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Die neue Welt · 1931-08-07 · Heft 203 (7.8.1931) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 203 (7.8.1931)
Date
1931-08-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Mr. 205 und erzieherisch'kulturelfe Arbeit verzweigen und ver* tiefen, und zwar auf Grundtage direkter politi* scher Arbeit in London, Genf und Amerika; auf Grundlage des Keren Tel Chaj als Hauptinstru* ment für die physische Ausbildung der Jugend; auf Grundlage der Gründung von Ueberw-anderungs* Cooperativen, die einen neuen Geist und eine neue Form in die Alijah*Bewegung hintragen werden, auf Grundlage der Tozereth*Haarez»Arbeit, die für den Revisionismus eine tagtägliche Aufgabe bedeutet. Aus der revisionistischen Welt Auf der in Basel tagenden revisionistischen Kon* ferenz wurde Robert Stricker (Wien) in das Welt* Exekutivkomitee kooptiert. Die revisionistische Konferenz beauftragte das Exekutivkomitee, innerhalb sechs Monaten die 5. revisionistische Weltkonferenz cinzu« berufen. Die Konferenz wird voraussichtlich im D e z e m» b e r dieses Jahres stattfinden. Die Frage, betreffs unserer Beziehung zu der Zionistischen Organisation wird auf ihr behandelt werden. Personalveranderuiig im englischen Kolonialministerium London, 2. August. Der bisherige Leiter der Or i e n t a b t e i 1 u n g des Colonial Office, Sir John Evelyn Shuckburgh, der an den Verhandlungen des Kolonialamtes mit der Jewish Agency über den Land* entwicklungsplan für Palästina teilgenommen hat, wurde zum stellvertretenden Unterstaatssekretär für die Kolonien ernannt. An seine Stelle tritt der frühere Sekretär des Reichsamtes für Entomologie, A. C. C. P a r* k i n s o n. Der neue Leiter der Orientabteilung war 1914 als Sekretär von Lewis Harcourt, 1915 als Sekretär von Bonar Law und 1920 als Sekretär von Lord M i 11 n e r tätig. In seinem neuen Wirkungskreis wird er sich u. a. mit Fragen, die auch auf Palästina Bezug haben, zu be« fassen haben. Vor einiger Zeit verlautete, daß Shuckburgh das Kolonialministerium verlassen wird. Die Nachricht wurde in zionistischen Kreisen mit Befriedigung aufgenommen, da Shuckburgh der zionistischen Sache unfreundlich ge« genübersteht. Nun ist er geblieben und avanciert. Ob das eine Erleichterung bedeutet, ist fraglich. Neue Erschwerung des Bodenkaufs in Palästina London, 30. Juli. (J. T. A.) Auf mehrere Anfragen des Arbeiterführers Abg. Ben T i 11 e t gab Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Drummond S h i e 1 s im Unterhaus drei wichtige Erklärungen über die Durchführung des LandentwTcklungsplanes in Palästina ab. Erstens gab Dr. Shiels bekannt, daß der Landentwicklungsdirektor bei der Wiederbesiediung von Arabern, deren Boden in jüdische Hände übergegangen ist, keinen Unterschied zwischen Arabern, die ihren Boden dadurch verloren haben, daß er von den Großgrundbesitzern verkauft wurde, und solchen, die ihr Land aus freiem Willen an Juden verkauft haben, machen werde. Zweitens erklärte Dr. Shiels, es werde dem Landeatwioklungsdirektor überlassen bleiben, die Frage in Erwägung zu ziehen, ob verschiedene Organisationen Bine die Hausködun Von M. Aderschläger. Ein Sabbattag. Beim Schein eines kleinen vierscheibigen Fensters sitzt Bine. die Hausköchin, mit ihrem alten, abgegriffenen Frauenbetbuch auf dem Schoß, die Füße gestützt auf einen Schemel, und liest den Wochenabschnitt. Sie sitzt da, den Rücken krummgebogen, mit den tiefen, kurzsichtigen Augen zwischen den Buchstaben irrend, in ihrem sabbat* liehen, geblümten Kopftuch, und durch die Stille der Stube schwebt ihre halbheisere Stimme: „Wejomar mosche el adonaj, und Mosche sprach zu Gott: ich will gehen in Deinen Wegen und hüten Deine Gebote und die Gesetze der heiligen Thora, die Du gegeben hast mir und ganz Israel..." Das Stübchen ist klein und eng und jeder Winkel atmet Reinlichkeit und Sauberkeit von Bines