Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 204 (14.8.1931)
- Date
- 1931-08-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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äefte 2 ME NEUE WELT Nr. m lagern in den jüdischen Kolonien Palästinas gekommen ist. ' ' ' ' ■'• - In dem Kommunique wird erklärt, die Re« gierung betrachte die A-nlötge djieser Waffendepots als richtige Maßnahme,' die der Politik der Regierung entspricht iffld die sie nicht ändern wolle. An die arabische Presse wird die Aufforderung gerichtet, die Agitation gegen diese Einrichtung aufzugeben, widrigenfalls energische Maßnahmen gegen sie ergriffen werden würden. Die arabische Presse hat auf diesife Erklärung mit der Androhung eines siebentägigen Streiks erwidert. Die führenden arabischen Zeitungen, unter ihnen „AI Jamea a 1 A r abi a'\ „Fe 1 es tin" und „AI Hayat", teilen mit, daß sie" zum Pfötest gegen die durch das Kommunique des Chefsekretärs Y o u n g verfügte Einschränkung der Pressefreinelf ihr Erscheinen vom 10. August angefangen jeinstellen werden. Di«. Einschränkung der Pressefreiheit erblicken die arabischen Zeitungen, darin, daß in dem Kommunique erklärt wird, „jede Zeitungsveröffentlichung; und jedev. Aeußerung eines Redners,'die dara^ berechnet-sei, die Annahme, daß das Bestehen von Waffertlagern in jüdiv, dischen Kolonien die friedliche Bevölkerung bedrohe, zu stützen^ werde von der Regierung als absichtliche und mutwillige Gefährdung der öffentlichen Sicherheit betrachtet und dementsprechend behandelt werden". »Haam« wird verboten Allerdings ist die Regierung gegen die arabische Hetzpresse noch nicht eingeschritten, wohl aber — gegen die revisionistische Tageszeitung „HaAm". Während nämlich die anderen hebräischen Tageszeitungen das Kommunique der Regierung bezüglich der Ruhe und Ordnung kommentarlos abdruckten, äußerte eich „Haam" zu dem Kommunique folgendermaßen: „Es ist unzulässig, daß die Regierung ihr Katzuud Mausspiel mit dem Jischuv fortsetze. Die. Regierung hat zuerst die schändliche antijüdische Hetze der Araber gestattet, sie hat die letztens von den arabischen Pogromisten abgehaltene Konferenz in Nablus nicht verboten. Jetzt veröffentlicht die Regierung eine Kundmachung, in der sie nur die Agitation gegen die versiegelten Gewehrdepots in den jüdischen Kolonien verbietet, indes die Agitation bereits einen weiten Umfang erlangt hat und auch gründlich betrieben wird! Die Regierung hat noch immer nicht die arabische Demonstration verboten, die für den 15. August angesetzt ist." Intervention amerikanischer Juden Uebrig^ns hat die Veröffentlichung des Kommuniques durch die Palästinaregierung zur Entspannung der Atmosphäre beigetragen. Die von maßgebender Stelle wiederholt abgegebene Erklärung, daß die Regierung für alle Eventualitäten gerüstet sei und die Situation vollkommen beherrsche, hat b eruhigend gewirkt. Auf Ersuchen einer Delegation amerikanischer Juden, bestehend aus Alter Levin und den Rabbinern Löwenstein, Kauffman und Hatten bäum, die Schutz für die amerikanischen Juden in Measchearim und ein Ein greifen der amerikanischen Regierung für den Fa 11 von Unruhen forderte, hat der amerikanische Konsul Knabeshue beim High Commissioner Sir John Chancellor vorgesprochen. Der High Commissioner versicherte dem Konsul, daß der Ausbruch von Unruhen