Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 202 (31.7.1931)
- Date
- 1931-07-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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&!!e 2 DIE NEÜE WELT ffr. 2W5 *d ^^■■1 \%ütttf&tiätttad ^sss-sss« mnm-mmmm Erhältlich In Apotheken und Fachgeschäften! den Protest zugunsten der verfolgten ileligion ablehnte, wollte anscheinend vor der IL, Internationale nicht als „Klerikaler" dastehen. Wie denn überhaupt in verschiedenen Grundfragen des Zionismus die Herren der Linken manches über Bord werfen, au« der Erwiigung jieraus/sie könnten von ihren eozinlistiscne« Freunden scheel angesehen werden. Man erinnert ßich noch an das würdelose Schauspiel anlHfllich der ^dölka'tapagiie irh Whitechapel, wo dieselben.Ärrcln.: (hadh Erscheinen des Weißbuchs des Genossen Passfield) den allgemeinen jüdischen IW feetat ur^n gegen die Latour-Regierung gelinde gesagt ^- sabotierten. Um bei den Feinden des Zionismu« lieb Kindzu werden. - Wie man Nichtzionisten macht Als vor 2 Jahren in Zürich die sogenannte erweiterte Jewish Agency geschaffen wurde, gab man sich in vielen Ländern Mühe, die zweite Fifty auszubrüten. Es kam zu erheblichen Schwierigkeiten.' Es gibt nämlich Länder, die keine Nichtzionisten haben, und solche, deren Nichtzionisten Schon derart antizionistisch sind, daß sie keine Lust verspüren, die Jewish Agency zu beschicken. Auch wir in Oesterreich haben Nichtzionisten. Sie lagern in den verschiedensten Parteien und ihre organisatorische Gestalt, ist höchst labil. Außerdem sind sie um ein Quentchen antizionistischer als ihre Gesinnungsgenossen mosaischer Konfession — eine andere Vokabel für dieses Gebilde ist nicht zu finden — in anderen Ländern. Es haperte schon in den Gründungstagen der erweiterten Agency mit der nichtzionistischen Vertretung aus Oesterreich. Diese bestand damals aus , 2iwei Herren, die der „Union österreichischer Juden", der antizionistischen Assimilantenorgani- £ation Oesterreichs, angehörten.; , Bei der diesjährigen Jewisb Agency-Tagung hatte man ein noch größeres Gefrett. Woher zwei Österreichische Nichtzionisten nehmen? Die obenerwähnte Union hatte eine besonders antizionistiische Säisoft hinter sich, und da man ihr obendrein' diesmal nur e i n e n Vertreter für die Agency ein-;:?T^äumeh Wollte, schlug sie aus mit, einein .Tempera-^ •ment, das man eiüer so gesitteten. Tischr.uncle nicht „zugetraut hätte. Zuerst lehnte sie,, .die^ Union österreichischer Juden, überhaupt ab, Vertreter zu schicken, und dann, als einer aus einer anderen }Mitte> geschicktwurde, protestierte sie. Diese Palastrevolution ist an und für sich nicht aufregend, interessant aber das, was der Protesttext erzählt. Wir erfahren aus ihm die pikante Tatsache, daß s-ö ziemlich alles, was hier nichtzionistiech organiert istj also Union, B'ne Brith usw., keinen Vertreter nominieren wollte und unsere Hiesigen zionistischen Jewish Agency-Anhänger, die doch um Gottes willen um jeden Preis einen nichtzionistischen Fifty-Mann haben müssen, '(diesen Mann, und koste es, was es wolle, irgendwoher nehmen mußten: sie angelten ihn aus dem neutralen Keren Hajessod-Komitee heraus. '' Und die Union stellte sich auf die Hinterbeine. .Sie,schickte, wie erwähnt, nach Basel an das Büro der Jewish Agency ein Protestschreiben, weil nur sie allein das Privileg des N i ch t z i o n i srn us haiben will. Nun also. Es gibt in Österreich keinen Nichtzionisten für die Jewish Agency. Aber machen mußte man ihn.! Der bibelfesrte MacDonald Wir wissen es nicht nur aus der Geschichte, sondern hörten es letzthin in Basel auch aus dem Münde Prof. Weizmanns: die Liebe des Engländers für' die Bibel, die metaphysische Verbundenheit Englands mit dem Volk der Bibel, mit den Juden. Sie sei es auch, die eine Förderung des Palästina- Werks durch die Engländer gewährleiste ... Wir wissen aber auch, daß die; englischen Staatsmänner sehr gerne die Bibel zitieren. Das deutsche Volk ist in Not. Es macht Anstrengungen, aus dem wirtschaftlichen und politischen Ghaos herauszukommen, gigantische Anstrengungen, und erwartet Hilfe von jenen Regierungen, denen, wie sie erzählen, der Friede der Welt und der Wohlstand der Völker am Herzen liegt —• in unserem Fall von England. Und MacDonald, der englische Premierminister, kommt nach . Berlin und spricht, spricht im Namen Englands zu Deutschland. Er sagt u. a.: „Ein freies und sich selbst achtendes > .Deutschland ist für die Gemeinschaft der Zivilisa-- , tionen unentbehrlich. Genau so wie kein Sperling vom Pach fällt, ohne daß der Schöpfer aller Dinge , (fayop weiß, so kann auch keine Nation, die sich selbst achtet, aufhören, zu existieren, ohne daß fijr »lle anderen Glieder der internationalen Gemeinschaft das «chärfste Unglück erwächst" -} Genau eo wie kein Sperling vom Dm>h füllt.,. Man. bc&oebi nicht beeoodei« echer&rnnie a» sein, um auf kürzestem Wege, ohne waghalsigen Gedankensprung die Analogiemitdemjüdisehen Schicksal herzustellen. Das jüdische Volk ist in Not. Es macht gigantische Anstrengungen, um sich aus dem Chaos zu retten, es will ein freies und sich seihst achtendes Volk werden, und daß es füjp die Gemeinschaft der Zivilisationen nicht Wenig geleistet hat, dürfte |*ohl kein gerechter Beurteiler bezweifeln. Dazli kömmt bekanntlich noch, daß England nicht wegen seiner metaphysischen Verbundenheit mit dem Volk der Bibel, sondern auf Grund international .garantierter Verpflichtung, die Wiederaufrichtung des<■Jüdischen Volkes zu fordern hat. Hier Pflicht, 6*ort fgmer Wille — im Rahmen eigener Interessen.' v . Wir nahen , von MacDonald,,begeisterte Schil- 1 d^ruiigen. über unsere Anstrengungen in Palästina "gehört, wir haben* aber auch von seinen Shaws, .Simpsons, Passfields weniger begeisternde Statements bekommen. In der Bibel kennen wir selbst uns gut aus. Und mit Bibelzitaten ist uns nicht zu helfen, und auch nicht Deutschland. David und Goliath Wenn man das Bild der gegenwärtigen europäischen Lage in eine Formel pressen will, die ihmj gerecht wird, so wird man sich der Einfachheit halber mit dem Begriff „Nachkriegseuropa" begnügen. Alle einsichtigen Politiker und Volkswirtschaftler sind schon längst zur Ueberzeugung gelangt, daß in Europa durch die Verschiebung der Machtverhältnisse das Gleichgewicht erschüttert wurde und divergierende Interessen immer wieder die großen Erschütterungen hervorrufen. Und ge-r rade die jüdischen Massen sind es, die am meisten unter dieser Erscheinung leiden, sei es in den ost-; europäischen Ländern, bei denen ein demokratisches Regime sich noch nicht durchgesetzt hat, sei ejs in Rußland seihst, wo gerade den Jude die Last eines spezifisch nichtjüdischen Druckes auf seinen schwachen Schultern trägt. Die einsichtigen Politiker und Volkswirtschaftler und Völker wissen das, die Hakenkreuz- Demagogie weiß es anders. Sie macht hierin eigene Entdeckungen. Das Organ der österreichischen Nationalsozialisten, die „D e u t s c h ö s t e r r e ichische Tageszeit u n g" („Dötz"), schaut mit hellseherischem Blick hinter fdie Kulissen der europäischen Machtkämpfe Und bringt als Resultat die Enthüllung, daß Frankreich unter dem Diktat des j u tTi s c h e ri Frei ni a ü r e!r t u m s (was ist das?