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Die neue Welt · 1931-08-07 · Heft 203 (7.8.1931) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 203 (7.8.1931)
Date
1931-08-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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^9*98 ECKSTEINE FAMILIEN-PENSION RoslauraUon, Kattaehau« / Tag"eh 5-Uhr-To* SEMHERING JgOtKürtStSS"* Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer mit Pension S C— aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warmmtd Kattwasser in jedem Zimmer. / Auskunft unter Telephon U-27-6-24 liner Kinderzahnklinik nicht weniger als eine Million Dollar gespendet hat, für Palästina aber nicht einen Cent. Einer jener jüdisch»amerikanischen Mäzene, die mit un* seren Jewish<Agency*Herren Arm in Arm wandeln. Die erweitere Jewish Agency reorganisieren? Wohl. Keinesfalls aber im Sinne des Herrn Jefroykin. Noch weniger aber im Sinne des Rabbi Dr. S. D a i c h e s, des alten englischen Zionisten, der bei der jüngsten Tagung der Jewish Board of Deputies in London in seiner Be* richterstattung über die letzte Baseler Tagung des Council der Jewish Agency mitteilte, daß er, der Zionist Daickes, als nichtzionistischer Vertreter der englischen Judenheit der Council/Tagung beigewohnt habe. Oder will die erweiterte Jewish Agency sich vielleicht in der Weise reorganisieren, daß sie aus alten Zionisten nicht* zionistische Fifty*Männer macht? Eröffnung einer antireligiösen Kampagne in Rußland. Moskau, 28. Juli. (J. T. A.) Die jüdische Sektion des „Bundes der Gottlosen" hat die Kampagne gegen die Beobachtung der hohen jüdischen Feiertage, Neujahr und Versöhnungstag, bereits eröffnet. Der frühe Beginn dieser Kampagne wird auf den Mißerfolg der letzten Antipessachkampagne des Apikorsim-Verbandes zurückgeführt. Die jiddisch-kommunistische Tageszeitung „Emess" kündigt die Veröffentlichung von vier antireligiösen Broschüren in jiddischer Sprache an, die in Massen unter der jüdischen Bevölkerung, hauptsächlich unter den jüdischen Landarbeitern und Handwerkern, verbreitet werden sollen. Die Broschüren sind, wie „Emess" mitteilt, gegen den „jüdischen Nationalismus und Chauvinismus" gerichtet. In ihnen soll der Nachweis geführt werden, daß die jüdischen Feiertage ausgesprochene K1 as senfeiertage sind, mit denen Proletarier nichts zu tun haben. Wie „Emess" ferner mitteilt, wurde eine Art ,,K o n t r o 11 k o m m i ss i o n" eingesetzt, die feststellen soll, wie weit die Beschlüsse der ersten im letzten Frühjahr abgehaltenen antireligiösen jüdischen Konferenz ausgeführt wurden. Eine Neuerscheinung in der antireligiösen Herbstkampagne wind die Organisierung eigener antireligiös e r B r ig ad e n sein, die im Kampf gegen die jüdischen Feiertag© als „S t o ß t r u p p s" nach Art der von der Sowjetregierung an der „industriellen Front" eingesetzten Stoßtrupps arbeiten sollen. Im Gegensatz zu den Städten scheint die antireligiöse Kampagne in den Kolonien der Krim keine rlei Fortschritte zu machen. In einem in der Zeitung „Emess" veröffentlichten Brief heißt es: „Die DTE UftOE WECT antireligiöse Propaganda unter den Elementen, die vor kurzem, zur Landarbeit übergegangen sind, ist schwäch.