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Die neue Welt · 1931-08-21 · Heft 205 (21.8.1931) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 205 (21.8.1931)
Date
1931-08-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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187 Titl. Universitätsbibliothek Wien, 1. Preis 35 Groschen Mtffgfliig S Pveftag, den ff* Hugo** f#tf Nr« &6S V« b« bi BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S4.20, ganzjährig;S 16.-; Polen monatlichZtotj;2.~, vlerteliährig Zlpj^ 6.--; Tschechoslowakei mönatlfclt K« 6.-, vierteljährig Kc 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig ™nar «.~:^mfclen mönatikh Lei 40.-, vierteljährig Lei 12Q,~; Dentschland monatlich Mark 1.-, vierteljährig Mark 3.-; Bulgarien ini0J1it,L<*LPwaDi?^» tf^'Ä^ Lewa 120.-; Italien monatllcfrXlre 5.—, vierteljährig Lire 14.-; Schweiz und die ül>rlg«n Lander monatlich Schweiler Francs IM. viertel jährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion a. Verwaltung: Wien IX, Universitätsttr. 6^, Tel. B-48-S04 — Erscheint jeden Freitag R E V U E Vom Zionismus weg — zum Klassenkampf Die Vereinigung der beiden zionistisch-sozialistischen Gruppen Poale Zion und Hitachduth Wenige Tage nach dem Zionistenkongreß fand in Wien eine Wcltkonferenz der Poale Zion statt, welche sich mit Frage des „Jehud", das heißt mit der Frage der Vereinigung der beiden zionistisch-sozialistischen Gruppe Poale "Zion und Hitachdüt befaßte. Auf dem Kongreß traten beide Parteien als geeinigte Fraktion auf, aber organisatorisch sind sie nur in Palästina vereinigt, in der Galuth bestehen sie als getrennte Organisationen. Die Hitachdüt wurde vor ungefähr zehn Jahren gegründet, als Partei, welche den Weg zu sozialer Gerechtigkeit sucht, aber in Erkenntnis der Naturnotwendigkeit der Zusammenfassung aller Kräfte der jüdischen Nation den Klassenkampf grundsätzlich ablehnt. Die Poale Zion, die um vieles ältere Partei, hatte anfänglich auch das Prinzip des Klassenkampfes abgelehnt, dann aber den Anschluß an die europäische Sozialdemokratie, an die Zweite Internationale (gefunden und damit die Ideologie des Klassenkampfes ganz akzeptiert. Die Gründung der Hitachdüt .war0 nicht zuletzt ein-Protest gegen diese Entwicklung.; Nun sollen beide Gruppen vereinigt werden und die poalezionistische Wiener Konferenz. hat die Bedingungen für diese Vereinigung aufgestellt. Die wesentlichsten -Punkte - lauten: Anerkennung des1 K l a s s e n- .felampiprinzips und• Eintreten; für,' eine s6ziaU demokratische Politi-k in .allentändern. —' Mitglieder der neuen vereinigten. Organisation niüss e-n 'Zvfe\teü. Internationale, das heißt der s o z i a 1- ,d.emrO k r a t is c h en I n t e r n a t i o n a 1 e! angehören; Es, ist offensichtlich, daß es sich hier nicht etwa um ein Kompromiß, um enien. Ausgleich zwischen den Grundtendenzen beider Gruppen handelt, sondern um ein Diktait von Seiten der Poale Zion. Die Angehörigen der Hitachdüt müssen auf den fundamentalen* Grundsatz ihres ' Programmes,. auf die Ablehnung der Klassenkampfideölogie verzichten, und poalezionistisch, d. L klassenkämpferisch werden. ' ' . : Wer. die Verhältnisse in der Zionistischen Organisation' kennt, für den ist es klär, daß die Auseinandersetzung mit einem poaleziönistischen Sieg endigen wird. Nach' anfänglichen Erfolgen ist die Hitachdüt ins Hintertreffen geraten. Sie hat, dank eines Stocks sehr begabter Persönlichkeiten und einer überaus geschmeidigen Taktik einige Jahre hindurch eine große Rolle in der Zionistischen Weltorganisation gespielt, oft eine die poalezionistische weit überragende. Aber es ist ihr nicht gelungen, zu einem klaren Programm zu. gelangen. Diese Unklarheit nahm schließlich, einen fatalen Charakter an.