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Die neue Welt · 1931-08-14 · Heft 204 (14.8.1931) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 204 (14.8.1931)
Date
1931-08-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ffr. 204 DIE NEUE WELT S^ifo 3 schlag: die Forderung nach der Mehrheit mußte daran glauben. Nun drängen such zwei Fragen uuf: Erstens: Warum wurde die Aeußerung Weizmanns, mit der er den Mehrheitsgedanken ablehnte, vom Kongreß mißbilligt und gleichzeitig einer End z i e 1 formulierung zugestimmt, die denselben Mehrheitsgedanken ausschaltet? Ist der Mehrheitsgedanke etwas Wesentliches, so hätte er in die Endzielformulierung aufgenommen werden müssen, und wenn nicht, so ist dem armen Weizmann entschieden bitter unrecht geschehen. Zweierlei Maß . . . Zweitens: Die Endzielformulierung hält „unerschütterlich fest, in Erez Israel die Lösung der Judenfrage herbeizuführen". Was heißt denn die „Lösung der Judenfrage in Erez Israel"? Doch nur, daß Wir Millionen jüdische Menschen ins Land bringen. Es kann unmöglich als eine Lösung der Judenfrage ausgedeutet werden, wenn wir nur einige hunderttausend Juden im Lande ansiedeln. Ist es nicht eine Unterschätzung der geistigen Fähigkeiten des arabischen Volkes, das man wahrhaftig nicht als dumm bezeichnen kann, wenn man annimmt, daß eine derartige „vorsichtige" Formulierung „beruhigend" auf die Araber wirken werde? Ist denn die „Lösung der Judenfrage in Erez Israel" weniger gefährlich als die „Mehrheit"? Meister und Jünger In der linksstehenden Presse der zionistischen Bewegung pflegt man gerne Dr. Chaim Arlosoroff als Weizmanns „Jünger" zu bezeichnen. Das erinnert ein Der elegante Herr — der erfolgreiche Mann — der anspruchsvolle Kenner — sie alle rasieren sich nur mit Oer einsigen schwedischen Weltmarke wenig an die antiken Apostel. Um dies auch nach außenhin zu bekunden, blieb der Jünger, gleich seinem Meister, bei der Begrüßung des neuen Präsidenten Sokolow demonstrativ und — sagen wir es nur offen heraus — taktlos sitzen. Diese Kleinigkeit sollte aber nur symbolisch die Gleichheit ihres geistigen Antlitzes dartun. Beide sind neugeboren, sie waren schon einmal tot. Weizmann, der Meister, hat einst den Ausspruch getan: „Palästina muß so jüdisch werden, wie England englisch ist." Dieser Weizmann ist tot. Er hat das leuchtende Ziel, das stets unser Leitstern war, verleugnet. Er hat den Glauben an die Sache verloren. Arlosoroff, der Jünger, hat in den stürmischen Tagen des Umsturzes die jüdische Jugend zur Gründung des zionistischen „V o 1 k s s o z i a 1 i s m u s" aufgerufen. Die jüdische Idee der sozialen Gerechtigkeit wollte er verwirklichen und forderte zum Kampfe gegen die unjüdische, marxistische Klassenkampfidee und den historischen Materialismus auf. Dieser Arlosoroff ist tot. Er ist längst in die Laube gegangen, hat seinen Frieden mit den Marxisten gemacht. Er ist einer von ihnen geworden. Es ist ihm wie Bileam ergangen. Er zog aus, um zu fluchen, .und siehe da: er segnete. Der Jünger wie der Meister. Unsere Freunde von der Linken versichern der Welt, daß Weizmann wohl gestürzt sei (hoffentlich, werde er bald wiederkommen), aber sein Geist werde in der zionistischen Politik fortleben. Das ist ihnen aufs Wort zu glauben, um so mehr, als Dr. Arlosoroff an die Stelle des Obersten Kish, des bisherigen politischen Exponenten der Zionistischen Exekutive in Palästina, treten soll. In der Sturm- und Drangperiode der zionistischen Bewegung, als der Zionismus von allen als die Wiedergeburt des jüdischen Volkes gewertet wurde und niemand an seine Verkleinerung dachte, pflegte man oft mit und zwar weit über ihren Bedarf und ihre Bearbeitungs* möglichkeit hinaus. Daß^die Juden den für ihre Siedlungen nötigen Boden für teueres G*eld kauften, sollte jeder denkende Engländer als Entlastung der Mandatarmacht dankbar anerkennen. Dabei müßte noch besonders angestrichen werden, daß nach dem Zeugnis der Shaw*Commission die Juden die von ihnen erworbenen Böden