| seine Hiebe gegen Deutschland undvEngland führe, um dann später seihst vom Moloch dieses Freimaurertums verschlungen an ..werden. Diese These scheint; s^oga? der j,Döte-":*zu^iingenügend fnndiert. pärüm sucht sie einen^ vGewährsmanh. Nicht etwa inl^ert" Reihen ihrer dänischen Gesinnungsgenossen 'öder in den bis zum Üeberdruß zitierten sogenannten „Protokollen der Weisen von Zion", sondern in den Reihen der Juden selbst. Sie zitiert unseren Menachem Mendel Ussisehkin, seine Rede auf dem letzten Baseler Kongreß. Es ist jene Stelle, die nach dem Ausbruch tiefen Schmerzes über Englands verfehlte Palästinapolitik in die Worte aus*- klingt: , . :;. „Großes, mächtiges, englisches Volk, versteh' die Lage eines Siebzehnmillionen-Völkes mit. -gewaltigen intellektuellen Kräften und ungeheurem Idealismus, das 2000 Jahre wandert und «ein altes Heim sucht. Zwinge uns nieht den Streit mit dir auf, vergiß nicht'an die Erzählung der Bibel vom. großen Kampf des mächtigen Philisters Goliath mit dem kleinen Juden David." Es ist, wie gesagt,' der Ausbruch edelsten Schmerzes über die Leiden, die ein mächtiges Volk : einem schwachen zu Unrecht zufügt,. es ist der symbolhafte Rückblick auf eine historische. Legende, die dem Leidenden Hoffnung gibt. Aber die „Dötz" weiß es besser. Die Millionen hungernder Juden werden schließlich .auch Frankreich fällen. Wirklich erheiternd. Doch traurig der Gedanke, daß gegen die Dummheit selbst Wotan vergebens kämpft. . i Dr. Ludwig Singer gestorben Sonntag, den 27. Juli, wurde in Prag ein Mann zu Grabe getragen, dessen- Wirksamkeit als jüdischer' und zionistischer Politiker über den Rahmen seines Geburtslandes, der tschechoslowakischen Republik, weit hinausreichte. Als Persönlichkeit von großem Format, als Mensch voll Aufopferung und strengster Pflichterfüllung, gehörte Dr, Ludwig Singer fast dreißig Jahre hinduroh. zu den zionistischen Führern der Tschechoslowakei. Rechtsanwalt von Beruf, war Dr. Singer in den fahren 1910 bis 1915 Vorsitzender' des Zionistischen Distrikt«*, komitees Böhmens, bereitsseit 1907 Mitglied der Ziö* nistischen Organisation, Noch mitten im Weltkrieg verhandelte er mit den tschechischen Politikern des ö^t^rreicjiisphen Parlaments über die Regelung der jüdi* sehen Probleme auf den für die Tschechoslowakei vor* gesehene» Gebieten der ehemals österreichisch*ungari* sehen Monarchie «od führte auch m der bewegten Zeit des Umsturzes dio Verhandlungen mit der neuen tsebt» choslowakischen Regierung, die die Rechtslage und Sicher« heit der Juden sicherstellen sollten. Als am 14. Oktober 1918 der Jüdische Na« t i o n a 1 r a t für die Tschechoslowakei gegründet wurde, würde er dessen Präsident. In dieser Eigenschaft und als Mitglied des Comite des dälegations juives bei der Frie« denskonferenz verhandelte er im Jahre 1919 in Paris mit dem Minister Benesch wegen der Regelung der Frage der jüdischen Minorität in der Tschechoslowakei. Diese Vet# Handlungen, die in Prag fortgeführt wurden, führten schließlich zur Anerkennung der jüdischen Nation in der Verfassung der Tschechoslowakei. Im Jahre 1920 wurde Dr. Singer in die Prager KultusgcmeindereprÜ* sentanz gewählt, der er bis heute angehörte. Bei den Gemeindewahlen im Jahre 1919 gelangte Dr. Singer als Listenführer der national«i\ jüdischen Partei in das Prager Stadtverordnetenkollegium (Gemeinderat) und wurde von diesem in den Stadtrat entsendet. - Dr. Ludwig Singer hat sich auch an den Arbeiten des tschechoslowakischen Joint, der in den historischen Ländern der Vorläufer der heute bestehenden jüdischen Fürsorgezentrale war, beteiligt und an den Gründungs* arbeiten zu dieser Organisation hervorragenden Anteil genommen. Durch