« Hifaöhdut• wurde in der Zionistischen Organisation zum Sinnbild der Verschwommenheit,' des Hin und Her. Wenn noch ältere Elemente diesen Weg mitgehen könnten,: für die Jugend war es unmöglich. Die zionistische Jugend, soweit sie sozialistisch orientiert ist, ist klassenkämpferisch, das heißt/ poalezionistisch ' eingestellt. Das raubt der Hitachdüt 'die Möglichkeit eines 1 erfolgreichen Widerstandes gegen die poaleziönistischen. Forderungen. Bald wird es in der Zionistischen Weltorganisation nur eine sozialistische Gruppe' geben,'• eine k 1 ä s s e n k ä m p f er i s c h e, eine ausgesprochen marxistische. *.- ,; Dieser Vorgang fand in -der zionistischen Presse wenig Widerhall. Die Blätter begnügten sich mit einer Wiedergabe der Beschlüsse der Wiener Konferenz, ohne jede Betrachtung über ihre, Bedeutung und ohne jede Kritik. . Eine Erscheinung, 'die der zionistischen Presse kein gutes Zeugnis ausstellt. Für sie erschöpft sich der Zionismus , anscheinend. in Geld- und Personenfragen, vielleicht noch, in Fragen , der Köugreßtaktik. Ein; Vorgang, der, das Schicksal des Zionismus [entscheidend, verhängnisvoll beeinflussen kann :und .wird, findet keine Beachtung-. . .*•• ,• ," ' . , . . * - , Die Beschlüsse * der Wiener. Konferenz der Poale Zion; haben;ejtw;as Gimtes .gebracht.: Den Z w a n g z u r Entscheidung für große Gruppen im Zionismus.,Vor allem für die heute noch zahlenmäßig größte Gruppe der Allgemeinen Zionisten. Die Allgemeinen Zionismen haben sich in den letzten Jahren jeder grundsätzlichen und gedanklichen Auseinandersetzung mit dem Wesen des Zionismus entschlagen. Für sie waren diese Auseinandersetzungen fruchtloses Gerede, nutzloses Gewäsch. Sic hielten sich ans „Praktische". Sic strebten nicht danach, dem zionistischen Denken eine Richtung zu geben. Sie zogen es vor, von Fall zu Fall zwischen den bestehenden Richtungen der sozialdemokratischen und der revisionistischen, itt wählen. In den meisten Fällen entschieden sie, dem heute in der ganzen Welt herrschenden Zuge folgend» zugunsten der sozialdemokratischen. Sie lieferten den linken Gruppen Geld für alle möglichen Zwecke, bevorzugten bei Verleihung von Parteiämtern die Angehörigen dieser Gruppen und stellten ihnen ihre Zeitungerl gerne zur Verfügung. Alle diese Dinge tragen aber nebensächlichen Charakter, wenn man eine Frage in Betracht zieht: Die Frage der Erziehung der zionistischen Jugend! In dieser Frage haben es sich die Allgemeinen Zionisten ganz leicht gemacht, das heißt: sie haben sich ganz schwer versündigt. .Außerstande, der Jugend aus eigenem einen Leitgedanken zu bieten, haben sie, vor Entscheidung zwiischen Revisionisten und Linken gestellt, die gesamte Jugend der Linken als Eigentum, als Monopol überlassen. Das Bestehen der Hitachdüt, die grundsätzlich den Klassenkampf ablehnt, also nicht so „arg" ist, diente als bequemer Vorwand für diese