Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 200 (17.7.1931)
- Date
- 1931-07-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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" Mr. 90» DIE NEUE WELT Seil« r Lehranstalt und Ausgestaltung des II a i f a e r Technikums zu einer Hochschule. Referent war Josef Frankel, Wien. Nach einer Diskussion wurde eine diesbezügliche Resolution einstimmig angenommen. Ferner wurde eine Delegation gewählt, die beim Kongreflpräsidium und bei der Kulturkommission vorsprechen und die Resolution überreichen soll. Die Resolution lautet: „Die am 6. Juli im Kongreßgebäude in Basel stattgefundene Studentenversammlung fordert vom IT. Zionistenkongreß die Umwandlung der Universität in Jerusalem in ein Lehrinstitut, das befähigt ist, die jüdischen Studenten wie an europäischen Hochschulen auszubilden und ihnen akademische Grade zu verleihen. Ebenso verlangt sie die Erhaltung und Ausgestaltung des Technikums in Haifa als Technische Hochschule, die geeignet ist, Ingenieure vollkommen auszubilden. Die verfolgte jüdische Studentenschaft der Gallith muß in Erez Israel Hochschulen haben, an denen sie frei und ungehindert auf Heimatboden studieren kann und in der Lage sein soll, sich die Grundinge für ihre Zukunft zu schaffen." Die Habimah-Freunde in Basel Am Freitag, den 3. Juli, fand anläßlich des Kongresses im Hause D r e y f u s de Gunzburg in Basel ein Tee für die Freunde der Ha'bimah statt. Die Herren Sokolow, Ussischkin, Bialik und Feiwe 1 ermahnten die Habimah-Freunde zur Weiterarbeit für diese Institution, die für das kulturelle Leben Palästinas eine ebensogroße Wichtigkeit hat. wie das Schulwesen. Im Auslände wirkt die Habimah propagandistisdi für die Renaissance der hebräischen Sprache. Ussischkin bemerkte unter anderem, daß der Kongreß sicherlich der Habimah gegenüber seine Pflicht auch in materieller Hinsicht erfüllen würde, wenn die Lage eine günstigere wäre. Die Vertreter verschiedener Länder erklärten eich bereit, ihre Arbeit zugunsten der Habimah zu intensivieren, die Ergebnisse ihrer Arbeit würden sich bis zum Herbst günstig auswirken. Der Walt verband allgemeiner Zionisten. Unter dem Vorsitz von Dr. Schwarzbarth und in Anwesenheit von Vertretern aus 26 Ländern hat sich der Weltverband allgemeiner Zionisten konstituiert. Zum Präsidenten des Verbandes und der Leitung wurde Doktor Schwarzbarth (Krakau) gewählt. Zu Leitungsmitgliedern wurden gewählt: Dr. Thon, Dr. Feldblum (Krakau), zwei Vertreter aus Amerika, Dr. Landsberg und ein zweites Mitglied aus Deutschland Dr. S c h m o r a k und. ein zweites Mitglied aus Ostgaljzjen, L e v i t e und H i n* des aus Kongreßpolen, Dir. Bernhard (Großrumänien), Dr. Grünbaum (Oesterreich), ferner eine Anzahl Mit« glieder aus Palästina, wo eine Zweigstelle der Lei« t u n g bestehen wird. Konferenz des Keren Kajemeth ITsroel Aus verschiedenen Gründen, hauptsächlich aber ans Ereparungsrücksichten, hat das Direktorium des Keren Kajemeth diesmal Abstand davon genommen, eine Weltkonferenz des KKL, nach Basel einzuberufen. Da jedoch beim Kongreß selbst unter den Delegierten und Gästen zahlreich« KKL.-Mitglieder aus fast allen Ländern anwesend waren und aus deren Mitte der Wunsch nach einer Aussprache über die aktuellen Probleme des KKL. geäußert wurde, lud das Hauptbüro zu einer Konferenz ein, die am 8. Juli d. J. stattgef unden hat. Trotzdem die politischen Fragen diesmal den Kongreß viel stärker beherrschen als jemals vorher und das Interesse bei Delegierten und Gästen voll in Anspruch nähmen, waren der Einladung des Hauptbüros etwa 70 Personen gefolgt. Ussischkin, der Vorsitzende des KKLnDirektoriums, leitete die Konferenz. Nach einigen Begrüßungsworten wies er darauf hin, daß bei dieser Konferenz eine kürze Ansprache Über das in den letzten zwei Jahren vom Keren Kajemeth Geleistete und unsere künftigen Aufgaben stattfinden solle. Im Plenum des Kongresses finde sich keine Gelegenheit, über diese Fragen zu sprechen. Herr Dr. A. Granovsky gab einen Bericht über die Tätigkeit des KKL. in Palästina in den letzten zwei Jahren. Anknüpfend an die von der letzten KKL.