Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1931-07-10 · Heft 199 (10.7.1931) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 199 (10.7.1931)
Date
1931-07-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2711613-2711790-2711818--2602-2715908
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

ScHc S DIE NEUE WEEf ifeHn ~-Vfantftä*f»iad ■*3iittm odet mit flberfiftasigen Haaren gebraucht EfbUtlteft in Apotheke« «ad Fsehgeochlfttut Eindrück erwecken kann? Unsere" Bewegung Stent gegenjwärtijr, vor zwei wichtigen Aufgaben: i. die Jewieh Ageocy in den Vereinigten Staaten aniezubaueh und 2. eine arabisch-jüdische "Ve rständiigung herkeran-fU-hren. Außerdem müssen wir uns besntthen. unsere Stettang in London e*rfrechtzuerhalten." Robert Stricker war es, der, wie an; anderer Stelle ausgeführt, die Tücke dieses Interviews; ewanüMt und den Kongreß zu einer pom.pten Stellungnahme gezwungen hat. i \ „. y Trotz dies Geplänkels der Linken und der Britto Sohaloni-Delegierten und gerade wegen* "Se'fitte'f lendenlahmen Rechitfartigunig vor dem Kongreß steht Prof. Weriz-mann als Zionist moralisch gerichtet da. Wei'zmanns poHtisdies Referat Nach der Eröffnungssitzung, auf der Nahum So k o I o w die von uns bereits charakterisierte Eröffnungs rede hielt und Artur R u p p i n über die wirtschaftliche Lage in Palästina sprach, wobei er die bekannten Gedankengänge seiner Kolonisationsmethoden. entwickelte, trat der Kongreß am Mittwoch, den 1. Juli, vormittags, seine Arbeitssitzungen an. Er wählte Leo M o t z k I n zu seinem Präsidenten, zu Vizepräsidenten M. M. U s s i s c hk i n, Richter Julian W. M a c k, Dr. E d e r, Rabbi Meir Berlin, Dr. Margolies, H. Farbstein, Doktor Schmorak, Dr. Soskin, Kaplan, Reiß, Doktor Silberstein. Es folgte der Bericht des Kongreßanwalts S. Gronemann über die Gültigkeit der Mandate. Die Mandate aus Kanada mußten wegen undemokratischer Wahlmethoden sämtlich annulliert werden. In verschiedenen anderen Ländern seien Verstöße, auch Terrorakte, vorgekommen. Ein Mandat in Deutschland, das von der Berliner Wahlkommission dem radikalen Führer Dr. M. Soloweitschik zugesprochen wurde, wurde diesem aberkannt und Dr. Landsberg (Allg. Zionist), ehemaligem Vorsitzenden der Z. V. f. D., zugesprochen. Das Kongreßgericht bestätigte 253 Delegierte, darunter 52 der Zionisten-Revisionisten. Sodann ergriff Prof. Chaim Weizmann, der abtretende Präsident der Zionistischen Organisation, das Wort zu seinem politischen Bericht. Wenn bei vorhergehenden Kongressen nahezu usuell der Präsident der Organisation, sei es, daß er die Eröffnungsrede hielt, sei es daß er sein politisches Referat erstattete, vom gesamten Kongreß durch Erheben von den Sitzen begrüßt wurde, behielten diesmal die revisionistischen Delegierten Und mit Ausnahme von zwei deutschen Misrachisten der gesamte Misrachi ihre Plätze; ebenso wie am Schluß der Rede der Beifall nur von den Bänken der engeren Weizmann- Anhänger und wohl nur aus Courtoisie auch von den Bänken der Allgemeinen Zionisten kam. Fundamentale Widersprüche . Die Rede gliederte sich in drei Teile. Der erste versuchte, einen historischen Ueberblick über die Entstehung der Balfour-Deklaratiön zu geben und in einer Art psychologischer Manier die motivischen Komponenten ihrer Entstehung zu schildern. Die Vertrautheit der Engländer mit der Bibel, das Wilsonsche Prinzip des Schutzes der kleinen Nationen und das Nützlichkeitsprinzip (die Gewinnung der Sympathien der Weltjudenheit und der amerikanischen Judenheit im Weltkrieg) seien die unmittelbaren Triebkräfte der englischen Politik gewesen, wobei Weizmann nicht entscheiden will, welches der drei Motive das ausschlaggebende gewesen sei, aber doch glaubt, daß das Nützlichkeitsmotiv