Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 200 (17.7.1931)
- Date
- 1931-07-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 200 DIE NEUE WELT Sehe % URLAUB? Kamera nicht vergelten! Ein Blick in das Album eines guten Bekannten genügt und Sie denken beim Packen Ihre» Reisegepäcks zunächst an die Kamera und dann erst an die anderen Sachen Die *9*i*m«d$*.Bessa, die automatische und billige 6X9 Schnellkamera, wäre für Sie das richtige Modell. Jeder kann damit gleich photographieren, weil man durch die praktische Dreipunkteinstellung (man stellt einfach auf Landschaft-Gruppe-Porträt) automatisch scharfe Bilder erhält. Oeffnttti, einstellen und knipsen« alles ist so kinderleicht, daß es jeder kann Die , Bessa" erhalten Sie In jeder Photohandlung Der 16selttge illustrierte Bessa-Prospekt unterrichtet Sie genau Uber die Vorzüge dieser Kamera. Verlaugen Sie diesen kostenlos von Schering-KahlOanm A. O.Repr. Wien Vi, Webg.2a, Abt. 11 den Vordergrund der Arbeit der Exekutive zu rücken, wurde einstimmig angenommen. Der Antrag der Kommission, daß in Ländern, in denen es die Exekutive für durchführbar hält, im kongreßlosen Jahr der S c h e k e 1 zugleich mit dem Schekel des Kongrefijahres eingehoben werde, wurde gegen ein Minderheitsvotum angenommen. Ein revisionistischer Antrag seitens Dr. J. Hofmann (Riga), wonach die Prärogative des palästinensischen Schekelzahlers abgeschafft, hingegen aber die der palästinensischen Bevölkerung eingeführt werden solle, d. h. daß das Wahlrecht zum Zionistenkongreß in Palästina allen Mitgliedern der Kenesseth Israel, die das zionistische Programm durch schriftliche Erklärung anerkennen, eingeräumt werde, wurde nach erregter Debatte, an der sich neben Dr. Hofmann auch Jabotinsky'beteiligte, abgelehnt. Nun ging es an die Behandlung eines Minderheitsvotums der Revisionisten betreffend das Abkommen mit der Jewish Agency. Jabotinsky zur Agency-Frage. Seitens der Mehrheit der Kommission wurde beschlossen, einige Reformvorschläge dem A. C zwedcs Behandlung zu überweisen. Die Revisionisten brachten durch V. C. Jabotinsky eine eigene Resolution ein, um die sich eine sehr erregte und hitzige Debatte entspann, bis sie zuguterletzt mit 113:50 Stimmen abgelehnt wurde. Für die revisionistische Resolution stimmten nur die Revisionisten, gegen sie die Allgemeinen Zionisten und die Linken. Der M i sr a c h i hatte sich der Stimme enthalten. Die Resolution und deren Begründung durch Jabotinsky haben folgenden Wortlaut: „Die Exekutive der Zionistischen Organisation wird beauftragt, den Vertrag, auf welchem die erweiterte Jewish Agency beruht, zu kündigen und mit dem nichtzionistischen Teil der Jewish Agency in Verhandlungen wegen Aenderungen der Konstitution der erweiterten Jewish Agency zu treten zwecks Wiederherstellung der Souveränität des zionistischen Kongresses auf dem gesamten Gebiet der politischen Tätigkeit des Zionismus.** Eine Begründung dieses Antrages ist, wie ich meine, in diesem Stadium der Verhandlungen nicht mehr notwendig. Von beiden Seiten hat man sich seit langem einen ganz bestimmten Begriff über denjenigen positiven Wert gemacht, den die gemischte Jewish Agency für die zionistische Entwicklung und Tätigkeit darstellt. Ich irre wohl nicht und dürfte auch wohl nicht übertreiben, wenn ich hier konstatiere, daß die Erfahrungen, die man gemacht hat, als melancholische auf beiden Seiten oder besser auf allen Seiten anerkannt sind. Wir Revisionisten glauben aber, daß es in Bezug auf die