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Die neue Welt · 1931-07-31 · Heft 202 (31.7.1931) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 202 (31.7.1931)
Date
1931-07-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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f ***** itfttS ffSCfÜ VTtSUt HbMtf tu HeiratsangelegenheltM wenden 3le sich tritt Vei trauen an M. L SeMottagif, Wien, fir. MohrtAstft*« M/Ä7 Telephon JM*>ft*ft Seriös, diskret, Beziehungen zu den besten Kreisen. meinde wurde mit acht gegen sieben Stimmen der be» kannte Aguda«Führer Herr Eli Mazur gewählt. Den Ausschlag gab die Stimme des Vorstandsmitgliedes Stanislaw Rosenberg, eines früheren Zionisten, der jetzt der Aguda beigetreten ist. Die sieben zionisti* sehen und misrachistischen Vorstandsmitglieder (natio* nakdemokratischer Block) stimmten für den bisherigen Präsidenten Heschel Farbstein, der in der Minderheit blieb. Zum Vizepräsidenten der Gemeinde wurde der Agudist Moses Lerner mit der gleichen Stimmenzahl ge* wählt, nachdem der zum Vizepräsidenten vorgesclagene Zionist Herr Moses Feldstein erklärt hatte, daß er eine Verantwortung für die Tätigkeit der jetzigen Mehr« heit nicht übernehmen könne. Herr Eli Mazur dankte für die Wahl Und erklärte, er werde das Amt eines Präsidenten der größten jüdi* sehen Gemeinde Europas (die Gemeinde Warschau zählt heute über 350.000 Mitglieder) mit Stolz und Verantwor* tungsbewußtsein ausüben und auf das Wohl der gesamten Gemeinde ohne Ansehung der Partei bedacht sein. Zum Präsidenten der Repräsentantenversammlung der Warschauer Jüdischen Gemeinde wurde der Führer der polnischen Aguda Herr Jacob Trocken« heim gewählt. Das Mitglfed der Refrasentantenversammtung der Warschauer Jüdischen Gemeinde Herr Bialer wurde wäh* rend der der Wahl des Präsidenten der Gemeinde vor* angegangenen Beratung der Aguda#Fraktion In der Ge» meinderepräsentanz von einem Unwohlsein befallen. Er wurde in seine Wohnung gebracht, wo er bald darauf ver* starb. Bialer, der ein Alter von 75 Jahren erreicht hat, gehörte der Gemeinderepräsentanz seit vielen Jahren an und war einer der angesehensten „Chassidim" iti Warschau. Jüdische Tote und Verwundete wahrend der Sturmkatastrophe in Lublin Warschau, 25. JuK. Während der Sturmkat«* Strophe, von der die Stadt Lublin und Umgebung heimgesucht wurden, sind einige Juden umfl Leben gekom* men, mehrere wurden verletzt, Auch ist eine Anzahl jüdischer Familien, denen der Sturm die Häuser zerstört hat, obdachlos geworden, In den Straßen von Dublin wur* den drei Juden getötet: Der 40jährige Fuhrmann Josef Bregmau wurde samt Wagen und Pferd yom Sturm in die Luft gehoben und gegen ein rlaus geworfen; er und das Pferd wurden zerschmettert. Der Kaufmann M. Wol* k öw i c z und ein Jude, dessen Name hoch nicht fest* gestellt werden konnte, wurden in einer Straße in Lublin tot aufgefunden, Zwei Autobusse auf der Chaueeee Lublin—Pjusk wurden umgeworfen, wobei einige ReU> sende getötet imd mehrere verwundet wurden,' Unter den Opfern befinden sich mehrere Juden. Protestantismus und Hakenkreuz Berlin, 27. Juli. Der Evangelische Bund, dee jsich für politisch, unpa rt <?iißch erklärt und „seine Aufgaben in erster Linie in der Pflege protestantischen Oeffentlichkeltsiwillens siehtM, hatte1'auf seiner diesjährigen Generalversammlung der Frage „Na t ionaUeroue und Protestantismus" «in Referat gewidmet, das von dem rheinischen Bundesführer D. Hermann K r e m e r ö gehalten, wurde, und nun unter obigem Titel in den ..Volksecbt^ten de« Evangelischen Bundes" erschienen ist. Die, Kehrichten für evangelische Gemeinde- und Sonntagsiblätter (W^tteii^ngen des Evangelisehen Bundes)" widmen dem Vortrag offiziell, eine