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Die neue Welt · 1931-08-14 · Heft 204 (14.8.1931) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 204 (14.8.1931)
Date
1931-08-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite :--***mmm***#.«*,*r •amäüL .,• a*4 i*H&9[*>*<- ^^«r DIE NEUE WEEl Nr. 20* In Heiratsangelegenheiten wenden Sie sich mit Vertrauen an M. L. Sehleeinger, Wien, Ii., Gr. Mohrengasse 28/27 Ttlfnhon JU4*B*e<f Seriös, diskret, Beziehungen zu den be9ten Kreisen. Teilen des Landes eröffnet. Der Führer der Brith Trum* peldor in Polen, A. Propes, erklärte in seiner Eröff* nungsansprache, der Zweck der Beratungen der Konferenz sei es, einen Weg zur Erzielung einer jüdischen Bevölkerungsmehrheit in Palastina zu fin» den. Namens der Exekutive der Zionistischen Weltorgani* sation begrüßte H. Farbstein die Konferenz. In Beant» wortung der Begrüßungsansprache versicherte A. Propes Herrn Farbstein des Vertrauens der Revi* s i o n i s t e n, obwohl diese der neuen Exekutive als Ge# samtheit ablehnend gegenüberstehen. Weitere Begrüßungs* ansprachen wurden gehalten vom Vertreter der Pariser Hauptleitung des „Bethar" B. Lubotzky, von Dr. Kl um el namens des Zentralkomitees der Zionistischen Organi« sation für Polen, von Ing. Kuzenok namens des Zen» tralkomitees der revisionistischen Partei in Polen und vom palästinensisch*revisionistischen Führer Melamed. Von Wladimir Jabotinsky war ein Begrüßungstele* gramm eingelangt. In ihrem Antworttelegramm versicherte die Konferenz den obersten Führer der Brith Trumpeldor ihres unbedingten Gehorsams. In der zweiten Sitzung der Konferenz erstattete A. Propes den Rechenschaftsbericht, aus dem zu ent* nehmen war, daß der Brith Trumpeldor in Polen in den letzten Jahren stark gewachsen ist und heute über 16.000 Mitglieder umfaßt, von denen mehr als 1000 in Hach* scharah stehen. Ein Referat 4tber die „Ideologie des Brith Trumpeldor" hielt L u b o t zky (Paris). Ferner wurde ein Referat über das Erziehungssystem des Brith Trumpeldor gehalten. RUNDSCHAU Eine amerikanische Assimilationsgroteske Es gibt keine Juden mehr. Wer es nicht glaubt, möge sich ein wenig mit der Anti-Defamation-League Amerikas, einer Körperschaft zur Bekämpfung des Antisemitismus im Stil unserer Vereine mosaischen Glaubens, vertraut machen, über die sich ein Glossator im New Yorker „Menorah Journal" folgendermaßen lustig macht: „Die „Liga gegen Verleumdung der Juden" des unabhängigen Ordens Bnei Brith, berichtet vom erfolgreichsten Jahr in der Verteidigung der Juden gegen ihre Feinde. Aber es gibt einige, die die Methoden der Liga ein wenig metaphysisch finden. Ihre Siege liegen in der Hauptsache, wie es scheint, auf dem Gebiet der Rede, und au guter Letzt triumphiert die Liga nicht so sehr darin, daß sie das Lager der gojischen Feinde verwirrt, als darin, daß sie die Juden exkommuniziert. So ist, definiert die Liga (Anti-Defamation-League) ein Jude, der irgend eines Verbrechens, eines Vergehens, eines Verrats oder schlechten Betragens wegen verurteilt oder angeklagt wird, kein Jude. So sind Leopold und Trotzky und Loeb, die einmal wegen Vergehens gegen Gesetz und öffentliche Ordnung verurteilt wurden, keine Juden. Aber irgend ein Jude, der als guter Bürger und Beisteuerer zur öffentlichen Wohlfahrt anerkannt ist, wie z. B. Dr. Albert Einstein, Polizeikommissär Nelson Rutenberg, Mr. Max Steuer, städtischer Aufsichtsrat Samuel A. E. Helson in Chikago und Richter Otto Rosalsky, ist als sploher zulässig und sein Bild darf in der Oeffentliehkeit verbreitet werden. Das Malheur ist nur, daß ein anerkannter Jude nicht sicher ist, auch immer Jude zu bleiben, wenn er auch seine jüdische Nase abhackt, sein Jiddisch vergeistigt und sein .jDawenen" verschluckt. Mr. Bern&rd K. Markus, Führer