-Weltkonferenz und dem Züricher Kongreß aufgestellte Forderung der Schaffung einer Bodenreserve stellt er mit Bedauern fest, daß nur ein sehr geringer Bruchteil des damaligen Programms in den abgelaufenen zwei Jahren verwirklicht werden konnte. Rund 18.000 Dunam Boden sind in dieser Kongreßperiode vom KKL. erworben worden, gegenüber 75.000 Dunam in der vorigen Kongreßperiode. Die Gründe für diesen bedauerlich geringen Fortschritt liegen einerseits in der schwierign politischen Lage, die mit den August-Unruhen begonnen hat und deren letzte Auswirkungen im Bericht von Sir John Hope Simpson vorliegen; anderseits hat auch die sehr ungünstige finanzielle Situation eine Ausdehnung der Bodenkaufstätigkeit verhindert. Unsere jetzigen Einnahmen reichen kaum zur Erfüllung von Verpflichtungen für bereits gekaufte Böden. Selbst die bescheidenen Bodenerwerbungen der letzten zwei Jahre konnten nur durch besondere Anstrengungen einzelner Länder wie Südafrika, Tschechoslowakei und Italien durchgeführt werden. Herr Dr. Granovsky streifte dann die durch den Simpson-Bericht geschaffene Lage, die durch eine viel strengere Beaufsichtigung aller Bodentransaktionen und andere einschränkende Maßnahmen charakterisiert wird. Auch die letzte Verordnung über den Pächterschutz gehört zu diesen uns schädigenden Maßnahmen, die der Redner an einer Reihe von Beispielen zeigt. Dazu kommt, daß der Keren Kajemeth infolge der geschaffenen Lage gezwungen war, auf seinen Böden Arbeiten durchzuführen, da der Keren Hajessod nicht die genügenden Mittel hatte, um diese Böden zu besiedeln, und sonst die Gefahr bestand, daß die Besitzrechte der KKL. angezweifelt würden. Dies erforderte natürlich größere Mittel. Trotz allen Schwierigkeiten und Beschränkungen ist auch jetzt die Erwerbung großer Bodenflächen in Palästina möglich, wenn der KKL. über die nötigen Mitel verfügen wird. An den Mitarbeitern des* KKL. liegt es, alles aufzubieten, damit die bisherige Bodenpolitik des KKL. fortgesetzt werden kann. Ueber Erfahrungen und Methoden der Sammeltätigkeit referierten kurz die Herren Haesrachi und Pollak, deren Ausführungen Gelegenheit zu einer Aussprache boten, an der sich die Herren Williams (England), Terlo (Westgalizien), Dr. Wöllstein (Deutschland), Qufttman (Amerika), Weinreb (Oesterreich), Newman (Amerika), Bielopolsky (Polen) beteiligten. Viele Fragen der praktischen Sammeltätigkeit wurden dabei erörtert. Herr Newman, der Vorsitzende des KKL.- Direktoritims für Amerika, berichtete Uber die aus Anlaß des Aufenthaltes Ussischkins in Amerika eingeleitete große Aktion zur Auslösung von 200.000 Dunam Boden innerhalb der nächsten fünf Jahre. Die Aktion wurde bereits in verschiedenen Teilen der Vereinigten Staaten eingeleitet und wird zu Herbtbeginn in großem Umfang aufgenommen werden. Abgesehen von diesen praktischen Erfolgen, hat die Anwesenheit Ussischkins in Amerika auch eine starke Wirkung auf die allgemeine Lage des Zionismus im Lande und die Palästina- Arbeit gehabt. Nach dreieinhalbstündiger Dauer schloß Herr Ussischkin die Konferenz. Begrüßungsabend des Baseler Makkabi In den Räumen des jüdischen Turn- und Sportvereines Basel fand zu Ehren der anläßlich des Zionistenkongresses hier anwesenden Makkabim ein gemütliches Beisammensein statt. Der Vorsitzende des Schweizer Makkabikreises und der Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Jugendverbände der Schweiz, Herr Adrien Blum, hieß die