Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 204 (14.8.1931)
- Date
- 1931-08-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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ffr. 254 DIE NEUE WELT Seile 5 * Städten seien lediglich eine Folge der „kurzsichtigen jüdischen Politik einer Unterstützung der gegenwärtigen antinationalen Regierung". Die jüdische Wirtechaftsnot in Polen. — Auswanderung nach Lettland. Riga, 7. August. (J. T. A.) In letzter Zeit macht sich eine starke Zuwanderung von Juden aus Polen nach Lettland bemerkbar. Der Zuzug erfolgt hauptsächlich aus den kleinen Städten in der Gegend von Wilna. Die Einwanderer erklären, sie seien infolge der kata* strophalen wirtschaftlichen Verhältnisse in ihrer Heimat zur Auswanderung aus den kleinen Städten genötigt ge* wesen. Obwohl ihnen bekannt sei, daß auch in Lett« land die Verhältnisse nicht günstig sind, hätten sie sich zur Auswanderung entschlossen, da sie in Polen vom Hungertode bedroht waren. Die neueingewanderten Juden halten sich gegenwärtig hauptsächlich in Dwinsk auf. Ihre Lage ist im Hinblick darauf, daß sie von den letti« sehen Beh5rden keine Arbeitsbewilligungen erhalten und daher keine Beschäftigung finden können, äußerst bedrohlich. Der Warschauer Magistrat entzieht den jüdischen Soranierkolonien die Subvention. Warschau, 6. August. Der Warschauer Magistrat hat vor kurzem beschlossen, die jüdischen Sommer» ko 1 oni en, in denen 500 jüdische Schulkinder untergebracht sind, nicht weiter zu subventionieren. In« folge des Entzugs der Subvention wird es zur Auflösung dieser Kolonien kommen. Die Eltern der betroffenen Schulkinder haben beschlossen, eine Straßendemonstration gegen diesen Beschluß des Warschauer Magistrats zu ver* anstalten und dem Gemeindevorstand einen Protest gegen Kowno, 5. August (J. T. A.) Thomas Mann, der sich gegenwärtig in der litauischen Sommerfrische Niden aufhält, erklärte in einem Gespräch mit dem KownoerJT A.¬ Vertreter, er stehe dem, Gedanken der Errichtung eines Jüdischen NationaLheims in Palästina mit voller Sympathie gegenüber, dagegen könne er für „jene extremen Zionisten, die in die Fußstapfen der deutschen radikalen Gruppen treten", keine Sympathie empfinden. Thomas Mann gaib seiner Meinung dahin Ausdruck, daß die Extremisten innerhalb der Zionistischen Organisation der jüdischen nationalen Bewegung großen Sehaden zufügen. Nur auf friedlichem Wege, erklärte Thomas Mann, , , können die Juden zu einer Zusammenarbeit mit den Arabern gelangen. Der deutsche Dichter Thomas Mann war im Vorjahre in Palästina, und wie nicht anders möglich bei einem Gast aus Deutschland, von unseren Brith-Schalom-Leuten mit Beschlag belegt, von den Herren, die am Skopus sogenannte hebräische Kultur und Antizionismus verschleißen. Soweit wir wissen, hat Thomas von dort den schönen Brief von „zionistischen Extremisten" mit nach Hause bekommen, den er jetzt zudringlichen Leuten, die ihn ausfragen anscheinend in Ermangelung anderen Wissens und genügend starker sonstiger Eindrücke mit Betonung präsentiert Im Einzelfall Thomas Mann gewiß belanglos und uninteressant. Viel belangreicher und interessanter ist das Phänomen von der Genesis des Begriffs „Zionistische Extremisten." Belangreicher und interessanter deshalb, weil er im .Schoß der Zionistischen Organisation geboren wurde und von einem bestimmten Typ von Zionisten mit kontinuierlicher