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Die neue Welt · 1931-07-17 · Heft 200 (17.7.1931) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 200 (17.7.1931)
Date
1931-07-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIE NEUE WELT ffr. 206 Chronik der Woche Vernichtete Synagogen Da 5 Minjan in Dwinsk Eine der ältesten Synagogen Lettlands, «las Preiler Minjan in Dwinsk, ist niedergebrannt. Das Feuer griff anoh auf die durchwegs von Juden bewohnten angrenzenden Gebäude über, von denen mehrere vollkommen zerstört wurden. Zahlreiche jüdische Familien sind obdachlos geworden. Die grofie Synagoge in Charbin. Die grofie Synagoge in der Artilleriestraße zu Charbin wurde durch einen Brand vollständig vernichtet. Dde niedergebrannte Synagoge war vor 25 Jahren, nach Beendigung des russisch-japanischen Krieges, als Juden in größerer Zanl sich in Charbin und in der Mandschurei niederzulassen begannen, errichtet worden. Sie stellte ein monumentales Bauwerk dar und galt als eine der schönsten Synagogen im Fernen Osten. Herzl-Gedenkfeiern in Amerika. In New York fand am 5. Juli eine vom Jüdischen Nationalfonds veranstaltete Gedenkfeier anläßlich des Todestages Theodor Herzls statt, an der über 2000 Personen teilnahmen. Im Verlauf dieser Woche werden in New York und anderen amerikanischen Städten noch eine Reihe weiterer Herzl-Gedenkfeiern abgehalten werdeu. Jüdische Wohlfahrtspflege in Amsterdam. In Amsterdam fand in Anwesenheit zahlreicher Vertreter jüdischer und nichtjüdischer Behörden und Institutionen die Eröffnung eines Flügels des großen jüdischen Hospitals statt. Die Kosten des neuen Gebäudes, das 300 Betten enthält, beliefen sich auf 423.000 holl. Gulden. Anläßlich der Eröffnungsfeier übergab Juwelier Louis T a s, ein bekannter jüdischer Philanthrop, dem jüdischen Armen rat den Betrag von 25.000 holl. Gulden. Der vor kurzem verstorbene H. E. ^Content hat dem jüdischen Armen rat von Amsterdam den Betrag von 700.000 holl. Gulden für jüdische Wohlfahrtszwecke testamentarisch hinterlassen. Jüdisches Darlehenskassenwesen in Deutschland Vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden wird der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt: Die wirtschaftliche Notlage, von der immer weitere Kreise der jüdischen Bevölkerung Deutschlands erfaßt werden, beschäftigt bereits seit langem die maßgebenden Instanzen des Preußischen Landesverbandes,, jüdischer Gemeinden. Neuerdings ist ein besonderes Dezernat für die sozialwirts c h a f 11 i c h e n Fragen geschaffen worden, dem ein Sonderausschuß für Wirtschaftsfragen beigeordnet ist. Dieser traf am Montag, den 6. Juli 1931 zu einer ersten Sitzung unter dem Vorsitz des Herrn Bruno Woyda, Berlin, zusammen. Es standen insbesondere zwei Fragen zur Erörterung: Der Ausbau des jüdischen Darlehenskassenwesens in Deutschland und die Durchführung von Siedlungsbestrebung efn. Neben den Ausschußmitgliedern nahm auch eine Reihe bekannter Fachleute an den Beratungen teil. Dr. Kreutzberger berichtete über den derzeitigen , Staiad der jüdischen Darlehenskassenbewegung in Deutschland. Er schilderte die verschiedenen Rechtsformen der Darlehenskassen und befürwortete eine - gen ossenschaftsähnliche Grundlage. Es wurde übereinstimmend für dringend notwendig gehalten, das Darlehenskassenwesen weitestgehend i auszubauen. Während zur Zeit nur in einigen; größeren Gemeinden solche Darlehenskassen bestehen, soll darauf hingewirkt werden, daß in allen größeren jüdischen Gemeinden neue Kassen errichtet und insbesondere da, wo dies möglich ist, die lokalen zu Bezirksdarlehenskassen ausgebaut werden, die den in kleinen Städten und auf dem Lande wohnenden Juden zugute kommen sollen. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hat gemeinsam mit der Zentralwohlfahrtssteile der deutschen Juden eine Zentralstelle für Darlehenskassen geschaffen. Er hat 10.000 Mark zinslos zur Verfügung gestellt, um das Kapital, das von den Darlehenskassen auf dem Kreditwege aufgenommen wird, bezüglich der Zinshöhe zu verbilligen. Die Schaffung eines Kapitalfonds ist ebenfalls bereits in Angriff genommen. Zur Kapitalbeschaffung_ sollen alle in Betracht kommenden Hilfsquellen erfaßt werden. Hierbei ist insbesondere an staatliche Stellen und jüdische Institutionen des Auslandes gedacht. Ferner soll die Frage geprüft werden^ ob das Vermögen von jüdischen Gemeinden, Stiftungen und Organisationen durch die Zentralisierung an'einer Stelle als Grundlage für die Erlangung weiterer Gelder zum Ausbau des jüdischen Darlehenskassenweeens nutzbar gemacht werden kann. Provokation der palästinensischen Agnda* Das Oberrabbinat von Palästina hat an die Jewish Agency, den Jüdischen Nationalfonds, den Keren Hajessod und den Waad Leumi die schriftliche Aufforderung gerichtet, Auge» teilte, die an den Fußball Wettspielen au Sabbatt^gen teilnehmen, zu entlassen. Vertreter der Aguda1» Ji8 r oe 1 haben beim Großmufti vorgesprochen und ihn ersucht, das ägyptisch-mohammedanlfteh« Team, das aa eiaem der nächsten Sabbat« Wien IX, Freiheitsplatz 14, Mezzanin (neben dem Votivpark) Tetephon B-49-2-63 Maturavorbereitungs- und Miite'schulkurse / Sprachschule (engl., franz, Hai.) / Latein »ür Ergänzungsmatura / Deutschkurse tür Ausländer / Individueller Nachhilfeunterricht i Nachmitta skorrepe^itlon für Mittelschüler / Tages- und Abend'-urse / Die ganzen Ferien hhuurch Feralk rse für den Externlstenprüfungsterm'.n im Hetbst / Mäßiges Honoiar Studienberatung und Auskünfte in der Direktion tage ein Wettspiel gegen den Jerusalemer Makkäbi austragen soll, telegraphisch aufzufordern, das Wettspiel abzusagen. Der Großmufti hat sich hiezu bereit erklärt Kommunistischer Mord. In Mazowiecki bei Tomaszow kam es während einer in der Stadtsynagoge veranstalteten Herzl-Gedenkfeier zu einer Straßenschlacht zwischen Kommunisten und J u n gz i o n i s t e n, als die Kommunisten versuchten, die zionistische Fahne von der Synagoge herunterzuholen und die'rote Fahne anzubringen. Der junge Revisionist Jizchak Fischhof wurde durch Messerstiche getötet. Die Polizei verhaftete einige Kommunisten. Eine polnisch-jüdische Stadt unter antisemitischem Terror. Die jüdische Bevölkerung des Städtchens K o n s k, Wojwodschaft Kielce, steht seit einigen Tagen unter scharfem Terror jugendlicher Huligans. Einem alten Juden wurde der Bart ausgerissen, fünf weitere von den Huligans mißhandelte jüdische Bürger liegen schwerverletzt darnieder. Die Bauernschaft der Umgebung wird von Agitatoren aufgefordert, in die Stadt zu ziehen, um üb~r die Juden herzufallen. Die Agitatoren drohen, ins Konsk das zu wiederholen, was ihre Gesinnungsgenossen ins Zloczow und in Radom vollbracht haben. Eine Abordnung der jüdischen Bevölkerung begab sich nach Kielce zum Wojwoden, um diesen um Schutz von Leben und Eigentum der Juden zu bitten. Mißhandlung von Juden in Polnisch-Oberschlesien. Nach einem Telegramm aus Breslau kam es in der Nacht zum 9. Juli in Siemianowitz bei Kattowitz (Polnisch-Oberschlesien) zu schweren Ausschreitungen polnischer Sokolisten gegen die deutsche . Bevölkerung. Die Ausschreitungen hatten auch antisemitischen Charakter. Die Exzedenten drangen in die Wohnungen von zwei jüdischen Kaufleuten ein, die notdürftig bekleidet auf die Straße flüchteten, nachdem sie mit Gummiknüppeln aufs schwerste mißhandelt worden waren und dabei einige Knochenbrüche erlitten hatten. Der Jüdische Pnrlamentsklub in Rumänien. Im Verlauf der Debatte über die Botschaft des Königs im Parlament stellte Deputierter Dr. Theodor Fischer im Narnen des jüdischen Piarlamentsklubs die folgenden ', Minimalforderungen der Jüdischen Partei auf: 1. Abänderung des Staatsbürgergesetzes von 1924 in der Weise, daß es in vollem Einklang mit den Bestimmungen des Pariser Vertrages von 1919, der von Rumänien ratifiziert wurde, gebracht werde. 