erst in letzter Reihe kam. Also wieder einmal wie in allen 13 Jahren der Versuch* Englands edle Gesinnung zu unterstreichen, ohne zu bemerken, daß er selbst, Weizmann, später bei Schilderung der von ihm selbst als schlecht bezeichneten Situation, die sich im Verlauf der Jahre ergeben habe, die spezifischen englischen Interessen als dies bedingend erklärt; wie überhaupt die ganze große, drei Stunden währende Rede voller Widersprüche, von geringer Einheitlichkeit in der Konzeption und von merkwürdiger Gehemmtheit ist. Schon der nächste Absatz, der die zeitgenössische Interpretation der Balfour-Deklaration zum Thema hat, die Auffassung von Lord B a 1 f o u r, General S m u t s, Lord C e c i 1 zu umreißen sucht und in ein Achad Haam- Zitat bezüglich der sogenannten zionistischen Auffassung der Balfour-Deklaration mündet, die die seine, die Weizmannsche, sei, ist ein Widerspruch in sich selbst. Aus den Dokumenten der genannten Männer geht klar hervor, daß ein Judenstaat beabsichtigt gewesen ist; aus dem Achad Haam-Zitat die Umbiegung in den elastischen Begriff eines Heims. Daraus ergibt sich natürlich folgerichtig, und das ist der einzige Schimmer einer konsequenten Haltung; der Versuch» Herzl und Nordau für die Weizmannsche Auffassung von einem Endziel, das nicht Judenstont heifit, zu reklamieren, wobei leider hier mehr der Wille als das Gelingen merkbar ist Man kann beim besten Willen nicht annehmen, { daß ein Mann von der intellektuellen Qualität Prof. Weizmanns ernstlich an das glaubt, wofür er Herzl und Nordau als Gewährsmänner heranzieht. Nun, Herzl ist tot, nur Wissen um seine politischen Aktionen, fixiert in Aufsätzen und Tagebüchern, in seinem grandiosen orga nisatorisChett Bau, ist beweiskräftig da. Aber Nordäu! — auch Prof. Weizmann kann es nicht vergessen haben daß diesem Manne, der das Erscheinen der Bai fonr- Deklaration einige Jahre Überlebte, sogar diese, die doch im Kern einen Judenstaat enthält, wenn eine Politik sich strikt nach ihr richtet, zu wenig war. Wir haben schon in der vorigen Nummer diesen Teil der Weizmannscheti Rede als von pathologischem Mut gekennzeichnet. Mandat und Churchills Weißbuch Die Schilderung, wie es zu den Einschränkungen durch das C h u r c h i 11 s c h e Weißbuch vom Jahre 1922 kam,, ist eine einzige große Rechtfertigung Großbritanniens. Weizmann erklärt diesbezüglich: *" ' „Es soll zugegeben werden, daß es uns zu Schritten Veranlaßte, die wir lieber vermieden hätten. Aber die Sachlage würde'mit uns ausführlich besprochen und im Hinblick auf alle Umstände unsere eigenen Schwierigkeiten in der Ausführung unseres Werkes und die Schwierigkeiten der Regierung nahmen wir die Definition der Politik des jüdischen Nationalheims, wie sie Jhurchillschen Weißbuch enthalten ist, an ... Daß uns üas M a n d a t, wie es im Weißbuch von 1922 interpretiert ist, tatsächlich die Möglichkeiten gegeben hat; die es zu eröffnen schien, ist dargetan durch'die Entwicklung unseres Werkes in Palästina in den Jahren 1922 bis 1929, während welcher Zeit die britische Politik in Palästina von diesen beiden Dokumenten geleitet war." Es folgen das übliche Jammern darüber, daß Wir mehr ereicht hätten, wenn; die Juden mehr Geld gegeben hätten, daß also nicht die politischen Bedingungen an der mangelnden Entwicklung des Nationalheims Schuld haben, und eine leise Beschwerde gegen die britische Zivilverwaltung in Palästina und ihr auf der FeiPse ein Hymnus auf den berüchtigten Sir Herbert Samuel. Nach dieser Retrospektive setzt-der zweite Teil der Weizmanrischeh Rede ein, das Kapitel Weißbuch 1930, Verhandlungen und Mac Dona Jener^ Teil, der den; ganzen Widerspruch, die unerhörte Labilität; der Weizmannschen., Taktik und Auffassung; emhrecjjäe^d, ofignb#rtr;, |)§ uW.dzmann,. f auf das Passfi,e4dsche ,W.e^ jßb- ^.cjht 19^ #u ^reqh^kgmmt, dessen Erscheinen, a,n,und für. sich den ,yöl|igen, Zusammen- : brück seines, Systems bedeutet*,.läßi..er, jede. Psychologie, von der der erste.