Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 198 (3.7.1931)
- Date
- 1931-07-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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ife. m 0ffi IfBW WH*f yadl n-fTi-fnrriffliy,-iyiT7 Seite r Milzi Stridcer geb. Spitz Dr* Hans Stricker Vermählte LINZ W*N Paul Neumaoa Jenny Neumann geb. Frisch Vermählte Wten, im Juni 1991 Kalenderceform und Sabbat Zu dem in der „Neuen Welt" erschienenen Artikel »Kampf gegen den Sabbat" Von Dr. David Feuehtwang (Wien) Es ist dringend nötig, Herrn Mosee B. Cot*, worth (Nichtjude) auf seine heftigen Ausfälle gegen den Sabbat eine von Fanatismus völlig freie, ruhige, sachliche Antwort zu geben. Ich zweifle nicht daran, daß die am 8. Juni d. J. in Genf versammelten Herren: Grand-Rabbin Israel Levy, Chief Rabbi Dt. Hertz, Dr. Horowitz und Dr. P. Kohn es in geziemender Form und Weise bereits getan haben. Die Kalenderreformbewegung geht von Amerika aus und hat ihren eifrigsten und tüchtigsten Propagator in Herrn Cotsworth ge- [ funden. Es sei zugegeben, daß eine Reform des Kalenders aus materiellen, volkswirtschaftlichen, merkantilen Gründen vielen empfehlenswert oder nötig erscheint. Die „Internationale Liga für die Einführung eines festen Kalenders" arbeitet seit Jahren mit allen Mitteln an der Durchführung ihres Planes und der Völkerbund beschäftigt sich ernstlich damit im Vereine mit den nationalen Studienkomitees der einzelnen Staaten. Schon im Jahre 1926 lagen dem Völkerbund ' 150 Projekte vor, unter denen nur 8 däe 365 mit den Wochentagsnamen benannten Tage beibehalten wollen. Zwölf Vorschläge wollen statt des Blankotages alle 5, 6 oder 7 J[ahre eine ganae Woche einschalten. Hundert Proj§kt^, stellen einen Jährlichen Blankotag in Rechnung. Inzwischen hat die Bewegung zeitweise geruht, wurde und wird aber immer aufs neue belebt und findet in vielen und angesehenen Kreisen großen Anhang. Durch die wn Cotsworth und George Eeastman propagierte Reform mit Blankotag ist niemand so schwer getroffen wie die Juden und deren seit Jahrtausenden bestehender und geheiligter Sabbat. Es muß der Wahrheit gemäß gesagt werden, daß das jüdische Volk der ganzen Wert sich gegen den wandernden Sabbat wehrt. Nicht nur das traditionstreue, orthodoxe Judentum, sondere aueh das vollkommen liberale und dessen öffentliche Vertreter. Die durchlaufende siebentägige Woche ist als eine Kulturerrungenschaft höchsten Ranges anerkannt und kein Geringerer als Laplace hat sie eines der ältesten und würdigsten Monumente der menschlichen Intelligenz genannt. Kein Kulturmensch wird bezweifeln, daß die Idee der Ruhe am Sabbat, Wurzel und Quelle des sozialen Ruhetages und der Weihe des siebenten Tages, auch des Sonntags, für die ganze zivilisierte Menschheit in gleichem Range steht. Herr Cotsworth und sein Anhang gehen, unbeschwert von historischen, kulturellen und idealen Motiven, an die Reform des Kalenders. Es kümmert sie nicht, daß viele Millionen Menschen sich dagegen sträuben, wenn eines ihrer kostbarsten Güter verunglimpft wird. Wir brauchen uns von Cotsworth nicht erst sagen zu lassen, „daß der Sabbat um des Menschen und nicht der Mensch um des Sabbats willen" da sei. Er weiß nicht, daß dieses Wort ein uralter rabbinischer Satz ist und den Sinn hat,- daß