Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1931-08-14 · Heft 204 (14.8.1931) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 204 (14.8.1931)
Date
1931-08-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2711613-2711790-2711823--2666-2715977
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Preis 35 droschen Jahrgang 5 Freitag, den 14. Ungut! f tff Nr. 204 V.b. b. i t\iV NVVctv »• R E V U E BEZUOSBEDINOUNOEN: Oetttff eich monatlich S 1.50, viertel]* Jährig Schweizer Francs 4.50 ' ganzjährig S16.—; Pölert monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.-*; awlen monatlich Dinar 14.-, vierteljährig Dinar 40.-: Ramfinien monatlich 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bnlßarten monatlich Lewa 40.—. vierteljährig ' und dieübrigenLänder monatlich Schweizer Franca l .50, viertei- HER AUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IXt Universitätsstr. 6*8, Tel, B-48-504 — Ersdteint jeden Freitag Halt! Saisonschlußpreise Roll-Sockerl. la. . . S - .78 Busenhalter, alle Farben . „ 1. - Seiden-Spitzenhoserl „ 1.78 Fll«da-ooat-DamansfrUmpfe „ 2.B0 V,Dtzd. Taschentücher,, 1.50 Prima Herrensooken .—.98 btiin IPORTVATTFD 1 V aERBILUCm^K ß X WIPPLINGER3TR -20 Nadi Weizmanns Sdheiden in. Der bürokratisierte Zionismus Eines der verhängnisvollsten Merkmale des Weizmannschen Systems war die Bürokratisierung der zionistischen Bewegung, die Vernachlässigung, Mißachtung und Verdrängung der freiwilligen Arbeit unabhängiger Menschen und ihr Ersatz durch berufliche zionistische Arbeit, weit über das notwendige Maß hinaus. Der Mensch, den seine Ergebenheit an das zionistische Ideal dazu bewegt, Opfer an Zeit und Kraft zu bringen, den seine/ Ueberzeügung dazu drängt, zionistischer Agitator und ständiger Arbeiter zu sein, war einst eine Allgemeinerscheinung im Zionismus, charakteristisch für die Bewegung. Sie ist fast zur Gänze verschwunden. Der zionistische Beamte ist an ihre Stelle getreten. Früher forderte die Organisation vom zionistischen Bürger Opfer an Zeit, Aufwand an Kraft,. Temperament und Geld. Jetzt ist die Forderung nach Gejld geblieben. Wer keines hat, der hat eben der pew^gung nichts zu bieten. Für alles andere, sind-Beamte cla. So wuchs ein schwerer, großer ^Beamtenapparai heran;,. c|er heute die Organisation geistig und materiell über Gebühr belastet, zu ersticken' clroht. Die größten gesellschaftlichen Gebilde, Staaten haben durch übertriebenen Bürokratismus unendlichen Schaden erlitten, aber viel stärker, viel unheilvoller wirkt er sich in Organistionen aus, deren wesentlicher Inhalt idealistisch, revolutionär ist, in Organisationen, denen keine Zwangsmittel zur Verfügung stehen, die darauf angewiesen sind, ihre Mitglieder vorwiegend geistig an sich zu binden, die ihren Mitgliedern keine Erfolge des Tages, sondern nur Hoffnungen auf die Erreichung eines großen Zieles bieten können. Für diese Organisationen ist Bürokratisierung gleichbedeutend mit Stillstand, mit Absterben. Eine solche Organisation ist die zionistische; Bürokratismus ist ihr daher wesensfremd. Für die'Bürokratie gilt nur das Heute. Sie erschöpft sich in der Erledigung der Fragen und Erfüllung der Bedürfnisse des Tages Dem Morgen steht die Bürokratie unlustig und mißtrauisch gegenüber. Streben nach einem Ideal, Kampf um dieses Ideal erzeugt Unruhe, ist mitunter riskant, stört den Gang der Maschine. Bürokratismus ist vor allein Wunsch nach Ruhe, Gleichgewicht. Zionismus ist Kampf um Menschen, um politische und ökonomische Positionen^ ist' Bewegung, Unruhe. Zionismus und 'Bürokratismus sind Gegensätze. : Es ist kein Zufall," daß. unter der, Leitung Weizmanns die Bürokratie. im Zionismus überhandnahm. Es war eine Folge seines Systems. Er nahm dem Zionismus das große Ziel, er nahm ihm dann folgerichtig den geistigen und politischen Kampfcharakter. Für