Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 201 (24.7.1931)
- Date
- 1931-07-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2711613-2711790-2711820--2630-2715938- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
StifeS TT DIE NEUE WELf Nr. 2W Tfatitf£bw»(ad ^dSÄ-SSB MORISSOR-EimUJIROfliSatnE Erh<lldi ta Apotheken and fccagescfeftftMi! don), Jean Schramek (Straßburg), Rabbi Hillel Silver (Cleveland, Ohio), Robert Szold (New York), Mre. H. Szold (New York), J. TJiursz (Ca&aiblanca), Josef Weiß (New York), Rabbi Stephen S. Wise (New York). Poale Zion (vereinigt mit den Zioniaten-Sozia- Msten): Meir Braun (New York), Melech Neustadt (Tel- Awiw) Nathan Grünblatt (Kowno). sowie 13 noch zu nominierende Vertreter der Arbeiterpartei, Misrachi: Lazarus Barth (Berlin), Aron Blum (Warschau), Rabbi Samuel Brodt (Totnaszow, Maz.), Rabbi Leib Fishman (Jerusalem), Erich Michaelis (Hamburg), Rabbiner Isaac Rubinstein (Wilna), Dr. Oskar Wolfsberg (Berlin). Radikale Zionisten: Dr. Max Soloweitschik (Berlin), Dr. Emil Margulies (Leitmeritz). Für das Direktorium des Kereii Kajemeth Lejisrael: Salman Schocken (Serlin). Das Erziehungsweik In der 20. Sitzung erstattet Rabb. Ostrowsky den Bericht der Erziehungskommission. Es wird der Antrag der Kommission angenommen, daß im Laufe der nächsten zwei Jahre bis zum nächsten Kongreß einegemeinsame Führung des Erziehungs werkes durch Jewish Agency und Knesseth Jisrael vorzubereiten ist. Bis dahin soll, keine Uebergabe an lokale Institutionen erfolgen. Der Kongreß fordert die Palästina-Regierung auf, ihren Beitrag für das Schulwerk in einem alleBedürfnissejüdischen Unterrichtes befriedigenden Maße zu erhöben. Bezüglich der Universität nahm zunächst der Kongreß folgende Resolution an: Der Kongreß erblickt in der hebräischen Universität in Jerusalem die höchste Institution für hebräische und allgemeine Bildung, welche nicht in der Form von wissenschaftlichen Forschungsinstituten, sondern in der Form einer Voll-Universität, einer Lehranstalt bestehen soll, wo Absolventen der hebräischen Mittelschulen in Palästina und jüdische Studenten der Gäluth ihre Studien in gänzlicher Vervollkommnung, wie.an Fakultäten europäischer Hochschulen, bei Verleihung akademischer Grade beenden sollen. , „ , , , . Hjerauf brachten die Revisionisten durch Josef Frankel (Wien) folgendes Minderheitsvotum ein, um das sich ein heftiger Kampf entwickelte: Der Kongreß mißbilligt den Geist des Verzichtes auf nationale Ideale, der in der Leitung der Universität zum Ausdruck gekommen ist, und beauftragt die Exekutive, auf der Wacht des 'nationalen Geistes in der Leitung der Universität zu sein. Delegierter Fränkel nahm das Wort zur Begründung seines MinderheitsVotums: Die Hebräische Universität ist heute eine Burg des Antizionismus, ihre Leitung verzichtet auf den zionistischen Geist und die führenden Personen liefern unseren Feinden Material, wie in Angelegenheit der Klagemauer, wo einige Dozenten den Arabern Material lieferten. 700 Studenten, die die Mittelschule in Jerusalem und Tel-Awiw beendet haben, müssen im Ausland studieren. Im Namen der vereinigten zionistischen Studentenschaft protestiere ich gegen den Geist des Verzichtes auf nationale- Kultur und nationale Ideale in der Hebräischen Uni-, versitäi M. M. Ussischkin beantragt, über den Antrag Fränkel zur Tagesordnung überzugehen, dem , dieser mit dem Einwand begegnet, es gehe nicht an, i über das Verlangen von 40.000 jüdischen Hochschülern; mit einer Handbewegung zur Tagesordnung hinwegzugehen. Der Antrag Ussischkin wird mit 68 gegen i 72 Stimmen abgelehnt. Berl Katzenelson verlangt die Ablehnung des Minderheitsvotums und sucht sie mit allerlei Phrasen