tüchtigen Händen. Ihr Bett mit dem Flaumüberzug ist rein und sorg« fältig geglättet. Das Tischchen in Nachbarschaft des Bettes ist mit einem lichten Sabbat#Tischtüch bedeckt, und, glanzvotier als alles, funkelt jetzt ein Glanz in seiner frischen Reinheit über — Bines zwei Messingleuchter. Die Leuchter stehen jetzt da wie zwei stumme Zeugen ihres nächtlichen „Lichterbenschens" und geben dem Stübchen einen besonderen sabbatlichen Charakter. Mit diesem Stübchen Ist Bine schon seit einer Reihe von Jahren verwachsen. Hier verlebte sie ihre Jahre mit ihrem Mann Aron Leib und hier zog sie ihren einzigen Sohn Jossele auf. Jetzt ist sie allein. Aron Leib liegt schon lange auf dem Friedhof und ihr Jossele ist schon seit Jahren in Amerika. . Mehr als ein Bild ist der Alten von ihrem Sohn nicht geblieben. Das Bild hat er ihr gleich in den ersten Jahren nach seiner Abreise geschickt. Solch ein schöner, sofch ein mm x i. e* ist schon eine Meoge Jtferc «&* von der Regierung in ihren Versuchen, kollektiven Kauf und Kultivierung von Boden durchzuführen, fernerhin ermutigt werden sollen. Drittens stellte Dr. Shiels fest, daß alle Entscheidungen über Bode ntransaktio neu in Palästina dem High Commissioncr vorbehalten bleiben sollen. In jüdischen Kreisen wird befürchtet, dufi diese von Dr. Shiels im Unterhaus angekündigten Maßnahmen //So Die retardierenden Elemente im Zionismus haben vom Zeitpunkt an, als es den echten politischen Zionismus zu verwirklichen hieß, ihr Unwesen zu treiben begonnen. Die liberalen Assimilationstendenzen der Gallith-Judenheit hatten sich kraft ihrer fleischlosen Materie auf Umwegen in den Zionismus einzuschleichen verstanden, wobei ihnen der historische Begriff eines „Kulturzionismus" in seiner maschenreichen Gewandung zu Hilfe kam. In dieser Gewandung ließ sich manches Artfremde, mancher Sprengstoff ungesehen mitführen. . An der Wiege dieser neo-assimilantistischen Schicht von zerfahrenen, dem Volke fremden Intellektuellen stand Martin Buber. Da sich aber mit dessen verschwommener Geistigkeit, die sich im Kreuzfeuer von allerlei Mystizismen austobte und zu konkreter politischer Umformung unfähig war, nicht viel Staat machen ließ, suchte man sich einen Gewährsmann von zionistischer und denkerischer Marke. Man rief Achad Haam als Zeugen auf für all das, was jene Schicht in der Verwässerung des zionistischen Ideals lehrte. Vornehmlich das Araberpr ob lern, das diese sich immer radikaler, bis zum Antizionismus entwickelnde Gruppe „entdeckte", gab ihr Gelegenheit, den sogenannten Achad-Haamismus tausendfähig zu verfälher... Und laut der Mutter Rechnung ist ihr Jossele selbst schon ein Mann in die Sechzig, aber in ihrer Er* innerung lebt der Sohn noch mit demselben jungen Aus* sehen wie auf dem Bild und er heißt bei ihr immer noch mit dem Kosenamen: „Jossele." Das Bild hängt an der Wand über der Alten Bett und jedesmal, wenn sie einen Blick darauf wirft, kriegt sie einen Riß im Herzen. Was taugt ihr das tote Stück* chen Papier?... Einst hat ihr der Sohn öfter geschrieben. Jetzt auch das nicht mehr. Nur einmal im Jahr schickt er ihr ein „Gutes Neues Jahr". Diese Wunschkarte ist ihr über alle Maßen teuer, aber noch teurer wäre es ihr, wenn Jossele öfter noch einige Worte dazuschreiben wollte... Im Städtel ist es schon seit langem bekannt, daß jedesmal, sooft jemand nach Amerika fährt, Bine die erste sein muß, die mit einer Bitte zu laufen kommt: man möge um Gotteswillen sich dort mit Jossele sehen. „Ich verlange bewahre nicht, er soll mir Geld schicken," sagt sie allemal im gleichen Ton, „ich will nur wissen: warum trifft es mich, daß er mich gar so ver* gißt... Es ist aber immer wieder beim alten verblieben. Der Sohn ist dort von seinem eigenen Lebenskampf in Anspruch genommen, und mehr als ein „Gutes Neues Jahr" hat er der .Alten4 nicht geschickt. Erst als Aron Leib starb, sah Bine, wie elend sie ist. Der Alte