die Erhaltung des Menschenlebens Uber dem Sabbat steht; daß aber der Sabbat in seiner großen Idee nicht; der Willkür preisgegeben werden - dar£ Zu dieser Einsicht führt nicht rabbinisch beschränkter, Fanatismus, sondern Gerechtigkeit und Verständnis für Kultur und Geschichte, für die tiefsten Grundlagen*von. Tugend, und Religiosität. ' . . Hier sind die geringen praktischen Vorteile der geplanten Reform mit Blankotag durchaus im Hintergrunde. Und ' es ist auch nicht richtig und entspricht nicht den Tatsachen, daß weite Kreise des amerikanischen Judentums für diese Reform eintreten. Das wird Rabbiner Moses Hyämson bestätigen, der das amerikanische Judentum in Genf vertreten hat Aueh die i.ndische Regierung verhält sich aws kulturellen und religiöse? Gründen. ablehnend; ganz im Gegenteil zu der Annahme des Herrn Cotsworth. Die Bekenner des Islam verhalten sich zunächst passiv; ihr Freitag ist weniger Ruher als Bettag. Deutschlands Antwort ist nicht zustimmend und sagt, daß von der geplanten Reform mit Blankotag kein besonderer Vorteil erwartet werden, könne; im Gegenteil, die herbeizuführende Fixierung <ter Tage und Monatedaten werde z„ r.--«<-,»;nKpn * und Ökonomischen Schwierigkeiten Mitteilung an das Publikum! s x ¥§p^mm Die AKTIENGESELLSCHAFT VEREINIGTER WIENER TISCHLERMEISTER, WIEN, VL CAPISTRANGASSE 10 (bei MariahÜferstrafie 31) wurde im Jahre 1919, damals als reg. Genossenschaft m. b. H., gegründet und ist eine Wirtschaftsorganisation von Wiener Tischlermeistern. Das Unternehmen hat sich in den elf Jahren seines Bestandes immer besser entwickelt, es ist heute das größte Möbelunternehmen Oesterreichs. Dieser rasche Aufstieg war durch die korrekte und gewissenhafte Bedienung jedes einzelnen Kunden möglich, der gute Ruf pflanzte sich fort und brachte uns Erfolg auf Erfolg. Diese Erfolge führten aber auch dazu, daß von einigen Möbelhändlern und mit ihnen von einer Vereinigung von Möbelhändlern alles darangesetzt wird, den Aufstieg dieser Wirtschaftsorganisation zu hemmen. Unter anderem führen sie seit Jahren gegen uns einen Prozeß, im Verlaufe dessen es ihnen gelungen ist, gegen uns eine einstweilige Verfügung 2tt erwirken, durch die .uns der Gebrauch unserer bekannten Schutzmarke vorläufig, verboten worden war. Dieses Verbot ist inzwischen abgelaufen. Unsere Marke ist wieder frei und darf von uns •weiterhin verwendet werden. Nachdem ans aber daran liegt, dem kaufenden Publikum einzuprägen, daß wir nur „Wiener Möbel44 führen, Möbel heimischer Produktion, die Wiener Geschmack und gediegene Arbeit in gleichhohem Maße aufweisen, haben wir uns für unsere Propaganda nebst der alten eine neue Schatzmarke zurechtgelegt, die nebenstehend abgebildet ist. Die Wiener Kunstmöbelerzeugung ist seit altersher gut berufen, „Wiener MÖhel44 waren and bleiben Spezialität, ausgezeichnet durch feinen Kunstsinn, vornehmen Geschmack and gewissenhafte Arbeit. Das Vertrauen des kaufenden Publikums, dessen wir uns bis jetzt erfreuen durften, soll uns ein Ansporn sein, auch in Hinkunft jeden unserer Kunden fachmännisch gut zu beraten, gewissenhaft und reell zu bedienen. A.