteilten nach Jerusalem zu bringen, fallen zulassen. Von der zioni§ti$cfaeii Exekutive Die palästinensischen Zeitungen melden, daß das neugewählte Mitglied der Zionistischen Exekutive H. Farbstein bereits in den nächsten Tagen in Palästina eintreffen wird, um das Amt eines D e z e rnenten für Mi 11 e>l s t a n d s - K ol on is a t ion sfragen in der Palästina-Exekutive der Jewish Ageney zu übernehmen. * ' . Der bisherige Leiter der Palästina-Exekutive Colonel Kisch hat am 13. August seinen Nachfolger Dr. Chaim Arlosoroff offiziell beim High Commissioner Sir John Chäriöellof,' beim Chefsekretar der Palästinaregierung M. A. You ng, beim stellvertretenden Generalstaatsanwalt Drayton, beim Leiter des Bodendepartements N u k h a m und beim Leiter des Erziehungsdepartements Bowman eingefühlt, Aus dem arabischen Lage» Das Organ der palästinensisch-arabischen Exekutive „F e 1 e s t i n" hat in seiner Nummer vom 9. August einen Artikel veröffentlicht, in dem es sich mit der Em nennung Dr. Chaim Arlosoroffs zum Nachfolger von Colonel Kisch als politischer Dezernent der Palästina-Exekutive der Jewish-Agency befaßt. „Feiestin" weist darauf hin, daß Dr. Arlosoroff eine doppelte Aufgabe gestellt sei: Einerseits habe er die jüdische Gemeinschaft der Regierung gegenüber zu vertreten, anderseits zu versuchen, eine Verständigung mit den Arabern zwecks Herstellung freundschaftlicher arabischjüdischer Beziehungen herbeizuführen. Diesen zweiten Teil seiner Aufgabe werde Dr. Arlosoroff nicht erfüllen können. Was Dr. Arlosoroff mit der Regierung iun will, schreibt das Blatt, ist seine Sache. Aber' was uns Araber betrifft, so wird, er sicher keinen Erfolg haben. Der Allmächtige weiß, daß wir nieanals iu einer Verständigung mit den Zionisten gelangen wenden, solange sie unsere Austreibung aus dem Lande wünschen. Wir. werden niemals mit den Juden Frieden schließen, solange der Zionismus existiert Wir werden niemals ziu einer Verständigung mit ihnen gelangen, solange es eine Zionistische Exekutive und zionistische Verbände in allen Teilen der Welt gibt. Wir können Dr. Arlosoroff mitteilen, daß ihn ein Mißerfolg erwartet. Am Montag, den K). August, haben die arabischen Tageszeitumgen ihr Erscheinen, wie dies in der vorigen Woche angekündigt wurde, zum Protest gegen das Verbot einer Propaganda gegen die Institution der Waffenlager in den jüdischen Kolonien auf eine Woche eingestellt. In ihrer letzten, vor dem Beginn des Zeitungsstreiks veröffentlichten Nummer vom 9, August erklärt „AI Hayaf*, die Palästinaregierung sei an der augenblicklich in Palästina herrschenden Erregung schuld. Die Regierung, schreibt das Blatt, verursacht alle Unruhe in diesem Lande. Bestünden nicht das sträfliche Mandat und das jüdische Nationalheim, würde die Regierung nacht dfe jüdischen Kolonien bewaffnen, so wäre es niemals zu Unruhen oder Erregung gekommen. Anknüpfend an den von der P«4ästimreg.ie«a*Qg dem Völkerbund unterbreiteten Bericht, in dem erklärt wifd, «He R^gicpunfg wtkwche naebt, Gea&ktfkMvkton tu