ihn bat der Zionismus politisch das Maximum erreicht. Alles weitere ist mechanische Vergrößerung der Siedlung iü Palästina durch Sammlung von Geld und bescheidene tu-. fuKr von Menschen, ßpenden, und Verpflanzung eines, begrenzten MenscHenqian.tums mdt Hilfe dieser Spenden. Ein solcher Zionismus bietet kein Betätigungsfeld für freie, unabhängige Arbeit. Das ist, Philanthrppie, die sich, in' Geldsammlungen und Verteilung und Verwaltung des'-Gesammelten wei>! schöpft. Reine Reamtenarbeit. Das Weizmanns^dier System verscheuchte die KanVpfe(r und unabhängig gen Arbeiter, machte sie überflüssig und rief die Beamten auf den Plan. Und die Beamten kamen und, wurden ihrerseits die zuverlässigsten Stützen des ' Systems. Beamte bereisten die Welt, predigten Wefcmannsclien Zionismus,, „praktischen" Zionismus, verzichtenden Zionismus und sahen eine &rer Hauptaufgaben in der Bekämpfung jeder oppositionellen Regung. „Kämpfet nicht! Seid friedlich und gebt Geld und sammelt Geld! Alles andere ist von Schaden!" Auch in den zionistischen Vertretungskörpern, im Aktionskomitee und Kongreß, nahm die Zahl der Beamten rapid zu. Man kann ohne Uebertreibung sagen, daß sich die Politik Weizmanns nur mit Hilfe von Beamtenstimmen so gründlich durchsetzen und so lange behaupten konnte. Im gleichen Verhältnisse wie der Bürokratismus wuchs, nahm die Anziehungskraft der Zionistischen Organisation ab. Der Versuch, die freie unabhängige Arbeit fast zur Gänze durch Beamtenarbeit zu ersetzen, war ein unheilvoller. * Die Bürokratisierung hat die Zionistische Organisation nicht nur / geistig und moralisch, sondern auch materiell heruntergebracht. Bürokratie, die über das notwendigste Maß hinausreicht und nicht ständig und rigoros kontrolliert wird, ist das kostspieligste Ding. Große, mächtige Staaten sind zufolge Nichtbeachtung dieser Lehre an den Rand des Bankrotts gelangt. Die kleine ZionistiGche Organisation bildet keine Ausnahine. Ein Hauptgrund der tiefen ■Verschuldung,- in vfelche die Organisation geriet, ist der übergroße und teure Beamtenapparat. Immer und immer wieder ist von dieser Stelle aus auf diesen katastrophalen1 Uebelstand hingewiesen worden^ Leider vergeblich. Diesmal sei nur auf efn Iliustratiönsfaktum hingewiesen. Nicht aus freten; Stückei*, sonde*^v^us,; » _ «V ■;' . '/vff.■■' v- ' ■• >MVf!^[^ligf ^5fw^ $tim zwingender Not heraus wurden auf dem letzten Kongreß Beamtenposten liquidiert und Gehaltereduziertingen vorgenommen. In einer Kommission, welche sich mit den Geldfragen befaßte, schätzte der Referent die daraus resultierende Ersparnis im nächstjährigen Budget mit 50.000 Pfund ein. Zehn Jahre und länger wurde dieser, jetzt als entbehrlich erkannte Posten mitgeschleppt. Wenn man Zinsen und Aufbringungsspesen hinzurechnet, kommt eine phantastische Summe heraus. Warum erfolgte die Streichung erst unter dem Drucke äußerster Not und nicht früher? Wer so fragt, der kennt eben das gräßliche Wesen des Bürokratismus nicht. Bürokratismus ist ein Götze, der Opfer um Opfer verschlingt und niemals satt wird. * ' Wenn die Zionistische Organisation geistig und materiell gesunden soll, so muß sie entbürokratisiert werden, rasch und gründlich. Der Umfang und der Einfluß des Personalapparats muß auf ein gesundes Maß gebracht werden. Nicht um einen Kampf gegen Menschen handelt es sich. Der Großteil der zionistischen Beamten ist nicht aus Gewinnsucht, nicht aus der Sucht nach Versorgung, sondern aus idealen Motiven an die Arbeit in der Organisation und ihren Institutionen herangegangen. Ihre Stellung ist das Resultat eines Systems. Daran soll nie vergesegn werden. Das System muß bekämpft werden. Weniger und gutkontrolliejte JSeamtenarbeit, mehr freiwillige und u^bhä^gjge A^it y-; Ca, , fi Wehn die Regierung Die in der letzten Woche aus Palästina eingetroffenen Nachrichten erzählen davon, daß