Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1931-07-10 · Heft 199 (10.7.1931) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 199 (10.7.1931)
Date
1931-07-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2711613-2711790-2711818--2606-2715912
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

>»M » f Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. T99 das „dominating documenf ist, und zwar laut den Angaben der obersten Behörde. Das gibt eine legale Basis für administrativ« Willkür. Aber das, was in diesem Dokument geschrieben ist, ist ebenso schlecht und manchmal noch schlimmer als das ursprüngliche Weißbuch. In'diesem wohlwollenden Ton finden Sie hie und da Phrasen, die so wundersüß auagedrückt sind, daß man nicht gleich bemerkt, welche Möglichkeiten für schädliche „Interpretation" sie geben. Nehmen Sie z. B. den Satz: ,4Die Rückwirkung der jüdischen Immigration und Besiedlung auf die wirtschaftliche Lage der nichtjüdischen Bevölkerung kann nicht außer acht gelassen werden." Ich erinnere mich an einen Fall im Jahre 1919, wo ich im Namen der zionistischen Palastina-Exekutive Verhandlungen mit dem Finanzamt in Jerusalem führen mußte, um dit Erlaubnis zu erlangen, Maschinen für eine kleine Seifehfabrik einzuführen. Dabei wurde mir gesagt: „Aber vergessen Sie nicht, daß es eine blühende arabische Seifenindustrie im Gebiet von Nablus gibt! Sollten die Juden auch eine Seifenfabrik schaffen, die wahrscheinlich billiger und besser produzieren wird, was wird dann aus der arabischen Seifenindustrie werden?" Der oben zitierte Satz des MacDonald-Briefes war daimals noch nicht geschrieben, aber eine solche Interpretation dieses Satzes hangt doch in Palästina in der Luft. Obwohl wir den Besitzstand der Araber nicht direkt schädigen, aber doch besser arbeiten, sagt man, daß unser Fortschritt eine gewisse Rückwirkung auf die nicht so fortschrittlichen Elemente des Landes hat. Der Mac- Donald-Brief legt nun dieses Argument gegen den Zionismus offiziell fest. Im MacDonald - Brief wurde die Drohung des Weißbuches wiederholt, den Land kauf zu „kontrollieren", nicht mehr als eine Idee, sondern als ein Beschluß; und der Beschluß isiLwie wir wissen, durch gesetzgeberische Tatsachen illustriert worden. - v- Es steht , weiter im MacDonald-Brief, daß die bestehende Regulierung der jüdischen Immigration auch künftighin „properly" (tüchtig) angewendet werden muß. Worin die „Tüchtigkeit besteht, brauche ich nicht zu Illustrieren, aber ich möchte doch den Fall des jetzt ßchoh berühmten Immigranten-Knaben erwähnen, der verprügelt wurde, weil die Immigrationsregelung „properly" angewendet werden sollte. Weiter heißt es im MacDonald-Brief: „Das Prinzip der Bevorzugung oder sogar ausschließlichen Anstellung jüdischer Arbeiter bei jüdischen Organisationen ist ein Prinzip, das die Jewish Agency das Recht zu bejahen hat. Sollten aber dadurch arabische Arbeiter eliminiert werden oder Sollte dadurch die allgemeine Arbeitslosigkeit im Lande erhöht Verden, so wäre das ein Faktor, welchen die Mandatarmacht in Betracht ziehen muß." Als Illustration dazu liegt mir ein frischer Brief aus Palästina vor. Einer der Herren, mit denen ich in Verbindung stehe, erhielt zu der Afuleh- und Kadoorie- Frage folgende Erklärung von einem ziemlich wichtigen und gut informierten englischen Beamten. Dieser berief Sich nicht auf das Weißbuch, sondern auf den MacDonald-Brief und sagte; „In diesem Briefe wurde ja gesagt, daß Sie selbstverständlich frei sind, in Ihren Anstalten jüdische Arbeiter zui/benützeh; aber wenn die Regierung zur Ueberzeugung kommt, daß dadurch die Unmöglichkeit entsteht, die, i Arbeitslosigkeit unter den Arabern zu lindern, so hat sie das Recht, das Prinzip 2ü übersehen, daß bei den öffentlichen Arbeiten auch Juden angestellt werden sollen." Wenn es zu öffentlichen Auseinandersetzungen kommen