«. Abgesehen davon, daß man fast überall das Wort „Gott" hören kann, ist unter den Kolonisten auch vielfach Beobachtung religiöser Vorschriften festzustellen. Man findet Juden, die an den traditionellen Tagen fasten. Man findet ferner Juden, die ein Minjam bilden, um am Sabbat zu beten. Eine der besten Kommunen im Distrikt hat die Leiche eines Genoasen einen ganzen Sonnabend hindurch in der Synagoge verborgen, damit die Bestattung nicht am Sonnabend stattfinde, was den jüdischen Religionsgesetzen widersprochen hätte. Eine andere Kolonie, dae zu rOO Prozent kollektiviert ist, bat eine Geldsammitung eingeleitet, damit die Synagoge in Jankoj z* den bevorstehenden Feiertagen instand gesetzt werde." Verschärfter Feldzug gegen die Synagogen in Rußland Mtaskau, 28. Juli. (J. T. A.) Aus Briefen, die in Moekau eingetroffen sind, geht hervor, daß in verschiedenen Teilen der Ukraine und Weißrußlands ein wahrer Vernichtungskrieg gegen die Synagogen im Gange ist.,In K ri vo j ro g.hatte man auf dringenden Wünsch der1 jüdischen Bevölkerung vor einiger Zeit begonnen, die Chorsynagoge, welche vor drei Jahren in ein Kulturhaus umgewandelt worden war, allmählich wieder ihrer früheren Bestimmung zuzuführen. In den letzten Tagen aber wurde eine Kampagne mit dem Ziel eröffnet, daß die Synagoge allen möglichen, nur nicht religiösen Zwecken dienen soll. In der Stadt B r e i 1 o w (Ukraine) wurde auf Veranlassung der aktiven „A p ikorsim" gegen den Willen der übrigen jüdischen Bevölkerung der städtische Beth Hamidrasch iu einen Klub umgewandelt. Das Vorgehen der Behörden hat im Hinblick darauf, daß es sich auf die Schließung des Beth Hamidrasch beschränkte, während gegen das in derselben Stadt bestehende Nonnenkloster bisher keinerlei Schritte unternommen wurden, auf die jüdische Bevölkerung besonders verstimmend gewirkt. In Krassilow (Ukraine) ist der Kampf zwischen den antireligiösen Arbeitern und der glaübenstreuen jüdischen Bevölkerung um die Synagoge noch nicht beendet. Es scheint aber, daß die antireligiösen Elemente mit ihrer Forderung nach Umwandlung der Synagoge in eine Schule auch hier durchdringen werden, so daß den Juden dieser Stadt anläßlich des Neujahrsfestes kein entsprechender Betraum zur Verfügung stehen wird. In religiös jüdischen Kreisen ist man der Ansicht, daß durch die Schließung zahlreicher Synagogen die Wirksamkeit der vom Apikorsini-Verband ausgegebenen Parole, zu Rosch Haschanah und Jörn Kippur zu arbeiten und den Synagogen fernzubleiben, verstärkt werden soll. Die Verfolgung der jüdischen Sozialisien in Sowjetrußland Auf dem in Wien tagenden Kongreß der sozialistischen Arbeiterinternationale schilderten am 29. Juli Vertreter der Au sland s d elegation de r Zio nis ten- Sozialisten Sowjetrußlands die Verfolgungen, denen die ZTondsten-Sozialisten in diesem Land ausgesetzt sind. Es würde berichtet, daß gegenwärtig neuerdings in allen Teilen Rußlands zahlreiche Verhaftungen von Zionisten-Sozialisten erfolgen, wobei auch solche Parteimitglieder nicht verschont werden, die bereits fünf bis zehn Jahre Gefängnis und Verbannung in den entferntesten Gegenden Sibiriens, des Urals und der Solowki-Inseln hinter sich haben. Die Gefängnisse seien überfüllt. In Zellen, die für vier Menschen bestimmt sind, seien zwanzig oder mehr Gefangene zusammengedrängt, die eine demütigende Behandlung erfahren. Moralische und physische Mißhandlungen seien an der Tagesordnung. Die # verhafteten Zionisten nehmen, um eine Aenderung dieses Zustandes herbeizuführen, zu verzweifelten Mitteln, zu Hungerstreiks, die bis zu zwanzig Tagen ausgedehnt werden, ihre Zuflucht, ohne indes auch nur die geringste Erleichterung durchsetzen zu können. — Die Vertreter der zionistisch-sozialistischen Auslandsdelegation richteten an den Kongreß den Appell, eine machtvolle Protestbewegung gegen die von den Sowjetbehörden gegenüber den zionistisch-sozialistischen Gefangenen angewandten Methoden einzuleiten und zu versuchen, diesen Gefangenen durch eine Spezialaktion Hilfe zu bringen. Wochen-Kalender August 1931 DK a "mh Ab 5691 7 Freitag 24--D Sabbateingang 7.00 8 Samstag 85-ro Sabbatausgang 8.00 n*n 9 Sonntag 10 Montag . 