der New Yorker Jewiah Föderation und Präsident der Bank der Vereinigten Staaten, war in den jüdischen Zeitungen ein möchtig feiner Jude, bis die Bank zusammenkrachte. Siegmund Freud, wenn er wegen Schnellfahrens arretiert und wegen dieses Vergehens bestraft würde, könnte nicht darauf Anspruch erheben, ein Jude zu sein. Es war immer „schwer zu sejn a jid". Die Anti-Defamation-League macht's nodi schwerer. Nach der Definition der Bnei Brith ist ein Jude nur kraft der Religion ein Jude. Da aber die Tempel am Schewuot gesperrt sind und erst am Rosch Haschana geöffnet werden, gibt es in Amerika nur neun Monate lang Juden. Wie wir aber gesehen haben, ist ja ein Jude kein Jude, selbst in diesen neun Monaten nicht, wenn er nicht ein guter Bürger ist, und dann noch: selbst gute Juden haben ihre Mängel. Denn sie verlieren, wenn sie nur die kleinste Sünde begehen, ihre Zugehörigkeit zum Judentum. Da selbst bei der primitivsten Ethik einer manchmal eine kleine Sünde begeht, wenn nicht durch die Tat, so in Gedanken, und durch das Bekenntnis eines Mannes vom Range des Rabbi Elieser beu Elieser von Salermo wissen wir, daß solche Sünden häufig vorkommen, kann man seines Judentums verlustig gehen. Was bleibt uns dann zurück? Wir müssen also im gegebenen Moment (das ist in den neun Monaten der jüdischen Season, denn nur in diesen kann es in Amerika Juden geben), nur jene Leute zu den Juden zählen, die etwas Böses weder getan noch gedacht haben. In Hinkunft können wir es erleben, auf die Frage: „Wie alt sind Sie? Sind Sie ein Jude?" diese Worte zu hören: „Physisch bin ich 42 Jahre alt. In meinem 21. physischen Lebensjahr, war ich approximativ ein drei Jahre alter Jude, hatte zu dieser Zeit 26.281 jüdische Stunden und 31 jüdische Minuten jüdisches Guthaben. Aber ich weigerte mich, in den Krieg zu gehen, und das hat natürlich meinem Judentum ein Ende bereitet." Wie viele Juden mag es nun auf der Welt geben? Verglichen mit der Zahl der Juden vor Beginn der Tätigkeit der Anti-Defamation-League ein äußerst bescheidenes Häuflein. In der Tat: Die Bnei Brith hat unter den Zerstörern in der Geschichte Israels die größten Erfolge. Zar Alexander tötete von den Juden ihrer Tausende, Kaiser Titus ihrer Zehhtausende, die Anti- Delamation-League hat mit einem Federstrich Millionen umgebracht, In der Tat: Das Faktum, daß niemand, die Bnei Brith eingeschlossen, in diesem Jahr für einen wertvolle» jüdischen Zweck viel Geld sammeln konnte, bat nicttt so seh* seinen Grund, Wie vetmutet' wird, m der Wirtschaftskrise, sondern, wenn wir der Anti- Defamation-League folgen, im simplen Umstand, daß es einfach keine Juden mehr gibt." Blau-weiße Fahnen und Internationale Bei der Arbeitersport-Olympiade in Wien waren auch die Arbeitersportler aus Palästina vertreten. Bei den Aufmarsch der Nationen im Stadion, der mit viel Prunk und mit besonderer Betonung der nationalen Gliederung durch Embleme und Fahnen zur Geltung kam, fehlte die palästinensische Gruppe, die man erst später beim Fackelzug und Festzug durch die Straßen Wiens sehen konnte. Das Fehlen Palästinas beim Aufmarsch der Nationen fiel auf. Nun wird darüber berichtet: „Die Delegation aus Palästina wußte im letzten Moment noch immer nicht, welche Fahne sie tragen solle. Das Olympia-Komitee hat im englischen Konsulat diesbezüglich angefragt und dort die Auskunft erhalten, daß für Palästina die englische Flagge maßgebend sei. Die Palästinenser waren aber mit dieser Entscheidung nicht einverstanden und trugen unter „Schalom"- Grüßen, entgegen dem erhaltenen Auftrag, die blauweiße Fahne der Zionisten." Die Internationale will es also nicht wahrhaben, daß sie den Juden dieselben Rechte zugestanden hat wie den anderen Nationen, die ihre nationalen Fahnen trugen. Wollte sie vielleicht ihrem