Beharrlichkeit verkündet .wird. In der Geistesgeschichte und in der Mechanik historischer Prozesse war mitunter zu beobachten, wie kraft nahezu tragischen Mißverständnisses fremde Körper in eine bestimmte geistige oder politische Bewegung eindrangen, um dann gewahr zu werden, daß sie in sie organisch nicht hineingehören. Die lange Geschichte des Judentums kennt solche Fälle und weiß darum um jene Krisen, die aus solcher Situation entstehen, Wie oft wurden aus dem Schoß des Judentums selbst Richtungen geboren, die seinen Wesensinhalt negierten und dennoch in ihm zu verharren strebtenI Es geschah dies aus einem merkwürdigen Mangel an Mut, offen hinauszutreten, aus einem Mangel,, der sich in die Aushöhlung des inaftzen Wesens des Judentums umsetzte. Der Nachkriegszionismus hat leider diesen schmerzlichen Prozeß zu verzeichnen. Seine Nöte in dieser Epoche sind nicht zuletzt darauf zurückzuden Entzug de* Subventionen für die jüdischen Sommer* kolonien zu überreichen. Zusammenbrach der jüdischen Kooperativbank „Unitas** in Warschau Warschau, 8. August. (J. T. A.) Die jüdische Ko> Operativbank „Unitas" in Warschau hat ihre Zahlungen eingestellt. Die Bemühungen der Bankleitung, den Zu« sammenbruch des Instituts, das schon seit einem halben Jahre mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, aufzuhalten, wurden durch die verstärkten Abhebungen in letzter Zeit und den Entzug des Staatskredits vereitelt. Auf die Nach« rieht hin, daß die Bank ihre Schalter geschlossen habe, sammelten sich hunderte Einleger vor dem Gebäude an, die stürmisch die Rückzahlung ihrer Depots verlangten. Die erbitterte Menge eröffnete ein Steinbombardement gegen das Banklokal, sämtliche Fensterscheiben wurden eingeworfen. Der Zusammenbruch der Bank hat in den Kreisen der jüdischen Kaufleute und Handwerker, aus denen sich die Klientel des Instituts vorwiegend zusam« mensetzt, große Bestürzung hervorgerufen. Es wurde ein Komitee zum Schutz der Gläubiger und Einleger gebildet, dem u. a. der ehemalige jüdische Senator Adolf Trusker angehört. Auch aus K ä 1 i s c h und anderen Städten werden Zusammenbrüche kooperativer Banken gemeldet. Gerichtssperre für jüdische Referendare in Warschan Warschau, 8. August. Die Tatsache, daß bei den Warschauer Gerichten in letzter Zeit kein einziger jüdi« scher Referendar angestellt wurde, hat in den Kreisen der jüdischen Juristen Beunruhigung hervorgerufen. Es wer» den Maßnahmen erwogen, um diesem offenkundigen Boy« kott der jüdischen Juristen zu begegnen. führen, daß ein unseliges Geschick in die zionistische Organisation«- und Geisteswelt Elemente hineinschwemmte, für die . der Anschluß an den Zionismus e i-n Mißverständnis war. Und statt in richtiger Konsequenz den Zionismus zu verlassen, machten sie den großzügigen Versuch, ihn so weit auszuhöhlen, daß sie sich mit einer so unzionistischen Substanz noch identifizieren konnten. Das ist der Sinn vom aufgekommenen Begriff des „extremen Zionismus." Man hat so lange den wahren Gehalt des Zionismus hinweginterpretiert, bis die, welche ihn verfechten, als „Extremisten" gelten konnten. Die simpelsten, klarsten, organischesten Begriffe und Tendenzen des Zionismus werden solcherart als extrem hingestellt; ungefähr ho extrem wie jener Weinhauer, der den Wahn hatte, Wein zu erzeugen — aus Rehen. Und dieser natürliche Vorgang gilt als Extremismus. Extremismus ist es, wenn