überzahlt haben und die etwaigen Pächter freiwillig entschädigt haben. Statt dessen wird in der Shielschen Antwort ein versteckter Pfeil gegen die jüdische Bodenpolitik und das jüdische Siedlungswerk abgeschossen. Nicht nur in den Fällen* wo Großgrundbesitzer durch Ver* kauf ihrer Böden die Pächter landlos gemacht haben, sondern auch wenn Eigentümer ihren Boden an Juden gegen einen hohen Preis verkauft und ihn freiwillig geräumt haben — ist Unrecht geschehen, welches die Herren Shiels und Passfield gutzumachen haben. Wer das hört, denkt an Zwang, Uebervorteilung, Betrug u. rlgl. und wird erstaunt sein, in den Protokollen der Shaw* Commission das Gegenteil zu finden. Wenn aber einer nicht dazu kommt, diese Protokolle zu lesen, was dann? Das Resultat der britischen Bodenpolitik in Pa« lästina laßt sich folgendermaßen zusammenfassen: Keine Verleihung von Staatsboden an Juden und Kaufverbot für Juden. Ist da noch ernstlich an ein jüdisches Nationalheim zu denken? Eine interessante Frage wirft sich in diesem Zusam* menhange von selbst auf: Warum haben die Juden keine Staatsländereien gefordert, warum sind sie gleich an Bodenkäufe geschritten? Warum war es dem englischen Vertreter vor der Mandatskommission (ich glaube, es war Orensby*Gore) schon vor vielen Jahren möglich, auf die Frage eines Kommissionsmitgliedes klipp und klar zu er* klären, die Juden hätten bislang keine Zu« tsilung von Staatsböden in Palästina g e* fordert? Warum ist diese Erklärung von zionistis;her Seite unwidersprochen geblieben? Dies scheint eines der Geheimnisse der Weizmans-Pclitik zu sein, auf dessen Er* forschung und Lüftung ein besonderer Preis gesetzt werden sollte. Gedanken nach dem Zionistenkongreß Von Ludwig Bato Das Endziel Für das richtige Verständnis der Emizielformulierung des Zionismus, wie sie am letzten Kongreß festgelegt wurde, ist es erforderlich, ihre Entstehung vor Augen zu halten. Die politische Kommission hat mit 16 gegen 12 Stimmen eine Formel angenommen, die ausdrücklich an der „Mehrheit innerhalb der historischen Grenzen" festhielt. Die von dem Verzichtgedanken des Brit Schalom durchdrungenen oder angekränkelten Kreise boten nun alles auf, um diese Resolution zu Fall zu bringen. Weizmann mußte heran und als seine Rednerkunst versagte, ließ man Depeschen aus Erez Israel herüberflattern, die eine vorsichtige Formulierung empfahlen. Die Araber könnten noch vermuten, daß . . . Chass weschaloml Und diese Depeschen gaben den Aus- Edmond Fleg über Palästina Enthusiastische Schilderungen des jüdischfranzösischen Dichters Als vor kurzem Edmond F t e g s Buch „Mose s" erschien, wurde auch die jüdische Welt auf den jüdisch* französischen Dichter aufmerksam, der in der neueren französischen Literatur neben den anderen französischen Dichtern jüdischen Geblüts, wie Jean*Richard Bloch und Tristan Bernard, einen geachteten Namen hat. Wie in anderen Ländern, ist auch in Frankreich der Zionismus nicht spurlos an den schaffenden jüdischen Geistern vorübergegangen, im Sinne der Erweckung jüdischen Bewußtseins bei jenen, die im nichtjüdischen Kultur* milieu zu Hause sind. Aber erst die Berührung mit Palästina bringt sie in lebendigen Kontakt mit der jüdi* sehen Renaissance. Jüngst erst hat Edmond Fleg diesen Weg be* schritten. Sein längerer Aufenthalt in Palästina gab ihm die Grundlage für eine neue Betrachtung des jüdischen Wesens, für eine Befestigung seines jüdischen Bewußt* seins. Hievon gibt eine Reihe von Vorträgen Zeugnis, die Edmond Fleg nach seiner Rückkehr aus Palästina in Paris gehalten hat. Sein erster Vortrag in der Sorbonne beschäftigte sich mit dem Kinderdorf Kfar Jeladim und war auch vom Pariser Verband „Freunde von Kfar Jeladim", zu dessen Ehrenmitglied Henry Bergson, Tristan Bernard, Jean*Richard Bloch, Silvain Levy und Emil Meyerson gehören, veranstaltet. Außerdem hielt Fleg auch an anderer Stelle Vorlesungen, die seine Eindrücke vom Jischuw wiedergaben. Ueberwältigt ist Edmond Fleg vom großen Opti* mismus, der die palästinensischen