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Die neue Welt · 1931-07-10 · Heft 199 (10.7.1931) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 199 (10.7.1931)
Date
1931-07-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Kr. m DIE NEUE WELT Seife 5 f und Finanzen einschließlich einzelner Behandlungen von Projekten, die sich auf die Beschaffung von Einnahmen beziehen; 4. für landwirtschaftliche und städtische Kolonisation; 5. für, Immigration und Arbeit; 6. für Erziehung. Außerdem wurde die Wahl einer speziellen Subkommission für Wirtschaftslagen, besonders für Fragen der Privatinitiative in der Wirtschaft (die der Kolonisationskpmmission, bzw. dem Finanzausschuß zu berichten hat), eine Subkommission für Gesundheitsfragen und eine Resolütfcmskommission angenommen. Nach dem System der Zusammensetzung der fünf Kommissionen haben die Allgemeinen Zionisten das Recht auf 8, die Linken auf 7, die Revisionisten auf 5, Misrachi auf 3 und die Radikalen auf 1 Vertreter. Auf der Sitzung vom Donnerstag, den 2. Juli, vormittags, berichtete Dr. Chaim Arlosoroff über Probleme der Finanzierung des Palästina-Aufbaues. Aus dem Keren-Hajessod-Referat Hantkes ist zu ersehen, daß das Jahr 5691 einen Rückgang der Sammlung brachte, der durch die großen Einnahmen des Hilfsfonds für. die Opfer der Palästina-Unruhen noch verdeckt wurde. Das Jahr 5692 zeigte aber schon ganz klar den Rückgang in der Höhe von 25 Prozent. Nach Hantke müssen die nächsten zwei Jahre eine Vermehrung der Keren-Hajessod-Zeichner von 35 Prozent bringen, um den 25prozentigen Rückgang auszugleichen. Generaldebatte Der Standpunkt der Arbeiterpartei Freitag, den 3. Juli, trat man in die Generaldebatte ein. Der Führer der Histadruth, Ben Gu rion, der, als erster in der Generaldebatte als Wortführer der Linken das Wort ergriff, richtete scharfe Angriffe gegen die Mandatarmacht und bezeichnete den MacDonald-Brief als »unzureichend. Er verurteilte besonders scharf die. jüngst erlassene PächterschutzVerordnung und erklärte, sie sei ausschließlich gegen Juden gerichtet und werde dazu führen, daß große Landstrecken unkultiviert bleiben. Der M a c D o n a 1 d - B r i ef, erklärte Ben Gurion, wurde in Palästina als ein totes Dokument betrachtet. Die Juden werden von der Palästina-Regierung bei der Vergebung öffentlicher Arbeiten systematisch boykottiert, sogar in den ausgesprochen jüdischen Gebieten, wo ihr Anspruch, bei Vergebung öffentlicher Arbeiten berücksichtigt zu werden, ein durchaus legaler ist. Das j ü d isch-arabische Problem soll weder du-rch den Juden staat noch durch einen binationalen Staat, noch auch durch Errichtung eines Kulturzentrums in Palästina gelöst werden, sondern durch Zulassung der jüdischen Einwanderung nach Palästina auf der Basis der Absorptionskraft des Landes. Ein Weg zur Lösung der jüdisch-arabischen Frage ist der, daß kein Teil der Bevölkerung vom anderen beherrscht werde und daß die gerechtfertigten Forderungen der Araber unter der Bedingung erfüllt werden, daß keine andere Beschränkung der jüdischen Einwanderung Stattfinden darf als die, die in der Aufnähmefähigkeit des Landes für Neueinwanderer begründet ist. Z-um Schlüsse richtete Ben Gurion sehr scharfe Angriffe gegen die Revisionisten^ Nach dieser politisch lendenlahmen und mit der Farbe nicht herausrücken wollenden Stellungnahme des Vertreters der Arbeiterpartei präzisierte Vladimir J abotinsky die Stellungnahme der Revisionisten. Vor überfülltem Haus und mit frenetischem Beifall begrüßt, betrat Jabotinsky die Kongreßtribüne, um unter größer Spannung des Kongreßauditoriums die zwei Kernfragen des Kongresses: Zielsetzung und MacDonald-Brief, zu behandeln. Die klare, meisterhaft aufgebaute