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Die neue Welt · 1931-07-31 · Heft 202 (31.7.1931) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 202 (31.7.1931)
Date
1931-07-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Hr. 203 DIE NEUE WELT Sc?f© t darin sieht in Erez Israel ein sozialistisches Experiment zu machen. Was hat die Industrie in Erez Israel geschaffen? Sie finden die Ziffern zum Teil in dem Berichte der Exekutive au den Kongreß. Unser Präsident hat wohl von diesen Berichten in seinem Referat keine Kenntnis genommen. Die jüdische Industrie in Palästina beschäftigt etwa 12.000 Arbeiter und es leben direkt zirka 50.000 Seelen, direkt und indirekt zirka 53.000 Seelen von der Industrie. Wir haben im Lande 3,570.000 Pfund investiert und gaben i. J. 1929 ,eine Produktion von 2,480.000 Pfund heraus. An Löhnen haben wir zirka 550.000 Pfund bezahlt (ohne Ruthenberg-Zentrale, „Nescher" und Potash-Company). Wenn Sie wissen wollen, welchen Wert diese Produktion von 2Va Millionen Pfund für das Land hat, so notieren Sie, daß hiervon zirka 1 Million Pfund für Rohstoffe ins Ausland gehen, und im Lande 1,400.000 Pfund verbleiben. Dagegen beträgt der Wert der landwirtschaftlichen Produktion aus den Siedlungen der nationalen Fonds nach Abzug der Beträge, die ins Ausland gehen für Samen und Maschinen, sowie nach Berücksichtigung des Eigenverbrauches der Siedler zirka 800.000 Pfund. Also von der Industrie, die angeblich nicht lebensfähig war, für die nach Ansicht unserer Exekutive keine Lebensmöglichkeit bestand, von der Industrie, die unsere nationalen Fonds fast nichts kostet, verbleiben im Lande 1,400.000 Pfund, von der nationalen Kolonisation, die uns Millionen kostet, verbleiben im ganzen zirka 800.000 Pfund, wobei ich mir zu bemerken erlaube, daß die jüdische Industrie um zirka 20 bis 25 Prozent höhere,Löhne bezahlt als die Landwirtschaft. Wenn wir der Linken dieses Verhalten der Exekutive und der nationalen Fonds vorwerfen, so gelben sie uns zur Antwort, daß auch für Industrie hunderttausende Pfunde ausgegeben wurden und daß die Industrie ungeheure Kredite von der Anglo- Palästina-Bank erhalten hat. Diese Behauptungen waren auch vor zirka zwei Monaten in der Arbeiterzeitung „Dawar" in Tel-Awiw zu lesen. Ich will Ihnen verraten, welche ungeheure Beträge die nationalen Fonds für die Industrie ausgegeben haben. Erstens: 100.000 Pfund für das Ruthenberg-Kraftwerk. Diese 100.000 Pfund rechnen unsere Freunde von der Linken auf das Konto der Klein- und Mittelindustrie, vergessen aber zu sagen» daß die Exekutive vergessen hat, ihren Einfluß beim Ruthenberg-Kraftwerk dahin geltend zu machen, daß wir Strompreise bekommen, bei denen eine Industrie lebensfähig bleiben kann. Wir zahlen im Lande für Licht 1 sh., di i. zirka das Fünffache des Berliner. Strompreises; für Kraft 20 Millim *= 40 Pfennig, d. i. zirka das ß^tfache des Berliner Kraftpreises. Zweitens hat sich die Exekutive mit 50.000 Pfund an der Toten-Meer- Konzession beteiligt. Wir können über diese Gesellschaft noch nicht viel sagen, hoffen aber, daß sie ein. Segen für das Land sein wird'. Bemerken will ich, daß diese beiden Gesellschaften zum Teil arabische Arbeiter beschäftigen, während die jüdische. Klein- und Mittelindustrie hundertprozentig jüdische Arbeiter beschäftigen. Drittens hat die Exekutive i J. 1925, als die Krise im Lande at» höchsten war, der Industrie Darlehen in der Gesamthäfc» von 45.000 Pfurwl gewahrt, wovon zirka 38 Prozent bis heute rückgezahlt wurden. Wollen Sie wissen, wie viel ans der landwirtschaftlichen nationalen Kolonisation bisher zurüokbezahlt wurde? Ich werde es Ihnen sagen: Noch nicht ein Pfund» 6,000.000 Pfund kamen aus Keren Kajemeth -und Keren Hajessod nach dem Krieg nach Erez Israel. Die jüdische Industrie, Burganim, ebenso wie diejenigen, die zu 90 Prozent zu diesen 6,000.000 Pfund beigetragen haben, haben von diesen nationalen Fonds •/« Prozent erhalten. Viertens, langfristige Kredite der Afrae und Mobil. Die Industrie hat, sage und schreibe, 18.000 Pfund an Peraonalkrediten und Hypothekkreddten erhalten, 8000 Pfund von A, P. B, und 10.000 Hypothek:-Kredit von der BrandeisiBanik. Was fordern wir vom Kongreß? 