nicht zu e*warten sei, daß aber die Regierung für diesen Fall alle Vorbereitungen getroffen habe. Es verlautet, daß in den letzten Tagen 20 Flugzeuge und sechs Bataillone Infanterie aus Transjordanien und Palästina abkommandiert worden sind. Die neuen Streitkräfte sollen zur Sicherung der palästinensisch-syrischen und palästinensisch-transjordanischen Grenze verwendet werden, um einen eventuellen Uebertritt von Arabern aus den angrenzenden Gebieten nach PÜästina zu verhindern. Kommunisten hinter den Kulissen Interessant sind wieder einmal die Meldungen, die das Zusammengehen der arabischen Pogrom-Nationalisten und der Kommunisten bezeugen. Die Tageszeitung der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas, „Dawar", behauptet, daß die arabische Bewegung gegen den Schutz der jüdischen Kolonien von den Kommunisten geschürt wird. An der Konferenz arabischer Führer in Nablus sollen im geheimen drei Beauftragte der Kominter teilgenommen und die Araber zu verschärftem Vorgehen aufgefordert haben. In Tel-Awiw wurde Benzion Friedländer, ein Sohn des im Jahre 1920 in der Ukraine während einer für das Joint Distribution Committee unternommenen Reise vom Pogrompöbel ermordeten Professors am New , Yorker Jewish Theological Seminary Israel Friedl ä n d e r, verhaftet, weil er versucht hatte, in der Nähe des Herzl-Gymnasiums eine rote Flagge zu hissen. „ Auch zwei junge georgische Juden, die den gleichen Versuch an der Straße zwischen Jaffa und Tel-Awiw unternommen hatten, wurden verhaftet. Unbekannte Täter haben in der Nähe der Moschee eine rote Flaggegehißt. Sorge wegen des Interregnums Die Mäßnahmen der Regierung haben bisher zu einer Beruhigung geführt. Die höbräischen Zeitungen stellen übereinstimmend fest» «dftÄ gegenwärtig k e i n G r U li d m e h r z u e i h e r Beunruhigung Wegen einer möglichen: Störung der öffentlichen Ruhe vorhanden ist. Auch die revisionistische Tageszeitung „Haam" erklärt, „die Regie rung w.ü,nsehe jetzt keine Unruhen und daher werde es auch nicht zu Bolchen kommen". , Niditsdestowcniger bestehen in jüdisdten Kreisen Besorgnisse im Hinblick darauf, daß" der High Commis* sioner Sit' John Chancellor beabsichtigt, in kurzer Zeit Palästina zu verlassen und dadurch ein Interregnum hervorzurufen, da der neue High Commissioner erst am 1. November seih Amt antritt. JDjese 'j£eit könnten die extremistischen, Elemente Benützen, um Unruhen hervorzurufen. Der Waad Leu m i hat den High Commissioner' auf diese. Befürchtungen der, jüdischen Bevölkerung aufmerksam gemacht* j Versammlungsverbot in Palästina um ' ' drei; Monate verlängert Jerusalem, 9. August. (J. T. A.) Das Verbot öffent* licher Versammlungen und des Waffentragens im Gesamt* gebiete Palästinas wurde von der Palästina»Regierung auf weitere drei Monate verlängert. Die arabische Exekutive und der Land* entwidclungsplan Die arabische Presse verhält sich gegenüber dem vor kurzem veröffentlichten Landentwicklungsplan für Palästina a b 1 e h n e n d. Die Zeitungen erklären, der \ Plan berücksichtige nicht die arabischen Ansprüche und ( beseitige nicht die zionistische Gefahr. In den ersten Tagen des Monats September soll eine außeror:!ent> liehe Sitzung der arabischen Exekutive stattfinden, in der diese ihre Stellurg zum vorgeschlagenen Landentwicklungsplan präzisieren will. ^jssnas- (HSOMiWHraiE