Gäste, insbesondere die Radfahrer des „Hapoel", herzlich willkommen. Im, Namen des Präsidiums des Makkabi-Weltverbandes sprach Herr Doktor Alexander Rosenfeld Worte der Begrüßung. Er versicherte insbesondere den, Makkabi Saloniki der innigen Anteilnahme cbVr Makkabim vitter ganzen Welt; Unsere Antwort auf die Ausschreitungen wird eine um so intensivere Arbeit an den sportlichen und nationalen Aufgäben des Makkabi sein. Der Vorsitzende des Bar- Kochba, London, Herr Markus Jenner, der gewesene liberale Kandidat zum englischen Parlament, überbrachte hierauf die Grüße seines Vereines. Die Grüße des deutschen Makkabikreises bradite Ernst Hamburger zum Ausdruck. Für das Zionistische Zentralkomitee der Schweiz sprach der Leiter des Jugendressorts, Herr Dr. M. Niewiaski. Er wies auf das dieser Tage zu eröffnende Ferienheim in Engelberg hin, das der Auftakt zu einer großen Jugendarbeit in der Schweiz sein soll. Für die Radfahrergruppe des „Hapoel" dankte Herr Sehör für die herzliche Begrüßung und gab der Hoffnung auf gemeinsame Arbeit Ausdruck. Die Aussdkveihingen in Saloniki Neuerliehe judenfeindliche Agitation Während in Saloniki selbst allmählich wieder Beruhigung eintritt und die aus dem Campbell viertel geflüchteten jüdischen Einwohner wieder dahin zurückzukähren beginnen, scheint die a n t i s e m i t i s c h e Agitation in den ■griechischen Proviuzstüdten an Ausbreitung zu gewinnen. Nunmehr werden auch ans Demotika judenJeindliche Kundgebungen gemeldet. Der Gesamtsohaden. den die Juden in Saloniki durah die Ausschreitungen erlitten halben, wird auf zwei Millionen Drachmen geschätzt. Justizminister Avräaim ist nach Abschluß seiner Untersuchungen nach Athen zurückgekehrt. Vor seiner Abreise erklärte er, die Behörden hätten seiner Meinung nach ihre Pflicht voll erfüllt. Die Polizei habe außerordentlich strenge Maßnahmen ergriffen, um den Unruhen sobald als möglich ein Ende zu bereiten. Er habe den Eindrück empfangen, daß auch die Gerichtsbehörden ihre Pflicht erfüllt haben, wenn auch vielleicht etwa« verspätet Diese Frage bedürfe noch der Aufklärung. Der Generalgouverneur von Saloniki, General Gonatas bekräftigte Pressevertretern «egeuütber die in den Erklärungen des Ju&tiaministers mm Ausdruck gebrachte Auffassung and fügte hinzu, durch die Ergeh« niese der UnterBuchung werde der Beweis erbracht werden, daß die Niederkreauung des Canvpbellviertels night auf Mangel an notwendigen Vorkehrungen seitens der Behörden zurückzuführen «ei. Auf die Frage de« Korrespondenten der athenewischen Zeitung „Kathim©- rini" (Tageeneuigkeuten), ob es richtig sei, daß die jüdische Gemeinde om Nachinittajg vor Ausbruch des Brandes den Gouverneur auf die drohende Gefab* aufmerksam geenadbrt halbe, erwiderte Erregte Szene am Gepäckschalter. Schalterbeamter: Auf welchen Betrag ist das Ge« päck zu versichern? Reisender: Auf S 20.000.— . . . aber nicht bei Ihnen! Schalterbeamter (sehr erregt): Was soll diese Antwort bedeuten, warum denn nicht? Reisender: Jahrelang habe ich am Schalter hohe Prämien gezahlt, weil ich immer glaubte, daß ich bei der Gepäcksaufgabe versichern muß. Jetzt weiß ich aber, daß kein Reisender zur Versicherung am Schalter verpflichtet ist, sondern jeder dort versichern kann, wo es billiger ist und er sich nicht im letzten Augenblick in aller Hast ent* schließen muß. Deshalb habe ich mein Reise* und Hand* gepäck für Reise und Aufenthalt schon gestern zu sehr günstigen Bedingungen bei der Riunione Adriatica di Sicurtä, Wien, I., Tegetthoffstraße 7, Fernsprecher R.20*5«9O, versichert. Habe die Ehre... Schalterbeamter (schaut dem Reisenden verdutzt nach): ... (Lebhafte Erregung bei dem am Schalter versam* tnelten Publikum und Gemurmel: „Wenn wir das nur früher gewußt hätten!") E General Gonatas, er könne sich dessen nicht erinnern. Viel erörtert wird die Tatsache, daß das im „Weißen Turm", dem ZentraJgebäude der allgemeinen Pfadfinderorganisatioft, befindliche Büro des jüdischen Pfadfinderverbandes Hakoah geplündert worden iöt. Unter dem Verdacht der Täterschaft wurden 16 griechische Pfadfinder verhaftet. Im zerstörten jüdischen Viertel von Saloniki Im Auftrag der Jüdischen Telegraphen-Agentur hat sich, wie bereits gemeldet, der Jerusalemer J. T. A.