Abschiebung, der Jugend' ins linke Lager. Jetzt ist dieser bequeme Vorwand nicht mehr vorhanden. Dje Zionistische linke ist heute in ihrer Gänze klassenkämpferisch, marxistisch. Klassenkampfideologie, Marxismus duldet kein anderes Ideal neben sich, nicht das jüdische, nicht das zionistische. Dieser Erscheinung gegenüber sind auch die gut-zionistisch gesinnten Führer de*. Linken machtlos. Das beweist am besten der Werdegang ' der stärksten und energischesten linkszionistischen' Jugendgruppe Haschomer Hazair. Aus den Klagen zionistischer Arbeiterführer, die aus Palästina und Polen zu uns gelangen, ist zu erkennen, daß diese Jugend den Weg geht, den der Marxismus mit seiner Klassenkampfideologie zwingend vorschreibt, den Weg weg vom Zionismus, weg von der jüdischen, weg von jeder nationalen Idee zum Idol des Klassenkampfes und der Klassenherrschaft. Die Allgemeinen Zionisten werden doch entscheiden müssen, ob die Jugend weiterhin dem Klassenkampf als Erzieher überantwortet bleiben soll. Oder ob sie im revisionistischen Sinn erzogen werden soll, im Sinn der restlosen Hingabe an den nationalen Befreiungsgedanken.' Dje Beschlüsse der Wiener poaleziönistischen Konferenz nötigem zu dieser Entscheidung. An das Kolonialem* und die 'Zionistische Exekutive Die J. T. A. meldet ,aiis uLpnddil: .■; ■ 'Frb'itag, den 14. 'iAjlj^s^^U aus P a X ti&i i n* abeunruhigeiijde "'Nachrichten' über den angekündigten arabischen Streik und Demonstrationen einlängten, wandtei sich die Exe k ut i ve de r je* v is i o n i'Sti s ch e n ' W e l t u n i o n mit einem Brief an das: britische K o 1 o n i a l a m t^ in welchem auf die'geschaffene Situation in Paliistina aufmerksam gemacht und gefordert wurde, Schritte zu, unternehmen,*- die die Ruhe und Ordnung in Palästina sichern sollen. ,' ■ Gleichzeitig sandte die revisionistische Exekutive an die Z i o n i s t i scheExekiitive einen Brief, in dem darauf hingewiesen wird-, daß in einem so ernsten Augenblick kein einziges Mitglied der Zionistischen Exekutive in London weile, während eine Intervention bei : der Regierung «Bise^^t; unternommen ' werden riiüßte. .'v ' In demselben Brief erinnert ceie revisionistii5«lie Exekutive'- ah drö1 Resolution des Ziohkteöfeöh-' gresses in der Frage des L ä n de nt w i c k lu n'g-Sr p 1 ans und forciert sie auf, in Uebereihstimmüngmit dieser Resolution zu handeln. r , . _ '-..... Keine Beteiligung der Araber? Wie P. A. T. (Warschauer Polnische Telegraph enagentur) meldet, hat die a r a b i s c h e Exekutive.es -abgelehnt, einen Vertreter in das Komitee zu entsenden, das die Kontrolle iiber die Ausführung des Regierungsprojekts des Ländentwicklungsplans in Palästina. irbernehmen soll. :■:','> Jagdgewehre Ean frivoles und g-urausames Spiel Knapp nach Kongreß-Ende, in den ersten Augusttagen, setzte der nun schon obligat gewordene arabische Rune ein. Da diesmal aber ein plausibel erscheinender Grund für die „arabische Empörung" schwer zu finden war, weder die arabischen Hetzer noch die araberfreundlichen Regierungsbeamten einen solchen Grund fristgerecht mobilmachen könnten, zäumte man die Legende von der Bewaffnung der jüdischen Kolonien auf.;*.:•• In Nablus versammelten sich die „empörten", die jüdischen Waffen fürchtenden arabischen Führer, sechzig an der Zahl, und schrieen in die Welt hinaus, wie