man sich darauf besinnt, daß der Zionismus die Lösung der Judenfrage anstrebt, großzügig die Judennot zu lösen hat, den Kernpunkt der Judenfrage, das Minoritätendasein der Juden, aus der Welt schaffen will. Extremismus! Noch vor kurzer Zeit waren es bloß die Revisionisten, deren selbstverständliche Forderungen man als Extremismus bezeichnete und gegen die man in Wort und Schrift loszog als diejenigen, welche „den edlen humanen Geist des Zionismus und seine Kulturideen verleugnen" und Tendenzen verkörpern, di$ von der zionistischen Majorität aufs schärfste abgelehnt werden. Und heute sind es auch schon die Gemäßigten, die Mehrheit aller zionistischen Gruppen. Heute werden auch schon diejenigen, die 6ich mit den sogenannten „Realitäten" begnügen, vor der Welt den Revisionisten gleichgestellt. So tief hat sich die Seuche eingefressen, einen solch weiten Radius haben die „Extremisten"-Gegner gezogen. Selbst diejenigen, die noch den Kern des Zionismus bewahren wollen, 6ind für unsere Verleumder in die Reihe der „Extremisten" getreten. Herz), der Schöpfer der zionistischen Lehre, ist ein Extremist und Herr Magnes vom Skopus ein Ethiker. Und das redet man den Thomas Manns ein, der ganzen gesitteten Welt. Das Wort vom Extremismus ist wohl der infamste Ausdruck jenes Mißverständnisses, aus welchem heraus sich der Fremdkörper im Zionismus kundtut. Eine Assimalautengilde ist, sie weiß nicht wie, in den Zionismus geraten, ist zu feige, ihn wieder zu verlassen und sieht ihre Mission darin, ihn auszuhöhlen. Bei verdorbenem Magen, Darmgärungen, üblem Mundgeschmack, Stirnkopfschmerz, Fieber, Stuhlverhaltung, Erbrechen oder Durchfall wirkt schon e»n Glas natürliches „FranzsJosef"*ßitterwasser sicher, schnell und angenehm. Wernichtistwie sie, ist ein „Extremis t". Die Wirkung dieser Wühlarbeit ist nicht abzuschätzen. Sie kommt in der veränderten Einschätzung des zionistischen Wollens seitens jener Krise zum Ausdruck, die früher sehr wohl verstanden haben, was der Zionismus will und ihm seine volle Zustimmung gaben. Vor allem war es England selbst. Und wenn heute das englische Kolonialblatt „Ne a r E a s t and I n d i a" schon den ganzen Zionistenkongreß als „e x t r e m" empfindet, weil er in seiner Majorität gegen Weizmanns Verzichtpolitik Stellung nahm; wenn das englische Blatt Weizmann „eine einsame Seele" unter „Extremisten" nennt, so ist diese englische Betrachtungsweise das Resultat einer Umstellung, die der Fremdkörper im Zionismus, die erwähnte Assimilantengilde, hervorgerufen hat. Das Verleumderwort „Extremisten" wird aus dem zionistischen Lexikon verschwinden müssen und mit diesem Wort auch seine Schöpfer. Jabotinsky über die künftige Politik der Revisio- . nisten In einem Gespräch mit dem JTa*Vertreter äußerte sich der Präsident der Wcltunion der Zionisten*Revisioni» sten, Wladimir Jabotinsky, über die Lage innerhalb der revisionistischen Union und die Absichten der Revi* sionisten für die nächste Zukunft. Er erklärte, die Revi* sionisten würden auf ihrer Weltkonferenz, die sie im Dezember 1931 abhalten wollen, die Entscheidung treffen, ob sie ihre Versuche, die Zionistische Organisation von innen zu erneuern, fortsetzen, oder ob sie eine neue Zionistische Organisation gründen sollen. Eine Meinungsverschiedenheit in den revisionsti* sehen Reihen besteht nur bezüglich der Frage der Teil* nähme der Revisionisten an den Sitzungen