wird, sq werden Sie sehen, daß die «ehr gescheiten Verteidiger der Palästina-Verwaltung sich nicht auf, das Weißbuch berufen werden, sondern gerade auf den MacDonald- Brief — und jeder Jurist wird sagen müssen, daß die Berufung Hand und Fuß hat. Aber das Schlimmste in diesem Mac¬ Donald-Brief ist ein Satz, der deto arabischen, Volk, das Vetorecht gibt, gegen jeden Schritt, der in Ausführung des Mandates von /der Regierung unternommen werden, könnte. Dieser Satz lautet;;,Die Mandatarmacht darf nicht übersehen, daß in Palästina doch verschiedene Interessen und Standpunkte existieren. Diese kann man nur vereinbaren, wenn man richtig versteht, daß die vollständige Lösung des Problems von einer Verständigung zwischen Juden, und Arabern abhängig ist. Solange diese Verständigung' nicht erreicht ist, muß die, Regierung bei deit Bestimmung politischer Richtlinien immer unvermeidliche 'Gleichgewichitsrücksichteri!in Betjracht ziehen." In die Sprache der Praxis übersetzt, heißt das: Wir, die* Regierung, sind bereit, das Mandat vollständig durchzuführett, aber -1zuerst Verständigung. Lehnen die Araber ab, dann muß die Regierang statt das Mandat durchzuführen, das „Gleichgewicht*4 halten. Und. Sie wissen; worin das „Gleichgewicht" in der palästinensischen Praxis besteht: Wo Juden eine Besserung verlangen, die Araber dagegen Einspruch erheben, hält, man das Gleichgewicht bleibt es beim Status quo. Niemand in diesem Saale wird in Abrede stelleri, daß der Status qnon a nt e i n P a 1 äst i na e i n p ermattentes „Weißbuch" war und ist. Ich komme jetzt auf Jenen Teil von Passfields Statement zurück, der gültig bleibt, und zwar ohne wohlwollende Interpretation: nämlich die P a r 1 a m e n t adrohung. Die Beziehung des Kongresses zu der Perspektive, daß In Palästina jetzt ein gesetzgebender Rat geschaffen werden soll, Ist; selbstverständlich keine wohlwollende. Aber doch versucht man hier, die Sache optimistisch darzustellen. Man will nämlich glauben, daß es doch Möglichkeiten gibt« die Körperschaft so zu organisieren, daß sie unschädlich bleibt, indem z, B. aus ihrer Kompetenz Angelegenhelten wie Immigration, Landkauf, Kolonisation ausgeschlossen werden sollen. Das ist eine Illusion. Sollte es auch geschehen, so wird es unserer Immigration, dem Landkauf, der Kolonisation gar nicht helfen; Immigration ist Zuerst abhängig von den Absorptionsmöglichkeiteii eines Landes; und diese wird durch die allgemeine Gesetzgebung bestimmt. Man kann eine Immigration Ökonomisch unmöglich machen, ohne ein einziges Gesetz zu beschließen, das «ich direkt mit Immigration beschäftigt. Jeder Punkt der Gesetzgebung, Zölle, Sicherheit, Sprachen Verordnungen, die Zusajmmensetzuug der Beamtenschaft alles wirkt auf die ökonomische Atmosphäre eines Landes, erschwert oder erleichtert die Immigration. Das geturnte Gebiet der Wirtschaft bleibt aber in der Kompetenz eines Parlaments» auch wenn es sich mit dieser pder Jener Frage nicht ausdrücklich beschäftigt-, unzählige Wege bleiben ISr ein jr§feo xm gestimmtef Parlament offen, um unseren Fortschritt zu verhindern. Auen wenn der gewählte Teil des Parlaments nur be- ECKSTEIN'S FAMILIEN-PENSION Restauration, Kaffeehaus / Taglich S-Uhr-Tae fEMMC&IMf« Telephon 11, HoehatraB* 43 MPIPIEKiraw neben Hotel Panhana Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer mit Pension S 12.- aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm¬ und Kaliwasser in jedem Zimmer. / Auskunft unter Telephon U-27-6-24 ratend wirken kann, ist das keine Milderung der Gefahr. Wir sind nicht die einzigen, die die Gefahr sehen. Verfolgen Sie die Verhandlungen in der Mandatskommission. Im Juli 1924 sagte Ormsby-Gore in Genf: „Sollte in diesem (gesetzgebenden) Rat eine antizionistische Mehrheit geschaffen werden, dann kommt doch die Regierung in eine Sackgasse, weil sie einerseits gewisse Bestimmungen des Mandats aueführen muß, während anderseits eine feindliche Majorität gegen solche Maßnahmen opponieren würde." Im Oktober desselben Jahres sagte Herbert Samuel vor der Kommission, „daß die Araber erklärt haben, sie würden, wenn sie eine Mehrheit haben, dieselbe gegen die Schaffung des jüdischen Nationalheims ausnützen". Im selben Sinne sprachen Mitglieder der Mandatskammission, z. B. der portugiesische Vertreter, Freire de Andrade, und auch Professor Rappard, dessen Worte ich zitieren will: „In diesem Fall (Palästina) ist eine Form demokratischer und parlamentarischer Regierimg im Mandat oder im Völkerbundvertrag nicht vorgesehen. Sie ist sogar mit den Verpflichtungen, welche der Mandatar in bezug auf Palästina übernommen hat, unvereinbar". Ich glaube, der Kongreß muß diesen .Standpunkt'einnehmen und gegen irgend welche F br m von v e r f r ü h ten pseudop a r 1 amen t'a.r rsche n Ins ti tu tionen i n Pal äs t i n a S t e 11 u n gnehmen. Man sollte dabei die Frage der „Gerechtigkeit" nicht unaufrichtig gegen uns ins Spiel ziehen: Ist es gerecht, daß man das Recht der Juden auf Rückkehr nach Palästina anerkannt hat — dann ist, jede Maßnahme, die diese Rückkehr unmöglidi macht, ungerecht. Nadi allen diesen Betrachtungen bleibt es für den hohen Kongreß zu besdiüeßen, ob die heutige politische Lage ertrüglidi ist. Sie besteht aus zwei Elementen. Ein Element ist die administrative Praxis der Regierung in Palästina, das " andere Element ist die Stimme der gesetzgeberischen Akte der britischen Regierung in London, •die heute in dem gültigen Passfieldschen Weißbuch und in dem MacDonald sehen Brief gipfeln. Ist dieser Komplex der Staatsakten, inklusive des MacDonald-Briefes, eine .Grundlage für unsere Kooperation mit der Regierung oder ist es keine solche? Der Kong reß wird diese Frage prä z 1s e ivnd g e n. a u, b.ea n t, W orten ■■müssen. V . •^■.■^ '■- ■ ' Ich komme , jetzt zur Frage ,der ..Z.ie l,s e t z u n g. Das Ziel des Zionismus wird meist durch drei verschiedene r,; Bezeichnungen; ausgedrüdet: , Öffentlichrech 11 ich geSichövrte Heim s tä11e Nationalheim — Judenstaat. Wollen wir also jedem dieser Ausdrücke nachgehen. Daß der Ausdruck öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte nidit klar ist, ist klar. t>ieses Wort' hat kein e, j u f-i d i sc he Tr a d i t i o n, daher läßt es allerlei Interpretationen zu. Man hat diesen Ausdruck gerade deshalb aufgenommen, weil er so nebelhaft war lind man hoffen konnte, daß er den türkischen Sultan'nicht'-irritieren werde. Der Ausdruck Nationalheim ist auch unklar. Das sehen wir daraus, daß so viele Streitigkeiten darüber entstehen, was er bedeutet. Auch er hat keine Tradition. Am kl arstenist noch der Ausdruck Staat. Aber auch das Wort Staat hat im Gebraudi der politischen Welt verschiedene Bedeutung. Es ist nie klar, ob man mit diesem Wort eine vollständige Unabhängickeit bezeichnet oder nidit. Frankreich ist ein Staat im Sinne der vollen Unabhängigkeit. Aber Illinois oder Kentucky heißen auch Staat und sind doch nur Teile eines Staates. Audi für den Begriff der Mehrheit gibt das Wort Staat keine Antwort. Südafrika z. B. ist der Staat der Buren und Briten und doch bilden diese beiden nüdit die Mehrheit der Bevölkerung. Das Wort Staat ist klarer als die beiden analeren Bezeichnungen, ober doch ist es unsere Pflicht, den Begriff noch klarer zu machen und festzustellen, welches die Merkmale sind, die für uns die Conditio sine qua non des Ziondemus bedeuten. Und wir. finden, daß der Kern des Begriffes Judenstaat in folgenden zwei Momenten liegt: 1. Ethnische'Mehrheit des jüdis che» Elements in der Bevölkerung des Landes mnd 2. S e l'jb s t r e g ie r ung, Dieses Kweiie Element ist sehr elastiiseh. Hätten wir heute ein jüdisdies Land mit überwiegend jüdischer Bevödiker-ung und stünde dieses Land unter einer fremden Macht, so Würden wir wohl