Genossen Passfield im Haß gegen den Zionismus und die nationale jüdische Befreiungsbewegung den Rang' streitig machen? Oder zweifelt sie, die Internationale, an der sozialistischen Geeiohtheat der palästinensischen Olympiade - Teilnehmer? Da geht sie gründlich fehl. Diese sind so sozialistisch,, daß sie es z. B. nicht für nötig fanden, als palästinensische Gruppe das Grab des Schöpfers des jüdischen nationalen Ideals für Palästina in Döbling zu besuchen. Sie defilierten vor Seitz und Adler, die sich das Tragen der jüdischen Fahne verbaten, aber nicht vor dem toten Führer Theodor Herzl. Eine erschreckende Statistik Der Niedergang des deutschen Judentums kommt seit einer Reihe von Jahren ziffernmäßig zum Ausdruck. Es ist nicht allein die politische und wirtschaftliche Lage, sondern auch die geänderte seelische Einstellung haupt* sächlich in den Großstädten, die eine erschreckende Ueberhandnahme der Mischehen, der Kinderlosigkeit und , des Einkindersysterns zur Folge hat. Ein Bericht im Gemeindeblatt der Jüdischen Ge« mein de Berlin über die natürliche Bevölkerungsbewegung im 2. Halbjahr 1930 gibt hierüber Aufschluß. Er zeigt, daß die Geburtenziffer ständig sinkt und daß der Geburten* ausfall durch den Rückgang der Sterblichkeit nur teil« weise wettgemacht wird. Besonders charakteristisch ist die Ueberhandnahme der Mischehen zwischen jüdischen Männern und nichtjüdischen Frauen und im Zusammenhang damit bei solchen Ehen durchgängig das Einkindersystem. Im 2. Halbjahr 1930 ergibt sich für Berlin ein Sterbeüberschuß von 455, der bei einer jüdischen Be# völkerung, die mit einer Ausfüllung durch jüdische Ein« Wanderung nicht zu rechnen hat, sich katastrophal aus« wirken muß. Einzelne Ziffern geben ein anschauliches Bild dieses Niedergangs. Es genügt beispielsweise anzuführen, daß die noch nicht ermittelte, aber zu errechnende Geburtenzahl für das Jahr 1930 niedriger sein wird, als dies im Jahre 1929 der Fall war. Damit wird die niedrigste G<* b u r t e n z a h 1, die seit Bestehen der Stadtgemeinde Großberlin ermittelt wurde, gegeben sein. Die Mischehen nehmen zu. Es gingen 244 jüdische Männer Mischehen ein, und zwar 184 Ledige, 18 Witwer, 42 Geschiedene. Von den nicht jüdischen Ehefrauen waren 178 evangelisch, 34 katho* lisch, 2 sonst christlich, 30 Dissidentinnen oder Frauen unbekannter Konfession. 130 jüdische Frauen heirateten nichtjüdische Männer. Nach den Zählungsergebnissen des Statistischen Amts beträgt die Gesamtzahl der rein» jüdischen Ehe im Jahr« 1930 1010, die der Mischehen 775. Das Verhältnis der reinjüdischen Ehen zu den Mischehen stellt einen Rekord zugunsten der Mischehen dar. Daxu kommt noch der seit Jahren w konstatierende Sterbeüberschuß, der für das Jahr 1930 1100 Personen ausmacht. Berlin selbst ist nur ein Beispiel für eine Ersehe»* mmg, die nicht weniger kraß auch in den anderen deutsch« jüdischen Zentren zu beobachten ist» AUS PALÄSTINA. Palästinas Einnnd Auswanderung im Juni 1931. Jerusalem, 10. August. Nach den soeben veröffentlichten offiziellen statistischen Daten sind im Monat Juni 415 Juden nach Palastina eingewandert und 69 Juden ans Palästina ausgewandert. Zehn Oelraffinerien in Haifa? Berlin, 10. August. Die Berliner „Industrie* und Handels*Zeitung" bringt die Meldung aus Haifa: Nachrichten vom baldigen Beginn der Arbeiten an der Rohrleitung Haifa—Mossul haben einen Run von Oel« gesellschaften der verschiedensten Nationen um ihre In« stallierung am hiesigen Endpunkt der Pipe Line zur Folge. Nach Mitteilungen aus zuverlässiger Quelle werden im Laufe des nächsten Jahres in Haifa und Umgebung nicht weniger als zehn große, moderne Oelraffine* rien gebaut werden. Auch an anderen Stellen Palästinas entfalten einzelne Petroleumkonzerne eine eifrige Tätig* keit. Nachrichten