von Lehrfreiheit zu begründen, erhält von Uri Zwi G r i n b e r g den Zwischenruf: „Die Profes-; soren sind Verräterl" Der Antrag Fränkel wird mit 87 gegen 74 Stimmen angenommen. Dr. Arlosoroff geberdet sich dann sehr auf-,, geregt, spricht von Kulturschande u. dgl. Ihm er-' widert der revisionistische Delegierte B. Weinstein: „Ich will im Namen unserer Fraktion erklären, warum wir für den Antrag Fränkel gestimmt haben. Es ist banal, auf einem Zionistenkongreß für die Meinungsfreiheit eines jeden Lehrers und eines jeden Professors zu sprechen. Wir haben für die Resolution gestimmt, weil die Professoren an der Jerusalemer Universität zum größten Teile diese wissenschaftliche1 Tribüne und ihre Posten für einen politischen Kampf, gegen den Zionismus und gegen den Jischuw benützen. Und sie ergreifen politische Maßnahmen gegen den'1 Zionismus. Sie haben es in den schweren Tagen des Jischuw getan. Der Kongreß, der Jischuw und der Zionismus sind gegen diese Gruppe ehrenvoller Leute, deren wissenschaftliche Ehre hier nicht zu besprechen M, die aber die Universität für Zwecke benutzt, die weder mit dem Zionismus noch mit ihrer wissenschaftlichen Aufgabe etwas zu tun haben." Vorher wurde eine Resolution angenommen, die eine wesentliche Aenderung des Charakters des Haifaer Technikums beinhaltet. MacDonaldffBrief In der Sitzung am 14. Juli nachmittags erstattet Dr. M. Ringel Bericht Uber die Politische Kommission. Er bringt hierauf den Resolutionsantrag der Politischen Kommission zum MacDonald- Brief zur Verlesung. Er lautet: Der Kongreß nimmt Kenntnis vom Briefe des britischen Prime Ministers an Dr. Weizmann vom 13. Februar 1931 und von seiner Erklärung, betreffend den autoritativen Charakter dieses Dokuments, und würdigt diejenigen Zusicherungen und Definitionen des Briefes, in welchen die Bereitschaft der Mandatsregierung zum Ausdruck kommt, die gerechten Forderungen des jüdischen Volkes zu berücksichtigen. Zugleich konstatiert der Kongreß, daß der Brief Einschränkungen und Grundsätze enthält, die zu berechtigten Befürchtungen Anlaß geben, und eine Reihe von wichtigen Fragen unerörtert läßt, die im Weißbuch vom Oktober 1930 in einer die Entwicklung des jüdischen nationalen Heimes gefährdenden und für die Jewish Agency unannehmbaren Weise behandelt worden sind. Der Kongreß konstatiert mit Bedauern, daß die Palfistina-Verwaltung in ihrer administrativen Praxis den Vorschriften des MacDonald-Briefes bisher nicht gerecht geworden ist, was insbesondere in der Fortdauer der Erschwerungen jüdischen Bodenkaufes, jüdischer Einwanderung und der Verwendung jüdischer Arbeit bei Rdgierüngsarbeiten zum Ausdruck kommt. Auch das Gesetz zum Schutze der Pächter ist in einem den jüdischen Bodenerwerb überaus erschwerenden Sinne abgeändert worden. In Anbetracht dessen erachtet der XVII. Kongreß den Brief des Prime Ministers als Basis für weitere Verhandlungen der Jewish Agency mit der Mandatarregierung, um die im Briefe gegebenen Zusicherungen zur Verwirklichung zu bringen, in den unbefriedigend geregelten und newh ..affengelassienen Fragen die berechtigten Forderungen, des jüdischen Volkes durchzusetzen und die ungestörte Entwicklung der jüdischen nationalen Heimstätte . sicherzustellen. Meir G r o Jß m a n n. (Revisionist) nimmt zu dieser Resolution das Wort .undIf^ührt aus: Wir bedauern es iehr,' daß ^wdcbuti^^ prJir^jpjLeil'e politische, Resolutionen vom Kongreß an,; der lptöte^Jto TEileT behandelt 'werden, md&r'^ Öeföhr, daß in der Eile gewisseAusdrücke'^ dutÄsc^lÜpitßn. ein gewisser Status bestätigt wird/1 d^r nach^ unserer Ueberzeugung der zionistischen Politik: sch^Sdlith %t und eine ungünstige Wirkung auf di^' w der britischen Regierting^^^h