gegen diese Macht kämpfen, aber xler Zionismus würde nicht existieren, weil sidi die Juden dieses Landes in einer Lage befinden Würden, ,m d<sr heute viele normale Völker leiben, welche schon an ihrem Lande sind. Es ist auch möglich, sich vorzustellen, daß in Zukunft das Maß der Souveränität, sogar eines unabhängigen Staates, viel enger gezogen sein wird, ails dies •heute der Fall ist. Dafür hat man doch eine gewisse Institution in Genf geschaffen» damit die Souveränität der Staaten nicht allzu weit gehe, damit die comitas gentium eine gewisse Möglichkeit halbe, auch in die inneren Angelegenheiten der souveränen Staaten sich einzumengen. Dieses Moment der Selibstregieruug, der Souveränität, ist ein elastisches Moment. Wenn es einmal ■ein . jüdisches Palästina geben wird, wird sich dieses •Palästina selbst regieren; aber wir wissen nicht, ob es, allekiätehen oder Mitglied eines größeren Staatengehildes sein wird, vielleicht eines Gebildes, wie sich die KnelÄnder ene British Leaigue of Nations voretedlen. Ei© Moment ist aber unelastisch; es ist o.der es i«<t nicht; und das ist die numerische Me.h rhei t. Das Land wird -zum Judenland in dem Moment, wo es eine jüdische Mehrheit hat Ich weiß, daß es bei *yu« Viele gibt, die glauben, daß man auch ohne (Mehrheit eine Nationalität entwickeln und permanent sichern kann, wenn man in diesem Lande ökonomische und .kultiwelle Warte geschaffen hat. Es gab und es gilbt größere und stärkere Völker •als wir, die in verschiedenen Ländern größere KittHnr- •werte schufen, aber keime Mehrheit In den baltischen Provinizen wirkte 400 Jahre ein Volk von gewaltigen kulturträgerisdren Fähigkeiten, die Deutschen. Der Deutsche bat dort die progressive Landiwiirt6chaft eingeführt, wair der Organisator, der Magistrat, der Lehrer, der Pfarrer, ein Deutscher schrieb das erste Wörterbuch der lettischen Sprache, ein Deutscher sammelte die estnischen Nationallicder. Alles hat er dort getan, aber •eines unter lassen: Keine numerische Mehrh e i t Und Sie sehen das Ergehnis. Es gab ein anderes Volk, die Griechen. 4000 Jahre waren sie die eineiigen Kulturträger an der anatolischen Küste des Schwänzen nmd Aiegeisdien Meeres. Alles, was Kultur heißt, war griechisch. Auch die Beuern und Arbeiter waren Griechen. Da kam vor 500 Jahren ein anderes Volk, ohne Kudtur, ohne Fabriken, und hat eime Mehirheit geschaffen und die griechdsdie Minderheit zu einer ,yRaja" herahgedrückt; und hat adiließlich 1923 alle Griechen aus dem Lande ansigiewiesen. Leider ist es in der heutigen Welt nicht genug, Kulturwerte au sdiaffen, diese bleiben nur permanent, wenn das kiuilturt ragende Volk die Mehrheit dm Lande biJaet. Eine Million Juden wiäire heute genug, »um in Palästina die Mehrheit au bilden, das ist aber nicht die Grenize unseres Hofifens; wir wollen eine Heimstätte für alle leidenden Juden, und niemand kann voraussehen, wieviel leidende Juden es in den nächsten Genera tionen ig eben wird. Aber das unmittelbare Ziel der praktischen zionistisdien Airibeit ist die Sdioffunig einer Mehrheit. Ich glaube, niemand bezweifelt hier, daß diejenigen, die an einen Judenstaat deniken, sich ihn als einen Staat der vollständigen Gleädiibereditigunig vorstellen. Ich fürdite sogar, daß besonders die englischen Herren, die so darum besorgt sind, sich vielleicht nicht den Begriff der Gleidibetrochtigiunig in jenem großen Umfange vorstellen wie wir. Es tut mir leid, daß ich jetzt vor einem ZioniBtenkongreß die Frage behandeln muß, ob diese Zielsetzung, eine Mehrheit in Palästina zu sein, wirklidi den jiüdaschen Aspirationen entspricht. Es ist nutzlos, zu bezweifeln, ob Herizl ein Anhänger des Judenistaates war. Was stellt man sich vor? Herizl haibe das Buch „Judensiaat" geschrieben. Aiber warum? Weil er an Palästina nicht gedacht hat. Dann hat er Palästina entdeckt und hat sich in Palästina so verliebt, daß