im Lande wieder eine äußeret gespannte und nervöse Stimmung herrscht. Die allgemeine Spannung setzte damit'ein, daß in Nablus eine von der mohammedanischen Vereinigung junger Männer zum Zweck des Protestes gegen die angebliche Bewaffnung der jüdischen Kolonisten einberufene Konferenz sattfand, an der 60 Delegierte teilnahmen. Es wurden aufreizende Reden gehalten »nd drohende Resolutionen angenommen, die von der arabischen Hetzpressc entsprechend ausgeschrotet werden. Aus zahlreichen Städten des Landes waren Anhänger und Gegner des Grölhhufti erschienen, die einander in Hetzreden zu überbieten suchten. Unter anderem wurden Massendemonstrationen in ganz Palästina am 15. August a n g e k ii n (1 ig t. In einer Resolution \ wird erklärt, die Araber würden alle notwendigen Gegenmaßnahmen ergreifen, wenn die Regie- ' rung fortfahren werde, die jüdischen Kolonisten zu bewaffnen. Es wurde ein Komitee eingesetzt, das beauftragt wurde, von der Regierung die Bewaffnung der arabi sehen Stämme und Dorfbewohner zu fordern und „die gesamte mohammedanische Welt, einschließlich der Könige und Fürsten, über den Schaden zu unterrichten, den die Palästinaregierung durch die Bewaffnung der Juden angerichtet hat". Zur Sicherung von Ruhe und Ordnung hatte die Palästinaregierung anläßlich der Tagung der arabischen Konferenz Panzerwagen und mit Maschinengewehr e n armierte Lastautos nach Nablus entsandt. , Genau so wie im August 1929 suchen die arabischen Hetzer nach einem Vorwand, um' Unruhen zu i Alle •im redaktionellen Teil befindlichen liehen Notizen sind durch / ein beigefügtes E. ^ezeicHnet. keine Unruhen erregen. Während aber damals das Verhalten der englischen Behörden dem Treiben aufmunternd, entgegenkam, indem sie in-der Tat die jüdischen Kolonisten entwaffneten und dadurch schutzlos machten, scheinen sje diesmal Unruhen in. Palästina nicht zu wünschen.. Eine jüdische. Deputation, bestehend aus .dea Herren Colonel Kis ch Ben L wi Elmal.eh» Smi- 1 a n s k i und G o 1 u m, hat beim High Commissioner Sir John C h a nee II o r vorgesprochen, um in zwölfter Stunde ihren Befürchtungen über die möglichen Folgen der Verhetzung Ausdruck zu verleihen. Der High Commissioner . erklärte; die Regierung werde entsprechende Maßnahmen gegen die Pressehetze ergreifen. Militär und Polizei seien hinreichend, stark und gerüstet, jeden Versuch, Ruhe und Ordnung zu . stören, im Keim zu ersticken. / Der Chefsekretär der Palästinaregierung,, M. A. Young, berief sodann angesichts der. gespannten Lage die Redakteure samtIicher in Palästina erscheinenden Ta g es z eit u n g en.zu sich. Er empfing zunächst die Redakteure der arabischen Blätter und dann gesondert die jüdischen Pressevertreter. Chefsekretär Young warnte die Zeitungen, davor, Hetzartikel zu veröffentlichen. An die Vertreter der jüdischen Presse richtete er im besonderen die Aufforderung, d ie R egier ung nich t zu beschuldigen, daß sie die Araber bei der Aufreizung zu Angriffen oder bei deren Vorbereitung unterstütze, denn dies entspreche nicht den Tatsachen. Schließlieh ermächtigte Chefsekretär-Young die Vertreter der Presse, folgende Er: klärung. zu veröfentlichen: „Die Regierung hat die Situation vollkommen in der Hand. Sie ^st zur Unterdrückung etwaiger Unruhen viel, besser rgerüstet als -im. Jahre 1?29." Die Notwendigkeit der Waffendepors •■ ' ' .Die Regierung hat auch in einem offiziellen Kommunique dargelegt,' wie es zur Einrichtung von Waffen- Donnerstag, den 13. August 1931, V89 Uhr abends, im Heime der demokratischen Ziohisten, II., Untere Augartenstraße 38 ( , , Vortrag* »f.?♦ WASCHITZ (HAIFA) sssgÄ über, „Palästina vor und nach dem Weißbuche 1930" Union der ZioniffemRevfcionisteu Verband demokratischer Zioniften REOIEBEITRAQ 20 GROS OH EN , REQIEQEITRAQ 20 GROSCHEN

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.