^eil seiner Ausführungen nur so trieft, außer, acht. In dip, ^historische Retrospektive,. wie. sie, in seiner, Dar^tejlungj abrollt, platzt plötzlich dieser Fremdkörper eines Passfieldschen-Weißbudies hinein, ohne daß sich, Weizmann frugt, woher und wieso, so .daß seine Zurückweisung dieses Dokuments, wie unmotiviertes. Niederprasseln politischer Aphorismen wirkt, Weizmann schnellt a]ber rasch zurück in die ihm: behaglicher erscheinende Position, in die Schilderung, ^er Motive,v die ihn .zur Aufnahme der Verhandlungen mit der englischen Regierung: veranlaßt haben, und. der Ergebnisse dieser,. Verband-.' lungen, des MacDonald-Bxiefes,. Die Motivierung der Verhandlungen i Wie nicht anders zu erwarten, versucht Weizmann die Notwendigkeit der Verhandlungen darzulegen, indem er darauf hinweist, daß eine' Abstimmung über die Palästina-Frage (Weißbuch 1930)' im englischen Parlament bei jedem Ausgang für uns verderblich gewesen wäre. Die Richtigkeit vorausgesetzt, soll das ein zureichender Grund dafür gewesen sein, das Weißbuch, durch die Verhandlungen gleichsam zu sanktionieren und jenen MacDonald-Brief zu akzeptieren, der noch gefährlichere Stellen als das Weißbuch selbst -— das Vetorecht der Araber — enthält? Aber freilich, für Weizmann ist der MacDonald- Brief die Wiederherstellung des Zustandes vor dem Weißbuch, eine,.genügende Basis für eine weitere Kooperation mit(1er britischen Regierung. Er läßt sich nicht auf die Betrachtung ein, daß das Weißbuch in Wirklichkeit in Palästina voll Und ganz durchgeführt wird, ja, daß erst die Ablenkung der öffentlichen Meinung durch diesen MaeDonald die Durchführung eben desselben Weißbuches ermöglicht. Niemand hat etwas gegen das Prinzip von Verhandlungen gehabt. Wo waren die Vorbedingungen für, ausreichende Resultate, wie sie das Prinzip, eben von , Verhandlungen sind? Der krachengegangene 2. Teil der Verhandlungen , hat . ja das- Felden/solcher Vorbedingungen aufgedeckt. ., . Dieser. Abschnitt der, Rede, der eigentlich .politische, ist das Um und Auf seiner Ausführungen, und was als dritter Teil folgt, die Wirt.sqbaf tspolitik, die arabisch-jüdischen Beziehungen, die Jewish Agency, ist. in der Weizmannscban Fassung jedem zionistischen L^ser so geläufig un<jl so belanglos, daß es sich erübrigt, auf sie näher einzugehen. .. Das künftige Programm Zum Schluß gibt Weizmann das künftige Programm. E* sagt: EIS8CHRANKE Marke „Frloofor", elwparend, eigene Erzeagang, erletchtenutg »UPHOftA* I. Oomlnlkanerbiatef Nr. M, Telephon R«M4-t< In gedrängter Zusammenfassung würde das Ptsch gramm der Agency und der Zionistischen Organisation umfassen: 1. die Aufrechterhaltung unserer Im Mandat enthaltenen Rechte; 2. die Konsolidierung and Ausdehnung unseres bestehenden Werkes in Palästina, einschließlich Kolonisation der sogenannten Mittelklassen; 3. die Stärkung der nationalen Fonds, des Kören Hajessod und Keren Kajemeth, wenn möglich ergänzt durch die Aufnahme einer jüdischen Anleihe (oder durch eine sonstige Finanzoperation größeren Stils) , für die. Zwecke der nationalen Kolonisation wie für die Entwicklung und Förderung von Privatuuternefcmen; schließlich: die Ausgestaltung der Organisation der Agency selbst auf einer breiteren und gesicherten Grundlage. , Brodetzkys melancholischer Bericht Nach der Rede Weizmann erstattete am gleichen Tage nachmittags Prof. S. Brodetzky das Korreferat über die politische Arbeit. Bemerkenswert an seiner Rede ist zunächst, was er über die Nichtlösung der Frage der Sicherheit in Palästina