ökonomische Korporation zwischen Zionisten und Nichtzionisten vielleicht noch verfrüht wäre, Konsequenzen zu ziehen. Wir glauben, daß vielleicht wirklich in diesen schweren Jahren die Ergebnisse nicht diejenigen sein konnten, die sie hätten sein sollen. Wir glauben überhaupt an die Möglichkeit einer ökonomischen Kooperation zwischen Zionisten und Freunden Palästinas, die keine Zionisten sind, und glauben, daß diese Kooperation sehr wenig zu tun hat mit den Ergebnissen der letzten zwei Jahre. Andererseits hat auch unserer Meinung nach diese Kooperation sehr wenig damit zu tun, ob die Nichtzionisten, die wir dazu einladen, von uns Ehrungen erhalten oder nicht. Wir haben so viel Achtung vor den außerhalb des Zionismus stehenden Freunden Des Rebben Junge Von H. L. Schitnitzky Mein Rebbe (Lehrer) war schon ein alter Manu, und auch des Retbben Frau war nicht mehr jung. Auf dam Kopf trug sie eine schwarize Haube mit einer Menge schwanzer, glänzender Korallen, und in die Falten ihres bleichen Gesichtes hatte sich ein freundliches Lächeln eingegraben. Sie machte so Langsame Schiritte und schleppte hiebe! die Füße nach, als wäre sie schon ein Großoifütterchen. Und auch der Rebbe hätte wohl schon ein Großvater sein können. Zähme hatte er keine mehr, deswegen schnitt er vom Brot die Rinde herunter und aß nur das Weiche. Wenn er das Stückchen Hering zum Mund nahm und die Gräten herausklaubte, zitterten ihm die Hände dabei. Ans dem weißen, heransgelegten Kragen seines Hemdes blickte ein bräunlicher Hals heraus, der zerknittert und zerfurcht wair wie ein Ackerfeld. Und in seinem Bart und in seinen Schläfenlocken konnte sich nur mit Müfhe ein schwarzes Haar durchschlängeln. Daruni wunderte ich mich, als ich den Gheder betrat und in der Stuibe einen vierjährigen Jungen sich iieruantreiiben sah, des Rebben einziges Kind, Ich war zwar noch ein kleiner Jung«, doch verstand ach schon, daß das irgendwie nicht richtig sei Der Rebbe hat nodh ein kleines Kind? Das beschäftigte mich so sehr, daß ich mich deswegen zu Hause mit der Mutter unterhalten mußte. Da gab mi^ die Mutter zu verstehen, daß Gott auch unseren Vater Abraham und der Mutter Sarah einen Sohn geschickt habe, als sie schon alt waren: Die Mutter Sarah neunzig Jahre, Vater Abraham — ganze hundert, und wahrscheinlich seien der Rebbe und seine des Palästina-Aufbaues, daß wir glauben, sie werden zur Arbeit nicht durch Titel, sondern dadurch bewogen, daß sie Freunde Palästinas sind. Von diesem Standpunkt aus sind wir bereit, alle Formen ihrer Mitarbeit auf ökonomischem Boden zu unterstützen, aber wir glauben, daß es absolut nutzlos ist, irgendwelche Zugeständnisse in Bezug auf die Rechte zu machen, die uns durch das Mandat zustehen. Die Jewish Agency ist ein Begriff, der im Mandat begründet ist, sie ist eine Institution, die berechtigt ist, mit der Regierung zu beraten und zu kooperieren, eine politische Vertretung, die politisch bleibt, auch wenn die Absicht einer gewissen Beteiligung eine ökonomische ist. Verhandlungen über Anleihen, über landwirtschaftliche Tätigkeit, mit Behörden oder Regierungen sind politische Tätigkeit, die im Namen des Zionismus unserer Meinnng nach nur dann gedeihen kann, wenn sie im Namen des Zionismus geführt wird. Darum wollen wir die Souveränität der Zionistischen Organisation. (Unruhe und Zwischenrufe.) Daher wollten wir die politische Prärogative der Zionistischen Organisation als der einzigen Trägerin des Begriffes und der Funktion der Jewish Agency nicht