er aus Liebe für Palästina den Judenstaatsigedaniken preisgegeben hat (Beifall.) Ich schlage eine andere Interpretation der Herzlschen Stimmung vor. Er hat den „Judenstaat*4 geschrieben, dann ist er zu der Uöberaeuigunig gekommen, daß das notwendige Pathos des jüdischen Volkes nnir für Palästina au mobilisieren ist und dann hat er ©ich gesaigt: Also den Judenstaat worden wir in Palästina schaffen. Daher hat Herzl später den Begriff ^harter** proklamiert. Charter ist etwas viel Radikaleres als die Auffassung, die ich eben entwickelt habe. Daß in dem Basler Progtramm dieses Wort „Judenstaat" nicht geschrieben steht? Es war doch 1897, in der Türkei herrschte der Sultan. Damals könnt« imam ein Programm nur so ausdrücken, wie wir inr alten Rußland es tun mußten. Wenn wir unsere politischen Programme verschleierten, war es doch nicht korrekt, [ diese Programme nach dem Wortlant au interpretieren ' und uns au eaigen: Du hast das Wort .vGleddiberechtigu.nig" nicht geschrieben — ich habe es getan, damit man mich nidit ins Gefänignis steckt! — also verlanigst du keine Gleichiberechtigiumg! Und wenn Dr. Max Nordaiu am Jahre 1916 in einer Ednleitumg zu einer englischen Broschüre etwas # verschleierte, wair es doch im Jahre 1916, wo der jumgtürkdsche Fanatismus auf seiner Höhe stand, und er schrieb mit Rücksicht auf die Laige von Zehntaxusenden von Juden in der Tüdcei. Man darf diese Vorsicht nicht mißbrauchen und diese Worte nicht als den Ausdruck seines Willens zitieren. (Beifall.) Man erinnere sich eher an das, was Max Nordau im Jahre 1920 bei der Londoner Konferenz sagte, wie er dort tobte, weil man das Wort „Judenstaat" in der Balfour-Delclaration .vergessen hattel , Man hat hietr Achad Haam zitiert in einer Rolle, die Achad Haam, der ehrlichste der Menschen, nie beansprucht hätte: als Interpretator des politischen Zionismus 1 Aiber auch Achad Haam hat, einmal wenigstens, dagegen protestiert, daß man ihm unterschob, seine Idee eines geti&tiigen Zentrums sei ein Ghetto. Im Jahne 1926, drei Monate vor dem Tode dieses Mannes, hatte J<h mit ilim ein Gespräch in Anwesenheit seines Sekretärs, Pogrebinsky. In diesem Gespräch sagte Achad Haam: „So ha'be ich mir die Sache nicht vorgestellt." Und er beauftragte seinen Sekretär, seanen Artikel „Drei Stufen." zu bringen. Dort zeigte er mir schwarz auf weiß, was die Idee des geistigen Zentrums ist: „Ein Land, wo wir die Mehrheit sein weirden." (BeilfolL) Jalbotittsky wieist nun dokumentarisch nach, daß auch die englische Rjegierung, Völkerbund und Mandat die zionistischen Aspirationen nacht anders verstanden haben als im Sinne eämer jüdischen Mehrheit «anes Judenstaates, und fährt fort: „Was ich hier sage, ist keine 'Aenderung des Mandates, .sondern seine Interpretation. Unsere Partner interpretieren das Mandat; so ist es auch unsere Pf 1 icht, einmal zu sagen, wie wir das Mandat und den Ausdruck Nationalheim interpretieren. Man wird fragen, wozu man unsere Interpretation laut aussipredien soll. Man soll es sagen, weil es die einzige legale Grundlage für unsere Forderung nach einer großen Im an ig r a t io n ist. Meine geehrten Freunde und geehrten. Gegner werden vergeblich im Mandat eine Stelle suchen, wo ausdrücklich von unserem Recht auf eine große und schnelle Immigration die Rede ist. Das nützen unsere Gegner aus. Die einzige legale Grundlage dafür, daß wir berechtigt sind, eine große Immigration au verlanigen, ist, daß der Auedruck Nationalheim jüdische Mehrheit bedeutet. Ich würde raten, auf diese Grundlage nicht zu verzichten, weil die Gegner des Zionismus behaupten, daß man ein Nationalheim auch mit einer Minderheit sdiaffen könne. Wollen Sie eine rechtliche Grundlage für eine große Immigration, dann bestehen Sie auf dieser Interpretation. Die Wahrheit hat eine reinigende Wiifirtkung. Ist

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.