des Zionisti* sehen Aktionskomitees. Dagegen seien alle revisionisti* sehen Führer einmütig der Ansicht, daß die revisionistische Union ihre unabhängige politische Tätigkeit fortsetzen soll und daß die Revisionisten den lokalen zionistischen Verbänden nicht länger angehören sollen. Auch darüber, daß die Frage einer Beteiligung der Revisionisten am nächsten Zionistenkongreß bis zur Eröffnung der Schekel* kampagne 1933 in Schwebe bleiben soll, bestehe kein« Meinungsverschiedenheit. Schließlich gab Jabotinsky seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß auf der Weltkonferenz im Dezember ein einstimmiger Beschluß über das künftige Verhältnis der Revisionisten zur Zionistischen Organisation zustande kommen werde. Bis dahin habe er sich das Recht vorbe* halten, für seine persönlichen Ansichten einzu* treten, die dahin gehen, daß höchstens eine „symbolische" Verbindung mit der Zionistischen Organisaton etwa in der Weise, aufrechterhalten werden soll, daß die Revi* sionisten, auf dem Kongreß durch zehn Delegierte und im Aktionskomitee durch zwei Mitglieder vertreten werden sollen, die gewissermaßen als „Beobachter" zu fungieren hätten. Er sei jedoch entschieden dagegen, daß die Revi* sionisten, und sei es auch als Oppositionspartei, mit der Zionistischen Organisation künftighin tatsächlich zusam* menarbeiten. Die Revisionisten Palästinas zur Frage des Austrittes aus der Zion. Organisation TekAwiw, 4. August. (J. T. A.) Eine Konferenz der revisionistischen Partei Palästinas hat eine Entschließung angenommen, in der es 'heißt, die Ergebnisse ' des Zionistenkongrcsses in Basel hätten gezeigt, daß es für die Revisionisten in der Gesamtorganisatiön, die nicht länger berechtigt sei, sich eine zionistische Partei zu nennen, keinen Platz gebe. Die Konferenz erklärte ihre vollständige Uebereinstimmung mit dem Standpunkt Jabotinsky in dieser Frage. Die Resolution wird als In* struktion für die palästinensischen Delegierten auf der revisionistischen Weltkonferenz im Dezember dieses Jahres gelten. Jerusalem, 5. August. (J. T-A.) Wie nachträglich bekannt wird, haben von den 70 Delegierten der palästi* nensischen revisionistischen Konferenz, die sich für den Austritt der Revisionisten aus der Zionistischen Organi* sation aussprach, bloß 35 Delegierte für die betreffende Resolution gestimmt, während die übrigen sich teils der Stimme enthielten, teils dagegen stimmten. Nach Annahme der Resolution, in der die palästinensischen Delegierten zur revisionistischen Weltkonferenz im Dezember d. J. beauftragt wurden, für das Ausscheiden der Revisionisti* sehen Union aus der Zionistischen Weltorganisation ein* zutreten, legte eine Gruppe von acht Delegierten formell Protest dagegen ein, daß die Frage eines Austrittes aus der Zionistischen Organisation überhaupt vor dem Zusam« mentritt der Weltkonferenz erörtert wurde. Konferenz des Brith Trumpeldor in Polen Im EinsteinsSaal des Akademischen Hauses zu Warschau wurde am Montag, den 3. August, die Lan* deskonferenz der revisionistischen J u* gendorganisation Brith Trumpeldor in Polen in Anwesenheit von 250 Delegierten aus a!*e« UNION PER ZIONISTEN* REVISIONISTEN OESTERREICHS Mittwoch, den 19. August 1931, ya9 Uhr abends, im Heime der demokratischen Zionisten, II., Untere Augartenstraße 38 Vortrag* Dr. E. S, SOSKIN (GENF) über« //Der antijüdisdie Landenlmdklungsplan für Palästina'' // Extremisten"