27-d i N Dienstag 28ra 12 Mittwoch 29-t» 13 Donnerstag 3Q~> «rm wkyi n fei»« 4 Der Britta Trumpeldor Oesterre+ch I drückt seinem Chawer Hugo LtbemdmB I anläßlich des Ablebens seines Vaters seine I innigste Anteilnahme aus I \pjnjHnnnjnnjn]nnjnjn^ Der einzige jüdische Beamte der Warschauer Stadt-; gemeinde entlassen Warschau, 28. JxrlL Die Stad^geinemde ISfacaeSaa hat ihren einzigen jüdischen Beamten, Maurice Ro4> milL der viele Jahre hindurch an der Spit&e de»» Wohlfahrtsamtes stand, entlassen und eine Diseiplinaranlersuchung gegen ihn eingeleitet. Rotanll wird beschuldigt, in seiner Abteilung einen jüdischen Hilfsbeamten namens Boruch Lifschitz beschäftigt und ihm* .da der Posten irichii systemisiert was» ein kleines Gehalt aus Ünterstittzungsgeldern ausgezahlt am haben.. Die jüdischen Zeitungen' weisen darauf hin, Hafi diese Form der Besoldung auch in anderen städtischen Aemtern üblich ist und daß der Hilfsbeamte eine wichtige Arbeit geleistet hat Die Blätter erheben lebhaften Protest gegen Rotmills Entlassung, für die die Gemeindeverwaltung schon Jahre hindurch nach einem Vorwand gesucht bafoe, und bezeichnen das Vorgehen dies Magistrats als „unerhörten antisemitischen Skandal". Det Prozeß Jesu in historischer Beleuchtung Wie die Jüdische Telegraphen*Agentur vor längerer Zeit mitteilen konnte, hat der hervorragende Kirchen* historiker Professor Hans Lietzmann, der Nachfolger Harnacks, auf Grund historisch»kritischer Forschungen und Ueberlegungen die These aufgestellt, daß das Todes* urteil über Jesus nach der Lage der Dinge keines* wegs vom jüdischen Synhedrion, sondern einzig und allein vom römischen Landpfleger Pilatus gesprochen werden konnte. Diese These be* gründete Prof. Lietzmann vor kurzem in der Gesamt« Sitzung der preußischen Akademie der Wissenschaften. Er suchte durch die religiöse Dich* tung der Leidensgeschichte Jesu, wie sie sich in den vier Evangelien entfaltet, zu dem historischen Kern einer ein» fachen Berichterstattung vorzudringen und kam zu dem folgenden Ergebnis: Die Rolle, die das jüdische Gericht im MarkusüEvangeliium spielt, wurde von Lietz» mann als unhistorisch erwiesen und die Verurteilung Jesu durch den römischen Statthalter zum Rang einer Tatsache erhoben. Für den Bericht im Markus*Evangelium, daß das ganze Synhedrion Jesus wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt hat und dem Pilatus übergab, wird nach Lietzmann keine Quelle glaubhaft. Petrus ist nicht der Gewährsmann, denn er ist, wie zweimal aus* drücklich betont wird, nur bis in den Hof des hohe* priesterlichen Palastes vorgedrungen und unten im Hof geblieben. Er kann also von der Verhandlung nichts ge* hört haben, einen anderen Zeugen sehen wir nicht. Jenes Wort, das den auferstandenen Jesus als Meister des neuen Lebens dem außer Kraft gesetzten mosaischen Gesetz gegenüberstellt, atmet den Geist der bekehrten Hellenisten. Ebenso unjudisch ist die Frage des Hohepriesters, ob Jesus der Messias, der Sohn Gottes, sei. Was Jesus antwortete, mochte man als volksverderblichen Aberglauben bekämpfen, aber ein Lästerung war es nicht — selbst der Name Gottes war mit jüdischer Korrektheit in der Antwort Jesu ebenso vermieden wie in der Frage des Hohepriesters. Nimmt man selbst an, Jesus sei vom