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Die neue Welt · 1931-07-31 · Heft 202 (31.7.1931) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 202 (31.7.1931)
Date
1931-07-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Mr. 302 DIE NEUE WELT Wie sogar so gemäßigte Elemente, wie es die eng* tischen Zionisten sind, diesen Anschlag empfinden, be« weist der Schritt, den der Vorsitzende der politischen Kom« mission der Zionistischen Organisation Englands, Paul Goodman, unternommen hat. Dieser richtete an Lord Passfield ein Schreiben, in welchem er darauf hinwies, der Ausdruck „Ländereien, die in jüdische Hände fielen", könnte bei den englischen Zionisten den Eindruck er« wecken, daß die Instruktionen Passfields in dem Geiste ausgeführt werden sollen, der in dieser Formuli e« r u n g zum Ausdruck kommt. Goodman bemerkt in seinem Schreiben, daß die Aufmerksamkeit der englischen Regierung wiederholt, aller« dings erfolglos, auf die Frage der im Artikel 6 des Palästina« Mandats vorgesehenen Zuweisung von Staatsländcreicn und Ocdland zum Zweck geschlossener jüdischer Siedlung gelenkt wurde und daß alle für jüdische Kolonisa« tion in Palästina erworbenen Böden nicht nur gesetzmäßig und zu einem mehr als angemessenen Preis er* worben wurden, sondern daß auch in vielen Fällen den arabischen Pächtern außerdem eine Entschädigung gewährt wurde, obwohl eine solche gesetzlich nicht vor* gesehen war. Berichten aus dem englischen Unterhaus kann man entnehmen, daß die Regierung eine parlamentarische De« batte über den Landentwicklungsplan bis zu dem Zeitpunkt hinausgeschoben wissen will, bis die Anleihe dem Paria« ment zur Annahme unterbreitet wird. Lord Passfield hat an den High Commissioncr einen Bericht gerichtet, worin er darlegt, wie der Landentwick« lungsplan in seiner gegenwärtigen Form zustande ge« kommen ist und dem sich eine offizielle Kundmachung über die durchzuführenden Vorarbeiten anschließt. Die Vorbereitungen sind also im Gange. Auf der neuen Exekutive lastet in dieser Hinsicht schwere Ver* antwortung. Kritische Bemerkungen des „Manchester Guardian" zur Regierungserklärung über den Landentwicklungsplan London, 24. Juli. Von den großen englischen Tageszeitungen hat vorläufig bloß „Manchester Guardian" zur Regierungserklärung über die Vor* bereitung der Durchführung des Landentwick* lungplanes Stellung genommen. Das Blatt unterzieht in seinem Leitatikel vom 21. Juli diese Erklärung einer scharfen Kritik und behauptet, die britische Rc* gierung habe das Bodenproblem in Palästina nunmehr in einer Weise dargelegt, die „sich mit dem Geist des Mandats, das England die Pflicht auferlegt, eine dichte jüdische Siedlung zu ermutigen, nicht vereinbaren lasse". Palästina sei ein kleines Land, die Regierung aber habe es noch kleiner gemacht. Die Araber hätten die Möglichkeit, zwischen dem Lande östlich und westlich des Jordans zu wählen; während Palästina stark bevöl* kert sei, sei Transjordanien ein leeres Land. Obwohl der arme Fellache auf einer neuen Pachtung jen* seits des Jordans glücklicher leben könnte als in seinem alten Heimatsdorf, lehne es die britische Regierung ab, eine solche Lösung in Betracht zu ziehen, und behandle Transjordanien vollkommen a3)s ein unab* i hängiges '.Gebiet, obwohl es rechtlich einen TeiI des palästinensischen Mandats* gebietes bilde. Zum Schluß wird erklärt, der Land* } >N \1a#44£L/^ .,-„,. ^-^^^J^£S52S3jL Wäs ATA purzr vvird frisch, wird reinr £s könnte qarnicht besser sein! ATA putzt und scheuert alles1 entwicklungsplau würde bessere Aussichten haben, wenn die britische Regierung ihre Ansichten in diesem wichtigen Punkte ändern würde. Beratungen der neuen Exekutive der Jewish Agency Basel, 24. Juli. Am 19. und 20 Juli fanden in Basel Beratungen der neugcwähltcn Exekutive der Jewi3h Agency unter dem Vorsitz des Präsidenten Nahum S o* ko 1 ow statt. Mit Ausnahme von H. Farbstein, der schon am 16. Juli nach Warschau abgereist war. und Herrn V i t e 1 e s, der in seiner Abwesenheit vom Council der Jewish Agency in die Exekutive gewählt wurde, nahmen alle Mitglieder der neuen Exekutive an den Be« ratungen teil. Zur Behandlung gelangten