Rede Jabotinskys dauerte zwei Stunden. Nach Scheuß der Rede brachten Delegierte und Gäste dem Führer der Zionisten-Revisionisten eine minutenlange Ovation dar. (Die Rede selbst bringen wir an anderer Stelle.) Ussischkins Dank an die Revisionisten Nach Jabotinsky ergriff das Wort M. ML Ussischkin. Er führte aus: Ich war immer und bin auch jetzt . ein großer Gegner papierener Definitionen, der Definition von, Weizmann und der Definition von Jabotinsky. Definitionen des Endzieles, wie immer sie auch formuliert werden, begrenzen mein Ideal, das viel größer, viel breiter, viel höher ist. Es gibt nur eine Fr$ge der Methode, der Form der Arbeit. Aber, wenn ich vom Kongreß fordere, keine Definitionen festzusetzen, so habe ich und haben wir das Recht, von dem Manne, der seit dreizehn Jahren an unserer Spitze steht, zu verlangen, daß er keine Definitionen b r ingt, die unsere Hoffnung zerstören. (Beifall.) Dr. Weizmann, Sie hatten ein ewiges Wort verkündet: „Wir wollen, daß Erez Israel so jüdisch sein soll wie England e n g 1 i s c h." Sie hatten den Mut dazu. Dann haben Sie sich nach, einigen Jahren voller Schwierigkeiten zurückgezogen. Atif dem Uganda-Kongreß hatten wir die Wahl zwischen. Erez Israel und Herzl. Wenn wir heute vor der 'WahJ stehen, für ewig auf nnsere großen Hoffnungen zu verzichten oder auf Sie, so werden wir tlSi.e verzichten. (Beifall a«f der Rechten.) Unser Endziel ist klar, und wir brauchen hierüber nicht zu sprechen. Ich danke den Revisionisten, daß sie unserer Jugend neue Hoffnungen auf eine politische Zukunft gegeben haben. Man hat uns gezwungen, gegen das englische Volk und seine Regierungen zu kämpfen. England ist ungeheuer stark und wir sind sehr, sehr schwach. Aber wir brauchen Palästina, und England braucht es nicht. Daß es sich bei uns um Sein oder Nichtsein handelt, gibt uns eine ungeheure Kraft. Und darum wenden wir uns von dieser Tribüne des ganzen jüdischen Volkes an England: Großes, mächtiges englisches Volk, verstelle die Lage eines Siebzehnmillionen- Volkes mit gewaltigen intellektuellen Kräften und uugeheurem Idealismus, das zweitausend Jahre lang wandert und sein altes Heim sucht. Zwinge uns nicht den Streit mit dir auf, vergiß nicht an die Erzählung der Bibel vom großen Kampf des mächtigen Philisters Goliath mit dem kleinen Juden David, Herzl sprach zu den Mächtigen der Welt, zu Wilhelm IL: Hilf uns, unser Land zurückzubekommen." Wilhelm aber antwortete: „Nein." Und Herzl verließ Palästina. Heute, zwanzig Jahre nach dieser Geschichte, ist Wilhelm II. als Lebendiger tot und Herzl als Toter lebendig. Erez Is ra e 1 werden wir bauen, ob die Engländer oder die Araber wollen oder nicht. Hätten wir in Tiansjordanien nur zwei oder drei Kolonien gegründet, dann gäbe es heute keine transjordanische Frage. Ich appelliere an Sie, als einer der Aeltesten hier im Saale, der die Bewegung vom ersten Moment der Chibath Zion bis zum heutigen Tage erlebt hat: Unser Programm muß eine Vereinigung zweier Maxima sei: des Maximums politischer und des Maximums praktischer Arbeit. Von diesem Kongreß, der unsere Leitung und Formen unserer weiteren Arbeit schafft, sollen keine Sieger und keine Besiegten weggehen. In den kommenden zwei Jahren muß die innere Zerfleischung in unseren Reihen ein Ende nehmen. Die innere Genesung wird auch zur äußeren Gesundung beitragen. (Lebhafter Beifall.) Weiterer Verlauf der Generaldebatte Der englische Delegierte Dr. Ed er solidarisierte sich mit Prof. Weizmann und seiner Politik. Der polnische Delegierte J. Grünbaum (Radikaler) erklärte, der Kongreß möge, da der Weizmann- Kurs seit 192 9 tot sei, die Demission des Präsidenten ernsthaft als endgültig und unwiderruflich annehmen. Der