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Die neue Welt · 1931-08-14 · Heft 204 (14.8.1931) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 204 (14.8.1931)
Date
1931-08-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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rJTf.2» DIE NEUE WELT Seife T 2£2 Milch Trink-und Spelseitalle 2E2 Uesetarlsche und dlfitlsche Speisen ME 11 m Ii B- Htm iDiartEDjfraflß 13 ■ fcl I %B II Clagaat II., FSratara. 7 Volkstümliche Preite Bit 12 Uhr naohU offtn palästinensischen Polizisten bestehendes Detachement um« zingelte unter Führung englischer Offiziere das Lager und sperrte jeden Verkehr während der von Mitternacht bis 10 Uhr vormittags dauernden Durchsuchung ab. Die Durchsuchung erfolgte auf Grund einer von der Palästina* Regierung beim Kolonialamt eingeholten Ermächtigung, außerordentliche Maßnahmen zur Ausforschung der Mör» der von Jadjur zu ergreifen. Rückgang der Arbeitslosigkeit in Palästina Beim Zentralen Arbeitsamt des Allgemeinen Jüdi* sehen Arbeiterverbandes Palästinas waren am 15. Juli 1500 Vollarbeitslose (1000 in den Städten und 500 in den Kolonien) und 650 teilweise Arbeitslose (150 in den Städten und 500 in den Kolonien) vorgemerkt. Am 15. Mai hatte es 2000 Volkrbeitslose und 900 teilweise Arbeits* lose gegeben. Diese große Entspannung der Arbeitslage im Monat Juli ist vor allem auf eine Reihe von Arbeiten zurückzu* führen, die im letzten Monat von nationalen und privaten Körperschaften und von der Regierung durch* geführt werden, und die 600 Arbeitslose absor» Merten. Von diesen begonnenen jüdischen Arbeiten sind hervorzuheben: Beschleunigung des Wiederaufbaus von S a f e d, Neueinstellung von 250 Arbeitern beim Ruthenberg*Werk in Nahariam, um die Arbeiten zu beenden, Errichtung von einigen Geb&uden m den Wirtschaften der Jewish Agency, Atistrocknungs« arbeiten bei Haifa. Auch bei Regierungsarbeiten wurde eine größere Zahl Arbeitsloser beschäftigt. Die Arbeit beim Straßenbau Jericho*Totes Meer wurde erweitert, der Ar» beiterrat von Haifa erhielt den Bau eines Teiles der Straße Haifa*Akko, bei Grabearbeiten am Chauseebau Ptach Tikwah?Kfar Saba sind 120 Arbeiter beschäftigt, 25 Arbeiter fanden Beschäftigung bei Fundamentarbeiten an der Kadoori*Schule in Mescha und schließlich wurden 70 ungelernte jüdische Arbeiter in den letzten Wochen bei den Haifaer Hafenarbeiten auf« genommen. Ueber weitere größere Arbeiten, die in den nächsten Wochen noch 300 Arbeiter beschäftigen werden, sind die Verhandlungen bereits abgeschlossen und die Vorberei* fangen getroffen worden. Es handelt sich in erster Linie um Straßen« und Häuserbauarbeiten in jüdischen Vor» orten, Städten und Kolonien, und um Bewässerungsan* Jagen im Emek Hajarden. Doch werden auch weitere 50 Arbeiter bei Regierungsarbeiten beschäf« Ügt werden (bei den Straßenbauten Haifa»Akko und Pe* fcach TikwakKalkilieh, die demnächst erweitert werden). Der Chauffenrstreik in Palästina Am Donnerstag, den 6. August fand ein 24st3ndiger Streik der Chauffeure Palästinas statt. Der Streikbeschluß wurde nach Beratung über ein «von der Regierung an den Verband der Chauffeure ge* richtete« Schreiben, in dem die Regierung sich zwar bereit erklärt, die Lizenztaxen für die Lohnautobesitzer, nicht aber die anderen Abgaben herabzusetzen, gefaßt Der Chauffeurverband, hatte von der Regierung eine Herab« Setzung des Einfuhrzolls auf Benzin, die Abschaffung derLizenztaxen und eine Milde« rung der Verkehrsvorschriften gefordert Der Streik hatte auch auf Transjordanien übergegriffen; die Verbindung zwischen Jerusalem und Amman war