die laufenden An* gelegenheiten, insbesondere die Verteilung der Dezernate. Es verlautet, daß Dr. Arlosoroff Mitglied der Palästina*Exckutivc neben Farbstein, Senator B c r k s o n und V i t c I e s werden wird, während in Lon* don außer dem Präsidenten Sokolow die Herren Bro* detski, Locker und zunächst auch Herr Emanuel Neumann ihreen Amtssitz haben werden. Aber auch Herr Neumann gedenkt im Frühjahr 1932 nach Palästina zu übersiedeln, um dort in die Palüstjna*Exekutrve ein* zutreten. Unsere Staatsmänner Gegenseitige Denunziationen und Verunglimpfungen — Sic rufen Nichtzionisten zu Richtern in zionistischen Sachen auf — Nur im Hall gegen die Zionisten-Revisionisten sind sie einig Das frühere Mitglied der Zionistischen Exekutive und der derzeitige Präsident der englischen Zionisten Dr. E d e r ist nach dem Stürze Weidmanns, welchen er und seine Freunde vergeblich zu verhindern trachteten, wütend nach London gefahren. Er hat dort den Zeitungs* leuten eine Erklärung in die Feder diktiert, welche ein Unikum an Haß und Zügellosigkeit darstellt. Er stellt in dieser Erklärung fest, daß die neuge* wählte Exekutive englandfeindlich sei und von einer Verständigung mit den Arabern nichts wissen wolle. .Nach diesem Angriff aufs Ganze nimmt er die Einzelpersonen der neuen Leitung aufs Korn. Präsident Der elegante Herr — der erfolgreiche Mann — der anspruchsvolle Kenner — sie alle lasieren sich nur mit Sokolow ist für ihn ein unfähiger Intrigant und Ver« räter an Weizmann. N e w m a n ein Mann, sonst unbe« deutend, nur dadurch ausgezeichnet, daß er erst Weiz* mann, dann Brandeis und jetzt wieder Weizmann ver* raten hat. Locker ist für ihn kein Zionist, sondern ein „Marxist" (dabei ist Dr. Eder eingeschriebenes Mitglied der englischen Arbeiterpartei). Farbstein ist ganz uns qualifizierbar. Brodctzki, der Leiter der Politik in England, ein haltloser Mensch, der seinen Lehrmeister Weizmann und dessen Lehren für eine Stelle in der Lei« tung verschachert hat. Und überdies sind alle — und das ist wohl der schrecklichste Fluch — verkappte Revision nisten. So spricht ein Mann, der politischer Referent der Zionistischen Weltorganisation war und wiederholt vom Präsidenten Weizmann mit der Durchführung politischer Aufgaben von höchster Bedeutung betraut worden war. Ein .Staatsmann... Professor Brodetzky, jetzt Leiter der zionistischen Politik in London, hat daraufhin die Zeitungsleute zu sich berufen und ihnen eine Erwiderung an Dr. Eder über« geben. Einleitend lehnt er es ab, auf die ihm zugefügten persönlichen Insulte einzugehen. Er führt sie auf eine augenblickliche Geistesverwirrung Dr. Eders zurück, ver« ursacht durch schlaflose Nächte und Wut über die ,,un« verzeihliche Behandlung unseres gemeinsamen Freundes und Führers Weizmann durch den Kongreß". Dann sagt Professor Brodetzky: „Ich bedaure sagen zu müssen, daß Sie durch Ihre Denunziation der neuen Exekutive der zionistischen Sache einen schlechten Dienst erwiesen haben. Sie haben damit unseren Feinden in die Hände g e s p i e 111 Durch Ihre voreilige Denunziation haben Sie unser nationales Interesse ebenso schwer geschädigt, wie im Jahre 1929 nach den Po» KongreßsrStreiflidtter .Von Dr. J. Schechtmann (Paris) Es ist eine sehr umdanikibare Aufgabe, eiainzwei Wochen nach Schluß des Kongresses über ibn zu schreiben: die unmittelbare Firisohe der ersten Eindrücke ist versohwuinden und die für eine vollständige und objektive Würdigung notwendige Distanz noch nicht vorhanden. Doch ist es möglich nnd notwendig, manche Momente des Kongresses zu fixieren. Diese Momente werden wohl auch in einer größeren Entfernung vom Kongreßgetümmel weder ihre Bedeutung einbüßen, noch »uühören, interessant zu sein. I. „Langweilig* Es war ein ..i&ngweiKger" Kongreß. Darin stimmen alle überein. Ein Kongreß ahme Stimmung, ohne Blaaa. Die „Kongreß- Veteranon" sagten wehmütig, daß sie sieh eines so kngweilig-inhaltslosen Kongresses »,nioht eiiisinnen" könnten. Entschlossenere Leute sagten einfach, es sei — „überhaupt kein Kongreß". Wajrmm war es so? Zum großen Teil bewirkte diesen Mangel an Elan die objektive Schwere der La>ge. Abt* eine noch größere Rodle