Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 203 (7.8.1931)
- Date
- 1931-08-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seile 6' DDE NEUE WELT Nr. 205 Mitteilung an unsere Abonnenten in Uum&nien Da das Konto der „Neuen Weif* bei der Ostbank aufgelassen wurde, werden die Abonnenten ersucht, von nun ab die Abonnementbeträge per Postanweisung zu überweisen. Eine EntschV^iir.nigsklage gegen die L C. A. ab* gewiesen Paris, 2. August. Wie dem Hauptbüro der Jewish Coionization Association (I. C. A.) mitgeteilt wird, wurde die Klage des ehemaligen jüdischen Siedlers in einer kanadischen I.»C.*A.fKolonie, Wolf Horn, dem seine Pachtung von der I.«C.«A.*Verwaltung in Kanada wegen undisziplinierten Verhaltens entzogen wor* den war, auf Zahlung einer Entschädigung von einer Vfertelmillion Dollar seitens der I. C. A. vom kanadischen Gericht kostenpflichtig abgewiesen. In n. (Siehe Nr. 202.) Die Finanzierung. Bleibt noch die Frage der Finanzierung der ländlichen Siedlung. Diese ist ebenfalls eine; Aufgabe der Regierung und kann nicht durch Sammelfonds bewerkstelligt werden. Eine Land Settlement Bank soll als eine staatliche Bank ins Leben gerufen werden. Die Mittel für die oiben geschilderte Erschliefiungsarbcit — Reklamation durch Irrigation, Drainage und andere geeignete Mittel —, wie auch für die Bank, sollen durch eine Anleihe beschaffen werden. Und so komme ich nunmehr zum Simpsonschen Development-Plan, der vom Colonial Office so bereitwillig aufgenommen wurde. Wir lehnen ihn nicht einfach ab, sondern wir setzen einen anderen, viel breiteren Plan an seine Stelle, der auch das Interesse der arabischen landansässigen Bevölkerung als Teil des Ganzen vorsieht. Dieses Interesse soll nicht als erstes am Anfang des Entwicklungsplanes stehen, sondern einen Teil, freilich einen den tatsächlichen Bedürfnissen entsprechenden verhältnismäßig geringen Teil, ausmachen. Daher werden wir eine große Anleihe für, die Durchführung des ganzen Entwicklungsplanes fordern, die allerdings in Abschnitten aufgelegt werden soll, je nach dem Programm,, welches die besondere Behörde — das Department of Colonisatiori — für einen. gegebenen Zeitabschnitt aufstellen wird. Die Durchführung des Planes wird nach Gutheifiung durch ilie Mandatskommission in den Händen der Regierung liegen, aber unter Beratung und Kooperation mit der Jewish Agency, wie es der Artikel 4 des Mandats genau stipuliert. Somit statt einer Commission of Development — ein Department of Colonisation, welches umfassen soll: 1. das Bureau of Reclamation, 2. die Landhank, 3. das Institut der Landreserve, 4. den Land Settlement Board und 5. die Land Settlement Bank. Dieses vollstänige Instrument kann, wenn es von dem richtigen Geist der Erfüllung des Mandatsgetragen wird, zu dem gewünschten Ergebnis der Schaffung des jüdischen Nationalheims und zugleich auch zu der allgemeinen Entwicklung des Landes führen. Die wichtigste Bedingung für die Durchführung des Kolonisationsplanes ist zunächst die Erbringung des Beweises, daß die Landwirtschaft in Palästina rentabel gemacht werden kann. Die rentable Wirtschaft ist die Basis für die Großsiedlung. Was bis jetzt bewiesen wurde, ist, daß die jüdische Landwirtschaft, mit Ausnahme der Orangenpflanzungen und einiger weniger Baumschulen, nicht rentabel ist. Man kann aber keine Anleihen aufnehmen, wenn man nicht nachweisen kann, daß man