2. Aufhebung des die jüdische Gemeindeautonomie schädigenden Artikels des Kultus£esetzes von 1929. 3. Erhöhung der Subvention für den jüdischen Kultus in dem Maße, daß das Verhältnis per Kopf das gleiche sei wie bei den anderen Konfessionen. 4. Sicherung der Sab b a t- und Feiertagsruhe der jüdischen Schüler an Staatsschulen. 5. Errichtung einer staatlichen j ü d ischen Lehrerbildungsanstalt. 6. Aufhebung jener Bestimmungen aus dem Unterrichtsgesetze, durch welche Eltern gehindert werden, ihre Kinder in P ri v a tschulen erziehen zu lassen. 7. Modifizierung des Kooperative-Gesetzes in der Weise, daß die jüdischen Kooperativen unter der Verwaltung einer eigenen Zentrale funktionieren können. 8. Errichtung einer Sektion für jüdische Angelegenheiten beim Unterstaatssekretariat für die Minoritäten. Ein wichtiger Fund auf der Züricher Zentralbibliothek. Der gegenwärtig im Auftrag des Jiddisch e n w.is s e n s c h a f 11 i ch e n I n s t i t uts („Jiwo") in der Schweiz weilende Philologe Dr. Max Weinreich hat bei der Durchsicht der alt jiddischen Bestände der Züricher Zentralbibliothek ein Unikum entdeckt, den Erstdruck des seit mehr als 400 Jahren im jüdischen Milieu äußerst populären Bovo-Buches, jetzt unter dem Namen „Bobe-maase" bekannt Verfasser dieses in Stanzen verfaßten Abenteuerromans, dein eine italienische Bearbeitung des englischen Bevit» of Hampton zugrunde liegt, ist de** berühmte Grammatiker Elia Levita (1469—1549). Das Werk, 15Q7 geschrieben, ist seit dem XVL Jahrhundert unzählige Male »et» aufgelegt worden. Der älteste bisher bekannte Drück stammt jedoch aus Prag 1660; die Erstausgabe war schon seit langem verschollen, obwohl die jüdischen Biographien seit Steinschneiders großem Bodleiana-Katalog (1852—1860) immer wieder nach ihr suchten* Der von Dr. Weinreieb aufgefundene Druck ist 154'rj« Jsny, Württemberg, in der Offizin des bekannten. Hebraisten Pauli» F a g i u « hergestellt. Fagius1 hatte de« 70jähnigen Grammatiker aus Venedig zu sieb berufen, um unter Leitung des Autors einige grammatische Werke Levitas herauszugeben. Diese Gelegenheit benutzte Levita nun, am aueh seinen 34 Jahre früher geschriebenen jiddischen Roman, der bis dahin handschriftlich kursiert hatte, abzudrucken. Der Fund hat in den Kreisen der Forscher der altjiddisohen Literatur Aufsehen erregt. Lesser - Ury - Ausstellung der Nationalgalerie. Der Direktor der Nationalgalerie in Berlin, Geheimrat Dr. Ludwig Justi, bereitet eine große Ausstellung des Lebenswerkes von Lesser Ury vor. Die Ausstellung wird zum 70. Geburtstage des Meisters, zum 7. November 1931, in der Nationalgalerie eröffnet werden und dde Bilder Urys aus allen Phasen seines Schaffens umfassen. Justi beabsichtigt, die in privatem Besitz befindlichen Hauptwerke von Ury für die Ausstellung zu leihen, um eine richtige Uebersioht Uber das Werk des großen Malers zu ermöglichen, der in der Geschichte der Entwicklung der modernen deutschen Malerei seine besondere Rolle hat — Der in Birnbaum (Provinz Posen) geborene große Maler und Graphiker Lesser Ury wurde außer durch «eine Großstadt- und Landschaftsbilder auch durch eeina jüdischen Gemälde berühmt. Von diesen sind unter anderem zu nennen „Jerusalem", „Adam und Eva", „Jeremias", „Sintflut", „Moses beschwört die Finsternis", „David im Gebet". „Rahel am Brunnen", „Rut und Boas", „Der scheidende Moses". Milde Bestrafung eines Hetzstudenten. Vor