unter» hrochen. Es ist nirgends za Ruhestörungen gekommen. Die Palästina*Regierung hatte die Vertreter ider Handelskammer, der Lohnautobesitzer und der Chauffeure zu einer Konferenz eingeladen, um in letzter Minute den Ausbruch des angekündigten Chauffeurstreiks zu verhüten. Auf Vorschlag der Regie» rungsvertreter war beschlossen worden, eine Kommission zur Untersuchung der augenblicklichen Lage der palästinensischen Industrie, die sich durch den angekündigten Streik in ihren Interessen schwer bedroht sah, einzusetzen. An die Organisationen der Lohnautobesitzer und der Chauffeure ist der'Appell gerichtet worden, von der Proklamierung eines Streiks bis zur Veröffentlichung des Berichtes dieser Kommission abzusehen. Der Verband der Chauffeure hat zu den Vorschlägen der Konferenz in einer ganztägigen Beratung Stellung ge« nommen und im Hinblick auf die Zugeständnisse der Re» gierung beschlossen, (Tie Dauer des Streiks auf 24 Stunden zu beschränken. Durch den Streik sollte der Protest dagegen, daß die Regierung nicht alle Forderungen der Chauffeure erfüllt hat zum Ausdruck ge» bracht werden. In dem Kampf des Lohnautogewerbes gegen die Regierung wurde eine vollkommen geschlossene jüdisch«arabische Front hergestellt. Obwohl die jüdischen Autobesitzer und Chauffeure sich im Hinblick auf die noch immer gespannte Atmosphäre in Palästina in diesem Zeitpunkt nur schwer zum Anschluß an den Streik entschließen konnten, haben sie dem Streikbeschluß doch aus Solidaritätsgründen zugestimmt. Auch die arabi* sehen A^obesitzer und Chauffeure waren von der Not» wendigkeit eines Streiks bei der nunmehr gegebenen Sach« läge nicht durchaus überzeugt. In jüdischen Kreisen ist man der Ansicht, daß die Proklamierung des Streiks /um Teil auf einen von sciten der arabischen national i* stischen Politiker ausgeübten Druck auf die arabischen Mitglieder der Berufsverbände des Auto« gewerbes zurückzuführen ist. Enthattung illegal nach Palästina eingewanderter kurdischer Juden Jerusalem, 2. Juli. Anf Intervention des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Haifa wurden vier jüdische Familien aus Kurdistan, die wegen Ueberschreitung der Grenze ohne Visum verhaftet worden waren, freigelassen. Jüdische Einwanderung nadi Palästina in den legten zwei Jahren Aus dem Bericht des zion. Emwanderangg-JDepartements an den kommenden XVII. Zionistenkongreß In der Berichtsperiode unterlag die Einwanderung nach Palästina vielen Schwankungen. Nachdem in den Jahren 1927/28 im Zusammenhang mit der Krise die jüdische Einwanderung nach Palästina unter 3000 gesunken war (1927 : 2713, 1926: 2178), schnellte im Jahre 1929 die Einwanderungsziffer auf 5249 hinauf und erreichte im Jahre 1930, einem Jahre schwerer ökonomischer Depressionen in der ganzen Welt, die Ziffer von 4944. In der Berichtsperiode waren das Haupteinwanderungselement Chaluaiin, nämlich im Jahre 1929: 68 Prozent und im Jahre 1930: 69 Prozent von der Gesamtzahl der Einwanderer. (Diese Zahlen enthalten auch diejenigen Immigranten, die als Tourasten ine Land kamen und später Erlaubnis zum dauernden Aufenthalt dm Lande erhielten.) In den Jahren 1929/30 erhielten (1929: 1194, 1930: 695) insgesamt diese Erlaubnis 1889 Touristen 18.5 Prozent der Gesamtzahl der jüdischen Einwanderer. Demgegenüber haben in den Jahren 1929/30 : 3 4 2 5 Juden, nämlich 1298 palästinensische Staatsangehörige und 2127 fremde Staatsangehörige, das Land verlassen, so daß in den beiden Jahren ein NettoüberscJiufi von 6768 jüdischen Einwanderern Terblieib. Durch diese Einwanderung, zusammen mit dem natürlichen Zuwachs, stieg die Zahl