rüekhaltlo« zustimmende Besprechung, in der darauf hingewiesen wird, daß der Nationalsozialismus heutedie wichtig« t e geistige Bewegung ist. und daß Kremere mit diesem Referat „eine wirklich grundlegende und wegweisende Arbeit geleistet hat". In dem Erwachen des Natkinalöoaialltttnw, heißt e« in der Auslassung des erwähnte» Organs de? Evnngelischen B»ndee, begrüßt der Yer$a*se* einen Aufbruch d e r d e u t s c h e n S e e 1 e» die grundsätzlich zu bejahen ist? VeJkßtum ist Gottesschöpfung, es ist Träger einer eigenen Idee. Des ist Luthersehe r Geist, der hier spricht. Und diesem Geiste gegenüber hat der Protestantismus Aufgeben. A4* ein Verdienet de« Nationalsozialismus bezeichnet das Mitteilungsblatt des Evangelischen Bundes das Aufwerfen der Rassenlrage. wen» auch der Protestantismus jede KassenvengQUnn^ entschieden ablehnt. In diesem, Sinne sei der St*«t»gedättke des Nationalismus — der Staat kein ZM*kyexbät)4, sondern Blutsverband ~ sowie die gelegentlich als «preufifah" bezeichnete Sozialmofai nicht abtulehnen. Eine «weh« Gefahr drohe dem I^tWn*J*oziaiwaieo von Rom; ,&> sehr aul der einen Seite begrüßt werden muß, daß Hitler sich gegen jede Verquick ung von Religion md Politik, und damit vor allem gegen das Zetfnm, wendet, so sehr scheint, doch «ein Blick getrtbt mi «ein fcfcr die umiassende Bedentang der Reforamtfon f»r da« deutsche Geistesleben und die deutsche. Ccsrtifcetrte * Der Protestentiertite, so wird gefolgert, sei auf dem richtigen Wege, „wenn er die Aufgabe führt, als warnender treuer Eckart der nationalsozialistischen Bewegung auf Seite zu treten". Kreroers Schrift, heißt es zum Schlüsse, soll dem Nationalsozialismus das Besondere seiner Idee klar machen, insbesondere aber den deutschen Protestantismus aufrufen, «daß er den Sinn der historischen Stunde, die Jetzt anhebt, erkenne und seine geschichtliche Ausgebe in Ihr erfülle". Freisprach im Kölner RifunJmordproÄeß Köln, 24. Juli. (J. T. A.) Ein Ritualmordprozeß wurde erneut vor der Großen Strafkammer in Köln ver« handelt. Der nationalsozialistische Redakteur Grohe des „Westdeutschen Beobachter" wurde von der Anklage der Beschimpfung der jüdischen Religionsgesellschaft und der Aufreizung zum Klassenhaß freigesprochen, Grohe hatte in einem Artikel die Ritualmordprozesse seines Parteifreundes Dr. Ley besprochen und dabei er* neut die Behauptung aufgestellt, daß Ritualmorde vor* gekommen und erwiesen seien. In der Vorinstanz war Grohe zu RM. 300 Geldstrafe verurteilt worden. Wählt das deutsche Bürgertum nationalsozialistisch? Berlin, 26. Juli. In Neustadt a. d. Aisch (Mittel* franken) fanden vor kurzem Stadtratswahlen statt, die fol* gendes Ergebnis zeitigten: Sozialdemokraten 4 Sitze (frü* her 4), bürgerliche Parteien 5 Sitze (11), Nationalsozialisten 11 Sitze (5). Die Nationalsozialisten haben also de* absolute Mehrheit tm Stadtrat erobert. Die Konfessionen an den deutschen Hochselmlesn Berlin, 26. Juli. Die deutschen Universitäten zahlten laut den neuesten statistischen Angaben im letzten Wintersemester bei einer Gesamtzahl von 130.072 Studen* ten 66 Prozent Protestanten, 28 Prozent Katholiken, 4,39 Prozent Juden und 1,55 Prozent Konfessions« lose; die technischen Hochschulen 72 Prozent Protestan« ten, 21 Prozent Katholiken, 2,3 Prozent Juden und 4,4 Prozent Konfessionslose. Die deutsche Gesamtbevöl« kerung setzt sich aus 64,1 Prozent Protestanten, 32,4 Prozent Katholiken, 0,9 Prozent Juden und 2,6 Prozent Sonstigen zusammen. Die Universitäten m jüdischen Studenten mit etwa 10 Prozent, es folgen dann Heidelberg und Freiburg. Staatspensionen für Rabbiner in Lettland Riga, 24. Juli. Der lettländische Sejm hat ein Gesetz angenommen, durch das allen