spielten in dieser gedrückten Stimmung zweifellos die offiziellen und liaibaffizaellen Akteure des Kongreßsohauspiels/ Die Eröffnungsrede Sokolows, das auf sie folgernde Referat A. Ruppins, die ihistorisoh-polrtisehen Bekenntnisse einer schönen Seele des Dr. Oh. Weizmainn — all diese Eröffnuingsaiktkorde der aßfiziellen Dirigenten (gaben der Stimmung des Kongresses van Anfang an eine melenühotiiscih-.unsiohere Richtung. Der völlige Mangel an Orientierung, der ibei dem Zünglein an der Waage — bei den Allgemeinen Ztoufetan der Gruppe B — her rechte, machte diese Unsicherheit «Bim LeHaaativ des @tmoen Kongresses, Dte tcxpcAogg howsob&nde eetniidende Ungewißheit lähmte den Gang der Arbeit. Die Plenarsitzungen des Kongresse« wurden vom Vormittag auf den Nachmittag, vom Nachmittag darf den Abend verschoben, aun danin auf den nächsten Tag gedrängt, zu werden; und am nächsten Tag wiederholte sich dasselbe. Der Gr.und: die Kommissionen sind .mit ihren Berichten noch nicht fertig. Und in den Kommissionen herrschte dasselbe Bild: der Permanens ussdhuß kann die Büdnimg der Exekutive nicht vornehmen, da die politische Komimisßiioin sieh über das Endziel des Zionismus noch inioht einig geworden ist; die politische Kommission aiber sitzt und wartet, was Ahr die zu diesem Zweck gebildete Suibkonianission unterbreiten wird; diese Suibkommission kann zu keinem Ende kommen, da die ..Gruppe B" fast stündlich ihre Stellung aind ihre Formulierung ändert. Und so vergehen ermüdende, inhaltslose Tage. Delegierte 'und Gäste wandern wie verschlafene Fliegen in den Couloirs, dm Cafe, werden onit Gerüchten gefüttert und sind nervös. Der größere Teil der vierzehn Tage, die dor Kongreß gedauert hat, verging in fruchtlosem Warten, im Handeln und Schacher« um die Nüance eines Satzes, nm die Uebersetzoing eines Wortes, das etwas bedeuten und gleichzeitig (nichts ausdrücken soll. Der Kongreß war lang, ermüdend und — langweilig. II. Die „Zwischenfälle" Viele erhofften sich von den „Zwischen!allen" die U eberwind ung der Langeweile. Niemand zweifelte daran, daß „Zwischenfälle" — und' zwar stürmische! — kommen müssen, stürmische Szenen" waren sozusagen ein Bestandteil des ungesdtriebenen Programms dieses Kongresses: wie kann es ohne „Szenen" abgehen, wenn sich ja 52 Revisionisten und 17 Arbeiterparteiler auf dem Kongreß befinden?! ,., Solcherlei Hoffnungen thobem sfcfc im allgemeinen nkht entfällt. Einige f Kongreßbesuoher schworen, haiib-sdherzend, halb-ernst, die Einbernfer des Kongresses wegen dieser Irreführung bei Gericht zu verklagen: es gab nicht einmal richtige Zwischenfälle! Denn die, die wirklich geschehen sind, waren ganz, ganz unbedeutend. — „Sogar die Revisionisten erfüllten nicht die auf sie gesetzten Hoffnungen", beklagte sich scherzend eluc-r der enttäuschten Liebhaber kräftiger Impressionen. Die vorgefallenen Zwischenfälle kann mewi sozusagen an den Fingern abzählen. Der erste war einfach die Folge eines 'Mißverständnisses. Am zweiten Tag des Kongresses, am Schluß der melancholischen, mit Veriäcbtstinwnuing getränkten Rede Dar. Weizmenns, rief ein revisonisti&cher Delegierter aus: ,^Eiae Hesped-Rede! Jasgadal we-jißkadasch!" Der Sinn dieses Ausrufes war: Der demissionierte Präsident der Zionistischen Organisation hat das Sterbegebet über den politischen Zionismus gesprochen. Im allgemeinen Lärm glaubte ein anderer Delegierter, ein Leader der Gruppe B, daß mit diesem Ausnuf Dr. Weidmann persönlich gemeint war, und in seiner unvernünftigen» aber edlem Aufregung beschimpfte er dn grober Weise den Revisionisten. Für diesen traten wieder andere Delegierte ein. So vollzog sich ein leibhafter Austausch von Liebenswürdigkeiten. Das ist alles. Alles, was daitüber Jiinatus in der jüdischen Presse <m lesen war — ist der gewöhnliche Seifenschaum gewisser Zeitungen. Es war ein Mißverständnis, das vom jüdischen Temperament aufgeblasen wnrde und am nächsten Tag vergessen war. Man kann es nicht einmal zmm Grad eines „richtigen Äwisehenfalles" erhöben, l*m ehien Garrtd heftige* war dae Sjeene, die «doli bei-Hier Rede fterf toofcow ohopfaik, Dfte

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