¬ Vertreter Gersoii Agronsky von Basel aus mittels Flugzeug als Sonderberichterstatter nach Saloniki begeben. Herr Agronsky, der auch die August- und Septembertage des Jahres 1929 in Palästina miterlebt hat, schildert im folgenden seine Eindrücke bei einem Besuch des verwüsteten Judehviertels von Saloniki: »Was ich in dem zerstörten Campbell-Viertel gesehen habe, hat mich an das Bild erinnert, das PI e b r o n nach den Massakers im August 1929 bot. Seit Tagen, ist Militär damit beschäftigt, Schutt und Trümmer wegzuräumen und Türen und Fenster der verlassenen Häuser zu verschalen. Wie nach dem Pogrom in Hebron, ist auch hier der Zutritt zum jüdischen Viertel verboten. Ich selbst konnte erst, nachdem ich mir einen vom Salonikier Gouverneur persönlich ausgestellten besonderen Erlaubnisschein verschafft hatte, die Brandruinen besichtigen. Von der großen Synagoge ist außer rauchgeschwärzten Mauern nur die große hölzerne Thora-Lade übriggeblieben, die durch Flammen und Rauch bloß verfärbt wurden, aber sonst keinen weiteren Schaden erlitten hat, was von den Juden Salonikis wie ein Wunder empfunden wird. Die Vandalen hatten die Thoraroilen geraubt und geschändet; die zerrissenen und verstreuten Ueberreste wurden gesammelt und beim Oberrabbinw deponiert. Mühsam und nicht ohne Gefahr über die verkohlten Trümmer kletternd, fand idi hier und da Kannen, die Petroleum und Benzin enthalten hatten, und zeigte sie den beiden-Offizieren, die mich begleiteten. Hier war der Beweis, mit welcher Planmäßigkeit der 2000köpfige Mob zü Werke gegangen war, als er das jüdische Viertel überflutete, um 200 wehrlose jüdische Familien in einem Ring von Flammen einzuschließen. Wie es kam, daß niemand den Flomemntod fand, ist ein Rätsel, das vielleicht-nur-dadurch erklärt werden kann, daß zahlreiche Juden des Campbell-Viertels ehemalige Soldaten waren, die es Verstanden, sich zur Wehr zu setzen und das Leben ihrer Frauen und Kinder auch gegen einen gut bewaffneten Feind zu verteidigen; obwohl ihnen. selbst keine anderen Waffen als Knüppel und Stöcke zur Verfügüng standen. Die Ruinen der ,Bikur Cholim-Klinik hätten ebensogut die der Hadassah-Klinik in Hebron nach dem Massaker im Jahre 1929 sein können, so grühd-- liche Zerstörungsarbeit war hier geleistet worden. Aehnlich wie die Hebroner Klinik hatte die Bikur Cholim- Klinik das ganze Gebiet der benachbarten Vorstädte versorgt, einschließlich des Kalawaria-Viertels, aus dem die Angreifer, von. denen bisher nur fünf verhaftet wurde«, kamen. Auch die Zerstörung des jüdischen Schulhauses wurde mit vollendeter Gründlichkeit besorgt. An den noch stehenden Wänden sieht man Reste von Wahlplakaten mit spaniolißchem Text-und dem Bild des venizeii&tischen Kandidaten; denn die Juden Salonikis sind zuverlässige Anhänger des griechischen Ministerpräsidenten. Es ist zwar richtig, daß nur elf Baracken niedergebrannt wurden, aber ebenso richtig ist es, daß kein einziges Haus unversehrt geblieben ist. Was die Flammen nicht zerstört haben, haben die Huligans zertrümmert. Was ich im Campbell-Viertel gesehen habe, zwingt mich zu dem Schluß, daß hier ein Pogrom mit der ganzen Leidenschaft und Wut eines Pogroms durchgeführt wurde und daß. nur . die Wehrfähigkeit der Juden Salonikis ein schreckliches Blutbad verhütet hat" DR» HANS KAISER ORDINIERT BAD HALL HAUPTPLATZ