Kongreß werde sich über ein neues System und eine neue Leitung , schlüssig werden müssen, die zwar neue politische Wege einzuschlagen 'haben wird? jedoch' den sozialökonomischen Kurs Weizmanns, die Verbindung mit der Arbeiterschaft, wird aufrechterhalten müssen. An die Linke richtete Grünbaum den Appell, einer solchen Erneuerung zuzustimmen. Sodann ließ sich der Redner in eine eingehende Polemik gegen Jabotinsky ein. Bezüglich des Endzieles der Bewegung erklärte er, der Judenstaat sei ein selbstverständliches Ideal, jedoch keine aktuelle Kampfforderung. Berl Locker, der für die Linken sprach, provozierte den ersten größeren Zwischenfall auf dem Kongreß. Da er sich in Schmähungen gegen die Revisionisten erging, die er als Hitler-Leute bezeichnete, protestierten die Revisionisten energisch und verlangten vom Kongreß-Präsidium Genugtuung. Es entstand ein Tumult, der bedrohliche Formen annahm. Der große hebräische Dichter und revisionistische Delegierte aus Palästina Uri Zwi Grinbcrg wurde von linken Delegierten tätlich angegriffen, ebenso wie Dr. Wolfgang Weisl geschmäht und beleidigt. Die Sitzung mußte unterbrochen werden und wurde erst wieder aufgenommen, als Berl Locker sich von der Kongreßbühne herab entschuldigte. Für den größten Teil der Allgemeinen Zionisten, das heißt für 60 Delegierte, ergriff Dr. Georg Halpern das Wort. Er führte aus: Er bedauerte, daß in der Rede Weizmanns nicht znm Ausdruck gekommen sei, wie tief das Vertrauen der Juden zu England erschüttert wurde. „Wir wollen mit England weiterarbeiten", erklärte Dr. Halpern, „aber wir haben den Traum ausgeträumt, in England das Volk gefunden zu haben, dem wir vertrauen könnten." Nunmehr müsse gemeinsam eine letzte Anstrengung gemacht werden, um die Arbeit fortsetzen zu können. Es sei notwendig, daß die überwiegende Mehrheit des Kongresses gegen jede Verkleinerung des zionistischen Ideals Stellung nehme. Ueber dem politischen Kampf aber dürfe nicht vergessen werden, mit welchen finanziellen Schwierigkeiten die Bewegung zu kämpfen habe. Für jede neue Leitung werde es Hauptsorge sein müssen, das etwa zehn Millionen Mark jährlich erfordernde Budget aufrechtzuerhalten. Nun rechnete in sachlicher, würdiger und ernster Weise der Revisionist Richard Lichtheioi mit den Verleumdern des Revisionismus ab und legte noch einmal den revisionistischen Staudpunkt dar. (Die Rede Lichtheims bringen wir an anderer Stelle.) Als erster Sprecher des Misrachi ergriff H, Farbstein (Warschau) in der Generaldebatte das Wert, Keiner sieht ihr an daß sie nur S 58.— dafür bezahlt haben, aber jeder wird bei Ihren Bildern sagen: „Müssen Sie eine gute Kamera haben". So scharf werden die Bilder mit der neuen yti&mutö* „Jubilar u toeil der Anastigmat 1:9 eine so große Tiefenschärfe hat und weil man bei der Zweipunkteinstellung nichts fälsch machen kann. Jeder Photohändler hat die neue „Jubilar" 6X9 cm. Sonntag können Sie schon Aufnahmen damit machen/ Auf Wunsch kostenlose Zusendung des Jubiläums - Prospektes von) ScJiertng - Kahlbaum A,-G.y Bepr. Wien VI, Webgasse Sa, Abt. 11 Er kritisierte in scharfer Form Weizmanns Ausführungen, die er als „Erbschaft einer bankrotten Idee" bezeichnete. Er erklärte, der Misrachi beabsichtige nicht, die Erbschaft dieser Idee, die vollkommen versagt habe, anzutreten. Auch der Misrachi wolle eine Mehrheit in Palästina, die zum Judenstaat führt. Weizmanns Rücktritt hätte schon viel früher erfolgen sollen. Für die deutschen Allgemeinen Zionisten sprach Kurt B1 u m e n f e 1 d (Berlin), der in seiner salbungsvollen Manier das übliche Brith-Schalom-Kauderw e 11 s c h angeblich für 20 Gesinnungsgenossen zum besten gab. Stephen Wise klagt an Nach einer Rede des ostgalizischen