Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 202 (31.7.1931)
- Date
- 1931-07-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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\8? TiÜ- 13 wet9»^V>«<.*eV ^»cn- \. Preis 35 Groschen MtrgjMH! S ffeftog/ <fe«?1« faflf fttf V« ba b« BEZUQSBEDINOUNOEN: Oestmekh monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S16.~; Polen monatlich Zloty 2.—.vierteljährig Zloty 6.-; Tschechoslowakei monatlich kt 6.-, vierteljährig Kc 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar '40.-j Rttmffnietf monatlich Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.-; Deutschland monatlich Aiaric 1.-, vierteljährig Mark 3.-: Balgarien monatlich Lewa 40.-, vierteljährig feflP XPC* ,Ita"Sn monatlich Lire 5.-, vierteljährig Lire 14.-; Schwelt und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion n. Verwaltung: Wien IX, Umversitätsstr. 6-8, Tel. B-48-504 — Erscheint jeden Freitag REVUE HALT! VOR URLAUBS ANTRITT! OTZTALER JANKER, RUCKSACKE iQftHaferlhoaen für Herren, Damen, J» Kinder 4.80,Ausschlag-Panama- ■ ' . Hemden 4.98, Knie-Unterhosen 1.85, KnlckarhookerstrOmpfa von 2.85 aufwlits, allst In grBBter Auswahl iP^R^mmcvJ^R ß 1WIPPLINGERSTR-20^ Nach Weizmanns Scheiden n. Der wirtschaftliche Trümmerhaufen Nachdem erörtert wurde, an .welchen Umständen die Wiederwahl Weizmanns zum Führer der Zionistischen Weltorganisation scheiterte, ißt es notwendig, klar und eindeutig festzustellen, welches wirtschaftliche und politische Erbe er seinen Nachfolgern üiberkssen hat. Der an den XVII. Zionistenkongreß erstattete Finanzbericht schließt mit der Konstatierung, daß der Stand an Schulden rund 800.000 Pfund (16 Millionen Reichsmark) beträgt. Die Schulden des K. K. L. (Jüdischer Nationalfonds) für erworbene Bodenflächen ist in dieser Summe nicht enthalten. Viele dieser Verpflichtungen sind kurzfristig, bei vielen ist der Termin der Fälligkeit längst überschritten. Der Charakter dieser Verpflichtungen wurde durch Mitteilungen, welche auf dem Kongresse gemacht wurden, ins Licht gerückt, So z. B.: Wenn es nicht gelingt, inerhalh von fünf Wochen einen Betrag von 100.000 Pfund außerhalb des Rahmens des Eimiahm1cn^.u<ägets aufzubringen, tritt ein Zustand der Auflösung des ganzen Apparates ein. Die zionistische Leitung hat alle Kreditr möglichkeiten erschöpft. , ■ '' Der Eindruck, welchen diese riesige Schuldenlasthervorruft, wird trostlos, wenn man an die Frage herantritt, ob und wie es möglich ist, Mittel zor Tilgung der Schulden zu beschaffen. Der Ertrag der einzigen Geldquelle, welche 'Heute der Zionistischen Organisation zur Verfügung steht, der Ertrag des Keren Hajessod (Palästina- Aufbaufonds) ist rapid gesunken, von rund einer halben Million Pfund in den ersten Jahren auf zirka 220.000 Pfund. Für das kommende Budgetjahr wurde er mit 260.000 Pfund eingesetzt. Aber die Leitung des K. H. und der Schatzmeister der Jewish Agency erachten eine Schätzung, - welche über 200.000 Pfund hinausgeht) als übertrieben. Die heute herrschenden Zustände (Wirtschaftskrise auf der ganzen Welt, Mangel an Vertrauen, Rückgang der Organisation, Versagen der erweiterten Jewish Agency usw.) geben ihnen recht. Welche Leistungen sind aus diesem Eingange zu bestreiten? Das dem Kongresse vorgelegte Budget, für das nächste Jahr, ist ein Not*Budget. Es enthält keinen Posten für . irgend eine ( neue Schöpfung in Palästina. . Es. enthält, nur Beträge, welche unbedingt notwendig sind,' wenn bereits Geschaffenes nicht zusammenbrechen soll.: Für Landwirtschaft, Einwanderung, Arbeitsbeschaffung und Versuchsstation sind 94,500 Pfund eingesetzt. Wenn unter diese Summe gegangen wird, so legten die Referenten dar, müssen K o 1 o n i e n 1 i q u id i e r t werden, die Siedler müssen weg und sich als L oh n a rbe it e r verdingen, neue Einwanderer müssen ihrem Schicksal überlasseh werden. Das Schulbudget beträgt 57.000 Pfund. Es wurde gegenüber den früheren Jahren um rund 20.000 Pfund vermindert. Viele Schulklassen wurden bereits gesperrt, viele Lehrer entlassen, alle Kindergärten außer Betracht gezögen. Weitere Reduzierungen ' sind unmöglich. Der Erziehungsreferent der Exekutive erklärte, daß eine Kürzung des Betrages von 57.000 Pfund die Auflösung des autonomen. jüdischen Schulwesens dn Paliistina zur Folge haben müßte.