Synhedrion für die Gotteslästerung zum Tode verurteilt worden, so ergäbe sich notwendig, daß er nach dem levitlschen Ge« setz durch Steinigung hätte hingerichtet werden müssen. Nim ist aber Jesus gekreuzigt worden: eine typisch römische Strafe, aus deren Vollzug sich ergibt, das Pilatus das entsprechende Urteil gesprochen hat. Der Einwurf, Pilatus habe nur ein jüdisches Urteil vollstreckt, da das Synhedrion wohl das formale Recht zur Verurteilung hatte, aber nicht die Kompetenz zur tatsächlichen Ausführung seines Urteils, das erst durch den römischen Prokurator zu bestätigen war — diesen Einwand widerlegt Lietzmann mit dem Hinweis auf den französischen Juristen Jean J u s t e r in dem Büch über die Juden im Römerreich: aus sechs posi* tiven Zeugnissen geht hervor, daß zur Zeit des Pilatus das Synhedrion das volle Recht besaß, jüdische Religionsverbrecher und Gotteslästerer mit dem Tode zu bestrafen und steinigen zu lassen. Ist Jesus nicht nach jüdischem Recht gesteinigt worden, so hat ihn auch nicht das jüdische Gericht wegen Gotteslästerung ver» urteilt, und der Bericht des Markus (14, 55 bis 65) ist un* historisch. Die Nachtsitzung des Synhedrions erscheint .niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiih. Das Neueste in der Pädagogik »Hadawer« von!♦ Herzberg für das Erlernen des Hebräisch-Leaens und »Schreibens und der Anfangsbegriffe der hebräischen Sprache in 38 Lektionen Das beste national-religiöse Unterrichtsbuch überall erhältlich MIUIIIIIIIIllllllllllllllllllllllllllllllllllimilllllllllHIIIIIIIIIII« ausreichende Tätigkeit zur Erfüllung ihrer Aufgaben entwickeln. In diesem Fatle ist Ihr Bestehen für Palästina von gar keinem Nutzen. Wenn dagegen der nichtzionistische Teil der Agency seorganisiert wird, dann kann er eine unabhängige Macht werden, die neue Möglichkeiten für Palästina schaffen wird, indem sie große Massen des Jüdischen Volkes, zn denen die zionistische Organisation keinen "Zutritt findet, zor Mitarbeit heranzieht." Das ist ein Einbekenntnis aus dem Munde eines be« rufenen Vertreters der Nichtzionisten. Ein Einbekenntnis im Gegensatz zu so manchen Agency »Zionisten, die immer noch für das organisatorische und politische Debakel, das die erweiterte Jewish Agency darstellt, allerlei faule Aus« flüchte gebrauchen und mit windigen Erklärungen flun* kern. Ein Bekenntnis der totalen Fruchtlosigkeit dieser Körperschaft, wenn sie nicht demokratisiert wird. So wahr nun die Feststellung Jefroykins ist, ebenso sonderbar ist sein Vorschlag, der dahin geht, die zionistische Organisation müsse der Jewish Agency behilflich sein, die breiten Massen heranzuziehen. Das ist ein nahezu groteskes Ansinnen! Die naiven Zionisten haben sich bekanntlich zur Gründung der er* wetterten Jewish. Agency entschlossen, um eben durch diese — jene großen Massen des jüdischen Volkes zur Mit* arbeft heranzuziehen, „zu denen die zionistische Orga* nisation keinen Zutritt findet**. Und jetzt, nach zwei Jahren, soll auf einmal die zionistische Organisation — der erweiterten Agency behilflich sein, die breiten Massen heranzuziehen, die der zionistischen Organisation nicht angehören. Welch groteske Vorstellung, welch groteskes Ge» bilde, diese Jewish Agency 1 Sie hat — endlich bekennt sie es — keine Massen, sie hat aber auch — wieder ein neuer Fall — keinen Zu* tritt zu jenen jüdischen Notabein, deren Namen immer wieder als Spender von Dollarmillionen auftauchen. Der neue Fall heißt. Julius Rosenwald, der für eine Ber*

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