Erhältlich in Apotheken uno Fachgeschäften! Aron Sternberg I Als vor fünf Jahren die erste Keimzelle der „Brith-Trumpeldor"-Bewegung in Riga entstand, war es der Gymnasiast A., Sterriberg, der die Basis für eine zweite Zelle mit jugendlicher Begeisterung und temperamentvollem Idealismus in Wien legte. Die mühsame Organisierung der Jugendgruppe „Brith Trumpeldor" in Wien war sein Werk. Ein unglückeliges Geschick nahm ihn uns plötzlich-; Vor drei Monaten wurde wiederum ein jüdischakademischer' Selbstschütz, gebildet, stud. ehem. Ai '• Stejrnberg übernahm die Leitung der „Haganah" uhdr fuhr mit' einigen Kollegen in ein Ferienlager, um sie'dort für den Selbstschutz heranzubilden. Während dieser Tätigkeit entrissen uns ihn die Wellen der Donau . . . A. Sternberg weilt nicht mehr unter den Lebenden. . Große und kleine Arbeiten, wichtige und geringe Dienste — wenn Sternberg sie übernahm, so wußte man, daß sie mit genauester Pünktlichkeit vollbracht werden. Obwohl er in ärmlichen Verhältnissen lebte, kam er regelmäßig seinen Studien nach und diente den zionistischen Pflichten, die er auf sich freiwillig nahm oder die ihm als Jugendführer zufielen, in wahrer Aufopferung, Ehrlichkeit und Leidenschaft. Bei der zionistischen Jugend Wiens stand A. Sternberg an richtiger Stelle — seit Jahren der Führer des „Brith Trumpeldor", bei der jüdischen Studentenschaft der Leiter der „Haganah" und Die Parteileitung der Union der Zionisten- Revlsionisten gibt tieferschüttert bekannt, daß am 5. August Herr Aron Sternberg tödlich verunglückt ist Die Verdienste, die sich der Verstorbene um den Aufstieg unseren Organisation erworben bat, sein prächtiges, selbstloses Wesen sichern Ihm in der Geschichte des Revisionismus ein ehrendes und immerwährendes Andenken. Revisionistischer Studonlenklub ' J Union dnr Monisten - Revisionisten Oesterreichs Von tiefem Schmerze erfüllt, geben wir bekannt, daß der Gründer und Führer unseres Bundes Chawer Aron Sternberg durch einen tragischen Unfall aus unserer Mitte entrissen wurde. Wir werden unserem teuren Toten, dessen Pflichtbewußtsein und Ergebenheit für unsere Idee vorbildlich waren> ein ehrenvolles Andenken bewahren. Brith-Trumpeldor-Oesterrekh Vertrauensmann des „Revisionistischen Studentenklubs", bei der Union der Zionisten-Revisionisten, Referent für Keren Tel-Chaj, Keren-Kajetneth usw. Er gab eine Jugendzeitung heraus, leitete unentgeltlich Hebräischkurse, organisierte Ferienlager leistete viel für die Wehrhaftmachung der zionistischen Jugend, predigte bei ihr den Herzl-Zionismus, kurz, wo wirkliche zionistische Arbeit zu leisten war, dort stand A. Sternberg. Mit Recht nannte man ihn den Jugendführer Wiens. Alle, die A. Sternberg persönlich kannten, mußten immer seine Arbeiten, die er im Dienste der nationalen Bewegung in vorbildlicher Bescheidenheit leitete, bewundern und mit tiefem Schmerz und Wehmut hörten wir: Sternberg ist in der schönsten Blüte seines Levens im fvampfe mit den Wellen seinen vielen Freunden entrissen worden. Aro» Sternberg, dieser treue und prächtige Mitkämpfer, wird der jüdischen Jugend, dem „Brith Trumpeldor", der zionistisdien Studentenschaft, der revisionistischen Union stets in ehrender Erinnerung bleiben — als Vorbild und Muster jener Jugend, die berufen ist, das Ideal des neuen, zionistischen Judentums