der jüdischen Bevölkerung des Landes auf zirka 175.000, d. h. etwa 20 Prozent der Einwohnerschaft des Landes. Genaue Statistiken üi»er diese Fragen werden erst nach Durchführung des Zensus vorliegen, der von der PaJästinaregierung für den Herbst dieses Jahres vorgesehen ist. Gemäß der geltenden Gesetzgebung reicht die Exekutive der Jewish Agency der Palästinaregierung Die Vereinigung der zionistisch-demokratischen Jugend drückt dem „Brlth trumpelde-r" anläßlich de» unersetzlichen Verlustes seine» Führers ARON STIRNBERG ihre innigste Anteilnahme aus. zweimal jährlich etin Gesuch (Schedule) ein, in dem die Zahl der nach Ansicht der Exekutive notwendigen Zertifikate für anheilende Einwanderer angegeben ist. Unsere Anforderungen für neue Einwanderungszertifnkatc werden auf Grund eingehender Untersuchungen Uber die Lage des Aribeitsmarktes aufgestellt. Eine Analyse der Lage, insbesondere der jüdischen Wirtschaft, und ihre Aussichten ist im Schedule gegeben. — Die nachstehende Uebersicht gibt ein Bild der in der ■Berichtsperiode von der Jewish Agency angeforderten, be*w. von der Regierung bewilligten Zertifikate: -1 «Li -8 s£ Sr g-v as » ™m "35 i 3* ' " " |t S'-g« o*- U: O" <" O-- <» Zahl d. von d. Agency angeford. Zertifikate 2837 5844 3145 2095 13939 Zahl der bewilligten Zertifikate .... 2400 2300 950 1480 7130 Bei der Regierung zurückgeh. Reserve . 430 376 184 450 1440 Der Jewish Agency überg. Zertifikate . 1970 1924 766 1030 5690 Bezüglich der von Jewisli Agency für die Zeit April-September 1931 geforderten Zertifikate (1415) ist die Entscheidung der Regierung bei Drucklegung noch nicht getroffen. (Anm. d. Red. Ist inzwischen eingelangt. Die Regierung hat der Zion. Organisation kein einziges Zertifikat bewilligt. Sie behält nur 500 für sich. Die Chaltiz-Einwanderung ist gänzlich gesperrt.) Nachstehend eine Statistik der Einwandcrnngsbewegung 1929/30 (offizielle Ziffern): 1. Kategorien: Bemittelte Einwanderer Arbeiter .... 2. Familienstand: Unverheiratet . . Familienväter . . Fa milienangeh ö tilge 3, Ges ch le c h t; Männer . . . .. Frauen . . . . Kinder (beider Geschl.) 1929 % 1930 % 810 3585 854 15.4 68.3 16.3 543 3436 965 11.— 69.5 ,19.5; 5249 1Ö0.— 4944 100.— . 2847 . 823 . 1579 54.2 15.7 30.1 2583 897 1464 52,5 18.1 29.6; 5249 100.— 4944 100.— 1957 859 46.7 36.9 16.4 2550 1700 694 51.6 34.4 14.— Summe 5249 100. 4944 100. Judentum und Psychoanalyse Von Dr« med« Oliver B In dem leidenschaftlichen, aber nicht immer sach« lieh geführten Kampf, der um die Psychoanalyse entbrannt ist, hat man wiederholt den Versuch gemacht, die gesamte Freudsche Theorie aus dem „persönlichem Gleichnis" ihres genialen Schöpfers, .abzuleiten. Ob eine Psychoanalyse des Werkes Freuds, also eine Wider* legung durch sich selbst, überhaupt möglich ist, will ich nicht beurteilen. Hier soll nur der Versuche gc* dacht werden, die ein Element aus dem „persönlichen Gleichnis" Freuds herausgreifen, nämlich sein Juden» tum, um daraus seine ganze Lehre und zum Teil auch seine ungeheure Wirkung zu erklären. War bisher die jüdische Herkunft Prof. Freuds das rote Tuch für die Mehrzahl seiner Gegner, so wird doch heute gerade von jüdischer Seite der Versuch gemacht, auf seine Rassen» Zugehörigkeit hinzuweisen, und so die Psychoanalyse dem Gedankenschatz des jüdischen Denkens überhaupt anzu* gliedern. Es soll an dieser Stelle eine Auseinandersetzung mit diesen beiden Auffassungen versucht werden. Ich erinnere mich, daß im Jahre 1924 in einem Wiener wissenschaftlichen Verein zum ersten Male der Versuch gemacht wurde, eine Aussprache über dieses Thema zwischen den