Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 201 (24.7.1931)
- Date
- 1931-07-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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% DIE NEUE WELT Nr. m BADEZIMMER- Einrichtungen moderntter Aalfährung / Zahlungserlelchttrung Kostettüberschiage uttehtg*ttlfch CLPHORA, I. Dominikaner bast«l 22 (Ecke Ril 7/fl)R-24-4 16 Linken. Er hat festgesetzt, daJ die Palästina-Aefflter Eigentum der gesamten zionistischen Organisation sind, und hat die Privilegien abgeschafft. Nun wird versucht, etwas Unerhörtes zu unternehmen und auf Grund Tön Parteischacher eine dreiwöchige Arbeit zunichte zu machen... (Beifall bei den Revisionisten.) Vors. Präsident Motzkin: Herr Stricker, ich bitte Sie, diesen Ausdruck zurückzuziehen. Delegierter Stricker (fortfahrend): ... auf Grund von Parteiverhandlungen im letzten Moment eine Arbeit von drei Wochen umzustürzen. Ich stelle fest: In der Abstimmung ist der Wille des Kongresses klar und deutlich zum Ausdruck gekommen. Hier wird der Versuch gemacht, ihn durch das A. C. ändern zu lassen. Ich bin überzeugt, daß ein A. C, das noch etwas auf Recht und Würde im Zionismus hält, diese Geschäfte der Parteien nicht besorgen wird. Wir legen aber Protest ein, daß der Präsident diese Abstimmung zuläBt. Wir werden alle Mittel anwenden, um diesen Rechtsbrach in jeder Form zu verhüten. Wir tun das. nicht für uns. Wir haben gekämpft für die Gleichheit der Macht in den Palästina-Aemtern, aber unsere Seligkeit hängt nicht davon ab. Wenn wir hier protestieren, so tun wir es nicht für uns, sondern im Namen der künftigen Kongresse, um die davor zu bewähren, daß Im letzten Moment Parteien, wenn sie Mandate unter sich verteilen, herkommen und Kongreßbeschlüsse umbiegen. Herr Präsident, ich beschwöre Sie, bringen Sie diesen Antrag nicht zur Abstimmung. (Lebhafter Beifall.) Nach Wiederaufnahme der Sitzung und der Erklärung des Präsidenten* Motzkin, daß eine Umgehung des Kongreßbeschlusses durch die erwähnte Halpern-Resolution nicht beabsichtigt sei, wird diese in Ruhe angenommen. ' Nach Ansprachen durch Leo Motzkin und Nahum Sokolow wurde der 17. Ziohistenkongreß Mittwoch, den 15, Juli, 11 Uhr nachts geschlossen. Bemerkenswert ist hoch, daß Expräsident W ei zmann in der Schlußsitzung erschien und an cler"'Qeite' des Dr. Arlosoroff auf den Bänden der Ärbeiterdele-' gierten Platz nahm. Die erste A. €♦ Sitzung Am Donnerstag, den 16. Juli; träft das" nette A k t i o n s k o m, i t e e der Zionistischen? Organisation' zu seiner ersten Sitzung zusammen. Zum Präsidenten wurde Leo Motzkin gewählt. Es wureje beschlossen, das Präsidium des Aktionskomitees mindestens, viermal jährlich z.u einer rSitzun;g. ei nzube rufen, um die .Tätigkeit4er Zionistische*! Exekutive zu kontrollieren. , Der Verband der radikalen Zionisten Gratuliert seinem Mitglieds WMth och. Zimöt zur Promotion seiner Tochter Julie zum Doktor der gesamten Heilkunde Ans der Kirche wurde ein Kloster, aus dem Kloster enie Kaserne, dann ein Magazin für Soldatenuniformen, dann ein Heim für gefallene Frauen, dann — ein Pferdestall und jetzt — ein Museum. Trotz all dieser Metamorphosen ist die Synagoge, wie ihr Name La Bianca sagt, weiß geblieben wie reines, weißes Feuer. Ihre besondere Schönheit sind die vier langen, weißen, kantigen Säulenreihen im Innern, die das Dach tragen. Wären die Säulen Gottes Finger, sie könnten nicht reiner, lauterer, vollkommener und erhabener sein. Unweit davon steht die Synagoge