1. Langfristige Kredite, die uns ermöglichen sollen, die Schläge, die wir durch das passive Verhalten der Exekutive und den arabischen Boykott erlitten haben, zu tilgen. Ohne langfristige Kredite wird die Industrie in Palästina nicht bestehen können. Es ist eine nationale Pflicht jeder zionistischen Exekutive, dasjenige Element, welches aus eigener Kraft so viel für das Land geleistet hat, zu fördern und zu stützen. 2. Eine Industriebank, Wie Säe wissen, haben einige Kongresse die Gründung einer Industr$- bank beschlossen und für diesen Zweck wurden vor einigen Jahren 10.000 Pfund nach Palästina überwiesen. Das Geld erreichte uns niemals und wurde, ob mit Recht oder Unrecht, ich wedß es nicht, für andere Zwecke ver- Pension ,Austria' Vöslau IOLQA KAOISCH) JlgwiMurarstraa« 10 TwttßhoH Mis t4t Für Dauer' und Erholungsaufenthalt Jeder Unterricht Im Hause, auch Nachhilfe für öffentliche Schulen besuchende Kinder. - Päslagf IMh einwandfreie Leitung durch staatlich geprüfte Lehrerin Erstklassige Verköstigung. - Mütterliche Pflege. - MHBlfl« Preis« 1 Oesterreichische Credit-Anittlt für Handel und Gewerbe KUNDMACHUNG. Die fünfundsiebzigste ordentliche Generalversammlung der Aktionäre der Oo^errdcMBchert Credit- Anstalt für Handel und Gewerbe findet Dienstag, den 4. August 1931, 1t Uhr vormittags, im Mittleren Konzerthaussaale in Wien, III., Lothringerstraße 20, statt. Gegenstände der Verhandlung »indt 1. Jahresbericht des Verwaltungsrates. 2. Bericht des Revisionsausschusses über den Rechnungsabschluß des Jahres 1950 und Beschlußfassung über denselben, 3. Beschlußfassung über den Antrag des Verwaltungsrates auf Herabsetzung d«o Grundkapital*!, Zusammenlegung der Aktien und Erhöhung des Grundkapitals durch Ausgabe von Vorzugsaktien, wonach das Grundkapital, und zwar mit Rückwirkung auf den 31. Dezember 1930, 177,500.000 Schilling betragen und in Ö81.250 Stammaktien zum Nennwerte voni je 100 Schilling und 893.750 Vorzugs-aktien zum Nennwert von je 100 Schilling zerlegt sein wird. 4. Beschlußfassung über die durch die Rekonstruktion bedingten Statutenänderungen. 5. Wahlen in den Verwaltungsrat. 6. Wahl des Revisionsausschusses für da* Jahr 1951. Die stimmberechtigten Herren Aktionäre, welche an der Generalversammlung teilzunehmen wünschen, werden hiermit eingeladen, ihre Aktien samt Kupons innerhalb der durch das bereits beschlossene 4. Oedit- Anstult-Gesetz festgesetzten Frist, d. i, vom 24. Juli bis 29. Juli d. J. zu deponieren, und zwar in Wien bei der Effektenabteilung der Anstalt, I., Am Hof 6, an Wochentagen von 9 bis 12 Uhr, in Bregenz, Feldkireh, Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Leoben, Linz, Salzburg, St. Pölten, bei den Filialen der Anstalt. An den übrigen Plätzen findet der Erlag bei den hiefür bestimmten Anmeldestellen statt. Je fünf Aktien geben das Recht auf eine Stimme. WIEN, am 23. Juli 1931. Oesferrelchische Credit-Ansfalt für Handel und Gewerbe —— 1 1 ~mmm—*mmmmmm—mmmmmm-mmw—mmmm-mm--—m—m wendet. Im Finanzbericht vom 16. Zionistenköngrefl erscheint ein Posten von 25.000 Pfund unter dem Titel „Für eine Industriebank" überwiesen. Unser Verband hat sich erlaubt, bei der Zionistischen Exekutive in Jerusalem anzufragen, wo wir uns diese 25.000 Pfund holen können. Es wurde uns geantwortet, die 25.000 Pfund der Indiustriebank wären ein Druckfehler im Bericht. 