seine Arbeit wurden die maßgebenden Regierungskreise an der Fürsorgearbeit für das tscheeho* slowakische Judentum interessiert. In der Fürsorgezenträle bekleidete Dr. Singer bis heute das Amt eines Vizevor* sitzenden. Dr. Singer war Mitglied des Zentralkomitees des zionistischen Zentralvcrbandes, Mit« glied des Zentralkomitees des tschechoslowakischen Keren H a j e s s o d, Mitglied des Landesvorstandes des Keren Kajemeth usw. Wie steht es um den Landenfotfidklung§plan für Das Weißbuch soll verwirklicht werden. Nach den Unruhen von 1929 setzte seitens der bri» tischen Mandatarmacht die „Ausforschunga'VWut ein, als wäre sie zum erstenmal gewahr Worden, daß es ein i?8* lästina gibt, in welchem seit Jahren ihre eigene Admink stration sitzt und eine Aufgabe, die sie zu erfüllen hat, nicht erfüllt. Diesem letzteren Zustand sollte die er* wachte britische Forschungstätigkeit gerecht werden.' Shaw?Bericht, Simpson»Berichl und' das :sich''a»f beide stützende Weißbüch Passfields 1930 sind der Nieder« schlag dieser emsigen Arbeit,1 die zwischen Tür tinii'ÄngeA das vom Mandat : garfrn'tierte jü d t sx-h^'N a t i o n a 1« he i m aufzuheben unternimmt. . Im Rahmen dieser Dinge hat bei den Zionisten leider das britische Manöver verfangen,, durch .die bes rühmten Verhandlungen und den sogenannten BM©f MacDonalds an Dr. Weizmann ein legales Vorgeben vorzutäuschen. .; sY/w.!/. . Dem von der britische», .Regier-ung projektierten Lan de?n twicklungsplan setzte zwar dieabgetre« ±ene Exekutive einige Opposition-entgegen, war aber kraft der vorausgegangenen, unter ihrer Mitwirkung entstan« denen politischen Tatsachen zur Fruchtlosigkeit vetf* urteilt. Der Landentwicklüngsplan, wie ihn die. britische Regierung ausgearbeitet hat und in seiner ganzen grau« samen Form, als .Verwirklichung des We.iß* b ü c h e s, ist jetzt Verordnung. Der ganze -Plan 'zielt* dahin, alle arabischen Forde* rungen und keine einzige jüdische zu berücksichtigen. Es handelt sich darum, vor allem die „dislozierten Araber" mit Böden zu versorgen, das sind nach An« sieht der englischen Regierung, diejenigen Araber, „die nachweislich von dem von ihnen früher besetzten Boden infolge des Umstandes entfernt wurden, daß die Ländereien in jüdische Hände fielen". Der neue Ausforscher für diese Dinge, Louis French, wird voraussichtlich, getreu seinem Vorgänger Simpson, dafür sorgen, daß solche Araber als reichlich vorhanden nachgewiesen werden. Damit zeichnet sich schon auf dem Horizont die Absicht, den allergrößten Teil der projektierten Landentwicklungsanleihe von JMi.IIlionen Pfund Sterling für dies« Zwecke au ver* wenden. Die Vorbereitungen sind im Gange. Als erste Etappe >ist der High Commissioner ermächtigt worden, Auslagen bis zu 50.000 Pfund Sterling für die anzustellenden Unter* süchyngen zu verwenden. Auch ein Landentwicklungsdirek* .torium, das Vorschläge zu machen hat, wird eingesetzt und soll aus einem Juden, einem Araber und einem Eng« länder bestehen, Diesbezüglich hört man davon, daß die Jewish Agency Dr. Ruppin, Dr. Hexter oder den Agro* nomen Wilkansky für diesen Posten nominieren will, also Kandidaten, die bereits an der Vorbereitung des Land* entwicklungsplanes beteiligt waren. Was diese Namen be* deuten, wollen wir zunächst nicht erörtern. Wie Dr. Drumond Shiels, der Unterstaatssekretar des Colonial Office, auf eine Anfrage im britischen Unterhawe erklärt, wird Transjordanien in diese Untersuchung nicht einbezogen werden. Das bedeutet nichts weniger als den Plan, die transjordsnischen Territorien wie bisher so auch kfinf» tigbin. dem palästinensiseben Besied1«ngswevk x», ene» ziehen.