des Rabbi Samuel Balevy. In einem Gäßchen, das auch den Namen dieses alten jüdischen Schatzmeisters trägt! Die Wlände unten und oben zieren seltene Ornamente, hebräische Sprüche in herbräusehen Lettern. Stille herrscht, als wäre die ganze Welt ausgestorben. Nur Vögel flattern umher und piepsen. Ein Spanier, der uns begleitet, spricht in äußerst gemütlichem Ton von den jüdischen Lettern auf den Wänden. Er ist der Ansicht, daß es sonst auf der Welt keine jüdischen Lettern mehr gibt. Wir gehen hinaus aus Rabbi Samuel Halevys Synagoge und sind wieder auf dem Inquisitionsplatz. Und ein Geistlicher, Pater Benito Fuentes, der Kustos der Abteilung, holt mir ein Buch hervor, in dem alle Namen der jüdischen Märtyrer stehen, die auf dem Scheiterhaufen starben. Ich> blätterte in dein Buch. Der erste Name ist Beatrice Alfonso, die Tochter des Louis Alfonso, eines Schusters. Sie war die erste, die im Jahre 1500 auf dem Platz, auf dem ich soeben stand, verbrannt wurde. Eine Schusterstochter, Und der Spanier, mein Begleiter, wunderte sieh wohl über die Kraft des jüdischen Volkes, dessen Schusterstöchter sich bei lebendigem Leib verbrennen ließen — in ninm.bsflige* jNe&ea* '- '■■> <'•> i Die Revisionisten gaben folgende Erklärung ab: Durch die Beschlösse des Kongresses in Fragen des Endziels, der Jewish Agency, der Haltung zur Politik der Mandatarmacht und durch die Art der Leitungsbildung ist der Zustand in der Organisation unleidlich geworden. Die Union der Zionisten-Revisionisten hat daher beschlossen, die Frage ihres Verhältnisses zur Zionistischen Organisätion auf einer speziellen Konferenz zu prüfen* Mit diesem Vorbehalt beteiligen sich die Vertreter ah den Arbeiten des A* C, ohne hiednfeh ein Präjudiz zn schaffen. Das Aktionskomitee befaßte sich sodann mit den innerhalb des Council der Jewish Agency aufgetauchten p o I i t i s c h e n Schwierigkeiten, die darauf zurüeszuführen sind, daß die Nichtzionisten eine Abänderung mehrerer wichtiger Resolutionen» die der Zionisten kongreß zu politischen und organisatorischen Fragen gefaßt hat, beantragt haben. Insbesondere haben die Nichtzionisten Einwände gegen die Formulierung der Resolution über den MacDonald- Brief erhoben und gewünscht, daß der Brief nicht bloß als «»Basis für weitere Verhandlungen", sondern als „Basis für weitere Verhandlungen und eine Kooperation im Geiste des Mandats" bezeichnet Werde. Es wurde beschlossen, der Forderung der Nichtzionistpn, eine Abänderung der Resolution über den MacDonald-Brief vorzunehmen, nicht zu entsprechen. Die zionistischen Mitglieder des Agency Councils wurden verpflichtet, sowohl in der Politischen Kommission des Councils der Jewish Agency als auch im Plenum einheitlich, ohne Rücksicht darauf, wie die einzelnen Mitglieder auf dorn Kongreß gestimmt höben, für die vom Kongreß beschlossene Fassung der Resolution zu stimmen. Jabotmsky auf Urlaub Der Präsident der Weltunion der Zionisten- Revisionisten, Wladimir Jabotinsky, wurde bis zu der im Dezember 1931 stattfindenden ordentlichen Weltkonfereriz der revisionistischen Union beurlaubt. Y * .': Der Bericht Jiter die Tagung der Jewish Agency folgt in der nächsten Nummer. Rund§diau Der jüdjrache jSSiudent provoziert .;. Das' behauptete <der -fjUaktp^ -4 er. Wiener Universität, Prof. Üehersbergerj zuerst nach der Entscheidung, des ,Verf assüiigsgerichtshofes in Sachen der Studentenordnung und-zum zweitenmal wieder an jenem;Abend des. 2. Juli» -da ihm die hakenkreuzlerische Studentenschaft