fcühti^tirfie es sich um praktische;ftesclution(bfli; M$äef$' $e die technische Seite eaher Sache betreffen, so wäre es nicht so wichtig, jedes Wort lina jeden Satz genau zii prüfen. Wenn jedoch ein Zionistenkongreß politische Erklärungen macht, und Resolutionen ' deklarativen' •' 'Charakters annimmt, so ist jeder 'einzelne Ausdruck und unsere Zustimmung zu jedem Satze von Bedeutung und kann große Konsequenzen nach sich ziehen. Bei der Textierung der Resolutionen haben wir, die revisionistischen Vertreter in der Kommission, mit den anderen Kollegen zusammengearbeitet und ich. muß feststellen, das es uns gelungen ist, in ziemlich hohem Maße die Resolutionen abzuändern, die teils von der Mehrheit, teils von der Exekutive eingebracht wurden. Wir mußten dabei einen schweren Kampf bestehen, nicht so sehr mit den Kollegen in der Kommission, als mit den Vertretern der Exekutive und den Experten, die sich ■ an den Sitzungen beteiligten. Doch dank dem Geist, der in der Kommission herrsdite, gelang eine Reihe von f Verbesserungen. Ich will aber nodi eine Reihe redak-; tioneller Aenderungen vonschlagen, die jedoch zugleich : den Sinn der Resolution wesentlich beeinflussen. In dieser Hinsicht verweise ich zunächst auf den ersten Satz der Resolution. Wir finden, daß er den Eindruck hervorrufen kann, wir betrachteten das Dokument als autoritativ und würdigen es als solches. Wir wollen aber einen solchen falschen Eindruck nicht, schaffen und schlagen daher vor, daß der erste Satz folgendermaßen lautet: „Der Kongreß nimmt Kenntnis vom Briefe des., britischen * Prime Ministers an Dr. Weizmann vom 13. Februar 1931 und von den in ihm enthaltenen Zu-; Sicherungen und Definitionen, in welchen die Bereitschaft der Mandatsregierung zum Ausdruck kommt, die gerechten Forderungen des jüdischen Volkes zu berücksichtigen." . Damit fallen also die Worte „und von seiner Erklärung, betreffend den autoritativen Charakter dieses Dokuments, und würdigt diejenigen" in der Komanissionsresolution weg. Mit dem zweiten Absatz der Kommissions resolution sind wir zufrieden. Dagegen wollen wir den dritten Absatz abändern. Denn laut unserer Auflussiing.jst der Satz unglücklich konstruiert und schafft den falschen Eindruck, daß ÜB MacDonald-Brief günstige Momente vorhanden sind. Daher schlagen wir eine Aenderung vor, damit dieser Absatz klar ist und unsere Empfindungen nach unserem Vorschlag lauten: „Der Kongreß konstatiert mit Bedauern, daß die Palästina-Verwaltung ihre den Juden ungünstige administrative Praxis nach wie vor anwendet, was insbesondere in der Fortdauer der Erschwerungen Jüdischen Bodenkaufes, jüdischer Einwanderung und der Verwendung jüdischer Arbeit bei Regierungsarbeiten zum Ausdruck kommt." Unser Vorschlag weicht vom Kommissionsvorschlag darin ab, daß er den Passus über die den Juden <;<int/"*p Administrative Praxis einfügt, ein Umstand, der in der ganzen Welt bekannt ist, und daß er den Passus ton den Vorschriften des MacDonald-Briefes streicht. Jetzt kommen wir zum letzten Absatz, und da sind die Meinungsverschiedenheiten viel größer, tiefer und entschiedener. Der vierte Absatz der Resolution, wie er von der Kommission vorgeschlagen ist, erscheint mild, unklar und schafft den Eindruck, daß wir keine klare Antwort über unser Verhältnis zu dem Mac- Donald-Brief geben wollen. Ich bin nun der Ansicht, daß wir durch Einfügung eines sehr milden Wortes, das wir bei einer anderen Gelegenheit benützt haben und jetzt wieder benützen sollen, den richtigen Zusammenhang schaffen könnten. Wir schlagen nämlich vor, daß im ersten Satz des letzten Absatzes das Wort „unzureichend" eingefügt werden soll, und daß es dann heißen soll „und lediglich als Basis