zu sagen hatte. Er meinte, daß im September 1929 eine Delegation des Aktionskomitees zum Kolonialamte entsendet wurde, um die Notwendigkeit der Sicherheit in Palästina zu unterstreichen.. Nach Schilderung der Fortsetzung dieser Bemühungen stellte er das Ergebnis fest: „Wir sind jedoch der Ansicht, daß die Frage der Sicherheit in Palästina noch nicht gelöst ist, und es wird eine wichtige Aufgabe der politischen Kommission und der zukünftigen Exekutive sein, die Sicherheitsfrage zu behandeln." Aeußerst melancholisch sind seine Schilderungen über den sogenannten 2. Teil der Verhandlungen, über die Frage der Verfassung in Palästina und des Landentwicklungsplan es. Resigniert bemerkte Brodetzky: „Diese Idee einer wen teren Zusammenarbeit mit der Kabinettskommission kam aber nicht zustande, und die, Regierung hat im Februar beschlössen, eine spezielle Kommission von Vqrtretera verschiedener Departements zu ernennen, um mit ans über die Frage des Entwicklungsplanes zn verhandeln,^ Weiter schilderte Brodetzky den Gang d«£ Vet&and-! . lungen bis zu ihrem tristen Ende. Keren Kajemeth und Keren Hajessod-. Die 3. und 4. Sitzung war den Fonds gewKJmefc ■■. ••Als''Erster referierte M. M.'Us'sisehkin übe* den j K;er.en Kaij;e!m e t'h. Er:schlug einige Re^ölutic^n'vca; j und kam imi.Verlauf seiner Rede auch auf politische £kh j bleme zu sprechen* Er sagte xl .su „Wenn Brodetzky vorher von den Hoflnungeq gesprochen hat, die wir ah den MacDonald-Brief knüpfen, so muß ich Sie an die neue Pächterverorik nung erinnern, die vor einigen Tagen erschienen fsf* Und erinnern Sie sich, was der MacDcmaJ^Brief i über die j ü d i s c he A r b e i t in den j xL d i s-e h e n B»e«i t r iehen sagt Das Recht auf judische Arbeit wird a*H erkannt, aber nicht ohne die Einschränkung', daß <Se * Frage, wenn sich in der Zukunft Schwierigkeiten zeigen sollten, noch einmal behandelt werden muß; Die Not ist nicht kleiner geworden, die Möglichkeiten, die es noch gibt, bestehen vielleicht nur noch heute. Beeilen wi* ans, damit wir in zwei Jahren nicht wieder Vorvfirfev o in Präsidenten der Organisation hören müssen, daß wir nichts getan haben. Das Sprichwort, daß die Lüge kurze Beine Kai, Ist nicht mehr wahr. Die Lüge wandert auf Flügeln. Sie wächst im Gehen. Sie verbreitet sich nicht nur draußen, sie verbreitet sich heute auch schon in unseren Reihen.. -. Ich weiß nicht, wie die Verhandlungen stehen Und* welche Bedingungen die Exekutive gestellt hat, aber ich weiß, was not tut und was dieser Kongreß der neuen Leitung auftragen muß. Kommt die Anleihe und mit ihr Bodenkaufe für Kolonisation der Araber, dann sollen alle Kräfte ' der Zionistischen Organisation darauf gerichtet werden, daß uns nicht die Möglichkeit genommen wird, uns in Gegenden, wo wir schon Fuß gefaßt haben, auszubreiten, und daß man nicht Menschen ansiedelt, die vielleicht einmal alles zerstören. Ich warne Sie vor einer Gefahr!" Nach dem Referat Dr. Arthur Hanikes über den Keren Hajessod folgte das Referat über die Lage der Zionistischen Organisation und ihre Probleme von ..Herrn Felix Rosenblüth, der es sich natürlicherweise nicht nehmen lieff, die Revisionisten anzurempeln, ihnen Disziplinbruch, Sabotage des Keren Hajessod und ähnliches Zeug vorzuwerfen. Es entstand ein Zwischenruf- Rencontre mit den'Revisionisten, das durch d4e Bemühungen des Vorsitzenden Leo Motzkin rasch beigelegt wurde. ■ Kommissionen In der 5t Kongreßsitzung, Donnerstag, den 2. Juli, vormittags, wurden folgende Kommissionen vorgeschlagen und angenommen: 1. Kommission für Politik; 2. für Organisation und Propaganda einschließlich Organisationsbudget und Verhältnis zw Jewish Agency.; 3. für Palästina-Budget

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.