sie verzinsen und amortisieren können wird. Auf Grund der bestehenden Wirtschaftsform ist dies nicht möglich. Damm ist die nächste Aufgabe •— der Nachweis der Rentabilität der Landwirtschaft. Darum ist die Frage der Kolonisationsmethoden so wichtig. Die rentable Wirtschaft als Grundlage der Massensiedlung kann einzig und allein sieh auf Exportkulturen der Gemüsezucht und auf Geflügelzucht aufbauen. Beides Landwirtschaftszweige, die auf kleinen Parzellen betriebet werden können. Mittels dieser Zweige der Landwirtschaft kann das für Palästina so wichtige Gebot der sparsamen Verwendung von Land durchgeführt werden. Die Fassungsfähigkeit Palästinas. Und nun einiges über die Fassungsfähigkeit Palästinas für neue Siedler auf Grundlage der Landwirtschaft. Es kann sich hier freilich nur um Schätzungen handeln. Hope-Simpson sieht die Mög- In Heiratsangelegenheiten wenden Sie sich mit Vertrauen an M. L Schlesinger, Wien, II., 6r. Mohrengasse 26/27 TefephOH A-44MMM Seriös, diskret, Beziehungen 2n den besten Kreisen. der Urteilsbegründung wird darauf hingewiesen, daß das Verhältnis zwischen der Jewish Coionization Association und ihren Kolonisten von besonder Art ist und dem allgemeinen Verhältnis zwischen Pächter und Verpächter nicht gleichgesetzt werden kann Die Gründung der I.*C.*A.< Kolonien erfolge nicht aus Erwerbsrücksichten. Die Tätigkeit der Vereinigung ziele vielmehr darauf ab, die Kolonisten zu unterstützen,'' was u. a. auch daraus zu ersehen sei, daß sie ihnen Vorschüsse zur Anschaffung von Inventar bei einer Verzinsung von nur 5 Prozent in Gebieten, in denen außerordentlich hohe Zinssätze üblich sind, gewähre und ihnen Futtermittel und Saatgut zur Verfügung stelle lichkeit der Ansiedlung von 20.000, die Exekutive in ihrem Memorandum an Hope-Simpson von 55.000, -der Waad Leumi in seinem letzten Memorandum von 100.000 Familien vor. Ich berechne auf Grund der noch geltenden Schätzungen eine viel größere Aufnahmefähigkeit der Landwirtschaft, und zwar für 288.000 Familien Diese Berechnung sieht die Kultivierung von rund 12 Millionen Dunum vor, wovon 1,858.000 bewässert werden sollen. Hier setze ich eine Fläche von 10 Dunam per Familie an, unabhängig davon, wo die Flächen liegen: das Land ist klein und die Verkehrsverhältnisse schon überall derart, daß kein Grund vorliegt, die Größe der Parzellen nach Entfernung vom Verschiffungshafen zu differenzieren. In den Ebenen sind außerdem 3,358.000 Dunam kulturfähiges Land vorhanden, wo die Parzellengröße nach Simpson 130 Dunam sein soll. Im Ber-Scheba-Distrikt rechne ich 400 Dunam bei dry farming per Familie. Und schließlich — ein bislang außer Berechnung gelassenes Gebiet — das Hügelland, in dem durch Verbindung von Geflügelzucht und Obstkultur Raum für viele lausende von Familien geschaffen werden kann. Auf einer Fläche, auf der Platz für rund 350.000 Familien gemacht werden kann, leben gegenwärtig 70.000 Familien von der Landwirtschaft. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die vorgezeichnete Entwicklung sich rem wirtschaftlich, auch ohne unser besonderes Zutun, auf Transjordanien übertragen wird. Es läßt sich doch nicht ausdenken, daß dieser Teil Palästinas, der historisch, politisch und ökonomisch stets ein Ganzes mit Palästina gebildet hat, von der Entwicklung verschont bleiben könnte, zu einer Zeit, da das Westjordanland eine stets wachsende Einwohnerzahl aufnimmt. Nach Hineinbeziehung Transjordaniens werden die rein landwirtschaftlichen Siedl ungsmöglichkeiten noch bedeutend größer. Wir halten es für äußerst wichtig, unserem Volke und der ganzen^ Welt von der Kongreßtribüne zu verkünden, daß Palästina große Siedlungsmöglichkeiten in Stadt und Land bietet, wenn das Mandat richtig zur Anwendung gelangt. Kann doch Westjordanien allein auf dem Lande fast 1,5 Mil-! lionen neuer Menschen Existenzmöglichkeiteu bieten, das ist mit der gegenwärtigen Landbevölkerung mehr als 2 Millionen Menschen. Bei der Annahme des numerischen Verhältnisses von Stadtzu Landbevölkerung wie 2 zu 1 wird Palästina bis zu 6 Millionen Menschen in seinem westlichen Teil ernähren können. Die historischen Rechte und die uns aus. dem Mandat entspringenden Ansprüche beiseite lassend, kann das jüdische Volk auch vom allgemein menschlichen Standpunkt fordern, daß in Palästina eine jeweils ökonomisch zulässige, immer steigende Anzahl von Juden aufgenommen werde aus den Ländern, wo die Judennot am größten ist. Die Repatriierung der Juden nach Palästina liegt auch im wohlverstandenen Interesse unserer „WirtsVölker". Angesichts der gewaltigen, in der Welt herrschenden Arbeitslosigkeit ist die Möglichkeit, Hunderttausenden, ja Millionen von Menschen gewissermaßen an den Toren Europas, eine Existenz zu bieten, auch ein Problem von allgemein menschlicher Bedeutung. Gegenüber dieser gewaltigen Aufgabe und diesen Perspektiven haben die bislang geübten Metboden völlig versagt: 7500 Menschen wurden von der Zionistischen Exekutive in 10 Jahren auf fast 300,000 Dunam mit einem Aufwand von etwa 3 Millionen Pfund angesiedelt! Braucht da weiter nooh nachgewiesen zu werden, daß weder die Kolonisationsmethoden, noch die Finanzierung des Siedlungswerkes sich in richtigen Bahnen bewegen? Daß sie vollständig unzulänglich sind? Welches praktische Programm soll nun aus dem Gesagten folgen? Und wo kann die Jewish Agency — ich meine die im Artikel 4 des Mandat« vorgesehene — kooperieren, nützlich miteingreifen? Unsere Forderungen 1. Wir werden an die Regierung eine Reihe von Forderungen stellen, die sich auf eine beschleunigte Inventuraufnahme der schon verfügbaren und der noch kulturfähig zu machenden Böden beziehen. Dazu gehört die Feststellung über Wasserbeschaffung für Irrigationszwecke. Wir werden, da wir an diesen Feststellungen interessiert sind, uns an diesen Vorarbeiten beteiligen. Wir müssen genau wissen, wie sich der Besitz im Lande verteilt. 2. Auf diesen Feststellungen fußend, werden wir unsere gesetzgeberischen Vorschläge unterbreiten und für ihre Annahme und spätere Durchführung die nötige Atmosphäre zu schaffen suchen. Wir werden mit allem Nachdruck die Gründung des Colonisation Departments zu beschleunigen suchen. 3. Zur Schaffung der rentablen Wirtschaft sind noch praktische Versuche zu unternehmen, die nicht wissenschaftlicher Natur sind und zweckdienlich nicht durch Versuchsstationen, sondern durch eine Einrichtung durchgeführt werden, die bei den Amerikanern den Namen „testing garden" führt, ein Versuchsgarten, der rein praktisch die Fragen nach der Saison, der Sortenwahl usw. in möglichst kurzer Zeit zu beantworten geeignet ist. Wir werden fordern, daß ein solcher „testing garden" eventuell mit unserer finanziellen Beteiligung umgehend errichtet wird. 4. Die Vorbereitungen für eine großzügige Geflügelzucht und gleichzeitig auch die Vorbereitung des Absatzes für die Produkte der intensiven Kulturen und der Geflügelzucht, beides in Verbindung mit dem Empire Marketing Board, ist ein parallel aufzunehmendes Arbeitsgebiet. 