in Lettland tätigen Geist«, Hohen Pensionsberechtigung zuerkannt wird. Das Gesetz wird auch auf die Rabbiner der verschiedenen jüdischen Gemeinden Lettlands Anwendung finden. Auf Grund des neuen Gesetzes werden alle Geistlichen, die ein Dienstalter von 25 Jahren und ein Lebensalter von 55 Jahren erreicht haben, Anspruch auf eine staatlich«) Pension haben. Industrie in Palästina Eine nidil gehaltene Kongreftrede Von Leo Schöner, Vertreter der Manufacturers Association of Palestine Wir haben in einer Reihe von Aufsätzen auf die Bedeutung einer Industrie für den Aufbau Palästinas hingewiesen und gleichzeitig aufgezeigt, in welchem Maße die Vernachlässigung, dieser Frage seitens der kompetenten Faktoren sich zugunsten des Wirtschaftslebens Palästinas und der jüdischen Einwanderung ausgewirkt hat. In Basel wurde der Frage der Industrie ein gewisses Maß von Aufmerksamkeit geschenkt. Herr Leo Schöner, ein führender Fachmann auf industriellem Gebiet in Palästina, hielt im Rahmen der revisionistischen Parteikonferenz in Basel ein Referat, das alle wesentlichen Punkte einer Indwstrieentwjcklung erschöpfend behandelt. Von dieser „nicht gehaltenen Kon- 'greßrede" veröffentlichen wir hiemit den Schluß» >• ■ jr- ■■ ' n. Als das jüdische Volk als Antwort auf das natio-, nale Unglück, das uns getroffen hatte, mehr als eine hallte Million Pfund für den Keren Haesra (Emergency Fund), nach Palästina sandte, war es für alle eine Selbstverständ'ldchkeit, daß aus diesem Fonds die unter dem Boykott schwer leidende Industrie langfristige Kredite erhalten werde, damit sie sich konsolidiere und die schweren Schläge überwinden könne. Es gab Fabrikanten, dde mit großen Lagern an Waren nicht einmal einen Schilling auf Brot hatten. Dies ist keine Phrase, sondern im vollsten Sinne des Wortes wahr. Wir verlangten, daß man der Industrie aus diesem Keren Haesra 50.000 Pfund für langfristige Kredite zur Verfügung stelle. Herr Raw Berlin und Herr Ruthenberg, die damals in der Kommission dieses Fonds saßen, hatten Verständnis für unsere Forderung. Aber dde Verhandlungen zogen sich in die Länge, da Aussicht bestand, daß aus diesem Hilfsfonds nach Bezahlung der direkten, Schäden eine Aufbaubank geschaffen werde mit einem Kapital von ungefähr 300.000 bis 400.000 Pfund. Eine solche Baak hätte Wunder gewirkt. Nach einiger Zeit erklärte man uns, 50,000 Pfund wären zu viel, man werde uns 30.000 Pfund zur Verfügung stellen. Doch sei das Geld noch nicht eingetroffen., Dann sagte man uns, die Exekutive könne vorläufig .überhaupt keine Gelder, zur Verfügung »teilen, da über den Hilfsfonds der neu, eintreffende Dr.. Hexter verfügen werde. Dr. Hexter kam,-wir verhandelten nun mit ihm. Er antwortete,,ihm seien die Verhältnisse in der Industrie nicht bekannt, er werde ein« Kommission für diesen Zweck zusammen» steilen, die ihn beraten solle. Die Kommission bestand ans den Direktoren der eingangs erwähnten, dvei Baaken und nun geschah da* Merkwürdige. Wahrend sonst auf der Welt die Banken ein Interesse haben, daß ihre Klienten wirtschaftlich gesund und lebensfähig bleiben, ist auch in Palästina dieses wie vieles andere verkehrt Trotzdem die Bankdirektofen wußten, wie, es um die Industrie durch den Boykott steht, verlangten sie eine genaue Feststellung, wejehe Fabrikanten durch den Boykott gelitten 'haben. Es wurde nun der Kommission eine NameuJiate der Fabrikanten überreicht Ich gebe zu, daß «wei oder drei Namen in der liste waren, deren Betriebe «um Teil schon von früher her geschlossen waren oder durch den Boykott nicht sehr gelitte» hatten. Aber wir dachten, daß hier eine Gelegenheit sei, au« einem solchen Hilfsfonds langfristige Kredite zu erhalten-und so die Industrie