fehlte ihr jetzt mehr als der Sohn. Es war immer ihr Wunsch: wenn die „letzte Stunde" kommen sollte und einer von ihnen „gehen" müßte, mögen sie Heber zusammen gehen. Sie erbat sich keinesfalls den Tod, aber allein zu bleiben auf ihre alten Tage, das ist gar nicht gut. „Einer ist keiner", pflegte sie zu sagen. Aber jener, „der ewig lebt", lenkt seine Welt, und Bine, die nicht mehr als ein „sündiges Weib", hat ihm Als Aron Leib starb, war er schon ein Greis von i&ftr «fiMg Jg&ren. 6b war cfa ein niedrig gewachsener den jüdischen Bo denk u u f in Palästina wesentlich beeinträchtigen könnten. Man nimmt an, daß auf Gwmd solcher Verfügungen den jüdischen Organisationen Hindernisse beim Bodenerwerb in den Wog gelegt werden könnten. Auch die Bestimmung, daß in Hinkunft ohne Einverständnis des High Commissioncr Bodenbesitz weder veräußert noch erworben werden kann, wird als Erschwerung des jüdischen B o d e n k a u f e s in Palästina aufgefaßt. sehen — diesen nicht minder wie den politischen Zionismus selbst. Erst kürzlich in Basel versuchte Dr. Chaim Weizraann die Brith-Schalom-These. mit Achad Haam zu begründen, die er der Herzischen Konzeption entgegenstellte — im Rahmen seines politischen Referats auf dem 17. Zionistischen Kongreß. Daß die Brith-Sehaloin-Leute in Jerusalem, Berlin und Prag den Geist Achad Haams seit Jahr und Tag für ihre unterirdischen und öffentlichen Wühlerien mißbrauchen, ist des öfteren dargelegt und darauf hingewiesen worden, daß es dem „Kulturzionisten" Achad Haam nie eingefallen ist, auf politische Beherrschung Palästinas zu verzichten. Auf demselben Kongreß, auf dem sich Prof. Weizmann auf Achad Haam berief, legte J a b ot i n s k y dar, daß Achad Haam sich durchaus nicht mit den oberwähnten Tendenzen identifizierte, ja sie kategorisch ablehnte. „So habe ich mir die Sache nicht vorgestellt", sagte er zu Jabotinsky einige Monate vor seinem Tode, all diejenigen desavouierend und in die Schranken zurückweisend, die mit ihm als Träger von Brith- Schalom-Tendenzen operieren wollten. keine Ratschläge zu geben... Mann mit einem grauen Bärtchen, ein Winkelschneider für Bauernblusen. Aber das Schneidern war bei ihm mehr Zeitvertreib als Unterhalt. Er pflegte mehr über der Bibel zu sitzen, als zu arbeiten. Die eigentliche Brotver« dienerin war Bine... Wenn die Alte einmal mitten im Lesen das Wochen» abschnitts in Schlummer verfiel, kam es ihr auch später noch vor, daß ihr Aron Leib beim Tisch mit den Leuch« tern sitzt und über der Bibel hin und her wackelt... nicht einmal nur konnte sie schwören, daß sie wahrlich im Schlaf ihres Aron Leib singende Stimme gehört habe... Es ist aber nur ein Traum. Es ist schon schöne paar Jahre her, daß Aron Leib nicht mehr da ist, und sie, Bine, schon weit über achtzig Jahre. Wie alt beispielsweise kann ein Weib wie Bine schon sein? Junge Frauchen mit unschweren Gedanken pflegen sogar des Spaßes wegen sich darüber mit Bine selbst zu unterhalten. Von Bine aber konnte man solch eine Sache niemals herausbekommen. Als ihr Aron Leib starb, wollte sie un« bedingt mit ihm zusammen gehen, aber jetzt, da Gott ihr Jahre schenkt und sie lebt, hält sie es für kein gutes Zeichen, zu erzählen, wie alt sie ist... sie hat wirklich Angst vor einer Art Aberglauben ... Sie sagt es nicht geradeheraus, aber wie alt sie ist, sagt sie auch nicht. Sie zeigt bloß ein Lächeln mit ihren letzten paar Zähnen, die sie noch im Mund hat, und antwortet in ihrer gleichgültigen Art: „Ich hab' ein Gelübde getan, mein Kind, bis hun< dert Jahr keinem zu erzählen, wie alt ich bin. Und wenn ich bei hundert halte, werd* ich's jedermann erzählen, selbstverständlich auch dir... Mit Ausnahme der Rebbezin des Städtchens ist Bine mit alten auf „dju". Und sie ist daou vorkommen b& ' habe ich nur die Sache nicht vorgestellt" Das Manöver mil Achad Haams Zielsetzung

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