aus Jerusalem zufolge, ist es den Geologen der AngIod?ersian Company gelungen, wichtige Oelvorkommen in der Nähe des Toten Meeres und in der Nähe von Baissan, zu entdecken. Aus Furcht vor einem Konflikt mit der Standard Oil Company of New York, die für Bohrungen in Palästina eine alte türkische Konzes* sion besitzt, wird über die Art und den Umfang der Untersuchungen strenges Stillschweigen bewahrt. Telephonverbindung zwischen Palästina und Syrien Jerusalem, 10. August. Wie die Jüdische Telegraphen* Agentur erfährt, wird demnächst eine regelmäßige tele« phonische Verbindung zwischen Palästina und Sy« rien hergestellt werden. Zur Volkszahlung Jerusalem, 10. August. (J. T. A.) Soeben wurden die Fragebogen für die bevorstehende Volkszäh* lung ausgegeben. Die Bogen enthalten 18 Fragen, dar* unter Fragen nach dem Religionsbekenntnis, dem Ge* burtsland, nach der wirtschaftlichen Stellung (selbständig Erwerbender oder Lohnempfänger), nach dem Berufs* zweig, der Umgangssprache und dem Bildungsgang. Einnahmen und Ausgaben der Palästina-Regierung. Jerusalem, 10. August. Wie aus einem soeben ver« öffentlichten offiziellen Bericht hervorgeht, haben die Einnahmen der Palästina*Regierung in den ersten vier Monaten des Jahres 1931 816.240 Pfund? die Ausgabenim gleichen Zeitraum 724.958 Pfund betragen. Unter den Einnahmeposten figurieren die Eingänge aus Zöllen mit 301.165, die Eingänge aus Steuern mit 200.722 Pfund. Unter den Ausgabenposten sind folgende bemerkenswert: Polizei und Gefängnisse 144.560, militärische Garnison 69.719, transjordanisohes Grenzkorps 49.483 Pfund. ( Ein neuer Gouverneur für den Distrikt Jerusalem Es verlautet, daß der Gouverneur von Jerusalem, Keith Roach, entweder Palästina verlassen oder zum Gouverneur von Nordpalästina ernannt werden soll. Zum Gouverneur von Jerusalem und ganz Südpalästina soll der bisherige Gouverneur des Jaffaer Distrikts, Campbell, der wegen seiner wohlwollenden und korrekten Haltung gegenüber den Juden bekannt ist, ernannt werden. Gouverneur Keith Roach hatte im Jahre 1929 am Versöhnungstage den Gottesdienst der Juden an den Klagemauer unterbrechen und Wandschirme, Gebetpulte und Stühle wegschaffen lassen. Der Fall hatte seinerzeit großes, unliebsames Aufsehen erregt. Amnestie für die illegal nach Palästina Eingewanderten. Jerusalem, 9. August. Die „Official Gazette", das palästinensische Amtsblatt, veröffentlicht eine Verord* nung, durch die es auch Personen, die we* niger als 1000 Pfund besitzen, ermöglicht wird, sich als Einwanderer der Kapitalistenkategorie registrieren zu lassen. Die neue Verordnung, über deren Vorbereitung die Jüdische Telegraphen*Agentur bereits vor zwei Wochen berichtet hat, ist als, eine Amnestie für alle zur. Zeit der Veröffentlichung der Verordnung in Palästina wohnhaften Personen, die auf illegale Weise ins Land ge* kommen sind, aufzufassen. Ihre Geltungsdauer endet am 30. September 1931. Auf Grund dieser Verordnung werden ungefähr 10.000 Juden und eine beträchtliche Anzahl von Arabern, die illegal eingewandert sind, das Aufenthaltsrecht int Palästina erlangen, Dadurch wird die bevorstehende Volkszählung in Palästina wesentlich erleichtert. In jüdischen Kreisen wird die neue Verordnüng als die weitherzigste und entgegenkommendste Maßnahme gegenüber den Juden während der gesamten Amtsperiode des gegenwärtigen High Commissioners Sir John Chan« cellor betrachtet. Die Mörder von Jadjur gefunden? Jerusalem, 9. August. In einem Beduinenlager zwi» sehen Djedda und Mischmar»ha«Etnek wurden drei Be* duinen unter dem Verdacht verhaftet, an dem Ueberfaft auf eine jüdische Arbeitergruppe aus Jadjur, bei dem drei jüdische Arbeitpr getötet wurden, teilgenommen m haben. Ein ans 150 englischen and

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