-G. Vereinigter Wiener Tischlermeister Wien VI, Caplstrangasse 10 (bei Mariahllferatraße 31) führen und zu der Unmöglichkeit, historische Daten der Vergangenheit festzustellen, Gewiß stehen der ideellen Einstellung und der religiösen Ueberzeugung und Treue praktische Interessen scharf gegenüber. Wo wäre das Judentum, wenn es den praktischen Standpunkt im Verlaufe seiner Geschichte zur Richtschnur seines Verhaltens gemacht hätte? Es existierte überhaupt nicht mehr. Vielen zur Freude und Genugtuung.. Wie, w i r glauben, zum Schaden der Weltkultur, die dem Judentum so * vieles verdankt und wohl, noch vieles von ihm zu erwarten hat. Wir sind nicht blind und wissen, daß Weltwirtschaft und deren Ordnung unbedingte Forderungen der Gegenwart sind. Hat die Weltwirtschaft augenblicklich wirklich keine andere Sorge als die Kalender reform? Und wenn reformiert werden soll, warum auf KÖsten/der Millionen, die sich moralisch und religiös .geschädigt fühlen, wenn es auch anders möglich ist? -f.c .. ,. ._:....... Es steht mir nicht 'zu\vdie verschiedenen Reform Vorschläge zu kritisieren; jwojil aber ist es Pflicht, zu sagen, daß man nicht frevelhaft und leichtsinnig ein Kulturgut, wie den Sabbat, zerstören dürfe, zumal andere Reformvorschläge (Blöchmänn), ohne dieses Sakrileg zu begehen, vorliege,!! und durchführbar sind. Der Mechanismus und Materialismus sind Welterscheinungen, mit welchen man rechnen muß; doch nicht so, daß durch sie alles Bestehende über den Haufen geworfen wird. Herr Cotsworth kennt? die jüdische Geschichte und deren Seele offenbar nicht. Er hätte sich sonst vorsichtiger gegenüber dem Vertreter der J. T. A. ausgedrückt. Ueberblicken wir die Situation nüchtern. Die Kalenderreformbewegung besteht und wird bestehen. Die Diskussion ist iiri Flusse. Kein Projekt ist endgültig angenommen;;keines erhielt bisnun die Zustimmung aller befragten Stellen, noch auch die Majorität; sei es der staatlichen Studienkommissionen, sei es der Wirtschaftskreise aller Kategorien, sei es der religiösen oder kulturellen Zentren. Es herrschen ernste Bedenken. Eine Weltnotwendigkeit ist die Reform nicht. Es gibt weitaus brennendere Fragen. Der permanente Sekretär der französischen Akademie der Wissenschaften, Emile Picard, sagt mit Recht: „Es ist unzulässig und unnötig, eine Kontinuität zu unterbrechen, die für so viele Jahrhunderte besteht." Er hätte sagen können: Jahrtausende. Die Völkerbundkommissiou für Kalenderreform wird eine andere als eine friedliche, gerechte und vernünftige Lösung nicht zulassen. Sie hat die Aufgabe, Freiheit, Gerechtigkeit und Friedeft zu fördern. Das jüdische Volk muß respektiert werden. Es befinden sich in seiner Gesellschaft in diesem Falle große Körperschaften, große Persönlichkeiten (z. B. J. G. Balduin) und große Völkergruppen. Auch der Vatikan hat sich in keiner Weise präzis geäußert und sich nicht gebunden. Es sind nicht reaktionär-klerikale. Widerstände, , die sich, zeigeq, sondern historisch-kulturelle. Als Volk und als religiöse. Gemeinschaft duldet die judenschaft dej, Welt diesen Gewallteingriff nicht. Er ist überflüssig und mutwillig. Es gibt eine Kalenderreform auch ohne ihn. Die kalt statistische, rechnerische, mechanische Reform ist ohne Idee, ohne Geist und ohne Herz. In zahreichen Schriften und zahllosen Vorträgen ist das Problem der Kalenderreform gründlich erörtert worden. Konferenzen wurden abgehalten. Bisnun ist ein positives Resultat nicht zu