3. Ausbau der Abteilung für Handel und Industrie bei der Zionistischen Exekutive in Jerusalem, da ohne eine solche Abteilung ein richtiger Informationsdienst zur Förderung der Industrie ausgeschlossen erscheint. Es besteht wohl eine Abteilung für Handel und Industrie bei der Exekutive, doch ist dies bloß ein Aushängeschild für die dummen Juden in der Welt, die glauben sollen, daß die Exekutive ein Interesse an der Entwicklung von Industrie und Handel habe. Tatsache ist, daß die Abteilung aus einem Beamten besteht, der sein eigener Direktor und Schammes ist, und dem nicht einmal eine Schreibmaschine zur ständigen Benützung zur Verfügung steht. Die Exekutive, hatte auch die Absicht, diese Abteilung zu sistieren, da ja nach ihrer Meinung für Industrie im Lande kein Platz sei. Auf unseren schärfsten Protest und das Dazwischentreten der Spärkommission mußte die Exekutive diese Abteilung, deren Ausbau, wir unbedingt , fordern, bestehen lassen, ja, auch die Sparkommission forderte Ausbau dieser Abteilung. 4. An Siedlung unserer Arbeiter. Die zionistischen Fonds haben bisher nur Interesse für landwirtschaftliche Siedlung gezeigt, um der Welt das Ideal einer sozialistischen Siedlung vorzuführen. Wir haben aber als Juden und Zionisten, die nach Palästina gekommen sind, um ebenfalls am Aufbau teilzunehmen,, ein Interesse daran, daß unsere Arbeiter von den nationalen Fonds ebenso behandelt werden wie die Chaluzim der .Landwirtschaft. Auch unsere Arbeiter sind Chaluzim, Pioniere der Arbeit. 5. Vollstä'ndigeAe.nderung^deB Zollsystems. Wir verlangen Zollfreiheit für .Rohmaterialien für die Industrie, Schutzzölle für die im Lande erzeugten Artikel. Wenn Sie vielleicht in Zeitungen und Zeitschriften Aeußerungen gefunden haben, daß Palästina dazu berufen ist, im Handel des Orients eine Rolle zu spielen und diesen Orient mit Industrieartikeln zu versehen, dann kann ich Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, daß diese Behauptung keine Phrase mehr ist. Palästina wird ein Industrieland sein, und wenn wir es nicht machen werden, werden es andere Völker tun. Diese kleine, jinnge Industrie hat im Jahre 1929 für zirka 30.000 Pfund Industrieartikel exportiert und Säe können sieh denken, welchen Aufschwung die Industrie genommen hätte, wenn die Exekutive und die nationalen B'onds ein Verständnis für die Industrie als Aufbaufaktor gehabt hätten. Heute sagt uns die Exekutive, sie habe kein Geld für unsere Zwecke. Aber wir stehen auf dem Standpunkt, daß, wenn es kein Geld gibt, .es-für niemand da sein darf. Gebe es aber Geld, so muß auch unser Wirtschaftszweig gefördert werden« denn wir sind mindestens ebenso wichtig für den Aufbau wie die Landwirtschaft Bemerken will ich noch, daß wir von der Industrie durchaus nicht gegen eine landwirtschaftliche Kolonisation sind. Im Gegenteil,' wir brauchen eine starke landwirtschaftliche Kolonisation als Kunden für unsere Industrieartikel, ebenso wie die Landwirtschaft uns als Abnehmer für ihre Erzeugnisse braucht Alber es geht nicht an, daß für einen Wirtschaftszweig und eine Klasse das gesamte Geld ver wen« det wird, das von der anderen Klasse und dem anderen Wirtschaftszweig gegeben wird. Und nun gestatten Sie mir noch eine Bemerkung «um Budget das seitens der Exekutive diesem Kongreß vorgelegt wird. Es wird genau deutlich machen, wie das Verhalten der Exekutive auch jetzt gegenüber der Industrie ist Im Mai d. J. hat die Exekutive in Jerusalem ein Budget für den Kongreß zusammengestellt, «n welchem für Handel und Industrie, Erforschung der Märkte, Handelsagenturen 2800 Pfund, zirka