5. Wir werden die nötigen Unterlagen für die Vorbereitung der großen Anleihe zur Finanzierung des Siedlungsplanes, wie wir ihn hier in allgemeinen Zügen entworfen haben, zu schaffen haben und die interessierten Parteien —- die Mandatarmacht und den Völkerbund — zu überzeugen suchen, daß ohne diese oder ähnliche Maßnahmen die Obliegenheiten des Mandats undurchführbar seien. Darüber dürfte geraume Zeit verstreichen, während der wir den Nachweis der rentablen Wirtschaft erbringen werden, ohne welche eine kalkulatorische Grundlage für die Anleihe undenkbar ist. Neue Kolonien gedenken wir nicht zu gründen, da es nicht Aufgabe der Jewish Agency ist, mit gesammelten Geldern Kolonisation zu treiben. Aber die nötigen Bedingungen für eine Massensiedlung sowie für private landwirtschaftliche Tätigkeit werden wir schaffen, sowie das Einwanderungs- und Siedlungswesen regeln. Nun ist freilich eine schwere Erbschaft des „ancien regime" zu übernehmen — ich meine die schon bestehenden, noch nicht rentablen Siedlungen der Zionistischen Organisation. Wir werden versuchen, zur endgültigen Fundierung dieser Siedlungen eine ausreichende Anleihe in jüdischen Kreisen aufzunehmen. Wären wir in der Lage, die Rentabilität dieser Siedlungen nachzuweisen, so könnte man die Forderung einer regierungsseitig garantierten Anleihe mit allem Nachdruck vertreten. Solange aber dies nicht der Fall ist, werden wir nicht umhin können, die Kolonien auf dem bisher begangenen Weg der Geldaufbringung zu erhalten. Sollte es nicht gelingen, aus Privatmitteln die erforderlichen Summen noch vor Erbringung des Nachweises der Rentabilität zu beschaffen, so werden wir trachten,. die Kolonien über Wasser zu halten, bis auf Grund der neuen Ergebnisse auch für diese Kolonien eine , staatlich garantierte Anleihe aufgenommen werden kann. Ich brauche hier nicht von der Absicht zu sprechen, genossenschaftliche Institute aller Art, einschließlich solcher für kurzfristigen Kredit, neu zu schaffen und die bestehenden zu entwickeln. Es sind dies selbstverständliche Sachen in einem Kolonisationsprogramm. Die bestehenden Fonds werden so lange zu bestehen haben, bis die von uns projektierten Finanzierungspläne Wirklichkeit geworden sind. Und sie werden Wirklichkeit werden. Sonst gibt es keine jüdische Mehrheit in Palästina. Die Zioiusten sollen die Nidil* ziom'sten organisieren Aeußerungen des M. Jefroykin Einige Tage nach Beendigung der Council/ragung der Jewish Agency in Basel äußerte sich der Vertreter der Nicbtzionisten Frankreichs in der Jewish Agency M. Jefroykin über die Notwendigkeit ejner Reform der Jewish Agency, das heißt ihrer Demokratisierung. Das der J. T. A. gegebene Interview beschäftigt sich zunächst mit der Tatsache, daß das Fortbestehen der Jewish Agency in ihrer gegenwärtigen Form nicht möglich ist. „Wenn", sagt Herr Jefroykin, „die Agency nur ein aus einigen wenigen Persönlichkeiten zusammengesetztes Komitee bleibt, ein mechanisches Anhängsel der zionisti« sehen Organisation, dann kann sie sich im jüdischen Leben keine bedeutende Stellung schaffen, noch auch eine Das ProMei Palästma'KoIonisation Von Dr. S. E. S o s k i n (Eine nicht gehaltene Kongreßrede)