verzeichnen. Auch in Wien hat Markus Silberschatz in einem Flugblatt ernste, beachtenswerte Worte gesprochen und in den jüdischen Blättern seine Meinung geäußert; er hat sogar einen positiven Vorschlag gemacht, der nach seiner Ansicht geeignet wäre, eine friedliche Atmosphäre zu schaffen. Auch er hält den Gregorianischen Kalender für einen Anachronismus, den geplanten Reformkalender mit Blankotag für gewagten Futurismus. Er ist für provisorische Einführung der Schaltwoche. Wir Juden sind nicht prinzipielle Gegner einer Kalenderreform. Der Sabbat aber muß ein noli me tangere bleiben. Weltkonferenz der Hebraisten Am Sonntag, den 21. Juni, Klub Beth«Am zu Berlin eine Konferenz der Hebraisten eröffnet, an, der hervorragende Gelehrte, Schriftsteller und Pädagogen aus Deutschland, Polen, Palästina, England, Amerika, Litauen, Lettland, Estland und aus anderen Ländern teilnahmen. Die Konferenz hat den Zweck, einen Weltkongreß der Hebra* i s t e n vorzubereiten. Der von Delegierten und Gästen voll besetzte Beth-Am*Saal ist mit hebräischen Emble» men und Sprüchen geschmückt. Die Konferenz wurde mit einer Ansprache von Dr. S. Rawidowitsch er« öffnet, der im Namen des vorbereitenden Komitees die Delegierten begrüßte, das Ziel der Konferenz ausein« andersetzte und das Wort dem Nestor der hebräischen Literatur, Dr. Simon Bernfeld, erteilte. Dr. BernfeW richtete einen ergreifenden Appell an alle Hebraisten und an die jüdische Jugend, sich im Zeichen des Hebraismus zu organisieren. Zum Ehrenvorsitzenden wurde Dr. Simon BernfeW, zu Vorsitzenden der Dichter Jakob Cahan (Warschau), Dr. Ch. N. Schapiro (Kowno), Dr. Max Solo» weitschik (Berlin), Dr. Simon Rawidowitsch (Berlin) und Dr. Pines (Berlin), zu Sekretären Redak* teur Heftmanh (Warschau) und Dr. A. Rosen« feld (Berlin) gewählt. Dr. S. Rawidowitsch hielt ein grundlegendes Re* ferat über die Position des Hebräischen *-n der Segenwart Seme Vorschläge gingen wngeföhr Die grundlegenden Referate wurde im hebräischen j auf das folgende hinaus: Es soll ein Weltverband der Hebraisten gegründet werden, der den Namen „Bund der Hebräer" führen und dessen Zentralsitz Berhn sein soll. In der Erkenntnis, daß ein nationales Juden* tum in der Diaspora nur bestehen kann auf der Grund» läge der hebräischen Kultur, daß die hebräische Sprache die Sprache des jüdischen Gedankens und der jüdischen Schöpfung ist, müsse darauf hingearbeitet werden, daß die Bewegung für hebräische Kultur, Erziehung, Lite* ratur, Wissenschaft und Kunst alle Länder der Diaspora umfassen soll. Die jüdischen Gemeinden und Verbände sollen der Bewegung nutzbar gemacht werden. Das Hebräischsprechen soll gefördert, periodische hebräische Schriften sollen gegründet, den hebräischen Schrift» stetlern soll die Herausgabe Ihrer Werke erleichtert wer* den. Es soll ein Fonds für hebräische Kultur in den Diaspora#Ländern '. gegründet werden. De-*r Hebraisten*Weltkongreß so-M e4«.e Dauerinstt« tution sein. Redakteur M. Kleinmann referierte aber den Weltkongreß der Hebraisten, Dr. Jakob Cahan über die hebräische Literatur in der D i a s p o r a, , Dr. Alexander Rosenfeld über die hebräische Jugendeweg u g in der Diaspora; Dr. M. Soloweitschik über die Organisation des HebraUtenko-ngress-e«. De LHeft>ma-nn über die h^b-rS>s»«b>4i B»*.»»»*,