- Die. Quantität und i Qualität des Unterrichts wären dann derartig, daß die Regierung das jüdische Schul werk .den Händen der. Organisation eutzfejien. würde. Und das mit voller Berechtigung. Denn dann könnte von einer auch nur halbwegs zureichenden Erziehung der Kinder keine Rede mehr sein, Die Kosten der Verwaltung der Zionistischen Organisation sind nach .großen Reduzierungen, mit 48.000 Pfund eingesetzt, die Verwaltungskosten des Keren Hajessod inbegriffen. Rund 45.000 Pfund sind notwendig, um Schüidzinsen, rückständige Gehälter, Abfertigungen an entlassene Beamte, kurz, die Tagesschulden zu bezahlen. Von anderen Posten, wie gewisse Ausgaben für religiöse Zwecke, Aushilfe für Krankenkassen und Spitäler usw., soll gar nicht gesprochen werden. Und im Hintergrunde die 100.000 Pfund, deren Beschaffung, außerhalb des Rahmens des Budgets, in den nächsten Wochen erfolgen muß, wenn nicht ein Chaos platzgreifen soll. Wo ist da auch nur der Schein einer Möglichkeit, an den Abbau der gigantischen Schuldenlast von 800.000 Pfund zu schreiten? Das ist das finanzielle Erbe nach einer zwölfjährigen Herrschaft des Weizmannschen Verwaltungssystems. Die neue Leitung steht vor einer Aufgabe, die mit Mitteln der Rechenkunst nicht zu lösen ist. Eine völlige Umstellung in organisatorischer und finanzieller Hinsicht ist notwendig. Jahrelang hat die Opposition kommen gesehen, was kommen mußte. Jetzt ist der Niederbruch da. Dem rückhaltlosen Einbekenntnis, daß das System Weizmann. ein Unglück bedeutete, muß die rückhaltlose Abkehr von diesem System folgen. Nach dem Kongresse wurden Stimmen laut, daß wohl Weizmann gegangen, daß aber Weizmanns System geblieben sei. Die so sprechen, dürfen nicht Recht behalten. Wer Ziffern lesen kann, muß erkennen, daß eine Fortdauer des Systems in den Abgrund führt. (Ein weiterer Artikel folgt.) Zur Ge§dtiditc der Panik-Telegramme aus Palästina Eine bedeutsame Feststellung Wir haben bereits . berichtet, daß plötzlich auftauchende Alarm-Telegramme aus Palästina auf dem Baseler Zionistenkongresse eine entscheidende Wendung herbeigeführt haben. Die politische Kommission hatte mit Mehrheit eine E n dz i c 1 r e s o 1 u t i o n beschlossen, welche, im Gegensätze zur Verzichtpolitik Weizmanns und seiner Freunde auf der Linken, die jüdische M e h rh e i t in Palästina forderte. Starke Mittel wurden, angewendet, um die Mehrheit der politischen Kommission einzuschüchtern :^ud von ^re^,J^.esch^u'sjse-. abzubringen. So |c'Kreokiiv-der,Arbeiterführer ßen G ü tfi o n nicht davor zurück, zu rbehaupten, daß eine Endzielresolution". eine A u s s c h 1 a c h tun g dei* Juden in Palästina zur Folge haben könnte. Er erinnerte, an die Ausschlachtung der Armenier in Anatolien. Dann - trat Weizmann selbst als „Warner" auf. Vergebens. Da flatterten plötzlich Telegramme auf den Tisch der Kommission, von palästinensischen Körperschaften stammend. Inhalt: Um Gottes Willen, keine Endzielresolxitionen! Wir haben Angst um unser Leben. Diese Telegramme haben die Widerstandskraft der überarbeiteten Delegierten gebrochen. Die klare Endzielresolution wurde zurückgezogen und durch eine nichtssagende ersetzt. Vergebens hat die revisionistische Opposition gegen diese verhängnisvolle, von Ghettofurcht diktierte Schwäche Protest erheben. Vergebens hat sie darauf hingewiesen, daß nächstens ein Telegramm: ,iLöset Zionistenkongreß auf, sonst Pogrom in Palästina I** die Zionistische Weltorganisation auseinanderjagen könnte. Vergebens bezeichnete sie diesen Telegrammsturni als Stimmungsmache! Wüste