Delegierten Dr. Michael Ringel und des Krakauer Deputierten Dr. Osias Thon, der Weizmanns Demission zu akzeptieren anriet, hielt Rabbi Stephen S. Wise eine wuchtige Anklagerede gegen die inneren und äußeren Feinde des Zionismus. Er führte u. a. aus: Ich spreche als Mitglied der amerikanischen Delegation, die die größte Judenheit in der Welt repräsentiert, und für einen Teil der allgemeinen Zionisten, ungefähr 60, etwa ein Viertel der Delegierten dieses Kongresses. Dr. Weizmanns Rede klang in der Hauptsache wie eine Erklärung von der englischen Regierung, meine Rede wird eine Erklärung an die englische Regierung sein. Ob es jemals notwendig sein wird, gegen England zu sprechen, kann nicht bestimmt werden, bevor wir eine Leitung haben, die zu England gesprochen hat. Das hoffnungsreichste Ereignis in den letzten zwei Jahren war eine Erklärung an England, nicht von England — das Wort der Mandatskommission, das vor einem Jahre in Genf gesprochen wurde, i Ich weiß nicht, wie man ein ganzes Volk beschuldigen kann, aber ungleich unserer Leitung weiß ich, wie eine Regierung angeschuldigt werden kann, und ich beschuldige die gegenwärtige Regierung von England von dieser Tribüne des jüdischen Volkes vor dem moralischen Gewissen der Welt, daß sie in schrecklicher und tragischer Weise verfehlt hat, ihre Verpflichtungen aus dem Völkerbundsmandat gegenüber dem jüdischen Volk zu erfüllen. Nicht klage ich das englische Volk an, trotzdem unsere zionistische Leitung versucht, jede Anklage von der Regierung auf das Volk zu verschieben. Wie können wir das Volk von Lord Balfour und Lloyd George anklagen, wie kann es in einen gesunden Sinn kommen, das Volk von Lord Plumer und General Smuts, das Volk von Lord Hailsham und Sir John Simon anzuklagen! Es sind diese Lords und. diese Herren, die das englische Volk repräsentieren, nicht Lord Passfield und nicht Sir John Chancellor und Kapitän Keith- Roach. Es gibt drei primäre, elementare Bedingungen für die Errichtung des jüdischen Nationalheims: Sicherheit Land, Einwanderung. Die Sicherheit braucht nicht zu ruhen auf den britischen Bajonetten, sie ist garantiert in dem Augenblick, wo die englischen Beamten und die nichtbeamteten Engländer in Palästina aufhören, die Araber gegen die Juden aufzustacheln. Wir fordern nicht Sicherheit für unsere Männer in Palästina, wir haben das Recht zu verlangen, Sicherheit für Frauen und Kinder und Greise, die besonders auserwählte Opfer der August-Unruhen 1929 waren. Die zweite Bedingung ist freier Zutritt zum Boden. Nicht Invasion, nicht Raub oder Diebstahl von Grund und Boden, sondern gesetzlichen Zutritt zu dem erwerbbaren Boden, wie er uns heute in jeder möglichen Weise verwehrt wird. Und die dritte Bedingung ist Freiheit der Einwanderung, unter gewissen Regulierungen natürlich — aber nicht nur für solche Leute, die eine feindselige Palästina-Administration zuzulassen gesonnen ist, sondern für solche Männer und Frauen, wie wir sie als für die Einwanderung nach Palästina geeignet auswählen. Während der letzten zwei Jahre hatten wir nichts dergleichen. Wir hatten schlechte Gesetze, die von noch schlechteren Beamten ausgeführt wurden. Wir hatten eine ungeheuerliche tragische Unsicherheit. Wir hatten und haben noch eine vollkommen willkürliche und ungesetzliche Behinderung des Zutritts zum Boden. Und wir hatten eine solche Einschränkung und sogar Einstellung der Einwanderung, daß man sagen kann, diese Bedingung der Errichtung des jüdischen Nationalheimes wurde durch die englische Administration glatt verhindert. Ich befasse mich nicht mit der Rede der Leitung, die nicht eine politische Ansprache, sondern eine per-

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