Juden niemals verläßt. Ueberall ist er auf den großen, starken Glauben an eine glanzvolle Zukunft des jüdischen Landes gestoßen. Die Araberfrage ist künstlich aufgeblasen worden. Er selbst ist uberzeugt, daß schließlich eine jüdiseh*arabische Verständigung zustande kommen werde. Eine weitaus wichtigere Frage ist die englische Frage. Die Engländer, erklärt Fleg, haben viel Schuld an dem gespannten Verhältnis zwischen Juden und Arabern. Sic werden aber ihre Einstellung zum jüdischen Palästina ändern, und zur Einsicht gelangen, daß die Juden ihre Sache selbst verteidigen können, zumal England keine Lust habe, den Suez*Kanal zu verlassen. So hat ihm der ägyptische Oberrabbiner Chaim Nahum richtig gesagt: „England wird Aegypten nicht verlassen." Die Juden haben Aegypten verlassen, aber England wird dort bleiben." Von der Arbeit im Lande ist Fleg voller Enthusias* mus. Je mehr der Jude in der Gallith schafft und baut, um so größer seine Entjudung. In Palästina ist's umge* kehrt: Je mehr er schafft und baut, des:to mehr Jude wird er. Die jüdische Arbeit überrascht alle Fremden, die ins Land kommen. Als eine Engländerin das neue Tel*Awiwer Hotel „König David" erblickte, fragte sie, ob die Juden auch schon das alte Heiligtum wieder aufgebaut hätten. Und als der Oberkommissär einige Araber nach London einlud, fragten sie, ob London so schön sei wie Tel*Awiw. Wer die Freude in Palästina nicht gespürt htt, weiß nicht, was Freude ist. Und wer den Sabbat in TeUAwiw nicht erlebt hat, der weiß nicht, was Sabbat ist. Es gibt in Palästina viele Politikaster, aber die Zahl der Schaffen* den, Arbeitenden ist viel größer, und die Arbeit trägt viele Früchte. Fleg ist einem Antwerpener Brillantenhändler begegnet, der in der Krise sein ganzes Vermögen verloren hat und nur dadurch gerettet wurde, daß er eine Orangen* plantage in Palästina besitzt. Fleg hatte eine Unterredung mit Oberrabbiner Kuck über sein Verhältnis zu den Neuankömmlingen, die ja nicht fromm seien. Kuck antwortete: „Aber Juden sind sie. Das Heiligtum dürfte vom Hohepriester im Hohepriesterornat nur am Jom Kipur betreten werden, Aber müßte man dort irgend eine Arbeit leisten, so dürften einfache Arbeiter in ihren einfachen Kleidern hineingehen. Wir dürfen nicht darauf achten^ ob sie fromm; sind oder nicht, sie arbeiten. Sie bauen das Land für das jüdische Volk und seine Thora." Zum Schluß schildert Fleg den Eindruck, den die Klagemauer auf ihn gemacht hat. Gebeugte Juden stehen dort, beten und weinen. Hinter der Wand stehen Araber und höhnen, nicht gehindert von arabischen und englischen Polizisten. Auf Fleg wirkte das erschütternd. Er weiß, daß Tiere in Menschengestalt Pogrome machen, Synagogen schänden usw. Aber daß man Tag um Tag den heiligsten Ort, der uns geblieben ist, beleidigen darf, das zu ertragen ist unmöglich. Im Museum von Kairo traf Fleg eine Gruppe palästinensischer Schüler, denen ihr Lehrer die Mumie eines Pharao zeigte und erklärte. Dem Dichter, so erzählte er, kam hiebei der Gedanke: Dieser Pharao konnte uns nicht unterkriegen, auch Lord Passfield wird es nicht gelingen. . .„ Die jüdische Polizei in Tel-Awi'w Das zehnjährige Jubiläum — Der Horra tanzende Polizist — Gemütlichkeit und Disziplin TebAwiw feiert den zehnjährigen "Bestand seiner jüdischen Polizei. Es ist ein Stück jüdischer Geschichte Palästinas, das verknüpft ist mit der Entstehung der Polizei und ihrer Entwicklung. Zur Zeit der türkischen Herrschaft, knapp vor Ausbruch des Weltkrieges, gab es in dem Gebiet, das damals zu Jaffa gehörte, noch keine jüdische Polizei. Unmittelbar nach der Besitzergreifung Palästinas durch England wurde in Tel*Awiw eine jüdische Polizei gegründet. Die englische Regierung anerkannte die jüdi* sehe Polizei und gab ihr die Erlaubnis, Abzeichen mit dem Text „Polizei der Stadt TeUAwiw" in hebräischer Sprache zu tragen. Wie man weiß, gehörten viele Polizisten der gewesenen jüdischen Legion an, unter denen es ejawfeie

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