Drohungen waren die Antwort. B i a 1 i k, der Nationaldichter, der einst göttlichen Zornes voll war, weil sich Juden in Rußland ohne Gegenwehr abschlachten ließen, stürmte mit erhobenem Stock, auf Revisionisten ein, weil sie vor Ghettöfurcht warnten und zur Würde mahnten. Nun eine Feststellung! , Vor wenigen Tagen besuchte de^alte^ s'tische Führer der * p'alo^i^ensii^en'''' Judeiischatt David 5 e 11 i nden Herausgeber ' der ^%,Neü?61i Welt". E^lto^t die Stimmungen und Regungen in Palästina wie kein zweiter. Er kam direkt aus Palästina nach Wien. Zur Zeit der Absendung der Alarm-Telegramme weilte er in Palästina. Auf die Frage, ob er von diesen Telegrammen und ihrer Wirkung etwas wisse, antwortete er verneinend. Auf die Frage, ob von irgend einer bedrohlichen Stimmung im Zusammenhange mit den Verhandlungen des Zionistenkongresses im Lande irgendetwas zu spüren war, antwortete er mit einem entschiedenen „Nein!". Der alte, vorsichtige, mit dem Lande verwachsene Führer hat nichts gemerkt, gar nichts. Ab e r nach Basel wurde t e 1 e g r a p h i e rt, da ß das jüdische Palästina in blutiger Angst zittert! Heraus mit der Geschichte dieser Telegramme! Jüdisches Palästina, antworte! Es geht um deine Ehre und deine Zukunft! UND SCHAU Das Wort „Religion" In der jüdischen Presse der ganzen Welt ist die Rubrik „Verfolgung des Judentums in Sowjetrußland" seit Jahren bis auf den heutigen Tag nicht verschwunden: die Rubrik von der Verfolgung der Juden als Wirtschaftskörper, als Volk, als Religion. Wenn die sowejtrussischen Machthaber und ihre Jewsekzia-Helfershelfer mit dem Schein einer gewissen Berechtigung sich ausreden konnten, daß der von ihr betriebene Pauperi6ierungsprozeß der jüdischen Mittelklasse die Folge objektiver Umstände sein müsse, die sie zu verbessern bestrebt seien; wenn die Machthaber ferner so taten, ak hätten sie nichts gegen die Existenz einer Nation im Staatenverband der Sowjets, so sind ihre Versuche, die Verfolgung der jüdischen Religion durch sie zu leugnen, als brutaler Schwindel , längst entlarvt worden. Und gerade dieser Punkt, dieses Manöver enthält :. in sich die bodenlose Verlogenheit der Sowjets gegenüber dem Judenproblem als Ganzem. Es ist so selbstverständlich, daß bei Protesten gegen die Verfolgung, der Juden 'in Sowjetrußland als s o z i a 1 e r. O r g a n i s m u s und als V b 1 k der Protest' gegen, die Verfolgung der jüdischen Religion ein organischer Bestandteil des Ganzen ist. Denn wie die Dinge im heutigen Rußland liegen» Alle im redaktionellen Teil befindlichen Entgelt» liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. muß das religiöse Moment als das volkserhaltende gewertet werden. Der Prozeß der nationalen Konsolidierung des russischen Judentums auf weltlich-volkstümlicher Basis ist durch das bolschewikische System jäh unterbrochen und gewaltsam in einen Assimilationsprozeß gedrängt worden, wie er in einem Tempo und in einem Grade in der jüdir sehen Geschichte noch nicht da war. Nur die religiöse Uebung und das mit ihm verknüpfte nationale Element vermochte einigen Widerstand zu leisten —- und deshalb auch die blinde Wut der Sowjetiöten gegen die jüdische Religion. Man kennt die inquisitorischen Methoden, die die Sowjetleute im Kampfe gegen die jüdische Religion anwenden, man weiß, unter welchen Umständen z. B. ein paar alte Rabbiner gezwungen " wurden, den ausländischen Rejigionsverfolgungis- . Protesten ihre Erklärung entgegenzustellen, daß .bei ihnen zu Hause auch nicht eineSpu r von Religionsbeschränkungen zu finden sei. Der Baseler Zionistenkongreß hat eine Protestresolution gegen die Verfolgung des Zionismus in Sowjetrußland einmütig angenommen. In diesem Protesttext findet, sich auch das Wort „Religion**. . Dieses eine Wort hatte nicht mehr die volle fönmütigkeit hinter sich. Es erregte Anstoß — bei der Fraktion der Linken, welche durch den Mund des Ing. S. Kaplanski sprach. Der gute Mann, de*