zu konsolidieren. Die Kommission lehnte unsere Liste ab und verlangte Bttckerprttfung. Man legte uns einen Fragebogen mit 164 Fragen vor, und Sie können dieses Schanddokuaieut hier im Original bei mir sehen. Saget mir, Ihr Juden am Amerika, Ihr Juden aus Polen und wo Ihr sonst Her seid, die Ihr für den Hilfsfonds gegeben habt. Habt Ihr beim Geben auch Fragen gestellt? Es kamen Bücherrevisoren au una, stellten die Verluste durch den Boykott fest und wir erwarteten mun die langersehnten Kredite. Nachdem alle Untersuchungen fertig waren und die Bänken' dieses Material wohl für ihre eigenen Zwecke gebraucht haben, wurde uns seditena des Herrn Dr. Hexter erklärt, der Hilfsfonds sei nur für direkte Opfer der Unruhen da und nicht für langfristige Indnsiriekrediite, auch wenn die Industrie unter dem Boykott gelitten habe. Trotzdem wäre es unrecht von mir, nicht zuzugeben, daß einige Fabriken langfristige Kredite erhalten haben, und zwar insgesamt zirka 2800 Pfund, Dies hat aber seinen Grund darin, daß diese Fabrikanten den einzelnen Banken Geld schuldig waren und diesen erklärten, sie würden, falle sie keine Hilfe aus dem Keren Haesra erhielten, bankrott und die Banken würden Geld verlieren. Die Schecks für diese Firmen gingen durch diese Banken und meines Wissen* haben die mit der Anleihe bedachten Fabrikanten die Beträge nicht voll erhalten» So schwebt gegenwärtig edn Schied»« gerichtsverfahren gegen die Paleetw» Corporation, die von dem einer Firma iiberwiownen Kredit von 1300 Pfund nur 400 Pfund der Firma ausbezahlt hat Ich sagte, daß Herr Dt» Hexter erklärt habe, der Hilfsfonds sei nur für direkte Schäden au* den Unruhen da, und wir wunderten uns, ate wir nach einiger Zeit in den Zeitungen und in den diversen Berichten lasen, daß Straßen zu diversen Siedlungen gebaut werden und das Geld für diese Straßen zum Teil ans diesem Hilfsfonds stammt. Es geläng uns, von dem Hilfsfonds weitere' 2000 Pfund, und zwar' 1600 Pfund für Exportprämien und 400 Pfund für Reisespesen herauszupressen. Diese 2000 Pfund und die kurzfristigen Kredite, die wir in Tel-Awiw durch' besonderes Entgegenkommen dm Direktors Levontin der Filiale der Anglo-Pal&stitaa* Bank erhielten, haben wahre Wunder gewirkt und die jüdische Industrie über den schwierigsten Punkt gebracht. Eine weitere Hilfe seltene des Hilfsfonds von Dr. Hexter wurde uns verweigert mit der Begründung, es sei kein Geld da. Wir waren aber sehr erstaunt, ab wir vor einigen Wochen aus dem Bericht über die Ansiedlung der Tausend erfuhren, daß für diesen Zweck aus (lern Hilfsfonds 50.000 Pfund gegeben werden. Wenn uns erklärt wurde, daß der Hilfsfonds' kein Geld mehr habe, frage ich Sie: Welcher direkte Zusammenhang besteht zwischen der Ansiedlnng der Tausend und den Unruhen? Warum sind fftr Zwecke de* Linken 50.000 Pfund vorhanden, warum hat man. uns belogen^ es war© kein Geld mehr da? Wir wissen nicht, wer Dr. Hexter das Recht gab, mit dem Geld so zu wirtschaften, aber eines Winten wir, daß diese« Geld, ebenso wie alle anderen Fonds, au 90 Prozent von bürgerlichen Zionisten gegeben wurde und auch wir haben als Bürger Palästina» und Mitarbeiter am Aufbau ein Recht, fflr unseren Wirtschaftszweig Förderung und Hilfe zu verlangen, Ais d$e Mäuaeplag» im Emek so furchtbare« Schaden anrichtete, wußte die Exekutive, daß es ihre' nationale Pflicht sei, den Siedlern, die durch , force majeure in Not geraten sind, zu helfen, Ist es nicht eon nationales Unglück, wenn die jüdische Industrie durch den arabMcbeu Boykott bedroht war un4 fctf Warum war für uns keine Hälfe da? Weil wir Burganim «rind und die Zionistische Organisation ihre einzige Aufgabe

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