für weitere Verhandlungen". So würde also der Satz in der von uns vorgeschlagenen Fassung lauten: „In Anbetracht dessen erachtet der 17. Kongreß den Brief des Prime Ministers als unzureichend und lediglich als Basis für weitere Verhandlungen der Jewish Agency mit der Mandatsregierung../* Hoher Kongreß, eines von beiden — entweder man nimmt Resolutionen an, dann müssen sie einen klaren Sinn haben, oder es ist besser, überhaupt keine Resolution anzunehmen. Aber wenn der Kongreß Resolutionen annimmt, die unsere Meinung nicht klar ausdrücken, so ist das nicht würdig, der höchsten Tribüne des jüdischen Volkes. Wir alle hier betrachten doch den MacDonald-Brief als ungenügend. Warum sollen wir nicht erklären, daß er bloß eine Basis für weitere Verhandlungen ist? Deshalb schlage ich diese redaktionelle Aenederung vor. Das Amendement Großmann wird mit 114 gegen 71 Stimmen abgelehnt, ebenso ein weiteres Amendement desselben revisionistischen Delegierten mit 109 gegen 68 Stimmen. Berichterstatter Dr. Ringel verliest die Resolution betr. Development Scheme: Nach Anhörung des ^richtes der Exekutive über die Verhandlungen der jewish Agency mit der Mandatsregierung imbezug auf das Landenfcwicklungsprojekt, stellt der XVII. Zionistenkongreß fest: Im Gegensatz zum Albsatz 15 des Briefes des Prime Ministers vom 13. Februar 1931, in dem gesagt wird, daß „die primäre Aufgabe (jedes Plans der Entwicklung) in der Ansiedlung sowohl von Juden, als von dislozierten Arabern auf dem Lande bestehen muß" — sind bei der Behandlung des Landentwicklvingsplans Tendenzen zum Vorschein fUskoimmen, die Interessen der jüdischen landwirtschaftliche« Ansiedlung hinsichtlich des Ausmaßes ihres Anteils an der Anleihe sowie hinsichtlich der zeitlichen Reihenfolge der Ausführung des Plans den andern Aufgaben, die im Landentwicklungsplan in Aussicht genommen sind, zu unterordnen. Der Kongreß erklärt, daß der von der Regierung projektierte Landentwickilungsplan die Unterstützung der Jewish Agency mir dann finden kann, wenn er auf dem Gründsatz der vollen Gleichheit des jüdischen und des arabischen Anteils an den Vorteilen dieses Planes und auf dem Grundsatz der Gleichheit der Ausführung basiert. Auch hiezu ergreift M. Großmann f&r dte Revisionisten das Wort: Die Resolution enthält einen Passus, den wir für gefährlich halten, da er unsere Rechte in Erez Israel in einem unserer Ueberzeugung nach im Gegensatz zum Mandat stehenden Sinne neu begründet. Zum erstenmal wird auf einem Zionistenkongreß ein Antrag gestellt, der das Prinzip der Parität im wirtschaftlichen, aJso auch auf politischem Gebiet in Palästina anerkennt Dieses Paritätsprinzdp steht im Widerspruch au den Bestimmungen des Mandats. Daher schlagen wir im letzten Passus der Resolution folgende Aenderung vor: Die Worte „Wenn er4* usw. bis zum Schluß sollen gestrichen und an ihre Stelle folgendes gesetzt werden: „Wenn er auf dem Grundsatz der Priorität der geschlossenen Siedlung im Sinne des Mandats basiert". Wir glauben, daß das Mandat nicht von Parität, sondern von der Priorität der jüdischen Rechte in Palästina spricht. Denn wenn nicht die Mamdatarmacht die Aufgabe hat, in erster Linie die Juden anzusiedeln, verliert das Mandat seinen Sinn. Deshalb ist es gefährlich, in diesem Moment und von dieser Tribüne diese neue Interpretation des Mandats zu proklamieren. Wir haben auf diesem Kongreß so viele Warnungen vor Interpretationen des Mandats gehört, jetzt schlägt die Politische Kömmission selbst eine mandatswidrige Interpretation vor. (Beifall.) Das kommt davon, daß wir uns vor 1 'n-en Ausdrücken fürchten und ausweichende Begriffe suchen, die die Lage nur noch mehr verwirren. Wir betrachten es daher als