ini Sinne Theodor Herzls zu verwirklichen. I. F-I.' Randbemerkung Von Rechtsanwalt Dr. Ephraim Waschitz (Haifa) Daß Aeußerungen britischer Staatsmänner über Palästinafragen sehr kommentarbedürftig sind, ist eine Erfahrungstatsache, die durch das Churchillsche und Pass» fieldsche Weißbuch sowie durch den MacDonaldsBrief am besten illustriert werden. Auch eine der letzten Aeuße» rungen des britischen Unterstaatssekretärs Dr. Drum* mond Shiels bedarf eines kleinen Kommentars. Dr. Shiels meinte in Beantwortung einer Anfrage im Unterhause, daß der Landentwicklungsplan, welcher mit Hilfe einer aufzunehmenden Anleihe, .- die durch die B odenJcäu.f e der Juden 1 a n dJosvge* wo r denen Araber wieder ansiedeln soll, \ sich auf zwei Kategorien von Arabern beziehe. Erstens auf die | langjährigen Pächter, deren Pachtboden ohne ihr» Zu* j Stimmung von den grundbücherlich eingetragenen J Großgrundbesitzern an jüdische Gesellschaften ver* I äußert wurde. Zweitens auch auf diejenigen Bodentfigen» j tümer, die ihren Boden aus freiem Willen an Juden verkauft haben. Die Presse brachte die Meldung, ohne ihr besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Im Laufe der Zeit gewöhnte man sich allmählich an die Denkungs* und Redensart der Leiter der englischen Kolonialpolitik und man weiß heute genau, wie sich diese Herren zur Verwirklichung des in der BalfoursDeklaration gegebenen und im Mandate ver« brieften Versprechens stellen. Man fand auch in der Ant* wort des Dr. Shiels nichts Besonderes. Und doch verdient sie etwas tiefer gehängt zu werden. Jedermann, der das Palästinamandat auch nur flüchtig gelesen hat, erinnert sich an die darin enthaltene Verpflichtung der Mandatarmacht, Staats» ländereien zum Zwecke der jüdisch en Massensiedlung zur Verfügung zu stellen. Kenner der Bodenbesitzverhältnisse in der alten Türkei wissen auch, wieviel Bodenfläche im Eigentum des Staates oder des Staatsoberhauptes stand und daß ein großer Prozent» satz des palästinensischen Bodens „Schiftlik" (Staats» boden) war oder noch ist. Es läßt sich auch genau aus» rechnen, wieviel von diesem Staatsboden dank der briti» sehen Administration an Juden gekommen ist. Die Kabara»Konzession, die den Küstenstrich zwischen Caesarea und Sichron umfaßt, ist der Ica von der türkischen Regierung gewährt worden, jedoch konnte der Vertrag infolge des Kriegsausbruchs nicht von den Türken unterfertigt werden. Es taten dies die Engländer unter vielen Einschränkungen. Ein kanadisch»jüdischer Farmer namens Kukoi hat 1000 Dunam Boden bei Akka auf lange Zeit verpachtet erhalten. (Letztens hat ihm die Regierung mit Pachtentzug gedroht, da er nicht imstande ist, aus den kargen Erträgnissen des Sumpfbodens den Pachtschilling pünktlich zu zahlen.) Die Meldung über die Schenkung der Safeder „Festung" an die Juden für Bau» zwecke ist noch immer nicht bestätigt. Dagegen steht fest, daß 1. die vom türkischen Oberbefehlshaber D j e m a 1 Pascha der Kolonie Rischon Lezion gemachte Sehen» kung umfangreicher Sanddünen für Pflanzungszwecke von der britischen Verwaltung nicht anerkannt wurde, trotzdem sie urkundlich verbrieft ist; 2. die von der britischen Verwaltung versprochene Zuteilung des Beisaner fruchtbaren Schiftlikbodens an gewesene jüdische Legionäre rückgängig gemacht wurde. Der Boden wurde vielmehr an Araber verteilt,