preisgeben. Da sie leider bereits preisgegeben wurde, stehen wir jetzt vor Umständen, die von uns Schritte verlangen, um diesen Zustand zu beseitigen. Als Begründung möchte ich nur folgendes erwähnen: Wir haben uns an die Exekutive mit der Anfrage gewandt, ob die Souveränität der Zionistischen Organisation in politischer Hinsicht noch bestehe. Die Antwort war: „Nein, sie besteht nicht mehr." Dasselbe wurde aus Berlin referiert im Namen des Herrn Direktors Wassermann, so, glaube ich, ist sein Name. (Zwischenrufe.) Ja, ich glaube, sein Name ist Wassermann. (Verstärkte Zwischenrufe. Zur Linken:) Sdiweigen! Ein Antrag Meir Großmians, den vom Plenum abgelehnten Antrag der Revisionisten dem A. C. zur weiteren Behandlung zu übergeben, wurde ebenfalls gegen die Stimmen der Revisionisten abgelehnt. Passfields Provokation. Am selben Tage wurde in Basel der Inhalt einer telegraphischen Instruktion des britischen Kolonialamtes an den High Commissioner Sir John Chancellor über die Durchführung des Landentwicklungsplans sowie das Begleitschreiben Lord Passfields zu dieser Instruktion bekannt. Die Instruktion, die am Donnerstag, den 9. Juli, in Palästina offiziell kundgemacht werden sollte, bildete den Gegenstand einer erregten Debatte in der Politischen Kommission, die die ganze Nacht hindurch die durch diese nette Verlautbarung des Kolonialamtes geschaffene Lage beriet. Das Dokument wird von der Politischen Kommission als ungünstig für die jüdischen Interessen beurteilt. Die wichtigste Forderung der Jewish Agency, nämlich die Forderung, es solle von vornherein festgesetzt werden, daß Juden und Araber in gleicher Weise aus der Durchführung des Landentwicklungsplanes Vorteil ziehen sollen, ist unerfüllt geblieben. In dem Briefe wird bloß erklärt, die Regierung habe diese Forderung zur Kenntnis genommen. Der ät¥ 9 ^mz* Nur die8e ■ *m m %tA^j£Jrw^0 Schwedenklinge äm Cdp/#VV^BP^^ macht Rasieren zum Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke Frau auch fromme, gotte&fürchiige Menschen. Deswegen haben sie Wohlgefallen bei Gott. Hierauf begriff ich schon alles und alles war mir klar. Des Rebben Knäbledn hieß Moschele. Ex war so schwach, als wäre er aus Spinngewebe gebaut Er war groß, größer als es seinen Jahren entsprach. Nur hatte er dünne, schwache Händchen und ganz dünne Ftißchen. Wenn etwa jemand an ihm vorüberging und ihn anrührte, begann er gleich zu weinen. Deswegen hatte er ständig verweinte Augen. War Schüler hatten von Moschele viel Herzenspein zu ertragen. Durfte man doch nicht einen Blick auf ühn tun; er bricht fortwährend in Weinen aus und der Rebbe fragte: „Wer hat dir wa6 getan, Moschele?" Und wenn Moschele auf einen von uns mit seinen dürren Fingerchen wies, war es auch schon unmöglich, dem Staiberl zu entgehen. Moschele trug ein rundliches, samtenes Hütchen, weiße Leinenhöschen und obenauf einen Leibtalles, der ständig Flecken von Butter und Zuckerln aufwies. Die Füße staken in weißen Filzsandalen, die sich ihm beim Geilen nachschleiften. Unter dem Leibtalles trug er an einem roten Bändchen einen Groschen und ein Pfeifchen. All das nannte einer, ein frommer Mann, ein Amulett für Leiben und Gesundheit. Denn der Rebbe hatte kein Glück mit Kindern. Die vor Moschele da waren, ließen sich samt, und sonders nicht aufziehen, sie schliefen ein in den Wiegen wie Hühnchen, verloschen wie zitterige Fläminchen. Moschele hatte helle, ganz helle Augen, so helle, als hätten sie überhaupt keine Pupille, aber es lag in ihnen irgend