a/« Prozent des Gesamtbudgets, vorgesehen waren. Hier in Basel wurde erst ein neues Budget ausgearbeitet in welchem für Handel und Industrie nicht ein Pfund enthalten war. Erst auf unsere Vorstellungen hin hat sidi der Finanzreferent, Herr Dr. Senator, entschlossen, die schon sprichwörtlich gewordenen 800 Pfund für das Departement für Handel und Industrie einzusetzen, um dieses Departement abermals als Aushängeschild für die jüdische Bourgeoisie ini Gallith zu halten. Dagegen erhält die landwirtschaftliche Versuchsstation 11.000 statt 10.000 Pfund. Unsere Exekutive klagt, sie habe kein Geld und führt diesen Geldmangel auf die Wirtschaftskrise zurück. Wir behaupten, daß diese Begründung der Exekutive falsch ist. Hätten wir in Palästina Wirtschaftsführer gehabt, die sich nicht um sozialistische Experimente, sondern um den nationale! Aufbau in allen Klassen interessiert hätten, so wären heute Positionen im Lande, auf Grund welcher eine starke Einwanderung von Mittelstand und Kleinkapitalisten erfolgen könnte. Aber da die Exekutive und die nationalen Fonds bis jetzt ihre Aufgabe darin sahen, in Palästina sozialistische Experimente zu machen, sind wir heute so weit daß auch für die nationalen Fonds kein Geld mehr da ist. Die jüdische Bourgeoisie als Geldgeber der nationalen Fonds hat nur Verständnis für ein jüdisches Palästina, aber nicht für ein sozi a listisches Experiment Machen Sie die Exekutive wieder rein zionistisch. Machen Sie die nationalen Fonds wieder zu aionistischen Fonds, die zur Förderung aller Bevölkerungsklassen da sein sollen, dann werden Sie Geld für Erez Israel bekommen und auch Menschen mit Geld und dann wird Ere? Israel so jüdisch werden wie England englisch. AUS PALÄSTINA. / Herzl-Gedeiikfeier in Jerusalem- Anläßlich des Todestages Theodor Herzls wurde kn Gebäude des Hauptbüros des 'Jüdischen Nationallfonds zu Jerusalem am Sonntag, den 5. Juli, ein HerzkGedenk« zimmer eröffnet, das die Einriohtungsgegenständ© des Arbeitszimmers Herzls enthält. Auch die ihm von ver* sohiedenen Staatsoberhäuptern verliehenen Orden sind in dem Zimmer ausgestellt, Bei der Eröffnungsfeier hielten Colonel, Kisch namens der Zionistischen Organisation, Hermann Struck namens des Jüdischen Nationalfonds und Ben Zwi namens des Waad Leumi Ansprachen. Am Vorabend leuchtete von, der Spitze des, Gebäudes, das eine architektonisch beherrschende Stellung in Jerusalem einnimmt, in großen, aus elektrischen Glühbirnen zu* sammengesetzten Schriftzeichen das HerzUWort: „Wenn ihr woHt,. ist. es kein Märchen." Tischa be Ab in Jerusalem. — lieber 10.000 Besucher an der Klngeanouer- Jerusalem, 26. Juli. (J. T. A.) In herkömmlicher Weise wurde in Jerusalem in der Nacht vom 22. awf den 23. Juli der Vorabend von Tischa ibe Ab gefeiert Ueber 10.000 Juden, zum größeren Teil Jugendliche, zogen in feierlicher Prozession an der Klage? mau er vorüber, während die älteren Leute auf dem Platz vor der Klagemauer saßen und 'Klagelieder sangen. Da jede. Art von Beleuchtung verboten war, war der Kiagewauerplatz in vollständige Finsternis gehüllt In den Durchgängen zum Platz patrouillierten britische Polizisten, während auf dem Platz selbst 50 jugendliche jüdische Ordner eine Mittelkette,bildeten, um die herum sich der Zug in Einzelreihe bewegte. Der Vorbeimarsch dauerte von Sonnenuntergang bis Mitternacht Am Schlüsse des Zuges kamen, begleitet von jungen Jeecbiwah-Hörern, die orthodoxen Beter, zum Zeichen der Trauer barfuß. Die Ordnung wurde von zahlreichen Verwaliungsbeamten und Poluseioffiziereu unter Leitung des jüdischen Dls'triktsbeamten Julius J a c k o b s überwacht, der ein Exemplar des Berichtes der Kiag&mauer-

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