dem erweiterten Schöffengericht von Heidelberg hatte sich der Student Georg Dörr aus Ludwigshafen wegen Nötigung und Widerstandes gegeu die Staatsgewalt zu verantworten. Er hatte während des Heidelberger Studentenkrawalls am 21. Jänner seine Kommilitonen aufgefordert, die „Sozialisten und Juden hinauszuwerfen" und hatte dabei den Studenten Muskat mißhandelt. Der Angeklagte erschien vor Gericht mit dem Hakenkreuz geschmückt. Der Staatsanwalt beantragte einen Monat Gefängnis und 100 Mark Geldstrafe. Das Urteil lautete nur auf 50 Mark Geldstrafe. Ein akademisches Disziplinarverfahren wird sich noch anschließen. Strafen für die Berliner Universitätskrawalle. Der Senat der Berliner Universität hat im Zusammenhang mit den Universitätskrawallen bei sieben Studierenden, vier Nationalsozialisten und drei Kommunisten, auf Enti fernung von der Universität Berlin erkannt. | Theodor Lessing über England und Palästina* j Prof. Dr. Theodor Lessing (Hannover) veröffeht- ' licht in einer Anzahl Zeitungen einen „Das Kräftespiel in Palästina" betitelten Aufsat*, der in eine Anklage u n d Mahnung an d ie Adresse E n glan ds! ausklingt. Vier Mächte, schreibt er, bauen an Palästina: j Englisches Imperium. Katholische Weltkirche. Arabisraus, I Zionismus. Wer die Geschicke des Landes vorausschauen will, muß über das Wechselspiel dieser Triebkräfte klar sein. Das englische Imperium kennt nur ein einziges j Prinzip: Erhaltung der politischen Macht.! Palätina ist der Schlüssel zum tieferen Asien, zu Indien; und China. Darum muß Palästina festgehalten werden. Die katholische Universalkirche arbeitet seelenvoller; j sie obliegt nur dem Fischfang der armen Seelen. Die Araber können freie Männer, sich selbst bestimmende Bürger nur werden, wenn sie sich mit der vierten Macht verstehen — mit dem Zionismus. Die Juden sind in Asien das Stück Europa, wie sie in Europa ein Stück Asien sind. Anders gesagt: Sie sind Brückenbauer. Theodor Lessing schließt: Zwischen den religiös, fänatisierten Arabern und den energiegeladenen, vom Zukunftglauben beschwingten Juden wandeln, säulenstarr und unbewegt, baumlange dürre Kerle mit Pferdegebissen. Beefgesichter, eherne Stirnen, die alle das Sehnen und Ringen der wehrlosen Millionen gelassen als Schauspiel und Theater betrachten, gar nichts davon ver«. stehen, gar nichts davon verstehen wollen, sondern immer nur eines denken: „Wir sind Engländer, also die Perle des Weltalls." Ich habe die höchsten Beamten und Offiziere des Landes gesehen. Sie waren alle vom selben Schlage. Vollkommen geistlos und der besten Gesundheit sich erfreuend. Die Araber sind ihnen egal. Die Zionisten sind ihnen egal. Der Streit der Kirchen ist ihnen egal. Ihre normale Gerechtigkeit ist „Wurstizität". Es ist richtig, sie bevorzugen immer die Araber und unterdrücken die Juden. Es geschieht, weil sie in jeder Lage immer die jeweils größere Nichtbildung und Unwissenheit vorziehen werden. Nur im Dunkel fühlt sich das kleine Licht. Diese Männer lieben ehrlich den Sklaven. Das jüdische Proletariat ist ihnen zu intelligent Maturaschule. Ferlalkurse. Die Schule verfugt über modern ausgestattete Räume, der Unterricht wird aus* schließlich von geprüften, staatlich angestellten Profes» soren erteilt. Für jene Externisten, die im HeTbstermin dieses Jahres sich der Reifeprüfung unterziehen wollen, werden besondere Ferialkurse errichtet Wie wir erfahren, gehört der Direktion und dem Lehrkörper dieser Anstalt der bekannte klassische Philologe CSymnaslalpcofessor Dr. H. Glaser an. Adresse: lehrirwtitut „Universum**, Wien, IX., Freiheitsplatz 14 (neben dem Votivpark), Mezzanin. Telephon B»49*2»63. Sprechstunden von 10 bis 12 und von 4 bis 6 Uhr.

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