bedroht das arme arabische Volk in Palästina sei, wie es unmittelbar vor der Ausrottung durch die Juden stehe. Die Regierung gab den sechzig ängstlichen arabischen Herren in Nablus eine passende Dekoration, indem sie Panzerautomobile,; Flugzeuge und. sonstiges Kriegsgerät spazierenführen ließ, mit der Presse konferierte, Kommuniques erließ und — eine jüdische Tageszeitung und eine jüdische Zeitschrift kraft Dekrets verbot. Das alles wegen , der jüdischen Gewehre in den Kolonien! Wegen dieser ' jüdischen Gewehre in den Kolonien stand Palästina einen guten halben Monat lang im.Zustand höchster Nervosität: Ihretwegen wurde zum arabischen Proteststreik aufgefordert und zu einer mächtigen Demonstration am 15. August. Diese Gewehre waren es, die der Regierung Gelegenheit gaben, Festigkeit zu markieren, der, Welt zu zeigen: „Seht, wie wir die Juden schützen müssen und schützen! Seht, welche Plackerei wir mit Palästina' haben, was uns dieses Mandat zu schaffen gibt, wie aufgewühlt:die arabischen Massen sind,< wie wir aber, fest und treu unsere Pflicht erfüllen!" Die' jüdischen Waffenlager! Man' hört dieses schaudererregende Wort und es gehört nicht viel Phantasie dazu, um sich diese Arsenale vorzustellen, von vivvivwwwvwwwvwwwvwvvwvivwwviwvvvvvvvv Alle:!m redaktionellen Teil befindlichen entgeltlich«» Notizen sind durch ein beigefügtes £ bezeichnet, Kanonen, Maschinengewehren, Gewehren, die bestimmt sind, eines schönen Tages gegen das friedliche Volk der Araber gerichtet zu werden. Die jüdischen Waffenlager! Nach dem Ueberfall auf Tel-Ghaj, nach den ersten Pogromen in Jaffa und Jerusalem, entschloß sich der so friedliche Mann, der so behutsame und ängstliche High Commissioner Herbert Samuel, den exponierten, von den geschlossenen Siedlungen entfernten jüdischen Kolonien ein Mindestmaß von in Kisten verpackte n Gewehren zu übergeben, d. h. sie von Beamten vergraben zu lassen mit der ausdrücklichen Bestimmung, sie nur im äußersten Notfall aus dem, Erdreich hervorzuholen. Jahrelang ruhten die Gewehre dort; bis die Regierung sie eines Tages mit den freundlichen Worten einzog: Das Land ist ruhig, ihr werdet die Gewehre nicht brauchen, und es ist nicht gut, wenn Staats-; bürger Waffen haben! Unmittelbar darauf kamen die Tage des August 1929 mit Hebron und Safed und, Mozah... Es war,.Methode in dem anscheinenden Wahnsinn der amtlichen Waffenentblößnug der jüdischen Kolonien. Die Araber des August 1929, die hatten Waffen. Gute Gewehre, erstklassige Munition — zwar nicht ganz amtlieh zugeteilt, aber dafür auf weniger umständlichem Weg akquiriert. Als nach den Augustunruhen der britische Polizeisachverständige Dowbiggin das, Land bereiste, wiesen die exponierten' jüdischen Kolonien auf ihre Isoliertheit hin und forderten Schutz. Ja, sagte der freundliche Herr» ihr sollt wieder Gewehre haben. . Und diese Gewehre kamen auch später,, zwar in sehr geringer Anzahl, dafür aber von vorzüglicher Qualität, nämlich — Jagdgewehre älteren Datums! Da und dort eine kleine-Kiste mit ein: paar schäbigen alten Jagdgewehren. Und die Araber, die friedlichen Araber, die einem Juden im Jüdischen Nationalheim —. wie alle Welt weiÄ ~ "2$ nie ein Haar krümmten, haben gute Gewebre, erstklassige Munition, aswar nicht auf ganz aatt-

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