bei Fackelbeleuchtung eine Huldigung darbrachte. . r: Die jüdischen.Studenten:wissen, unter welchem Gesichtswinkel , wir die Frage , der , Studentennaiionen betrachtet haben; als eine Möglichkeit, durch Gleichberechtigung der Nationen im, Rahmen der Studentenordnung jeder einzelnen Studentengruppe ruhige Arbeit auf akademischem Boden zu gewährleisten. Daß unter dieser Voraussetzung der studentische Kampf aufgehört hätte, schien uns, kl^r. Der V.erfassungsgerichtshof hat die Studentenordnung aufgehoben, zum Teil auch aus der Erwägung heraus, daß das von Gleispach erlassene Statut die nationale Gleichberechtigung der einzelnen Nationen nicht verbürge. Daß dem so ist, bestätigt die Rede des Rektors Prof. Uebersberger. Er spricht von der Vorherrschaft der deutschen Stu de n t e, n, die „heute bedroht sei wie noch nie vorher", ja, er nimmt die Krawallhelden in Schutz und rühmt ihre Heldentaten. Dag Sichverprügelnlassen, den Wunsch, zu studieren und nicht zu krawallieren, den legitimen Anspruch auf die Lehrmittel der Universität, wie Hörsaal, Seminar, Bibliothek, Seziersaal — das nennt Rektor Uebersberger Provokation,, wenn er in seiner Ansprache an 4fe deutschen Studenten meint: „Sie müssen auch trotz Aufreizung von außen . . oder „Wenn auch die Jugend auf Provokationen von außen naturgemäß stärker reagiert . . .1" Provokation! Die jüdischen Studenten provozieren? Die Juden provozjereh überhaupt — nicht hur, wenn sie auf der Universität studieren wollen, sondern auch, wenn sie einen ihrer Toten ehren. Im Blatt der Studenten des Prof. Uebersberger, „Der Wiener Student", p!as auch die oben erwähnte Rede des abtretenden Rektors Uebersberger enthält, ist unter dem, „Titel „Eine starke jüdische Herausforderung" vom Herzl- Grabgang der Wiener Zionisten die Rede, die bekanntlich alljährlich auf dem Weg zum GraV Theodor Herzig an der Hochschule für Bodenkultur vorbeiziehen. Die von Rektor Uebersberger erzogenen jungen Leute ließen, es sich heuer nicht nehmen, zu stänkern, kündigen für <tie kommenden Jahre eine noch drastischere Abwehf der jüdischen „Prövpkätion" an, die im Besuch, des Grabes Theodor Herzls besteht: »,1m nächsten Jahr werden die palästinensischen Heerscharen Wiens ihre, Kundgebung wohl Irgendwo andershin .verlegen," Also, der jüdische Student provoziert — sagen die hakenkreuzlerischen Studenten unter der Führung ihres Rektors. Geld für rechts und links Herr Jakob Goldschmidt, der Herr der zweitgrößten deutschen Bank, der „Danaf-Bank* ist jetzt in aller Munde. Die Bank ist zusammengebrochen und nun kann man in allen deutschen Blättern von "der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken vom Juden Jakob Goldschmidt lesen. Viele Jahre hindurch waren diese Kreise mit dem Mann durchaus zufrieden. Wir in Oesterreich erinnern uns an die selige Zeit des Herrn Siegmund Bösel, der von Christlichsozialen und Sozialdemokraten, besonders von den letzteren, umtänzelt und umschmeicnelt wurde, bis er eines schönen Tages seine Milliarden verlor und mit ihnen auch gründlich die Sympathien der Österreichischen politischen Tribunen. Ganz wütend war die Sozialdemokratie, daß er keine Millionen mehr hatte — für sie, und sie verhöhnte" ihn gründlich, den Mann, von dem es hieß, er sei ihr Parteigenosse. Aehnlich geschah es um das Wiener Hai» Rothschild. Gestern noch für alle rechten Parteien der Retter Oesterreichs, als er, Louis Rothschild, mit Schober die Bodenkredit übernahm, ist er heute, da seine Kreditanstalt