Vertretern der verschiedenen Welt* anschauungen zu veranstalten. Im Anschluß an ein ein« leitendes Referat des bekannten Privatdozenten Rudolf All er s versuchte es der wegen seines intransigenten Antisemitismus bekannte Schriftsteller T r e b i t s c h, die ganze psychoanalytische Bewegung als eine „jüdische Angelegenheit" hinzustellen. Die Psychoanalyse, ein Ausdruck jüdischer Eigenart, werde ja ausschließlich von Juden getrieben. Entrüstet wies der Vorsitzende Prof. Stransky auf die große Schweizer'Psychoanalytiker«Schar hin, in deren Reihen man ja kaum Juden begegnet. In seiner hervorragenden Einleitung führte übrigens Privat« dozent Allers eine sehr interessante Stelle aus dem Talmud an, die geradezu wie eine psychoanalytische Traumdeutung avant la lettre anmuten muß: „Meine Augen traten aus ihren Höhlen und küßten einander", wird es dort dem Traumdeuter erzählt, worauf dieser erwidert: „Du hast mit deiner* Schwester geschlafen." „Ich begoß in meinem Traum die Wurzeln eines Olivenbaums mit Oel", fährt der Erzählende fort, worauf der Deuter mit der Freudschen Analyse des Oedipus»Komplexes antwortet: „Du hast deine Mutter beschlafen." Setzt man an Stelle r ach fei d (Barcelona) des feststehenden „hast" das beabsichtigende „wolltest*4, führte Allers dann weiter aus, so haben wir eine echt psychoanalytische Deutung im Sinne Freuds vor uns. Allers ist selbstverständlich "weit davon entfernt, aus diesem interessanten kasuistischen Beitrag Schlüsse nach der Art von Trebitschi zu ziehen. Auch Ausländer haben es wiederholt versucht, in der psychoanalytischen Lehre die Züge der jüdischen geistigen Beschaffenheit aufzudecken. Baron Seiliiere, membre de l'institut, nannte Freud einen talmüdi« sehen Geist; der Professor des Pariser Institut Cathohque, Dwelshauwers, kann die ganze Lehre nur aus dem spezi« fisch wienerischfjüdischcn Charakter der Psychoanalytiker heraus verstehen, die „in Wien noch heutzutage in beinahe orientalischem Milieu leben" (1). Nur haben leider alle diese Erklärungen einen Schönheitsfehler. Baron Seiliiere wie auch der amerikanischen Psychologe Sumner, die in der Lehrfe Freuds typisch»jüdische Züge erkennen zu können glauben, betrachten den anderen großen Wiener Therapeuten Alfred ^dler im schroffen Gegensatz zum „talmudischen" Freud als die Ausgeburt echt germani* sehen und — nach Sumner — geradezu „teutonischen" Geistes! So heben sie den Wert ihrer ersten Behauptung durch die geradezu komisch anmutende zweite Feststellung selber auf. Großes Aufsehen erregte ein Buch des Münchener Analytikers Charles Maylan, „Freuds tragischer Komplex" betitelt, das im Anschluß an verschiedene Vorträge des Verfassers in Berlin und München lebhaft besprochen und teilweise scharf kritisiert wurde. Maylan will die Psychoanalyse als eine Rassenfrage dahingestellt wissen. Sie entspringe dem unerledigten Oedipus»Komplex ihres Urhebers. Als Beweise werden zwei bekannte Erin« nerungen Freuds angeführt, die er selber in seinen Werken mitgeteilt hat. Es ist der Traum vom Tode des Papstes, der einen Todes wünsch des Vaters bedeutet, da der Papst ein Vater«Imago, aber auch zugleich der geistige Vater aller katholischen Christen ist. Das andere ist e*ne Kind« heitserinnerung, wie einmal ein Christ seinen Vater in dessen Jugend schmähte und beleidigte, Im Zusammen* häng mit dieser Szene, die der Vater dem kleinen Knaben erzählt hat, wird man unwillkürlich an Hamilkar Barcas erinnert, der seinen Sohn Hannibal am Hausaltar schworen läßt, an seinen römischen Beschimpfern Rache zu nehmen.

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