ein grüner Widerschein. Und die Augenlider waren .ganz dünn und so weiß und fein wie Seide. Moschele* Gesicht war schmal und länglich und so weich Landentwicklungsrat wird aus einem Juden, einem Araber und einem Engländer bestehen. Trotz der seitens der Jewish Agency dagegen erhobenen Einwände ist der High Commissioner in Fragen des Landentwicklungsplanes höchste Instanz. Den einzigen für die Juden günstigen Punkt bildet eine Klausel, derzufolge der Begriff der „dislozierten Araber" im Sinne des MacDonald-Briefes verstanden werden soll. Der betreffende Paragraph des MacDonald-Briefes (§ 9) wird in der Instruktion im Zusammenhang mit der Klausel zitiert. In der Politischen Kommission des Kongresses herrscht große Bestürzung über die Provokation des Kongresses von Seite Lord Passfields. Die Instruktion des Kolonialamtes wird als neuer Beweis für die unfreundliche Haltung dieses Ministeriums gegenüber den Bestrebungen zur Schaffung der jüdischen Heimstätte in Palästina aufgefaßt. Manipulationen hinter den Kulissen. Bald darauf wurde bekannt, daß das Kolonialamt beschlossen habe, die Veröffentlichung der Instruktion über den Landentwicklungsplan zurückzustellen, obwohl ursprünglich beabsichtigt war, den Landentwicklungsplan am heutigen Tage in Kraft treten zu lassen. Diese Zurückstellung wird auf eine von Dr. Weizmann privat an das Kolonialamt gerichtete dringliche Mitteilung zurückgeführt, in der er darauf hinweist, die plötzliche Entscheidung des Kolonialamtes, den Landentwicklungsplan in einem Zeitpunkt zu veröffentlichen, in dem der Kongreß über das künftige Schicksal der Weizmannschen Poliiik berät, müsse von schädlichen Folgen für die von Weizmann vertretene Richtung sein. Daraufhin hat sich das Kolonialamt bereit erklärt, die Veröffentlichung auf eine Woche zurückzustellen. Es wird erwartet, daß die Ankündigung der Durchführung des Landentwicklungsplanes und weiß wie Schnee. Auf den Schiläifen blickten deutlich' die blauen Adern durch. Er hatte belle, schüttere Stirnlöckchen, die bis zum Kinn herunterreichten. Und auch die Augenbrauen waren ganz hell, so wie Flachs, und ganz schütter. Im ganzen genommen sah Moscheies Gesicht aus wie der Mann im Mond. Hiebei hatte er ständig trauei-umflorte Augen. Moschele lachte niemals, er spielte niemals. Ueber Moschele machten wir Talnmdschüler uns übrigens ernste Gedanken; wir fühlten, daß Moschele irgend ein Geheimnis mit sich trägt. Er ging 60 langsam und verbang schwermütig den Kopf in der Sch/ürize der Mutter, und wenn er weinte, fühlten wir Schüler »He irgendwie einen Schmerz. Die feinen, dünnen Augenlider ließen sich ihm da über die Augen herab, das zarte Gesdchtchen verszenrte sich ihm und er öifnete breit den Mund, aus dem zwei Reihen bräunlicher, zerfressener Zähnchen herausguckten. Der Rebbe mußte ständig bei sich in der Schublade eine Tüte mit Zuckerln haben. Für den Fall, daß Moschele zu weinen begann, besänftigte ihn der Rebbe mit einem Zuckerl. Einmal nahm ihn der Rebbe auf seine Knie, hielt ihn so eine Weile, glättete dikn die Wange und kräuselte ihm die Schläfenlödcchen. Wir Schüler saßen gelassen vor der Bibel, mit ernstem und schweigendem Blick. „Moschele", sagte der Rebbe mit zittriger Stimme, „du bist schon ein großer Junge, wallst du anfangen zu lernen?" Moschele schüttelte bejahend den Kopf. Dann nahm der Rebbe aus dem Schubfach die Tüte mit Zuckerln und sagte: .„Siehst du, Moschele, wenn du lernen und ein braver Schüler sein wirst, wirst du atüe, alle Zocker!