notleidend geworden' ist, für eben diese Parteien der unfähige Jnd, der Börsen- und Finanzschmarotzer, der das österreichische Wirtschaftsleben zugrunde gerichtet hat. Und nun in Deutschland? Da wird mit dem jüdischen Finanzgewaltigen Jakob Goldschmidt abgerechnet. Von rechts und links. Die Hitler- Presse tut es aus antisemitischer Profession, die Linkspresse, um keine Judenschutztruppe zu sein. Unter dieser tut sich besonders der sozialdemokratische Berliner „Vorwärts" hervor, der plötzlich auf einmal alle Sünden Goldschmidts auswendig weiß und ihm die Leviten liest Während die rechte Presse zu melden weiß, ,daß dieser Goldschmidt ein jüdischer Erzbolschewik ist, erzählt der „Vorwärts" von Goldschmidt, er sei ein brutaler Rechtsreäktionär. So wird der Jude Goldschmidt zwischen zwei Polen hin- und hergebeutelt, weil man glaubt, daß er kein Geld mehr hat. Geld muß der Jude haben,, für rechts und für links. * Telegramm aus Saloniki Noch in Erregung über die aririjüdischen Ausschreitungen in Mexiko, erfährt die jüdische Welt vom Unglück in Saloniki. In einer Stadt, die von rund 70.000 Juden bewohnt war und bisher einen exzessiven Antisemitismus nicht kannte. Wie man jetzt klar sieht, waren die Saloniker Unruhen nichts anderes als ein regelrechter Pqgrom mit all seinen bekannten Begleiterscheinungen und dem bekannten Schlußwort von Ruhe, Sicherheit, Schadensgutniachung und Bestrafung der Schuldigen. Neben den Massakern in Osteuropa, der wüsten antisemitischen fUtee im Westen ist nun das sephardische Judentum miteinbezogen in das jüdische Schicksal physischer Gefahr in der Galuth. . Mitten in die Baseler Kongreßverhandlungen drang der ^uf der Saloniker Juden um Hilfe. Vom. Zionistenkongreß erwarteten unsere Brüder das erlösende Wort, die hilfreiche Hand. Sie riefen nicht die jüdischen philanthropischen Gesellschaften des Auslandes an, nicht die verschiedenen Ligen für Menschenrechte, nicht die internationalen Hilfsorganisationen: sie wandten sich an die Zionisten, an die einzigen, in deren Hand der Schlüssel zur Lösung, der Judennot liegt. Die zionistische Welt wird .wieder erkennen müssen, daß das Sammeln von Hilfsgeldern, das Inszenesetzen von Notstandsaktionen nur vorübergehende Palliativmittel sind, Zwischenlösungen zur Beseitigung momentaner Nöte; daß es aber dem jüdischen Volk um etwas aderes. gehH um die Befreiung aus dem Exil, das immer wieder neue Not gebiert. Nahum Sokolow über zioiHsti§€lie Politik Die wichtigsten Aufgaben — Die unglücklichen Friedensdeklarationen — Innerzionistische Mißverständnisse Jn einem Interview mit der Jüdischen Telefraphehagentur äußert sich der neue Präsident Nahüm o k o 1 o w über außen- und innenzionistisohe Problem« folgendermaßen: Ich bin mir der schwierigen Aufgabe bewußt, die ich übernommen habe. Es war ein Schritt, der Mut erforderte, und ich habe ihn unter dem Druck der Not des Augenblicks unternommen. Ich habe keinen andern Ausweg gesehen und entschied mich so, das hohe und verantwortungsvolle Amt zu übernehmen. Ich übernahm es gern, ohne irgendeine Parteilichkeit oder Groll. Im Gegenteil: ich wurde dazu gedrängt aus dem Gefühl der Liebe, der Kameradschaft und des Vertrauens. . Meiner Ansicht nach ist die unmittelbare und - wichtigste Aufgabe die Fortsetzung des Werkes in Erez Israel, natürlich in erster Reihe das Kolonisationswerk und die Industrieöntwicklung, die wir zum Teil aus eigenen Mitteln geschaffen, zum Teil von Zeit zu Zeit gestützt haben. .Wir müsse« um ^nvihW i